Kurztest. Mercedes-Benz R-Klasse
Nicht entweder-oder, sondern sowohl-als-auch
Von Friedhelm Holleczek & Petra Grünendahl
Die eierlegende Wollmilchsau ist auch im Automobilbau immer noch nicht erfunden worden. Daimler hat dennoch mit der R-Klasse ein neues Konzept im Fahrzeugbau angestoßen. Grand Sports Tourer nennen die Stuttgarter Autobauer neudeutsch das, was sie auf vier Räder gestellt und im Jahr 2006 auch auf den deutschen Markt gebracht haben: Nicht nur einfach Van, SUV oder Geländewagen, sondern auch Luxuskombi. Gebaut wird die R-Klasse in Tuscaloosa, Alabama (USA), wo auch M- und GL-Klasse vom Band laufen. Ein gutes Drittel der Produktion will Daimler in Europa verkaufen. Was die eher für amerikanische Bedürfnisse entwickelte Großraumlimousine zu bieten hat, zeigte eine kurze Ausfahrt.
Mit beeindruckenden Maßen von knapp 5,16 m Länge und 1,92 m Breite bietet er Wohnzimmerkomfort nach amerikanischem Vorbild. Das Basismodell hat fünf Sitze, vier davon im Executive-Format, der mittlerer Sitz hinten kann zur Armlehne umgeklappt werden. Zwei weitere Ausstattungsoptionen sehen eine 4+2- bzw. eine 5+2-Bestuhlung vor. Beim 4+2-Sitzer ist der mittlere Sitz durch eine Fond-Mittelkonsole mit Armlehne, Getränkedosenhaltern und zahlreichen Ablagemöglichkeiten ersetzt. In den sechs Einzelsesseln unseres Testwagens (4+2-Sitzer) fühlt man sich sicher und geborgen und reist bequem. Die Beinfreiheit ist auch für größer gewachsene Menschen sehr komfortabel. Die R-Klasse ist genau das Richtige für jetzige Limousinenfahrer, die mehr Platz brauchen, denen ein normaler Kombi nicht die angemessenen Behaglichkeit in einem exklusiven Ambiente bietet.
Das Raumkonzept im Fahrzeugbau an sich ist nicht neu, die imposante Umsetzung schon. Ein derartiges Konzept hat auch heute noch keiner der Wettbewerber zu bieten, selbst wenn die SUVs immer länger werden. Neben der Langversion gibt es für Europa auch eine Kurzversion, die aber mit 4,94 m auch noch recht üppig bemessen ist. Immerhin wird sie wohl eher in deutsche Normgaragen und Parkhäuser passen. An Laderaumvolumen stehen bei der Kurzversion zwischen 324 Litern (hinter der optionalen dritten Sitzreihe) und 2.001 Litern (hinter den Vordersitzen) zur Verfügung, bei der Langversion sind es zwischen 414 und 2.436 Litern.
Für alle Modelle stehen fünf Motoren zur Auswahl: drei Benziner (zwei Sechszylinder mit 231 und 272 PS sowie ein Achtzylinder mit 388 PS) und zwei Sechszylinder-Dieselmotoren mit 190 bzw. 224 PS und serienmäßigem Russpartikelfilter. Alle Aggregate geben ihre Kraft über eine Sieben-Gang-Automatik an die Antriebsräder ab. Je nach Motorgröße und Radstand sind auch Allradversionen mit 4-Matic-Technologie verfügbar. Trotz der auf dem Papier imposanten Motorleistungen erscheint der R 350 (Sechszylinder-Benziner) mit seinen 272 PS auf einer Probefahrt zumindest beim Überholen am Berg eher untermotorisiert, obwohl zwischen 2.400 und 5.000 Touren schon satte 350 Nm anliegen. Allerdings haben sie auch gut über 2,2 t Karosserie (Langversion) zu bewegen. Der R 500 (Achtzylinder-Benziner) mit den deutlich größeren Drehmoment (530 Nm zwischen 2.800 und 4.800 U/min.) ist da schon wesentlich souveräner. Für den gemischten Verbrauch nach EU-Norm gibt Daimler 11,4 – 11,6 Liter Superbenzin beim R 350 bzw. 12,9 – 13,1 Liter beim R 500 (jeweils Langversion mit 4-Matic-Antrieb) an. Die CO2-Emissionen liegen bei 274 – 279 g/km bzw. (306 – 311 g/km (alles für Langversion 4-Matic). Der R 350 erreicht hier ein Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h, der R 500 wird bei 250 km/h elektronisch abgeregelt.
Sicherheitstechnisch ist die R-Klasse natürlich auf dem Stand der Zeit mit ABS und Brems-Assistent-System, ESP und Antriebsschlupfregelung. Die passive Sicherheitsausstattung umfasst Kopfstützen für alle Sitzplätze (vorne crash-aktiv), Drei-Punkt-Gurte auf den Außenplätzen, Front- und Seitenairbags vorne, Windowbags für alle Sitzreihen, Isofix-Kindersitzverankerungen sowie Aufprallsensoren.
Aber ein überzeugendes Reisegefährt ist die R-Klasse allemal. Ihre Stärken liegen im äußerst gediegenen, übersichtlich gestalten Innenraum und in der Verwandlungsfähigkeit. Die Serienausstattung ist umfangreich und erfüllt alle normalen Wünsche. Ab der Basisversion sind sogar Features wie CD-Radio und Klimaautomatik serienmäßig an Bord. Die R-Klasse ist ab 48.909 Euro zu haben, die Langversion kostet ab 50.694 Euro. Eine leistungsstärkere Motorisierung sowie die umfangreiche Liste der möglichen Sonderausstattungen kann den Preis allerdings in deutlich höherer Regionen treiben. Die Liste der möglichen Erweiterungen reicht von Luftfederung, Abstandstempomat und Abbiegelicht über die sich hydraulisch öffnende Heckklappe und umfangreichen Entertainment-Systemen bis hin zum Bi-Xenon-Scheinwerfer. Es ist halt alles eine Frage der Ansprüche und des Geldbeutels.
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Über Petra Grünendahl
Erfahrener Journalist mit einem Gespür für Themen, Geschichten und Bilder, aber auch Inhalte und klare Worte. Mit fachübergreifender Denke, Redaktionsverantwortung und einem Blick für Zielgruppen. Generalist mit Special Interests (Fachjournalist), Kommunikationsexperte, Öffentlichkeitsarbeiter und Netzwerker.
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