Klein ist er ja schon lange nicht mehr,
und seit dem Lupo auch nicht mehr der Kleinste der Volkswagen-Familie. In der dritten
Generation ist er mit 3,74 m länger als der erste Golf. Seit 1994 wird er in der
aktuellen Generation gebaut. Grund genug, ihm zum Modelljahr 2000 noch ein Facelift für
den Rest seiner Laufzeit mitzugeben. Vor allem hinten wurde er im Design an Golf und Lupo
angepasst: Das Kennzeichen rutschte in den Stoßfänger. Vorne ist die Motorhaube etwas
tiefer gezogen. Kleine, aber deutliche Hinweise, dass man das neue Modell vor sich hat.
Optisch gewinnt der Wagen auch durch die neuen Klarglasleuchten vorne, die weißen
Seitenblinker und komplett roten Rückleuchten. Technisch ausgereift und optisch
aufgefrischt zielt der Polo vor allem auf ein jüngeres Publikum. Wir fuhren den
zweitkleinsten Benziner mit 1,4-Liter-Motor und 60 PS in der Trendline-Ausstattung und in
Mercatorblau metallic lackiert.

In dem Kleinwagen finden vier Leute
vernünftig Platz, wenn sie ein bisschen zusammenrücken, reicht es sogar für fünf. Der
Kofferraum fasst mit 245 Litern immerhin das Urlaubsgepäck für zwei. Nicht als
Familienkutsche, sondern für Singles oder als Zweitwagen ist er der ideale Begleiter.
Leicht sportlich angehaucht ist das
Trendline-Modell mit Sportsitzen wahnsinnig originell sind die Stoffsitzbezüge
"Bändchen" und schicken 14-Zoll-Leichtmetallfelgen Kyalami mit 185/55er
Reifen.
Die Innenausstattung ist einfach und
praktisch, sauber und gut verarbeitet, schnörkellos das Design. Die Rundinstrumente im
Armaturenbrett sind dem Beetle und dem Lupo entlehnt, man legt bei VW halt Wert auf
Familiendesign. Die meisten Hebel und Schalter sind gut zu erreichen, die Klimaanlage so
gerade noch, die Schalter darunter für Heckscheibenheizung, ggf. ESP oder Sitzheizung
(wenn als Sonderausstattung dabei) liegen aber schon etwas tief. Die Klimaanlage gibt es
nur gegen Aufpreis.

Die Sportsitze bieten ordentlichen
Sitzkomfort und guten Seitenhalt. Mit Ablagefächern verwöhnt der Polo seine Passagiere:
in den Türen, neben den Sitzen, in der Mttelkonsole, links neben dem Lenkrad und dazu
gibt es noch ein Handschuhfach. Die Rücksitzlehne ist 2:1 umklappbar, wie sich das
gehört mit der breiteren Seite rechts, und hat zwei Kopfstützen. Der Innenraum ist
insgesamt auch von den Stoffen und Teppichen etwas dunkler als der von uns
getestete Polo Variant (siehe dort) und damit weniger schmutzempfindlich.
Der 60 PS starke 1,4-Liter-Motor reißt
mit dem über 900 kg schweren Gefährt keine Bäume aus. Ausreichend sind allerdings der
Antritt und Durchzug für den Stadt- und Überlandverkehr allemal. Etwas laut brummt
gerade der kalte Motor vor sich hin, ist er erst einmal warm gelaufen, wird es besser. Der
frontgetriebene Kleinwagen schaltet sich munter und knackig die fünf Gänge nach oben.
Von 0 auf 100 km/h braucht der Polo 14,5
Sekunden, bei 160 km/h ist seinem Vortrieb ein Ende gesetzt. Wer mehr will, kann auf
Motoren bis zu 125 PS aus 1,6 Litern Hubraum ausweichen, die auch für den Polo reizvolle,
weil sportliche Alternativen sind. Pluspunkt des kleinen Motors ist allerdings seine
Sparsamkeit: 6,1 Liter Superbenzin auf 100 km verspricht VW für den gemischten Zyklus
nach EU-Norm, 8,3 Liter im Stadtverkehr. Im Test sportlicher Gasfuß, viel Stadt,
wenig Autobahn verbrauchte er gute 7,4 Liter auf 100 km.

Die Lenkung ist leichtgängig, in
höheren Drehzahlbereichen fast schon zu leichtgängig. Hier lässt sie ein wenig
Fahrbahnkontakt vermissen. Ansonsten ist an ihrer Zielgenauigkeit nichts auszusetzen.
Handlich lässt sich der Wagen durch enge Kurven dirigieren, sein kleiner Wendekreis
machen ihn zum idealen Stadtauto. Die Bremsen (Scheibenbremsen vorne, Trommelbremsen
hinten) sprechen gut dosierbar an und bringen den Wagen sauber und schnell zum Stand.
Tadellos ist das Fahrverhalten des
kleinen Wolfsburgers. Zielgenau folgt er den Lenkbefehlen. Problemlos und gutmütig
meistert er auch enge und schnell gefahrene Kurven, schiebt erst spät über die
Vorderräder zum Kurvenaußenrand. Der Fahrkomfort ist ausreichend: straff, aber nicht zu
hart.
Zur serienmäßigen
Sicherheitsausstattung zählen Servolenkung, ABS mit Bremskraftverstärker, Airbag für
Fahrer und Beifahrer, Dreipunkt-Sicherheitsgurte auf den Außenplätzen mit Gurtstraffern
vorne, Isofix-Kindersitzvorrüstungen auf den hinteren Außensitzen. Seitenairbags kosten
extra, das Modell ist trotz Facelift halt schon ein paar Jahre alt. ESP gibt nur für den
GTI serienmäßig und für den 100-PS-Polo gegen Aufpreis.

Der Polo ist ab 21.201,20 Mark zu haben,
der 1,4-Liter-Polo in Trendline-Ausstattung ab 24.839,05 Mark. Volkswagen hat die neuen
Preislisten auf glatte Euro umgestellt. Deshalb sind alle weiteren Preise gerundet: Für
die Metallic-Lackierung Merkatorblau legt man 665 Mark drauf. Das "Auf & Zu
II"-Paket (elektrische Fensterheber, funkfernbedienter Zentralverriegelung und
Alarmanlage) schlägt mit 1.887 Mark zu Buche, die Klimaanlage mit 2.132 Mark,
Seitenairbags mit 469 Mark und das elektrische Schiebe-/Ausstell-Glasdach mit 1.486 Mark.
Die Leichtmetallfelgen Kyalami sind für 988 Mark zu haben. Die höhenverstellbaren
Vordersitze, eine geteilt umlegbare Rückbanklehne, Becher und Ablagefach in der
Mittelkonsole, Seitenschutzleisten und Außenspiegel in Wagenfarbe sowie Textilfußmatten
vorne und hinten sind in der Trendline-Ausstattung Serie. Damit liegt der Preis für
unseren Testwagen bei rund 32.466 Mark: Das ist eine ganze Menge Geld für einen
Kleinwagen.

Volkswagen gibt ein Jahr Garantie auf den Wagen, drei
Jahre auf den Lack, zwölf Jahre auf die vollverzinkte Karosserie sowie ein Jahr auf alle
beim Volkswagen-Service eingebauten Original-Teile. Dazu bieten die Wolfsburger eine
Longlilfe-Mobilitätsgarantie bei Einhalten der Inspektionsintervalle. Die
Versicherungseinstufungen sind mit 13 / 14 / 17 (H / V / T) relativ günstig. |