Mit seinen 4,13 m Länge ist der Polo Variant fast so lang der Golf, aber etwas schmaler
(1,64 m). Taschenformat hat der Kleinwagen-Kombi. Seit Juli 1997 ist der kleinste
Volkswagen-Kombi nun auf dem Markt. Nicht viel hat sich äußerlich geändert mit dem
Facelift im letzten Herbst. Die Blinker vorne sind jetzt weiß. Innen hat der Variant
ebenso wie der Steilheck-Polo die runden Armaturen aus Beetle und Lupo übernommen,
Armaturenbrett und Mittelkonsole sind ansprechender gestylt. Mit einem 1,4-Liter-60
PS-Motor beginnt die Motorenpalette und endet beim 1.9 TDI mit 110 PS; die Ausstattungen
reichen vom Basis-Modell über Trendline und Comfortline bis zum Top-Modell Highline. Wir
fuhren den Polo Variant in Mercatoblau metallic und Comfortline-Ausstattung mit einem
1,6-Liter-Ottomotor (100 PS).

Handlich, vernünftig und praktisch sind
Armaturenbrett und Mittelkonsole gestaltet. Alles ist, wo es sein soll: Gut im Blick und
gut im Griff. Lediglich die Fensterheber sitzen vielleicht etwas tief in der
Mittelkonsole. Praktisch und unempfindlich ist der Innenraum gestaltet: Kunststoffgrau in
zwei Schattierungen und die flanellgrauen Teppiche wirken wohltuend dezent zu den fast
schon poppigen farbigen Sitzen. Die Stoffsitzbezüge im "Anton
Pünktchen"-Design Blau / Flanellgrau halten was aus. Nur die helleren flanellgrauen
Teppiche sehen schnell schmutzig aus, aber sie können leicht herausgenommen und
ausgeklopft werden.
Die Vordersitze sind höhenverstellbar
(Comfortline-Serienausstattung) und beheizbar (gegen Aufpreis). Ablageflächen und Fächer
gibt es reichlich: in den Türen, in der Mittelkonsole sowie das (etwas klein geratene)
Handschuhfach bieten ausreichend Stauraum.
Überzeugend ist vor allem die innere
Größe des Kleinwagen-Kombis. Das Platzangebot ist vorne wie hinten akzeptabel, zumindest
solange vorne keine Riesen sitzen. Für drei Passagiere wird es auf der Rückbank etwas
enger, auch verfügt der mittlere Platz nur über einen Beckengurt und hat keine
Kopfstütze.

Der Polo hat aber als Kombi mit 390
Litern einen großen Laderaum. Zum Vergleich: der Golf fasst 350 Liter Ladung, der
Steilheck-Polo sogar nur 245 Liter. Da passt schon was rein. Über eine Ladebreite von
1,07 m geht es in den Laderaum. Dahinter wird es nach respektablen 1,25 m zwischen den
Radkästen wieder etwas enger (88 cm). Mit nach vorne hochgeklappten Rücksitzen und
umgeklappter Rücksitzlehne entsteht eine ebene Ladefläche. Bei gemäßigter Einstellung
der Vordersitze und umgeklappter Rückbank erhält man 1,46 m Ladetiefe, bis 1,57 m sind
möglich, wenn kurzbeinige Personen vorne sitzen. Das ergibt bei dachhoher Beladung und
Vordersitzen bis zum Anschlag stolze 1.250 Liter Laderaum. Rückbank und lehne sind
geteilt umlegbar: 1 zu 2 mit dem größeren Teil hinter dem Beifahrersitz. Allerdings sind
lediglich 332 kg Zuladung möglich.
Bei hochgestellter Rückbank bleiben 94
cm Ladetiefe. Gute 72 cm Ladekante erschweren allerdings das Einladen gewichtiger Güter.
Hinter der Ladekante, die mit lackschützendem Kunststoff überzogen ist, geht eine Stufe
etwa 22 cm in die Tiefe. Schlecht fürs Einladen, aber gut für die Karosseriefestigkeit,
die kleinere Fahrzeuge sonst nicht bieten könnten. Der Laderaum ist mit Teppich
ausgekleidet, damit die Ladung nicht verrutsch. Verzurrösen erleichtern das Sichern des
Gepäcks, eine Laderaumabdeckung schützt vor neugierigen Blicken, ein Gepäcktrennnetz
zum Schutz bei dachhoher Beladung gibt es leider nicht. Eine 12-Volt-Steckdose und
seitliche Taschen hinter Netzen vervollständigen die Nutzbarkeit des Kofferraums.
Stoßfänger und Seitenschutzleisten sind
in Wagenfarbe lackiert: Das sieht zwar gut aus, aber ist auch etwas kratzempfindlich.
Praktisch ist das Dachträgersystem (Sonderausstattung), doch sind auch hier die auf dem
Dach angebrachten Schutzleisten mittlerweile in Wagenfarbe lackiert.

Der 100 PS starke 1,6-Liter-Motor bringt
den Fronttriebler auch bei voller Beladung gut in Schwung. Von 0 auf 100 kommt er in 11,1
Sekunden, bei 186 km/h wird dem Vortrieb ein Ende gesetzt. Das Fünfgang-Schaltgetriebe
ist eher auf sparsam, denn auf temperamentvoll übersetzt. Recht lange Schaltwege trüben
die Freude an der leichtgängigen und präzisen Schaltung ein wenig, aber andererseits
ermöglicht der durchzugsstarke Motor ein bequem schaltfaules Fahren. Der Verbrauch des
unbeladen über 1,2 t schweren Kombis liegt in der Stadt bei 11,1 Liter Superbenzin,
insgesamt bei 8 Liter Super nach EU-Norm (Herstellerangabe). Man kann den Wagen auch bei
leichter Leistungsminderung mit Normalbenzin (ROZ 91) fahren. Er erfüllt die
D4-Abgasnorm.
Die servounterstützte Lenkung arbeitet
leichtgängig im Stand und bei niedrigen Drehzahlen, direkter hingegen in Fahrt. Dadurch
lässt er sich präzise um Ecken und Kurven dirigieren. Die Bremsen (innenbelüftete
Scheibenbremsen vorne, Trommelbremsen hinten) packen gut zu.

Spielend nimmt der Polo Variant dank
seiner direkten Lenkung zielgenau jede Kurve, schiebt, wenn zu schnell unterwegs, etwas
über die Vorderräder, verhält sich aber ansonsten völlig neutral. Stabilisatoren vorne
und hinten (hinten erst ab 100 PS-Motoren) sorgen für eine ruhige Straßenlage, auch von
plötzlichen Spurwechseln ist der kleine Kombi nicht aus der Ruhe zu bringen. Die Federung
ist nicht unbedingt auf Komfort getrimmt, jedoch fährt sich der Wagen gut und angenehm.
Optimale Sicherheitsausstattung bietet
der Kombi-Polo für vier Passagiere: Kopfstützen und Drei-Punkt-Gurte auf allen
Außenplätzen, vorne sogar mit Gurtstraffern. der mittlere Platz ist auch gegen Aufpreis
nicht mit Kopfstütze zu bekommen und nur mit Beckengurt gesichert. Versteifungsprofile in
den Seitentüren, Verformungszonen vorne und hinten, Sicherheitslenksäule, elektronische
Wegfahrsperre und Frontairbags sind Serie, Seitenairbags gibt es gegen Aufpreis. ABS mit
elektronischer Bremskraftverteilung (EBV), Bremskraftverstärker gibt es ebenfalls ab
Werk, die elektronische Differentialsperre (EDS) gegen Aufpreis.

Ab 25.900 Mark ist der Polo Variant zu
haben, in Basis-Ausstattung mit 60 PS. Für 100 PS sind schon 29.300 Mark hinzulegen, mit
Comfortline-Ausstattung wie unser Testwagen fängt es bei 30.750 Mark an. Dazu kommen
2.090 Mark für die Klimaanlage, 785 Mark für das Dachträgersystem, 460 Mark für
Seitenairbags und 650 Mark für die Metallic-Lackierung. Die Textilfußmatten und die
geteilten Rücksitze sind Serie. Das "Auf & zu"-Paket mit elektrischen
Fensterhebern vorn und funkfernbedienter Zentralverriegelung mit Zentralschließung von
innen ist in der Comfortline-Version ebenso enthalten wie das "Licht &
Sicht"-Paket mit Nebelscheinwerfern, elektrisch einstellbaren und beheizbaren
Außenspiegeln sowie beheizten Scheibenwaschdüsen vorn. Das Radio gamma kostet 1.375
Mark. Die Vordersitze sind höheneinstellbar, für die Sitzheizung legt man noch einmal
475 Mark hin. Damit kommt unser Testwagen auf einen Listenpreis von 36.585 Mark: Ein
Volkswagen kosten nun mal sein Geld.
Mit den Versicherungseinstufungen von 16
/ 17 / 19 (H / V / T) ist er günstiger als seine Konkurrenten Seat Cordoba Vario und Fiat
Palio Weekend. Garantien gibt VW ein Jahr ohne Kilometerbegrenzung auf den Wagen sowie
alle beim Händler eingebauten Ersatzteile, drei Jahre auf den Lack der Karosserie und 6
Jahre gegen Durchrostung. Darüber hinaus gibt es eine Mobilitätsgarantie, die sich nach
einem Jahr durch die Inspektion beim VW-Service um ein weiteres Jahr verlängert. |