VW Polo 4 (Facelift)

Fahrbericht.
VW Polo 4 (Modelljahr 2006)
Aufgefrischt und jung geblieben
Von Petra Grünendahl

Vor dreißig Jahren, im März 1975, wurde der erste Polo  vorgestellt. Knappe 3,50 m lang und 685 kg schwer mit 40 PS aus 895 ccm Hubraum erfüllte der eng mit dem Audi 50 verwandte zweitürige Kleinwagen für einem Preis von 7.500 Mark in der Basisausstattung automobile Mindestbedürfnisse. Motorenpalette, Karosserie- und Ausstattungsvarianten wurden im Laufe der Jahre erweitert und den Kundenwünschen angepasst.

Seit Herbst 2001 (Modelljahr 2002) ist die vierte Generation des Wolfsburger Kleinwagens auf dem Markt. Nach dreieinhalb Jahren Laufzeit kriegt der Polo im Frühjahr 2005 nun ein neues Gesicht, aber auch unterm Blech hat sich einiges getan. Das neue Volkswagen-Gesicht mit dem V-förmigen Kühlergrill, wie es in ähnlicher Form auch den neuen Passat ziert, löst das kindliche Rundscheinwerfer-Doppelaugen-Gesicht, das so sehr an den kleineren Lupo erinnerte, ab. Am Heck sind die Modifikationen weniger an der Karosserie als vielmehr an den komplett neugestalteten ausdrucksstarken Heckleuchten deutlich zu erkennen.

Knappe 2 cm ist der Polo mit dem Facelift dank seiner markanteren Front auf 3,92 m angewachsen. Das grenzt schon an eine stattliche Erscheinung, denn ein „erwachsen geworden“ konnte man auch dem Modell von 2001 schon bescheinigen. Kurze Testfahrten quer durch die ganze Motorenpalette verschafften uns einen ersten Eindruck.

Der facegeliftete Polo ist in Deutschland als Drei- oder Fünftürer zu haben. Für die Frontpassagiere ist der Einstieg in beiden Karosserievarianten sehr bequem, im Fünftürer ist ein sehr bequemer Einstieg auch den Fondpassagieren vergönnt. Die Einstiegshilfe Easy Entry für den Dreitürer gibt es nur in der Comfortline-Ausstattung serienmäßig (ansonsten gegen Aufpreis). Die Platzverhältnisse erinnern in beiden Sitzreihen nicht gerade an einen Kleinwagen, allenfalls in der Breite wird die Ellenbogenfreiheit auf der Rückbank mit drei Leuten etwas knapp. Die Sitze sind angenehm straff und bieten guten Seitenhalt.

Geblieben ist bei identischen Innenraummaßen ein Laderaum mit 270 Liter Fassungsvermögen (Foto: siehe Polo 4 von 2002), welches sich durch Umlegen der asymmetrisch geteilt umklappbaren Rückbank (Serie bei Comfortline und Sportline) auf bis zu 1.030 Liter erweitern lässt. Gestiegen ist die mögliche maximale Zuladung auf 522 bis 566 kg – ja nach Motorisierung (vor dem Facelift waren es nur 470 kg).

Materialqualität und Verarbeitung waren schon im Vorgänger gut, daran hat sich ebenso wie am grundsätzlichen Design des Innenraumes nichts wirklich geändert: Auch im neuen Polo sieht das Cockpit aus wie ein Polo-Cockpit. Minimale Modifikationen und neugestaltete Lenkräder zeigen hier den neuen Anstrich. Das heißt aber auch weiterhin: Problemlos ist die Handhabung, alle Schalter und Anzeigen sind ergonomisch und blickgünstig gestaltet, da kann man kaum etwas falsch machen.

Der Polo des Modelljahres 2006 (darunter läuft das Facelift) ist in drei Ausstattungslinien zu haben. Die Basisversion heißt Trendline und kommt serienmäßig unter anderem mit Zentralverriegelung, elektrischen Fensterhebern vorne, von innen einstellbaren Außenspiegeln, vertikal und horizontal einstellbarer Lenksäule, Spiegeln in beiden Sonnenblenden, einer umklappbaren Rückbank (Sitzbank und Lehne) sowie Wärmeschutzverglasung rundum. Die gehobene Ausstattung Comfortline verfügt zusätzlich zum Beispiel über elektrisch einstellbare und beheizbare Außenspiegel, Easy Entry, eine Klimaanlage, Lederlenkrad/-Schaltknauf/-Handbremshebelgriff, die „Comin-Home“-Funktion der Scheinwerfer und eine funkfernbediente Zentralverriegelung. Die sportliche Variante Sportline baut ebenfalls auf der Trendline-Ausstattung auf und hat zusätzlich zur Basisausstattung Extras wie eine funkfernbediente Zentralverriegelung, elektrisch einstellbare und beheizbare Außenspiegel, einen höhenverstellbaren Fahrersitz, Klimaanlage, Lederlenkrad/-Schaltknauf/-Handbremshebelgriff, Leichtmetallräder, eine geteilt umlegbare Rückbank mit Mittelarmlehne, Sportsitze sowie ein Sportfahrwerk. Optional verfügbar sind unter anderem Features wie Nebelscheinwerfer, ESP auch für die kleineren Motoren, ein ParkPilot, elektrische Fensterheber vorne und hinten, eine Geschwindigkeitsregelanlage, Klimaautomatik, Regensensor, Lederausstattung, Sportfahrwerk und Leichtmetallräder sowie verschiedene Hifi-Systeme und abgedunkelte Scheiben hinten sowie beheizbare Frontsitze und eine Reifendruck-Kontrollanzeige.

Die Motorenpalette des neuen Polo hat für jeden etwas zu bieten. Fünf Benzinmotoren bzw. Motorvarianten zwischen 55 und 100 PS sowie vier moderne TDI-Aggregate und Aggregatvarianten mit Pumpe-Düse-Einspritzung zwischen 70 und 130 PS stehen zur Wahl. Teilweise sind die Motoren schon aus dem bisherigen Polo-Modell bekannt. Einstieg in die Benzinerpalette ist ein Dreizylinder-Ottomotor mit 1,2 Litern Hubraum, den es in zwei Auslegungen mit 55 PS bei zwei Ventilen je Zylinder bzw. mit 65 PS bei vier Ventilen gibt. Beide Motoren glänzen mit niedrigem Verbrauch (Volkswagen gibt hier Verbräuche von 5,8 bzw. 5,9 Liter je 100 km im gemischten Verbrauch nach EU-Norm an), sind aber dennoch vor allem im Stadtverkehr flott unterwegs und für Dreizylinder-Motoren ausgesprochen leise. Schon der kleine Dreizylinder-Benziner erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 152 km/h.

Darüber rangiert ein 1,4-Liter-Benziner, den es in drei Leistungsstufen bzw. Motorvarianten gibt. Zwei oder vier Ventile pro Zylinder regeln den Kraftstoffdurchlauf im Brennraum des Vierzylinders, einer der Sechzehnventiler kommt sogar mit Benzindirekteinspritzung. Schon der kleinste Vierzylinder ist mit 75 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 168 km/h langsrecken-, um nicht zu sagen reisetauglich. Im gemischten Verbrauch nach EU-Norm verbrauchen die Vierzylinder-Motoren mit manuellem Schaltgetriebe zwischen 5,8 und 6,6 Liter (Herstellerangaben).

Zwei Dieselmotoren, ein 1,4-Liter-TDI mit 70 bzw. 80 PS sowie ein 1,9-Liter-TDI mit 100 bzw. 136 PS, runden das Programm zum Marktstart ab. Neu ist der 1,4-Liter-Dreizylinder-TDI in den Auslegungen mit 70 und 80 PS, der den bisherigen 75-PS-Saugdiesel, der nur die Abgasnorm EU3 erreichte, ablöst. Schon die Dreizylinder-Dieselmotoren verfügen über ausreichend Drehmoment, so dass ist man angemessen flott unterwegs ist bei sparsamem Verbrauch. Auch hier lassen die Höchstgeschwindigkeiten von 164 bzw. 174 km/h nicht auf ein reines Stadtfahrzeug schließen, reisetauglich sind sie beide. Bekannt aus dem abgelösten Polo sind die beiden Vierzylinder-TDIs mit zwei Ventilen je Zylinder, die 100 PS bzw. als vorläufige Topmotorisierung der Baureihe 130 PS leisten. Sattes Drehmoment, welches schon früh zur Verfügung steht, sorgt für fast schon sportlichen Vortrieb. Die Dreizylinder-TDIs verbrauchen im Durchschnitt nach EU-Norm 4,5 bzw. 4,4 Liter Dieselkraftstoff je 100 km, die beiden Vierzylinder-TDIs liegen bei 4,9 bzw. 5,2 Litern (alles Herstellerangaben).

Der Top-TDI mit 130 PS kommt serienmäßig mit einem manuellen Sechsgang-Schaltgetriebe. Für das Modell mit dem 75-PS-Motor ist auch ein Vierstufen-Automatikgetriebe verfügbar. Die manuellen Schaltgetriebe glänzen mit exakter und leichtgängiger Linienführung. Die gesamte Motorenpalette des neuen Polo erfüllt die Abgasnorm EU4. Für die Dieselaggregate sind Partikelfilter in Vorbereitung.

Der Fronttriebler glänzt mit gutem Geradeauslauf und ausgezeichneter Fahrstabilität. Die bewährte adaptive elektrohydraulische Servolenkung wurde überarbeitet, weiter in Richtung Sportlichkeit optimiert und sorgt im Vergleich für spürbar mehr Agilität. Am Fahrwerk (McPherson-Federbeine mit unteren Dreiecksquerlenkern vorne, Verbundlenkerachse hinten) hat sich mit dem Facelift nichts geändert. Die Feder-Dämpfer-Abstimmung ist eher auf komfortabel getrimmt, aber ohne dabei die nötige Fahrstabilität außer acht zu lassen. Lenkung und Fahrwerk vermitteln einen guten Fahrbahnkontakt.

Eine spurstabile Straßenlage vermittelt der Polo auf der flotten Hatz durch kurvige Straßen und bei plötzlichen Spurwechseln, wo neben einem sicheren Fahrgefühl auch richtig Fahrspaß aufkommt. ABS mit Elektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistent fahren in allen Polo-Varianten mit, ESP gibt es nur für die Modelle über 100 PS serienmäßig, darunter als Ausstattungsoption.

Bis auf dem 130-PS-TDI stehen alle Polo auf 14-Zoll-Rädern (je nach Ausstattung Stahl- oder Leichtmetallräder) mit Reifen im Format 165/70 oder – ab 86 PS – 185/60. Der Topmotor verfügt über 15-Zoll-Räder mit 195/55er Reifen. Die kleineren Polo-Modelle verfügen über innenbelüftete Scheibenbremsen vorne und Trommelbremsen hinten. Ab dem 86-PS-FSI verzögern Scheibenbremsen rundum, vorne innenbelüftet. Alle Bremsanlagen werden unterstützt durch ABS, Elektronische Bremskraftverteilung EBV und Komfort-Bremsassistent. Der Bremsassistent ist ein mechanisch arbeitender Dual-Rate-Bremskraftverstärker, der das ABS in Grenzsituationen wirkungsvoll unterstützt: Ab einem gewissen Punkt, wenn das System von einer Notbremsung ausgeht, wird die Bremspedalkraft überproportional verstärkt, um die Bremswege zu optimieren.

Serienmäßige Sicherheit bieten den Insassen der formstabile Sicherheitsfahrgastraum, Versteifungsprofile in Türen und Seitenstrukturen, Verformungszonen vorne und hinten, Kopfstützen und Drei-Punkt-Gurte auf allen fünf Plätzen, Front- und Seitenairbags vorne sowie Isofix-Kindersitzbefestigungen auf der Rückbank. Gegen Aufpreis gibt es Windowbags für vorne und hinten sowie einen integrierten Kindersitz hinter dem Beifahrersitz.  ESP ist ab 100 PS serienmäßig, darunter optional verfügbar. Neu ist auch die optionale Reifendruckkontrolle, die ein Nachrüsten mit pannensicheren Reifen ermöglicht. Serienmäßig verfügt der Polo über ein Reifenreparaturset, das Ersatzrad (Stahlrad mit Fahrbereifung) kann bei 14- und 15-Zoll-Bereifung ohne Mehrpreis zusätzlich geordert werden, bei den Modellen mit optionalen 16-Zoll-Leichtmetallern kostet das Ersatzrad (Leichtmetall mit Fahrbereifung) extra. Als Ausstattungsoption wird nun auch ein ParkPilot-System als Einparkhilfe am Heck angeboten.

Ab 11.250 Euro steht der Polo in den Preislisten der Händler, in der Basisversion Trendline mit 55-PS-Dreizylinder-Motor. Die Dieselmodelle beginnen mit Preisen ab 13.485 Euro. Für die gehobeneren Ausstattungslinien Comfortline und Sportline berechnet Volkswagen 950 bzw. 1.550 Euro Aufpreis gegenüber der Trendline-Ausstattung.

Die Wartungsintervalle werden über die Service-Intervall-Anzeige übermittelt und können ja nach Einsatz und Fahrstil bis zu 30.000 km oder zwei Jahr betragen. Volkswagen gibt über die zweijährige Sachmängelhaftung eine sogenannte Volkswagen-Garantie (über ebenfalls zwei Jahre), die sich auf ausgewählte Mängel laut Garantiebedingungen und nur auf Fahrzeuge mit einem Serviceheft für den deutschen Markt erstreckt. Darüber hinaus gibt Volkswagen drei Jahre Garantie auf den Lack sowie zwölf Jahre auf die Karosserie gegen Durchrostung. Eine Longlife-Mobilitätsgarantie hilft beim Einhalten der Inspektionsintervalle im Pannenfall weiter.

© Juni 2005
Petra Grünendahl
, Fotos: Volkswagen

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