Nissan Primera Traveller 1.8

Testbericht.
Nissan Primera Traveller 1.8 Elegance
Feiner Kombi mit Nutzwert
Von Petra Grünendahl

 

Das Facelift zum Modelljahr 2000 hat dem Primera wie dem Primera Traveller optisch sehr gut getan. Feiner und eleganter sind die Linien um den bekannten Nissan-typischen „Double Wing“-Kühlergrill und die jetzt mandelförmigen Scheinwerfer geworden. Das Heck des Traveller ist unverändert, machte aber auch vorher schon was her. Feinschliff hat der in Europa entwickelte und gebaute Japaner auch unter dem feinen Blechkleid bekommen: insgesamt gut 600 Detailverbesserungen sorgen für mehr Komfort für die Passagiere.

Nach der viertürigen Nissan Primera Limousine haben wir uns nun auch den Mittelklasse-Kombi Traveller näher angeschaut, um zu gucken, was sich gegenüber dem Kombi-Vorgänger getan hat. Unser fichtengrüner Primera Traveller fuhr mit der Top-Ausstattung Elegance und dem Basis-Ottomotor der Kombi-Baureihe mit 1,8 Litern Hubraum und 114 PS vor.

 

Im Innenraum hat sich kaum was geändert. Das Cockpit ist jetzt zweifarbig gestaltet: Oben dunkel, unten hell. Eher funktional ist nach wie vor die stilistische Anmutung des Armaturenbrettes. Aber qualitätsmäßig ist da nichts zu bemängeln: Hochwertig und sauber verarbeitet sind die Armaturen und Verkleidungen im gesamten Innenraum. Auch gibt die Bedienung der Schalter und Anzeigen dem Fahrer keinerlei Rätsel auf.

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Die stufenlose Regelung der Intervall-Schaltung für die Scheibenwischer sind nach wie vor klasse. Zu den praktischen Details gehört der Taschenhaken an der Rückseite des Fahrersitzes sowie eine 12-V-Steckdose im Laderaum. Die dunkleren Teppiche im ansonsten hellen Innenraum sehen nicht nur gut aus, sie sind auch weniger schmutzempfindlich als helle. Auch das „Anti-Hijack-System“ ist intelligent für Leute, die viel allein unterwegs sind: Auf den ersten Klick der funkfernbedienten Zentralverriegelung öffnet sich nur die Fahrertür, auf den zweiten Klick die Restlichen. Allerdings fehlt ein beleuchteter Innenspiegel in der Sonnenblende auf der Fahrerseite (auf der Beifahrerseite ist er Serie).

primeratrav-7.jpg (32477 Byte)Die Vordersitze sind angenehm straff und bieten guten Seitenhalt. Die neugestalteten Sitzlehnen sowie 8 cm mehr Karosserielänge sorgen für mehr Kniefreiheit in Fond, wo auch bislang Normalgewachsene nicht über zu wenig Platz klagen konnten. Die Rundum-Sicht ist akzeptabel, wenn man die mittlere (Fullsize-)Kopfstütze entfernt, so man den maximal zu Viert fährt.

Die Heckpartie mit der geschwungenen Heckklappe sieht schick aus, verkleinert aber im Zweifelsfalle auch den Nutzraum. Dennoch: das Laderaumvolumen reicht von 430 Litern bis zu üppigen 1.650 Litern bei umgeklappter Rückbanklehne und dachhoher Beladung. Dafür sind allerdings die 395 kg maximale Zuladung etwas wenig. Der ebene Laderaum ist über eine 61 cm hohe Ladekante gut zu erreichen und auf 130 cm Ladetiefe und zwischen 168 (vorne) und 145 cm (zwischen den Radkästen) Ladebreite gut nutzbar. Die Rückbanklehne ist asymmetrisch geteilt. Leider befindet sich rechts der schmalere Teil, so dass ein Einladen breiter, sperriger Güter bis zum Armaturenbrett bei gleichzeitiger Mitnahme eines Passagiers, der tragen hilft, unmöglich wird. Den Laderaumboden kann man zudem herumdrehen: Dann erhält man eine Plastikwanne, in der sich feuchte und nicht ganz saubere Gegenstände – Gummistiefel, die Blumentöpfe vom Gärtner – sauber und problemlos transportieren lassen.

 

Die Klimaautomatik ist bereits ab der Basisversion Serie. Serienmäßig verfügt die Elegance-Ausstattung über Ledersitze, elektrisch einstellbaren Fahrersitz sowie Sitzheizung vorne, Heizdüsen im Fond, ein Holz-/Lederlenkrad,, Holz-/Lederschaltknauf und Holzdekor an der Mittelkonsole, Leichtmetallfelgen, Alarmanlage, Bordcomputer sowie Radio mit CD-Wechsler und Fernbedienung am Lenkrad, neu als Serienausstattung sind die Xenon-Scheinwerfer mit Scheinwerfer-Reinigungsanlage und Leuchtweitenregulierung.

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Neu entwickelt wurde für das Facelift der 1,8-Liter-Ottomotor. Wie alle Nissan-Motoren (außer bei betont sportlichen Modellen) ist der 1.8er eher auf Sparsamkeit ausgelegt. Die lange Getriebeübersetzung tut ihr übrige für sparsamen, aber nicht sonderlich temperamentvollen Vortrieb. Wer dies durch einen stärkeren Tritt aufs Gaspedal auszugleichen versucht, wird auch mit höherem Verbrauch bestraft. Freunde der gelassenen Fortbewegung sind mit diesem Motor allerdings gut bedient. An Durchzugskraft ist der 114-PS-Motor für den fast 1,4 t schweren Kombi ausreichend. Dafür läuft der Motor verhältnismäßig vibrationsarm, aber nicht unbedingt sehr leise. Insgesamt hält sich das Geräuschniveau im Innenraum sowohl vom Motor als auch von Windgeräuschen in Grenzen.

Die Beschleunigung von Null auf Tempo 100 schafft der frontgetriebene Kombi in 11,2 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit von 191 km/h ist für zügige Überholmanöver gut. Den Verbrauch gibt Nissan mit 9,9 Litern Superbenzin je 100 km innerorts, 6 Litern außerorts und 7,4 Liter im gemischten Zyklus nach EU-Norm an. Wer den sportlichen Antritt liebt, kommt aber insgesamt eher auf neun, zehn Liter auf 100 Kilometern. Der Motor erfüllt die D4-Abgasnorm.

Die Schaltung lässt sich kurz und direkt betätigen, die Gänge liegen sehr dicht beieinander. Die Bremsen (groß dimensionierte Scheibenbremsen rundum, vorne innenbelüftet) werden jetzt nicht nur von ABS und EBV unterstützt, sondern auch vom serienmäßigen Bremsassistenten. Spurtreu und abrupt kommt der Kombi bei einer Vollbremsung zum Stand.

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Die Lenkung arbeitet präzise und vermittelt guten Fahrbahnkontakt. Der Kombi ist nicht so agil und dynamisch wie die nur 90 kg leichtere Limousine der gleichen Baureihe, aber gutmütig und berechenbar, neutral bis in hohe Kurvengeschwindigkeiten und überhaupt nicht aus der Ruhe zu bringen.

Er meistert auch plötzliche Spurwechseln, ohne den Fahrer in Verlegenheit zu bringen. Sportlich-straff gefedert, ohne jedoch unkomfortabel zu sein, liegt er sicher auf der Straße. Fast schon wendig umkurvt er plötzlich auftauchende Hindernisse, da kommt Freude auf. Plötzliche doppelte Spurwechsel quittiert er mit geringer Seitenneigung, die Karosserie schaukelt sich nicht auf. Das einzige Manko ist der große Wendekreis der 4,58 m langen Karosserie.

Die serienmäßige Sicherheitsausstattung ist klassenüblich: Flankenschutz in den Türen, eine gezielt verstärkte Fahrgastzelle, Front- und Seitenairbags für die Frontpassagiere, Drei-Punkt-Gurte und Kopfstützen auf allen fünf Sitzen, zwei Isofix-Kindersitzvorrüstungen hinten, Gepäckraumtrennnetz sowie Laderaumabdeckung, ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistent.

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Den Primera Traveller gibt es ab 37.200 Mark in Basis-Ausstattung, aber nur mit 90-PS-2-Liter-Turbodieselmotor. Der 1.8er kostet in Comfort-Ausstattung ab 40.200 Mark, in Elegance-Ausstattung ab 43.700 Mark. Ab der Comfort-Ausstattung verfügt der Primera Traveller schon über die notwendigen kleinen Annehmlichkeiten des Autofahrerlebens serienmäßig, die Elegance-Version kann zusätzlich mit Ledersitzen, Sitzheizung vorn, Holz-/Lederlenkrad mit Radiofernbedienung, Hifi-Anlage, Bordcomputer, Leichtmetallfelgen und Alarmanlage aufwarten. Extra kosten die Mineraleffekt-Lackierung (850 Mark) sowie ein als Sonderausstattung erhältliches Glas-Hub-Schiebedach. (1.500 Mark). Das ebenfalls als Sonderausstattung angebotene Hypertronic-CVT-Automatikgetriebe ist nur für die Topmotorisierung zu haben. Alle 15.000 km wird ein Ölwechsel fällig, alle 30.000 km (oder einmal im Jahr) eine Inspektion. Unterm Strich bietet der Primera Traveller ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

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Bei den Versicherungseinstufungen – 17 / 20 / 27 (KH / VK / TK) – liegt der Primera Traveller in der Haftpflicht eher etwas über, in der Kasko etwas unter dem Durchschnitt vergleichbarer in- und ausländischer Wettbewerber.

Nissan gewährt ein Jahr Garantie ohne Kilometerbegrenzung, 3 Jahre bis 100.000 Kilometer und drei Jahre auf den Lack, sechs Jahre Garantie gegen Durchrostung sowie ein Jahr auf alle vom Nissan-Partner eingebauten Originalteile und eine europaweite Mobilitätsgarantie beim Einhalten der Inspektionsintervalle.

© März 2001 Petra Grünendahl, Fotos: grü / IN*TEAM

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