Rover Streetwise R2 1.6

Testbericht.
Rover Streetwise R2 1.6
Hochbeiniger Brite im Off-Road-Design
Von Petra Grünendahl

Markant und robust ist der Streetwise in seiner äußeren Erscheinung. Nicht wirklich assoziiert man ihn mit dem Rover 25, auf dem er basiert. Das etwas höher gelegte Fahrwerk und viel Kunststoff unten herum suggerieren Geländegängigkeit. Die Protektoren an den Kotflügeln und unlackierte, kratzfeste Kunststoffstoßfänger verhindern immerhin kostspielige Folgen kleiner Parkrempler, wie man sie sich in den Straßen der Städte schon mal holt. Für das Gelände wurde der Streetwise nicht gebaut, auch wenn es von der Optik her den Anschein hat: Sein Territorium ist die Straße. Wie er sich hier bewährt, zeigte ein in Starlight-Silber Metallic lackierter Streetwise mit 1,6-Liter-Ottomotor in der  gehobenen Ausstattung R2.

Der Streetwise ist mit den Maßen 3,98 m / 1,74 m / 1,50 m (L / B / H) etwas kürzer (1 cm), dafür aber breiter (rund 5 cm) und höher (rund 8 cm) als sein zivilerer Bruder 25. Den Streetwise gibt es – wie den 25 – als Drei- und als Fünftürer, vorgefahren kam bei uns die fünftürige Variante. Der Zugang ist für beide Sitzreihen gut, auch die Platzverhältnisse in Punkto Kopf- und Kniefreiheit sind nicht zu beanstanden. Die mit einer Leder-Stoff-Kombination in Schwarz bezogenen Sportsitze vorne sind straff, maßgeschneidert für nicht zu breite Hüften, hervorragend konturiert und bieten exzellenten Seitenhalt. Serienmäßig ist der Streetwise ein Viersitzer (mit Einzelsitzen hinten), gegen Aufpreis gibt es die Rückbank für drei Passagiere, die allerdings nur mit Kopfstützen und Drei-Punkt-Gurten auf den Außenplätzen sowie einem Beckengurt auf dem Mittelsitz ausgestattet ist. Auch die Rückbank ist straff gepolstert und langstreckentauglich.

Das Design des auf dem Rover 25 basierenden Streetwise stammt noch aus der Zeit vor den ansteigenden Gürtellinien, was der Übersicht nach hinten sehr zugute kommt. Überhaupt ist dank der hohen Sitzposition die Rundumsicht gut. Serienmäßig gibt es hinten eine Einparkhilfe, die dennoch gute Dienste leistet.

Das Armaturenbrett haben wir im Rover 25 schon mal gesehen. Sportliche Akzente setzen die alufarbenen Umrandungen von Lüftungsdüsen und Fensterhebern vorn (auf dem Mitteltunnel). Von der Anmutung insgesamt wirkt der Innenraum eher robust, um nicht zu sagen etwas rustikal. An der Verarbeitung gibt es nichts auszusetzen, das Material wirkt solide. Das Armaturenbrett ist klar gegliedert und übersichtlich. Die Tasten für die Fensterheber sitzen vielleicht etwas tief auf dem Mitteltunnel, aber ansonsten ist alles in Reichweite. Ablagen finden die Frontpassagiere im Handschuhfach, in den Türen sowie in zwei Getränkedosenhaltern auf dem Mitteltunnel vor dem Schalthebel. An Laderaum stehen hinter den Rücksitzbänken wie beim Rover 25 304 Liter zur Verfügung. Dieser kann durch Umklappen der asymmetrisch geteilt umlegbaren Fondsitzlehne erweitert werden, allerdings liegen keine Daten vor, auf welches Volumen.

Der Streetwise ist in zwei Ausstattungsvarianten zu haben: Der Basisausstattung R1 und der gehobenen Ausstattungslinie R2. Die Grundausstattung umfasst fast all die kleinen Annehmlichkeiten des Autofahrerlebens wie eine funkfernbediente Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber vorne sowie ein CD-Radio mit Lautsprechern. Ebenfalls ab der Basisversion an Bord sind Dachreling und Heckflügel, eine Alarmanlage, eine Einparkhilfe hinten, ein Glas-Schiebe-Hebedach sowie 16-Zoll-Leichtmetallräder. Die gehobene Ausstattung R2 verfügt zusätzlich über elektrische Fensterheber hinten (beim Fünftürer), Sitze „Sebring“ in Teilleder, Lederlenkrad und -schaltknauf, Kopfstützen hinten, elektrisch einstellbare und beheizbare Außenspiegel, Nebelscheinwerfer sowie eine Klimaanlage (anstelle des Schiebe-Hebedachs). Die Aufpreisliste darüber hinaus verfügbarer Extras ist kurz und schmerzlos: Unser Testwagen verfügt optional über eine Rücksitzbank für drei Personen (anstelle von zwei Einzelsitzen) und ein CD-Radio MP3.

Der 1,6-Liter-Ottomotor ist mit seinen 109 PS die Topmotorisierung der Baureihe, die nach unten mit einem 1,4-Liter-Benziner und einen 2-Liter-Turbodiesel mit 103 bzw. 101 PS abgerundet wird. Nach dem Anlassen meldet sich das Aggregat erst einmal zu Wort als wäre er ein Selbstzünder. Gut, um nicht zu sagen fast spritzig im Antritt kommt der Streetwise flott in Fahrt, wenn man das Kupplungspedal richtig löst. Der Weg des Kupplungspedals bis zum Kraftschluss des Getriebes ist nämlich sehr lang. Ansonsten droht ein abgewürgter Motor, wenn man es nicht weit genug löst. Das manuelle Fünfgang-Schaltgetriebe ist ansonsten schön kurz und knackig, der Schalthebel präzise zu führen, dass es einfach Freude macht.

Erst einmal in Fahrt ist man dann auch recht flott unterwegs, was angesichts einer Karosserie von weniger 1,1 t Leergewicht bei 109 PS denn auch nicht erstaunt. Der muntere und drehfreudige Motor lässt sich auch recht schaltfaul fahren, liegt doch über das relevante Drehzahlband immer ein ausreichendes Drehmoment an. So stehen schon knapp überm Leerlauf gute 110 Nm zur Verfügung, ab 2.000 Touren überschreitet der Motor die 120-Nm-Grenze und ist ab 2.500 U/min. schon nicht mehr allzu weit vom Drehmomentmaximum von 138 Nm entfernt, obwohl dieses selber erst bei 4.500 Touren erreicht wird.

Die Beschleunigung aus dem Stand auf Tempo 100 in 10,1 Sekunden (wie beim Rover 25) klingt objektiv länger, als es beim Fahren den Anschein hat. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 177 km/h reißt er zwar keine Bäume aus, ist aber immer noch gut unterwegs (sein ziviler Bruder Rover 25 schafft gar 185 km/h). Im Verbrauch ist der hochbeinige Streetwise natürlich etwas konsumfreudiger als der 25, aber insgesamt hält sich das in Grenzen: der Streetwise schluckt 9,4 Liter Superbenzin auf 100 km in der Stadt, 6,1 Liter außerorts und 7,3 Liter im gemischten Verbrauch nach EU-Norm – bei ökonomischer Fahrweise versteht sich (Rover 25: 9,2 / 5,4 / 6,8 Liter, alles Herstellerangaben). Da der Motor nicht gerade aus neuester Entwicklung stammt, erfüllt er nur die Abgasnorm EU3.

Das Fahrwerk des Streetwise ist mit dem des Rover 25 identisch mit McPherson-Federbeinen und Stabilisator vorne sowie Verbundlenkerachse hinten. Der Streetwise verfügt zwar über gute 16,1 cm Bodenfreiheit, ist aber als Fronttriebler dennoch nicht wirklich fürs Gelände gemacht. Mit seiner robusteren Ausstattung ist er immerhin für zivile Strecken jenseits der Straße gut, an denen die höhere Bodenfreiheit von Nutzen ist. Er bietet aber nicht unbedingt mehr Traktion oder Seitenführung an einer nicht asphaltierten Steigung: die können nur die breiten 205/50er Reifen auch nicht gewährleisten. Die direkte Lenkung macht aus dem Kleinwagen im Off-Road-Design eher einen hochbeinigen kleinen Sportler, der zumindest in punkto Agilität und Fahrdynamik überzeugt, um nicht zu sagen: echt spaßig im Handling ist!

Das Fahrwerk ist sportlich-straff, ohne unkomfortabel zu sein. Kleine Unebenheiten steckt es locker weg. Problemlos ist der Streetwise zu führen, tückische Lastwechselreaktionen sind ihm fremd. In schnell gefahrenen Kurven zeigt er nur wenig Tendenzen zum Untersteuern und bleibt damit innerhalb der hier recht hoch gesteckten Grenzen der Fahrphysik gut beherrschbar. Plötzliche Spurwechsel absolviert er sicher und spurtreu, beim flotten Slalom glänzt er mit einer sauber gefahrenen Linie.

Serienmäßig steht der Streetwise auf 16-Zoll-Leichtmetallräder mit Reifen im Format 205/50 R 16, so auch hier für die kalte Jahreszeit mit M+S-Gummis bereift. Die Bremsanlage mit Scheibenbremsen vorne, und Tremmelbremsen hinten stammt weitgehend vom Rover 25. Allerdings sind die Bremstrommeln hinten größer dimensioniert als bei seinem zivilen Bruder, verfügt der Streetwise doch serienmäßig ab der Basisversion über größere Räder (16 statt 14 Zoll). Auch ist beim Streetwise das ABS mit einer Elektronischen Bremskraftverteilung kombiniert, was natürlich die Bremswege optimiert. Mit dem leichten Gefährt hat die Bremsanlage leichtes Spiel und verzögert im Notfall ordentlich und sicher.

Der passiven Sicherheit der Insassen dienen Seitenaufprallschutz, Kopfstützen und Drei-Punkt-Gurte auf allen Außenplätzen, ein Beckengurt in der Mitte hinten sowie Frontairbags für Fahrer und Beifahrer; Seitenairbags sind nicht vorhanden. Auch die Dreier-Rückbank macht den Streetwise nicht zu einem wirklich vollwertigen Fünfsitzer, ist doch der Mittelsitz nicht mit einer Kopfstütze und nur mit einem Beckengurt bestückt. An aktiven Sicherheitsfeatures bietet der Rover Streetwise ein hervorragend abgestimmtes, sicheres Fahrwerk. Technische Highlights der Sicherheitsausstattung sind Servolenkung, ABS mit Elektronischer Bremskraftverteilung und die Einparkhilfe hinten. Eine Traktionskontrolle oder ESP sind nicht verfügbar.

Den Streetwise gibt es als Dreitürer mit 1,4-Liter-Vierzylinder-Motor (103 PS) in der Basisausstattung ab 16.650 Euro und mit 1,6-Liter-Benzinmotor ab17.350 Euro. Als Fünftürer mit 1,6-Liter-Maschine schlägt er ab Preisen von 17.850 Euro zu Buche, Die R2-Ausstattung steht ab 19.150 Euro in der Preisliste. Aufpreispflichtig sind die Metallic-Lackierung, die Rückbank für drei Passagiere sowie das CD-Radio MP3.

Rover gibt drei Jahre Garantie auf den Wagen (mit Mobil-Service) und den Lack sowie sechs Jahre auf die Karosserie gegen Durchrostung. Die Wartungsintervalle betragen 25.000 Kilometer bzw. ein Jahr. Die Versicherungen stufen das Modell in die Typklassen 14 / 19 / 20 (KH / VK / TK – nach der neuen Struktur in der Fahrzeugversicherung) ein.

© März 2005
Petra Grünendahl
, Fotos: grü / IN*TEAM

Teilen ...

Share to Google Buzz
Share to Google Plus
Share to LiveJournal
Dieser Beitrag wurde unter Auto-Redaktion, Automobiltest, Autotest, Autotestbericht, Fahrbericht, Fahrtest, Fahrzeugtest, Testbericht abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu Rover Streetwise R2 1.6

  1. Pingback: Ford Fusion 1.6 TDCI | Auto-Redaktion