Ford Focus II CNG

Fahrbericht.
Ford Focus Style CNG
Für ca. 53 Euro Duisburg – Berlin und zurück
Von Petra Grünendahl

Anfang 2008 wurde die zweite Generation des Ford Focus einem Facelift unterzogen. Zu dem Zeitpunkt kam ein LPG-Focus (Flüssiggas-Antrieb) neu ins Programm, einen Focus mit Erdgas-Antrieb (CNG) gab es auch vor dem Facelift schon. Im Test hatten wir das Modell bislang zum Marktstart der zweiten Generation 2004, als Flexi Fuel Vehicle FFV und als Focus ST 2006 sowie mit Flüssiggas (LPG Liquified Petroleum Gas) vor einigen Monaten. Damit erübrigt es sich hier, näher auf Innenraum, Ausstattung oder Fahrwerk und Sicherheit einzugehen, sofern es nicht den Antrieb tangiert.

 

Erdgas (CNG) ist leichter als Luft und wird in komprimierter Form bei einem Betriebsdruck von etwa 200 bar gespeichert. Flüssiggas  ist auch bekannt als Autogas. Es entsteht als Nebenprodukt bei der Erdöl- oder Erdgasgewinnung, vor allem aber als Raffinerie-Nebenprodukt. Flüssiggas ist ein Gemisch aus Propan  und Butan, im gasförmigen Zustand schwerer als Luft und wird bereits unter sehr geringen Druck (ca. 8 bar) flüssig.

Ökologisch gesehen macht die Umrüstung auf komprimiertes Erdgas (CNG Compressed Natural Gas) mehr Sinn als die Umrüstung auf Autogas (Flüssiggas), da dieses ein brennbares, ungiftiges Naturprodukt ist (Hauptbestandteil Methan). Aber dank geringerer Umbaukosten bei gleicher Mineralölsteuer-Begünstigung (bis 2018) hat LPG vor allem auf der Kostenseite enorme Vorteile. Auch ist das Tankstellennetz für komprimiertes Erdgas nicht so dicht wie das für Flüssiggas (CNG 815 : LPG 4530, Stand 27. November 2008, Quelle: www.gas-tankstellen.de), aber die Zahl der Zapfsäulen steigt stetig.

Erdgas-Fahrzeuge werden übrigens auch von lokalen Energieversorgern gefördert. Allerdings – je nach Bedingungen – nur Fahrzeuge, die vom Hersteller umgerüstet wurden (keine nachträglich Umrüstung), für Kunden des jeweiligen Energieversorgers und solange der Fördertopf für das jeweilige Jahr reicht (in Duisburg 2008 zum Beispiel für die ersten 30 Fahrzeuge). Die Förderung wird in Form eines Einkaufsgutscheins für Erdgas ausgezahlt, der Energieversorger will ja auch was davon haben!

Längere Fahrten mit einem Erdgas-Fahrzeug plant man wegen des Tankstellennetzes besser im Vorfeld – zum Beispiel im Internet unter http://www.erdgasfahrzeuge.de/tankstellen-finden.html, wo man sich gleich nach den geeigneten Tankstellen umsehen kann. Hier gibt es neben einer Umkreissuche auch einen Routenplaner. Natürlich gibt es Tankstellenpläne oder einen Erdgastankstellen-Atlas auch in gedruckter Form, aber für die Routenplanung macht – wenn verfügbar – die Online-Suche Sinn, wobei aber ein zusätzlicher aktueller Tankstellen-Atlas im Auto auch nicht schadet!

Vor unserer Fahrt von Duisburg nach Berlin haben wir online an der Strecke nach günstig gelegenen Erdgas-Tankstellen gesucht. Nicht zu weit sollten sie von der Autobahn entfernt liegen und möglichst unkompliziert zu erreichen sein. Die beiden ersten angesteuerten Tankstellen in Rheda-Wiedenbrück und Glindow waren zwar einigermaßen einfach zu finden, aber gut doppelt so weit von der Autobahn entfernt wie angegeben. Bei der dritten Tankstelle in Peine war Abfahrt von der Autobahn nicht ganz so einfach (eine ordentliche Karte im Auto wäre mir jetzt lieber gewesen), aber auch sie war leicht zu finden. Ausreichend Zeit fürs Tanken sollte man also einplanen! Erdgastankstellen befinden sich nämlich in aller Regel jenseits der Autobahn. – Und es macht Sinn, Adressen zu haben, die man ins Navi eintippen kann!

Überwiegend außerorts unterwegs, mit eher kurzen Abstechern abseits der Autobahn, ein wenig Stadtverkehr in Duisburg und Berlin: So kamen wir mit einem Durchschnittsverbrauch von ca. 4,7 kg je 100 km Fahrtstrecke hin. Getankt wurde überwiegend H-Gas, nur eine Tankfüllung von 14,5 kg (der Tank war noch nicht leer!) war L-Gas. Das macht für die ca. 580 km der Hinfahrt und 570 km der Rückfahrt einen Verbrauch von etwa 53 kg Erdgas, was sich selbst bei einem Preis von 99,9 Cent für 1 kg H-Gas auf knappe 53 Euro addiert. Das lässt sich weder mit einem Billigflieger (mit viel Glück 29 Euro für eine Strecke – ohne Fahrt zum/ab Flughafen) noch mit Angeboten der Bahn toppen.

Einmal Volltanken für 16 oder 17 Euro, da lacht das Autofahrer-Herz. Die Erdgas-Kombitanks – ein Erdgaszylinder unterm Wagenboden sowie vier Erdgaszylinder in der Reserveradmulde – haben ein Fassungsvermögen von ca. 17 kg. Die Tankfüllung hängt auch ein bisschen davon ab, mit welchem Druck das Gas eingefüllt wird: Je mehr Druck, desto mehr geht in den Tank. Der Laderaum ist nicht kleiner (Focus Drei- oder Fünftürer 396 – 1.258 Liter, Turnier 503 – 1.546 Liter), allerdings ist die für den normalen Focus verfügbare Option von Reserve- oder Notrad hier natürlich nicht möglich. Der CNG-Focus verfügt nur über das serienmäßige Reifen-Reparatur-Set. Die gefüllten CNG-Tanks ergeben ein Mehrgewicht von etwa 100 kg. Der Zugang zum Tank befindet sich direkt über dem Tankstutzen für den Benzintank.

Der Focus CNG ist ein bivalentes Fahrzeug, das heißt: Neben den Vorrichtungen für den Erdgasbetrieb hat er auch einen Benzintank. Ein Fahrzeug, welches nur auf Erdgasbetrieb ausgelegt ist, heißt monovalent. Bivalente Fahrzeuge haben den Vorteil, dass sie immer noch fahren, wenn der Erdgastank leer ist. Ähm ja, zumindest solange noch Benzin im Tank ist … – Man sollte also drauf achten, dass man nicht mit zwei leeren Tanks liegen bleibt! Umgeschaltet wird nach Ende des Erdgas-Vorrats automatisch, man kann aber auch von Hand von Erdgas auf Benzin – oder umgekehrt – schalten.

Der 2-Liter-Benzinmotor leistet im Benzinbetrieb 145 PS und im Erdgasbetrieb 126 PS, da Erdgas eine etwas geringere Energiedichte hat als Benzin. Er hängt gut am Gas, im Benzin- wie im Erdgasbetrieb. Antritt und Durchzugsvermögen sind ordentlich, egal was als Kraftstoff gerade durch die Brennräume fließt. Unterschiede sind eher minimal. Die Leistungsentfaltung ist über das ganze relevante Drehzahlband ordentlich und bei über 1,4 t Leergewicht angemessen souverän. Sein maximales Drehmoment von 185 Nm liegt zwar erst bei 4.500 Touren an, aber auch bei niedrigeren Drehzahlen zieht der Motor ganz ordentlich. Dabei läuft er ruhig und vibrationsarm.

Das manuelle Fünfgang-Schaltgetriebe schaltet sich leichtgängig und präzise. Die Getriebeübersetzung ist recht kurz, was mehr einem temperamentvollen Vortrieb denn besonderer Kraftstoffökonomie dient. Der Wagen steht auf 16-Zoll-Leichtmetallrädern mit Reifen im Serienformat 205/55.

Ford gibt mit H-Gas eine Reichweite von ca. 290 km an. Der konventionelle Tank mit 55 Litern Fassungsvermögen ist auch noch an Bord, mit ihm ist eine Reichweite von 770 km möglich (auf Basis des gemischten Verbrauchs nach EU-Norm von 7,1 Liter Superkraftstoff je 100 km). Das addiert sich im gemischten Verbrauch auf eine Reichweite von 1.060 km – bei sensiblem Umgang mit dem Gaspedal, versteht sich.

Für die Beschleunigung von Null auf 100 km/h braucht er im Benzinbetrieb 9,2 Sekunden, Daten für den Erdgasbetrieb liegen nicht vor. Seine Höchstgeschwindigkeit erreicht er im Benzinbetrieb bei 206 km/h, im Erdgasbetrieb bei 196 km/h. Im Benzinbetrieb verbraucht der Focus 9,8 Liter Superkraftstoff je 100 km innerorts, 5,4 Liter außerorts und 7,1 Liter im gemischten Verbrauch nach EU-Norm. Im Erdgasbetrieb verbraucht er 8,8 kg je 100 km im Stadtverkehr, 4,2 kg außerorts und 5,9 kg im gemischten Verbrauch nach EU-Norm (alles Herstellerangaben, ermittelt unter Idealbedingungen auf dem Rollenprüfstand). Die CNG-Verbrauchswerte wurden mit H-Gas ermittelt. Im Test erzielten wir mit H-Gas deutlich höhere Reichweiten: Gute 330 bis 350 km waren es gegenüber etwa 290 km mit L-Gas. Hierbei handelt es sich weitgehend um Außerorts-Verbrauch, die Zahl ist also nicht gleichzusetzen mit den 290 km Reichweite, die Ford für den kombinierten Verbrauch nach EU-Norm angibt. Das ist eine ganze Menge und spricht für das Tanken von H-Gas, auch wenn es teurer ist. Allerdings haben die Tankstellen nur entweder – oder … Der Motor erfüllt die Abgasnorm EU4, der CO2-Ausstoß beträgt 151 g pro km im Erdgas-Betrieb und 169 g / km im Benzinbetrieb.

 

Ab 16.000 Euro ist ein Focus-Fünftürer zu haben, in der Basisausstattung Ambiente mit 1,4-Liter-Benzinmotor (80 PS). Der 2-Liter-Benziner, der Grundlage ist für unser CNG-Fahrzeug, steht ab 20.500 Euro in der Ausstattung Style (Editionsmodell) in den Preislisten. Diese Ausstattung ist auch Grundlage unseres Erdgas-Focus, der Umbau durch die Ford-Tochter CNG-Technik kostet 3.275 Euro.

In den ersten zwei Jahren greift neben den gesetzlichen zwei Jahren Sachmängelhaftung eine zweijährige Hersteller-Garantie. Zwölf Jahre gewährt Ford auf die Karosserie gegen Durchrostung. Zwei Jahre ab Erstzulassung gibt es die Ford-Assistance-Mobiltitätsgarantie. Für das dritte bis fünfte Jahr kann man gegen Aufpreis einen Garantie-Schutzbrief inkl. Mobilitätsgarantie erwerben. Zum Ölwechsel muss der 2-Liter-Focus alle 20.000 km (oder einmal im Jahr), zur Inspektion alle 40.000 km oder alle zwei Jahre. Die Versicherungen stufen das Modell in die Typklassen 13 / 18 / 17 (KH / VK / TK) ein.

© Dezember 2008
Petra Grünendahl
, Fotos: grü

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