Ford Mondeo II ST 220

Fahrbericht.
Ford Mondeo ST 220
Mehr Sein als Schein
Von Petra Grünendahl

Viel dezenter gestaltet als der Ford Focus ST offenbart der Mondeo ST seine sportlichen Qualitäten erst auf den zweiten Blick: Chromdekorleisten, der „ST“-Schriftzug im Kühlergrill und am Fahrzeugheck sowie modifizierte Stoßfänger und Seitenschweller und eine Doppelrohr-Auspuffanlage tragen wirklich nicht dick auf. Das ist Understatement pur! Dennoch hat es der Mondeo ST faustdick hinter den Ohren. Der Mondeo ST bildet die sportliche Spitze von Fords Mittelklasse-Baureihe. Vorgestellt wurde er bereits 2002, aber nach wie vor setzt er als das sportliche Highlight Maßstäbe. Auch er wurde über die Jahre verbessert, der Motor optimiert und das Fünfgang-Schaltgetriebe durch ein Sechsgang-Schaltgetriebe ersetzt. Auch kurz vor der Ablösung der aktuellen Mondeo-Baureihe – der Neue kommt 2007 – hat er nichts von seiner Faszination eingebüßt.

Nach einer viertürigen Limousine mit 2-Liter-Ottomotor (145 PS) im Jahr 2001 und einem Mondeo Turnier mit 2-Liter-TDCi (130 PS) in 2005 stand uns nun das Stufenheck in der ST-Version für eine Ausfahrt zur Verfügung.

 

Der Mondeo ST ist in allen Karosserievarianten der Baureihe verfügbar, also als viertüriges Stufenheck-Modell, als fünftürige Fließheckversion oder als Kombi. Vier Türen gewähren Zugang für die Passagiere. Das Aluminiumdekor im Innenraum, verschiedene ST-Logos sowie die Recaro-Sportsitze verraten die sportliche Top-Version. Das Platzangebot ist in beiden Reihen großzügig, der Laderaum von 450 Litern (Limousine) bzw. 540 Liter (Kombi) Fassungsvermögen durch Umlegen der asymmetrisch geteilten Rückbanklehne erweiterbar. Materialqualität und Verarbeitung sind in Ordnung. Anzeigen und Schalter wirken aufgeräumt und sind problemlos zu handhaben.

Der Mondeo ST bringt als Top-Modell der Baureihe natürlich eine umfangreiche Serienausstattung mit: funkfernbediente Zentralverriegelung, elektrisch einstellbare, beheizbare Außenspiegel (gegen Aufpreis auch elektrisch anklappbar), automatisch abblendende Innenspiegel, elektrische Fensterheber vorne und hinten, beheizbare Frontscheibe/Scheibenwaschdüsen, Metallic-Lackierung, Nebelscheinwerfer, Regensensor, Xenon-Scheinwerfer mit Scheinwerfer-Assistent, getönte Wärmeschutzverglasung rundum, Klimaautomatik, Lenkrad, Schaltknauf und Handbremshebel in Leder, Sportsitze mit Sitzheizung vorne, Teilleder-Sitze, ein Check-Control-System, das Ford Sound System 6006 mit Radio, Sechsfach-CD-Wechsler, Lautsprechern und Lenkradfernbedienung und 18-Zoll-Leichtmetallfelgen. Gegen Aufpreis gibt es Extras wie ein Park-Pilot-System hinten, Leder-Alkantara-Polster, Sitzheizung für die Rückbank sowie alternative Audiosysteme, Navigationsgeräte und Mobilfunk-Vorbereitungen.

Der 3-Liter-Sechszylinder-Motor leistet in der ST-Version 226 PS, eine 204-PS-Variante des Motors ist ab der Ausstattungslinie Trend bis zur „zivilen“ Top-Version Titanium zu haben. Der ST-Sechszylinder nimmt sehr gut Gas an und dreht freudig hoch. Er stemmt sein maximales Drehmoment von 285 Nm zwar erst bei 4.900 U/min. auf die Antriebswellen, ist aber auch bei niedrigeren Drehzahlen agil und durchzugsstark. Kräftig wirkt der Motor im Antritt trotz eines Karosseriegewichtes von knappen 1,5 t (inkl. Fahrer). Mehr als ordentlicher Durchzug und eine souveräne Leistungsentfaltung kennzeichnen seinen Vortrieb. Er glänzt mit ruhigem und vibrationsarmem Lauf, erst der kräftigere Tritt aufs Gaspedal entlockt ihm eine sportlichere Akustik. Das sauber und präzise zu schaltende Sechsgang-Schaltgetriebe mit kurzen Schaltwegen bereitet dem Fahrer viel Freude, auch wenn sich der sportlichste Mondeo auch durchaus sehr gut schaltfaul bei wenig Drehzahl bewegen lässt.

Für die Beschleunigung von Null auf 100 km/h braucht der Mondeo ST 7,6 Sekunden, seine Spitzengeschwindigkeit erreicht er bei 250 km/h (in der Kombi-Version bei 241 km/h). Im Verbrauch liegt die sportliche Limousine bei 14,5 Litern Superkraftstoff auf 100 km Stadtverkehr, 8 Litern außerorts und 10,4 Litern im gemischten Verbrauch nach EU-Norm, sofern man den Gasfuß ökonomisch korrekt im Zaum halten kann (alles Herstellerangaben). Der Motor erfüllt die Abgasnorm EU4.

Fahrdynamische Qualitäten beweist der Mondeo schon in den eher braven Großserienversionen – und diese werden durch die Standardantriebe noch lange nicht ausgereizt. Die Qualitäten dieser Basis wurden für den Mondeo ST optimiert, die Karosserie 15 mm tiefer gelegt, was den sportlichen Anspruch unterstreicht. Anstelle der 16-Zoll-Räder des Großserienmodells oder der 17-Zöller beim braveren Sechszylinder (dem mit 204 PS) steht der ST auf 18-Zoll-Rädern mit 225/40er Niederquerschnittsreifen – zu Deutsch: Breitreifen. Die präzise Lenkung spricht noch etwas direkter an als beim Basismodell. Fahrkomfort verspricht der gute Geradeauslauf.

Der Mondeo ST verfügt über ein sportlich straff abgestimmtes Fahrwerk, ohne jedoch unkomfortabel zu sein. Sein Frontantrieb macht ihn zu einem relativ problemlosen Begleiter, tückische Lastwechselreaktionen sind ihm fremd. Das Annähern an den Grenzbereich kündigt er in zu schnell gefahrenen Kurven durch ein gutmütiges Untersteuern an, die Haftungsgrenze erreicht er allerdings erst sehr spät. Überhaupt wirkt er bei flotter Kurvenhatz sehr leichtfüßig und agil, seine 1,5 t Leergewicht auf 4,76 m Karosserielänge merkt man dabei gar nicht. Zackig, präzise und spurtreu folgt er der vorgegebenen Fahrtrichtung, das serienmäßige ESP greift erst spät ein. Die Hochleistungsbremsanlage mit groß dimensionierten Scheibenbremsen rundum (vorne innenbelüftet) verzögert gut dosierbar und im Notfall schnell und wirkungsvoll.

Die Insassen schützen eine Sicherheitsfahrgastzelle mit definierten Knautschzonen und Seitenaufprallschutz. Das Intelligente Sicherheits-System IPS (Intelligent Protection System) umfasst Drei-Punkt-Gurte und höhenverstellbare Kopfstützen auf allen Plätzen (die mittlere Kopfstütze hinten ist versenkbar), aktive Kopfstützen vorn, zweistufig zündenden Front- sowie Seitenairbags vorne, Kopf-/Schulterairbags vorne und hinten sowie eine Sicherheitspedalerie. Serienmäßig vorhanden sind Isofix-Kindersitzvorrüstungen auf dem Außenplätzen hinten. Gegen Aufpreis gibt es wie beim Basismodell in die äußeren Plätze der Rückbank integrierte Kindersitze. Eine Alarmanlage mit Wegfahrsperre gibt es ab Werk, optional sogar eine mit Innenraumüberwachung. Die aktuelle Generation des Mondeo erhielt 2002 im EuroNCAP-Crashtest vier Sterne für Insassenschutz. An aktiven Helfern unterstützen den Fahrer alle in dieser Klasse gängigen Fahrassistenzsysteme wie ABS mit Elektronischer Bremskraftverteilung, Bremskraftverstärker und Sicherheits-Bremsassistent sowie ESP mit Antriebsschlupf-Regelung.

 

Ab 20.900 Euro ist der „brave“ Ford Mondeo Ambiente mit 110-PS-Motor zu haben. Für den Mondeo ST 220 legt man beim Händler mindestens 35.050 Euro auf den Tisch des Hauses. Optionen wie ein Park-Pilot-System hinten, ein Glas-Schiebe-Hubdach, Geschwindigkeitsregelanlage sowie verschiedene Audio-, Navigations- und Kommunikationssysteme stehen gegen Aufpreis zu Verfügung.

Ford gibt zwei Jahre gesetzliche Sachmängelhaftung mit Ford-Partner-Garantie, zwei Jahre Ford Assistance (Mobilitätsgarantie) sowie zwölf Jahre Garantie gegen Durchrostung. Gegen Aufpreis können diese Garantieleistungen verlängert werden (FordProtect Garantie-Schutzbriefe). Zum Ölwechsel muss der offene Mondeo alle 20.000 km oder einmal im Jahr, zur Inspektion alle 60.000 km oder alle zwei Jahre. Die Versicherungen stufen das Modell in die Typklassen 13 / 23 / 23 (KH / VK / TK) ein.

© Dezember 2006
Petra Grünendahl
, Fotos: Ford

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