Kurztest. Hyundai Grandeur 3.3
Koreaner wildern in der oberen Mittelklasse
Von Von Friedhelm Holleczek & Petra Grünendahl
Im Jahr 2005 kam der Hyundai Grandeur auf den deutschen Markt, als Nachfolger des XG. Zunächst war nur ein 3,3-Liter-Sechszylinder verfügbar, im Frühjahr 2007 kam ein 2,2-Liter-Vierzylinder-CommonRail-Dieselmotor dazu. Mit dieser Kombination versucht Hyundai, im der oberen Mittelklasse zu punkten. Inwieweit es gelingt, zeigte eine Ausfahrt im Sechszylinder-Grandeur mit 265 PS.
Mit dem Grandeur zielt Hyundai auf die Klasse des 5er BMW, Audi A6, Mercedes E-Klasse, des Peugeot 607, des Lexus GS und des Chrysler 300C – alles Autos für die gehobene Klientel. Unterschätzen sollten die Angegriffenen den Koreaner nicht. Äußerlich passt die Limousine mit 4,90 Metern Länge und 1,87 Metern Breite in das angepeilte Segment. Die Linien sind unaufdringlich zeitlos. Sie zeichnen ein eigenständiges Gesicht, bei dem die Verwandtschaft zum kleineren Bruder Sonata gewollt ist. Einzig das LED-Rückleuchtenband weist auf ein Fahrzeug der neuesten Generation hin. Der aufgesetzte Kofferraumdeckel erinnert an die Konturen von BMW.
Der Innenraum des klassischen Viertürers ist funktional gestaltet. Komfortable dezent-graue, elektrisch einstellbare Ledersitze, Lederlenkrad und Wurzelholzapplikationen unterstreichen die Wertigkeit der verwendeten Materialien. Alle Schalter und Hebel sitzen intuitiv richtig. Langes Suchen in der Bedienungsanleitung entfällt. Die straffen Sitzpolster könnten es was mehr Seitenhalt bieten, an der Geräumigkeit des Innenraumes gibt es dagegen nichts auszusetzen. Mit 523 Litern Fassungsvermögen bietet der Laderaum ausreichend Platz selbst für umfangreiches Reisegepäck.
Fast alle Annehmlichkeiten des Autofahrerlebens gehören zur Serienausstattung: eine funkfernbediente Zentralverriegelung, elektrisch einstellbare und beheizbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber rundum, ein automatisch abblendender Innenspiegel, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Geschwindigkeitsregelung, Bordcomputer, ein Audiosystem mit Radio, CD-Spieler und Navigation, getönte Wärmeschutzverglasung rundum, Ledersitze (vorne elektrisch einstellbar, mit Memory-Funktion und Sitzheizung) sowie 17-Zoll-Leichtmetallfelgen sind ab Werk an Bord. Das vollwertige Ersatzrad ist ebenfalls auf einer Leichtmetallfelge montiert. Gegen Aufpreis gibt es noch ein Glas-Hub-Schiebedach sowie ein Entertainment- und Navigationssystem von Kenwood.
Der Sechszylinder-Ottomotor mit 3,3 Litern Hubraum leistet 235 PS. Sein Drehmomentmaximum von 304 Nm liegt bei 3.500 U/min. an. Damit schafft das fast 1,8 Tonnen schwere Gefährt den Spurt aus dem Stand auf 100 km/h in 7,8 Sekunden und erreicht bei 237 km/h seinen Spitzenwert.
Der Grandeur ist ein Auto für Menschen, die keine Statussymbole brauchen, die das Understatement suchen, die bequem und sicher von A nach B reisen wollen – ohne große Show. Beim entspannten Cruisen mit Richtgeschwindigkeit über die Autobahn ist es angenehm ruhig. Erst ab 160 km/h meldet sich der Motor mit deutlich aggressivem Brummen und Windgeräusche stören vernehmlich. Das butterweich und kaum spürbar schaltende Fünfstufen-Automatikgetriebe entspricht den Vorgaben seiner Klasse. Wer mag, kann von Hand schalten, um die Gänge weiter nach oben auszureizen. Ein Sicherheitsmodus lässt die Schaltung automatisch in den nächsthöheren Gang wechseln, wenn die Drehzahlnadel den roten Bereich tangiert.
Außergewöhnlich, aber typisch Hyundai: das Triebwerk läuft mit Normalbenzin. Nach Herstellerangaben schwankt der Verbrauch zwischen 7,4 l außerstädtisch und 15,1 Litern in der Stadt – im gemischten Verbrauch nach EU-Norm sind es 10,2 Liter auf 100 Kilometer. Der Motor erfüllt die Abgasnorm EU4 und stößt 245 g CO2 je km aus. Komfortabel ist die Abstimmung des Fahrwerks, ideal für eine Reiselimousine, wenn der Fahrer keine sportlichen Ambitionen hegt.
Drei-Punkt-Sicherheitsgurte und Kopfstützen auf allen Plätzen, aktive Kopfstützen vorn, acht Airbags, Isofix-Kindersitzvorrüstungen hinten, Stützrampen gegen das Durchtauchen unter den Sicherheitsgurt, Seitenaufprallschutz in den Türen, das elektronische Stabilitätsprogramm ESP mit Traktionskontrolle und das über vier Sensoren gesteuerte Rückfahrwarnsystem gehören zur Serienausstattung.
Zu einem Grundpreis von 38.790 Euro ist der große Hyundai schon sehr komplett ausgestattet. In der Aufpreisliste gibt es lediglich die unvermeidliche Metallic- oder Mineraleffekt-Lackierung, ein elektrisches Glas-Hub-Schiebedach und ein High-End-Entertainment- und Navigationssystem von Kenwood. Drei Garantie ohne Kilometerbegrenzung, drei Jahre europaweiten Mobilitätsservice, eine Langzeit-Mobiliätsgarantie beim Einhalten der Wartungsintervalle (15.000 km oder einmal im Jahr), zwei Jahre Garantie auf den Lack sowie sechs Jahre auf die Karosserie gegen Durchrostung gibt Hyundai seinem Topmodell mit zum Kunden. Eine Anschlussgarantie für das vierte und fünfte Jahr gibt es gegen Aufpreis. Die Versicherungen stufen den Sechszylinder-Grandeur in die Klassen 20 / 28 / 23 (KH/VK/TK) ein.
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Über Petra Grünendahl
Erfahrener Journalist mit einem Gespür für Themen, Geschichten und Bilder, aber auch Inhalte und klare Worte. Mit fachübergreifender Denke, Redaktionsverantwortung und einem Blick für Zielgruppen. Generalist mit Special Interests (Fachjournalist), Kommunikationsexperte, Öffentlichkeitsarbeiter und Netzwerker.
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