Ford Kuga 2.0 TDCi

Fahrbericht.
Ford Kuga 2.0 TDCi Titanium
Ein Ford für alle Fälle
Von Petra Grünendahl

Seit dem 7. Juni steht er beim Händler: der Ford Kuga. Phonetisch erinnert der Kuga an den Cougar, aber mit dem sportlichen Modell hat das SUV nichts zu tun. Der Kuga basiert auf der Studie iosis X Concept, die 2006 in Paris vorgestellt worden war. Er teilt sich die Plattform mit dem Focus und dem Focus C-Max, mit denen er in Saarlouis vom Band läuft.

Die Front ist deutlich expressiver gestylt (Ford Kinetic Design) als beim Wettbewerber aus Wolfsburg. Mit seinen 4,44 m Karosserielänge geht er so gerade noch als kompaktes Automobil durch. Das Top-Modell Titanium zeigte auf einer Ausfahrt, wo es – zumindest auf Asphalt – lang geht.

Fünf Türen bieten guten Zugang zum Innenraum für Passagiere und Gepäck. Die Heckklappe ist zweigeteilt: will man nur kleinere Teile laden lässt sich – über eine kleine Taste oder per Fernbedienung –  auch nur der obere Teil öffnen. Die breiten A-Säulen und die megadicken Außenspiegel lassen die Front sehr massiv wirken, schränken aber die Sicht merklich ein. Auch nach hinten kann man den Wagen nicht wirklich gut einschätzen, da ist der optionale Park-Pilot (am besten der für vorne und hinten, es gibt aber auch einen nur für hinten) eine gute Empfehlung.

Die hohe Sitzposition vermittelt ein Gefühl von Sicherheit. Das Platzangebot ist großzügig, die Sitze angenehm straff, vorne bieten Sportsitze sehr guten Seitenhalt. Wie alle aktuellen Ford-Modelle hat sich auch der Kuga in Tests vom TÜV Rheinland das Prädikat „Allergie gestesteter Innenraum“ verdient. Der Laderaum fasst 360 Liter hinter den Rücksitzen unter der Laderaumabdeckung. Die Rückbank ist asymmetrisch geteilt, umgeklappt entsteht ein ebener Laderaumboden. Bei vollständig umgeklappter Bank gehen dachhoch bis  zu 1.355 Liter Gepäck hinein. Unter dem Laderaumboden gibt es zusätzlich ein 50 Liter großes Staufach. Materialqualität und Verarbeitung sind innen wie außen sehr in Ordnung. Das Cockpit ist funktional und übersichtlich gestaltet, Schalter und Anzeigen (vielleicht mit Ausnahme des tief sitzenden Navi-Displays) gut einseh- und bedienbar.

Den Kuga gibt es in zwei Ausstattungslinien: Trend und Titanium. In der Ausstattungslinie Trend, der „sportlich-komfortablen“, verfügt er serienmäßig über eine funkfernbediente Zentralverriegelung mit einer schlüsselfreien Startfunktion des Motors (Ford Power), elektrisch einstellbare und beheizbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber rundum, Bordcomputer, Klimaanlage, Lederlenkrad, Sportsitze vorn, eine getönte Wärmeschutzverglasung und 17-Zoll-Stahlräder. Die Titanium-Ausstattung, die „sportlich-luxuriöse“, kommt darüber hinaus mit automatisch abblendendem Innenspiegel, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Lederschaltknauf, Regensensor, Fahrlicht-Automatik, Geschwindigkeitsregelung und 17-Zoll-Leichtmetallrädern. Aufpreis kosten die Dachreling, das Raucherpaket mit Aschenbecher und Zigarettenanzünder in der Mittelkonsole, ein Park-Pilot-System, eine Anhänger-Vorrichtung mit ESP-Stabilisierung, die beheizbare Frontscheibe sowie die beheizbaren Vordersitze.

 

Der Wagen geht zunächst nur mit einem Selbstzünder-Motor an den Start: der 136 PS starke 2-Liter-TDCi ist aus anderen Modellreihen bekannt und hat sich dort bereits bestens bewährt (Focus CC, Galaxy II, S-Max). Ein 2,5-Liter-Fünfzylinder-Ottomotor mit 200 PS soll bis zum Jahresende folgen.

Den Selbstzünder kann das Triebwerk nicht verleugnen, auch wenn er insgesamt sehr ruhig und vibrationsarm arbeitet. Das Aggregat wurde in punkto Leistungsentwicklung und Drehmoment auf die besonderen Anforderungen des Kuga abgestimmt, immerhin wiegt dieser schon leer gute 1,6 t (der Fronttriebler 40 kg weniger), die bewegt werden wollen. Temperamentsausbrüche darf man von daher natürlich nicht erwarten. Aber Antritt und Durchzugsvermögen gehen auch in dieser Gewichtsklasse in Ordnung, das frühe Drehmomentmaximum von 320 Nm bei 2.000 Touren sowie das flache Absenken der Drehmomentkurve nach einem steilen Anstieg versprechen eine solide Leistungsentfaltung. Um zum Beispiel Überholmanöver zu beschleunigen, steigt dieser Spitzenwert – zeitlich begrenzt – per Overboost-Funktion sogar auf 340 Nm.

Das manuelle Sechsgang-Schaltgetriebe schaltet sich sauber und präzise. Die in unteren Gängen nicht wirklich kurz, in oberen Gänge sogar eher lang ausgelegte Getriebeübersetzung trägt mehr zu ordentlichem Kraftstoffverbrauch denn zu ausgewiesener Sportlichkeit bei. Die Beschleunigung aus dem Stand auf Tempo 100 ist mit 10,7 Sekunden sehr ordentlich (0,1 Sekunde langsamer als der Fronttriebler). Die Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h (2 km/h weniger als der Fronttriebler) ist langstreckentauglich. Den Verbrauch gibt Ford an mit 8,1 Liter Dieselkraftstoff je 100 km innerorts, 5,4 Litern außerorts und 6,4 Litern im gemischten Verbrauch nach EU-Norm (jeweils 0,1 Liter mehr als bei der frontgetriebenen Variante, ermittelt unter Idealbedingungen auf dem Rollenprüfstand). Der Motor erfüllt die Abgasnorm EU4, mit einem CO2-Ausstoß von 169 g pro km setzt er einen neuen Bestwert in der Klasse der kompakten Allrad-Crossover-Modelle, die frontgetriebene Variante produziert 165 g/km.

Der intelligente Allradantrieb mit Haldex-Kupplung garantiert optimale Traktion auf allen Untergründen: die Drehmomentverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse läuft elektronisch gesteuert, variabel und wird kontinuierlich auf die jeweilige Fahrsituation optimiert. Die Verteilung beträgt maximal 50:50 (mindestens 90:10 vorne/hinten). Gut ist der Geradeauslauf, die gut ansprechende, präzise Lenkung arbeitet mit der geschwindigkeitsabhängig agierenden elektro-hydraulischen Lenkunterstützung EHPAS (Electro-Hydraulic Power Assisted Steering).

Die Plattform von Focus und Focus C-Max bot eine gute Basis für die Entwicklung dieses Crossover-Modells. Das Fahrwerk entspricht dem des C-Max, allerdings verfügt der Kuga über 50 mm mehr Radstand und 43 mm mehr Spurweite als die beiden Mittelklasse-Modelle. Seht gut gelungen ist die ausgewogene Feder-Dämpfer-Abstimmung: Kleinere Unebenheiten bügelt der Kuga souverän glatt, in Kurven hält sich die Seitenneigung trotz des hohen Fahrzeugschwerpunkts in akzeptablen Grenzen.

Seine Agilität und Fahrdynamik straft die eher massiven Karosseriemaße Lügen. Man meint eher in einem Focus zu sitzen denn im Kuga. Problemlos ist sein Fahrverhalten, fast so gutmütig wie das des Focus. In schneller angegangenen Kurven verkündet ein leichtes Schieben über die Vorderräder das Nahen des Grenzbereichs an. Leichtfüßig und solide absolviert er plötzliche Spurwechsel und Ausweichmanöver.

Serienmäßig steht der Kuga auf 17-Zöllern, die Titanium-Variante sogar auf 17-Zoll-Leichtmetallrädern mit 235/55er Reifen. Sehr gut und standfest verzögern die groß dimensionierten Scheibenbremsen rundum (vorne innenbelüftet).

Der Sicherheit dienen eine stabile, verwindungssteife Ganzstahlkarosserie mit integrierter steifer Fahrgast-Sicherheitszelle und Energie absorbierenden Knautschzonen an Front und Heck, Seitenaufprallschutz sowie das IPS (Intelligent Protection System) mit fünf höhenverstellbaren Kopfstützen (hinten versenkbar), Drei-Punkt-Gurten auf allen Plätzen, Front- und Seitenairbags vorne, Kopf-Schulter-Airbags vorne und hinten, Sicherheitspedalen und Sicherheits-Lenksäule sowie Isofix-Kindersitzbefestigungen hinten. Im EuroNCAP bewies sich der Kuga mit fünf Sternen für Insassenschutz, vier Sternen für Kindersicherheit und drei Sternen für Fußgängerschutz als das sicherste kompakte SUV. An aktiven Helfern unterstützen den Fahrer ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung EBD, der Sicherheits-Bremsassistent EBA sowie ESP mit aktivem Überrollschutz (Active Roll Over Protection) und Antriebsschlupfregelung ASR. Die optionale Anhänger-Kupplung ist ebenfalls mit einem ESP zur Anhänger-Stabilisierung ausgestattet. Für gute 2,1 t Anhänger ist der Kuga in der Allradversion ausgelegt (Fronttriebler für 2 t). Serienmäßig an Bord ist ein Reifen-Reparatur-Set, gegen Aufpreis gibt es ein Notrad oder eine Reifendruck-Kontrolle, die für die Montage von Reifen mit Notlaufeigenschaften zwingend nötig ist. Ende des Jahres werden solche Reifen als Ausstattungsoption verfügbar sein.

Als Fronttriebler steht der Kuga ab 26.500 Euro in den Preislisten der Händler, mit Allradantrieb ab 28.500 Euro. – Wer auf die Geländegängigkeit des Allradantriebs verzichten kann, der kommt mit der frontgetriebenen Variante also deutlich günstiger weg. Die Titanium-Ausstattung schlägt gegenüber der Basisausstattung Trend mit einem Aufpreis von 2.000 Euro zu Buche. Extra kosten Features wie Metallic-Lackierungen, ein Park-Pilot, das KeyFree-System, eine Alarmanlage, Anhängerkupplung, Panoramadach Solar Reflect mit Wärmeschutz, Bi-Xenon-Scheinwerfer oder abgedunkelte Scheiben hinten.

Zwei Jahre Neuwagengarantie inkl. Mobilitätsgarantie Ford Assistance gibt Ford auf den Kuga sowie zwölf Jahre auf die Karosserie gegen Durchrostung. Optional gibt es den Ford Protect Garantie-Schutzbrief (inkl. Ford Assistance) mit zusätzlichen Garantieleistungen für das dritte bis fünfte Jahr ab Erstzulassung. Zur Wartung muss der Kuga alle 20.000 km oder einmal im Jahr, zur Inspektion nach 40.000 km oder alle zwei Jahre. Auch eine Korrosionsschutzkontrolle ist vorgesehen: zunächst alle 40.000 km oder einmal in zwei Jahren, ab 60 Monaten / 100.000 km alle 20.000 km oder einmal jährlich. Die Versicherungen stufen das Modell in die Typklassen 20 / 20 / 22 (KH / VK / TK) ein; die Frontantriebsvariante ist hier deutlich günstiger: 15 / 18 / 18.

© Juli 2008
Petra Grünendahl
, Fotos: Ford

Teilen ...

Share to Google Buzz
Share to Google Plus
Share to LiveJournal
Dieser Beitrag wurde unter Auto-Redaktion, Automobiltest, Autotest, Autotestbericht, Fahrbericht, Fahrtest, Fahrzeugtest, Testbericht abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.