"Und Du fährst jetzt einen Golf?", meinte Nachbar Max, stolzer Besitzer eines
Dreier-Golf. Max war beleibe nicht der Erste, der meinen Wolfsburger Testwagen von der
Seite für einen Golf hielt. Viel fehlt dem Polo der vierten Generation mit seinen 3,90 m
Karosserielänge nicht mehr zum Dreier-Golf (4,02 m). Weniger jedenfalls, als zum Polo der
dritten Generation, der mit 3,72 m noch Kleinwagen-Abmessungen aufzuweisen hatte. Von dem
erwachsenen Eindruck, den die Karosserieform insgesamt macht, mal ganz zu schweigen. Von
vorne stellt sich dem weniger geschulten Blick dann allerdings die Frage: Polo oder Lupo?

Kann der neue Polo wirklich schon an den
nicht mehr ganz taufrischen Golf heranreichen oder ist er doch nur ein größerer
Lupo? Das versuchten wir, in einem viertürigen Polo 1.4 Trendline mit 100 PS in
oceanic-grüner Perleffekt-Lackierung zu erkunden.
Vorne wie hinten bietet der fünftürigen
Polo den Passagieren einen problemlosen Einstieg. Auch die Platzverhältnisse lassen nicht
auf einen Kleinwagen schließen. Der Raum für Knie und Kopf ist großzügig bemessen.
Richtig bequem ist es mit drei Leuten auf der Rückbank nirgends, da macht der Polo mit
1,65 Karosseriebreite keine Ausnahme. Die Sitze sind mit strapazierfähigem Stoff bezogen
und damit familientauglich. Der Laderaum ist mit 270 Litern Volumen klassenüblich, die
erlaubte maximale Zuladung mit 470 kg, sehr anständig.

Der Innenraum wirkt hochwertig, wenn auch
eher funktional als originell gestaltet. Serienmäßige Sportsitze vorne geben der
Trendline-Ausstattung ihren sportlichen Anstrich. Ein anderes sportliches Feature, das
Sportfahrwerk mit strafferen Dämpfern und 15 mm Tieferlegung, ist dagegen für alle
Ausstattungsvarianten gegen Aufpreis zu haben.

Das Cockpit ist übersichtlich und
problemlos in der Handhabung: Alle Schalter und Anzeigen sind ergonomisch und
blickgünstig gestaltet. Die Aufpreisliste umfasst neben einer manuellen Klimaanlage auch
eine Klimaautomatik, beides ist nur anstelle des serienmäßigen
Schiebe-Ausstell-Glasdaches zu haben. Ablagen gibt es reichlich: in den vorderen Türen,
zwei im und eins auf dem Mittelteil des Armaturenbretts, unterm Lenkrad sowie unter dem
Handschuhfach. Der Gepäckraum ist über 66 cm hohe Ladekante recht gut zu beladen, die
Ladebreite ist für einen Kleinwagen akzeptabel. Die Rückbanklehne ist asymmetrisch (1:2)
geteilt, mit dem breiteren Teil rechts, was eine maximale Ladebreite bis zum Beifahrersitz
oder, wenn dieser ganz zum Liegesitz gekurbelt ist, bis zum Armaturenbrett ermöglicht.

Von den vier angebotenen
Ausstattungslinien Basis, Trendline, Comfortline und Highline ist Trendline
die eher sportlich orientierte. Ausgesprochen sportliche Elemente halten sich in der
Ausstattung aber trotzdem in Grenzen. Die Serienausstattung des Trendline glänzt nicht
gerade mit Komfort: die Außenspiegel sind nur manuell von innen verstellbar, aber
immerhin sind die Spiegel in beiden Sonnenblenden beleuchtet. Elektrische Fensterheber
sind nur in den zweitürigen Comfortline- oder Highline-Modellen serienmäßig elektrisch.
Wer die lieben Kleinen zudem auch im Viertürer auf der Rückbank unter Kontrolle behalten
will, muss eines der Komfortpakete Elektrik mit elektrischen Fensterhebern hinten ordern.
Auch die funkfernbediente Zentralverriegelung ist erst ab dem Komfortpaket Elektrik II
dabei: Ein Muss, wenn man die kleinen Annehmlichkeiten des Autofahrerlebens zu schätzen
weiß. Unser Testwagen verfügte über das Elektrik-Paket I mit elektrischen Fensterhebern
vorne und elektrisch einstellbaren Außenspiegeln. Der Hauptschlüssel hatte aber immerhin
eine kleine Leuchte, damit man auch im Dunkeln das Türschloss findet.

Mit seinen 100 PS sind dieser
1,4-Liter-Ottomotor sowie ein ebenfalls 100 PS starker 1,9-Liter-Pumpe-Düse-TDI bislang
die Topmotorisierungen der aktuellen Polo-Baureihe. Damit läuft der Kleine schon sehr
gut, aber mit seinen immerhin 1,1 t Leergewicht ist er natürlich kein
Temperamentsbündel. Die Beschleunigung von Null auf 100 km/h in 10,9 Sekunden macht noch
keinen Sprinter. 188 km/h sind als Höchstgeschwindigkeit für einen Kleinwagen mehr als
anständig und langstreckentauglich.
Der Vierzylinder-Vierventiler läuft
recht brummig, das können andere Vierzylinder kultivierter. Dafür tritt der
Fronttriebler aber recht kräftig an und zieht über das relevante Drehzahlband ordentlich
durch. Eine Freude ist die manuelle Fünfgang-Schaltung: Kurz, knackig und präzise lässt
sich der Schalthebel durch die Kulisse dirigieren, wobei der Motor schaltfaules Fahren
begünstigt.

Bei einem Verbrauch von 9 Litern
Superbenzin auf 100 km innerorts, 5,4 Litern außerorts und 6,7 Litern im gemischten
Verbrauch nach EU-Norm (alles Herstellerangaben) reicht der 45-Liter-Tank bei
ökonomischer Fahrweise für eine anständige Reichweite. Der Motor ist optimiert auf
Superbenzin, kann aber auch mit Normalbenzin (mit etwas verminderter Leistung bei höherem
Verbrauch) gefahren werden. Er erfüllt die Abgasnorm EU4.

Besonders gelungen ist das Fahrwerk des
nicht mehr ganz so kleinen Wolfsburgers. Tadelloser Geradeauslauf und eine eher direkt
ausgelegte Lenkung machen Freude. Handlich und agil gibt sich der Polo auch auf kurvigen
Strecken, dass es schon richtig Spaß macht. Der Wendekreis dürfte dabei aber ruhig etwas
kleiner sein.
Dank der präzisen Lenkung lässt sich
der Fronttriebler zielgenau auch um enge Kurven dirigieren, verfolgt sicher und neutral
die vorgegebene Spur, auch wenn es mal was fixer in die Kurve geht. Der Grenzbereich, an
dem das Fahrzeug die Bodenhaftung verliert und eine leichte Tendenz zum Untersteuern
erkennen lässt, liegt sehr hoch. Das ESP muss erst spät eingreifen, um
Stabilitätsverluste auszugleichen, und kommt damit kaum zum Einsatz. Das Fahrwerk des
Polo ist eher komfortabel abgestimmt. Dennoch bekommt der Fahrer genug Rückmeldung über
die Fahrbahnbeschaffenheit.
Unser Testwagen stand auf dank 100
PS serienmäßigen Reifen in der Größe 185/60 R 14. Immerhin war er aber nicht
mit den serienmäßigen Stahlfelgen mit Radvollblenden ausgestattet, sondern (gegen
Aufpreis versteht sich) mit schickeren Leichtmetallrädern im Sieben-Speichen-Design. Die
Bremsanlage arbeitet tadellos: schnell ansprechend, gut dosierbar und wirksam verzögernd
bereiten sie dem Vortrieb in Notfall ein abruptes Ende. Mit seinen 100 PS verfügt unser
Polo aber auch wie alle Modelle ab 75 PS über Scheibenbremsen rundum (vorne
innenbelüftet). Polo-Modelle unter 75 PS haben zwar auch ABS, aber immer noch
Trommelbremsen an der Hinterachse. Die 100-PS-Modelle sind darüber hinaus mit ESP,
Antriebsschlupfregelung, elektronische Differenzialsperre und Bremskraftverstärker
ausgestattet.

Serienmäßige Sicherheit für die
Insassen bieten Versteifungsprofile in den Türen, Verformungszonen vorne und hinten,
Drei-Punkt-Gurte und Kopfstützen auf allen Außenplätzen sowie ein Beckengurt in der
Mitte, Front- und Seitenairbag für Fahrer und Beifahrer sowie
Isofix-Kindersitzvorrüstungen auf der Rückbank außen. Die dritte Kopfstütze mit
Drei-Punkt-Gurt für die Rückbank gibt es gegen Aufpreis.
Ab 11.225 Euro steht der Basis-Polo mit
55-PS-Motor beim Händler. Für den 100-PS-Ottomotor muss man schon ab 13.925 Euro
hinlegen, in der Trendline-Ausstattung ab 14.700 Euro. Das gilt für die Zweitürer. Vier
Türen kosten ebenso Aufpreis wie Metallic- oder Perleffekt-Lackierungen. Als
Sonderausstattung gibt es nahezu all die kleinen Annehmlichkeiten des Autofahrerlebens bis
hin zur Klimaautomatik und Geschwindigkeitsregelung. In den 100 PS starken Modellen ist
immerhin die Antriebsschlupf-Regelung, ESP sowie der Bremsassistent Serie.

Volkswagen gewährt eine Neuwagen-Garantie von zwei
Jahren ohne Kilometerbegrenzung, drei Jahre auf den Lack, zwölf Jahre auf die Karosserie
sowie eine LongLife-Mobilitätsgarantie beim Einhalten der Inspektionsintervalle. In den
Typklassen-Einstufungen ist der Polo mit 17 / 14 / 32 (KH / VK / TK) nicht gerade ein
Schnäppchen in der Teilkasko-Versicherung. |