Vor dreißig Jahren, im März 1975, wurde der erste Polo vorgestellt. Knappe 3,50 m lang und 685 kg schwer
mit 40 PS aus 895 ccm Hubraum erfüllte der eng mit dem Audi 50 verwandte zweitürige
Kleinwagen für einem Preis von 7.500 Mark in der Basisausstattung automobile
Mindestbedürfnisse. Motorenpalette, Karosserie- und Ausstattungsvarianten wurden im Laufe
der Jahre erweitert und den Kundenwünschen angepasst.
Seit Herbst 2001 (Modelljahr 2002) ist
die vierte Generation des Wolfsburger Kleinwagens auf dem
Markt. Nach dreieinhalb Jahren Laufzeit kriegt der Polo im Frühjahr 2005 nun ein neues
Gesicht, aber auch unterm Blech hat sich einiges getan. Das neue Volkswagen-Gesicht mit
dem V-förmigen Kühlergrill, wie es in ähnlicher Form auch den neuen Passat ziert, löst
das kindliche Rundscheinwerfer-Doppelaugen-Gesicht, das
so sehr an den kleineren Lupo erinnerte, ab. Am Heck sind die Modifikationen
weniger an der Karosserie als vielmehr an den komplett neugestalteten ausdrucksstarken
Heckleuchten deutlich zu erkennen.
Knappe 2 cm ist der Polo mit dem
Facelift dank seiner markanteren Front auf 3,92 m angewachsen. Das grenzt schon an eine
stattliche Erscheinung, denn ein erwachsen geworden konnte man auch dem Modell von 2001 schon bescheinigen. Kurze Testfahrten quer
durch die ganze Motorenpalette verschafften uns einen ersten Eindruck.
Der facegeliftete Polo ist in
Deutschland als Drei- oder Fünftürer zu haben. Für die Frontpassagiere ist der Einstieg
in beiden Karosserievarianten sehr bequem, im Fünftürer ist ein sehr bequemer Einstieg
auch den Fondpassagieren vergönnt. Die Einstiegshilfe Easy Entry für den Dreitürer gibt
es nur in der Comfortline-Ausstattung serienmäßig (ansonsten gegen Aufpreis). Die
Platzverhältnisse erinnern in beiden Sitzreihen nicht gerade an einen Kleinwagen,
allenfalls in der Breite wird die Ellenbogenfreiheit auf der Rückbank mit drei Leuten
etwas knapp. Die Sitze sind angenehm straff und bieten guten Seitenhalt.
Geblieben ist bei identischen
Innenraummaßen ein Laderaum mit 270 Liter Fassungsvermögen (Foto: siehe Polo 4 von 2002), welches sich durch Umlegen der
asymmetrisch geteilt umklappbaren Rückbank (Serie bei Comfortline und Sportline) auf bis
zu 1.030 Liter erweitern lässt. Gestiegen ist die mögliche maximale Zuladung auf 522 bis
566 kg ja nach Motorisierung (vor dem Facelift waren es nur 470 kg).

Der Polo des Modelljahres 2006
(darunter läuft das Facelift) ist in drei Ausstattungslinien zu haben. Die Basisversion
heißt Trendline und kommt serienmäßig unter anderem mit Zentralverriegelung,
elektrischen Fensterhebern vorne, von innen einstellbaren Außenspiegeln, vertikal und
horizontal einstellbarer Lenksäule, Spiegeln in beiden Sonnenblenden, einer umklappbaren
Rückbank (Sitzbank und Lehne) sowie Wärmeschutzverglasung rundum. Die gehobene
Ausstattung Comfortline verfügt zusätzlich zum Beispiel über elektrisch einstellbare
und beheizbare Außenspiegel, Easy Entry, eine Klimaanlage,
Lederlenkrad/-Schaltknauf/-Handbremshebelgriff, die Comin-Home-Funktion der
Scheinwerfer und eine funkfernbediente Zentralverriegelung. Die sportliche Variante
Sportline baut ebenfalls auf der Trendline-Ausstattung auf und hat zusätzlich zur
Basisausstattung Extras wie eine funkfernbediente Zentralverriegelung, elektrisch
einstellbare und beheizbare Außenspiegel, einen höhenverstellbaren Fahrersitz,
Klimaanlage, Lederlenkrad/-Schaltknauf/-Handbremshebelgriff, Leichtmetallräder, eine
geteilt umlegbare Rückbank mit Mittelarmlehne, Sportsitze sowie ein Sportfahrwerk.
Optional verfügbar sind unter anderem Features wie Nebelscheinwerfer, ESP auch für die
kleineren Motoren, ein ParkPilot, elektrische Fensterheber vorne und hinten, eine
Geschwindigkeitsregelanlage, Klimaautomatik, Regensensor, Lederausstattung, Sportfahrwerk
und Leichtmetallräder sowie verschiedene Hifi-Systeme und abgedunkelte Scheiben hinten
sowie beheizbare Frontsitze und eine Reifendruck-Kontrollanzeige.
Die
Motorenpalette des neuen Polo hat für jeden etwas zu bieten. Fünf Benzinmotoren bzw.
Motorvarianten zwischen 55 und 100 PS sowie vier moderne TDI-Aggregate und
Aggregatvarianten mit Pumpe-Düse-Einspritzung zwischen 70 und 130 PS stehen zur Wahl.
Teilweise sind die Motoren schon aus dem bisherigen Polo-Modell bekannt. Einstieg in die
Benzinerpalette ist ein Dreizylinder-Ottomotor mit 1,2 Litern Hubraum, den es in zwei
Auslegungen mit 55 PS bei zwei Ventilen je Zylinder bzw. mit 65 PS bei vier Ventilen gibt.
Beide Motoren glänzen mit niedrigem Verbrauch (Volkswagen gibt hier Verbräuche von 5,8
bzw. 5,9 Liter je 100 km im gemischten Verbrauch nach EU-Norm an), sind aber dennoch vor
allem im Stadtverkehr flott unterwegs und für Dreizylinder-Motoren ausgesprochen leise.
Schon der kleine Dreizylinder-Benziner erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 152 km/h.
Darüber
rangiert ein 1,4-Liter-Benziner, den es in drei Leistungsstufen bzw. Motorvarianten gibt.
Zwei oder vier Ventile pro Zylinder regeln den Kraftstoffdurchlauf im Brennraum des
Vierzylinders, einer der Sechzehnventiler kommt sogar mit Benzindirekteinspritzung. Schon
der kleinste Vierzylinder ist mit 75 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 168 km/h
langsrecken-, um nicht zu sagen reisetauglich. Im gemischten Verbrauch nach EU-Norm
verbrauchen die Vierzylinder-Motoren mit manuellem Schaltgetriebe zwischen 5,8 und 6,6
Liter (Herstellerangaben).
Zwei
Dieselmotoren, ein 1,4-Liter-TDI mit 70 bzw. 80 PS sowie ein 1,9-Liter-TDI mit 100 bzw.
136 PS, runden das Programm zum Marktstart ab. Neu ist der 1,4-Liter-Dreizylinder-TDI in
den Auslegungen mit 70 und 80 PS, der den bisherigen 75-PS-Saugdiesel, der nur die
Abgasnorm EU3 erreichte, ablöst. Schon die Dreizylinder-Dieselmotoren verfügen über
ausreichend Drehmoment, so dass ist man angemessen flott unterwegs ist bei sparsamem
Verbrauch. Auch hier lassen die Höchstgeschwindigkeiten von 164 bzw. 174 km/h nicht auf
ein reines Stadtfahrzeug schließen, reisetauglich sind sie beide. Bekannt aus dem
abgelösten Polo sind die beiden Vierzylinder-TDIs mit zwei Ventilen je Zylinder, die 100
PS bzw. als vorläufige Topmotorisierung der Baureihe 130 PS leisten. Sattes Drehmoment,
welches schon früh zur Verfügung steht, sorgt für fast schon sportlichen Vortrieb. Die
Dreizylinder-TDIs verbrauchen im Durchschnitt nach EU-Norm 4,5 bzw. 4,4 Liter
Dieselkraftstoff je 100 km, die beiden Vierzylinder-TDIs liegen bei 4,9 bzw. 5,2 Litern
(alles Herstellerangaben).
Der Top-TDI
mit 130 PS kommt serienmäßig mit einem manuellen Sechsgang-Schaltgetriebe. Für das
Modell mit dem 75-PS-Motor ist auch ein Vierstufen-Automatikgetriebe verfügbar.
Die manuellen Schaltgetriebe glänzen mit exakter und leichtgängiger Linienführung. Die
gesamte Motorenpalette des neuen Polo erfüllt die Abgasnorm EU4. Für die Dieselaggregate
sind Partikelfilter in Vorbereitung.
Der
Fronttriebler glänzt mit gutem Geradeauslauf und ausgezeichneter Fahrstabilität. Die
bewährte adaptive elektrohydraulische Servolenkung wurde überarbeitet, weiter in
Richtung Sportlichkeit optimiert und sorgt im Vergleich für spürbar mehr
Agilität. Am Fahrwerk (McPherson-Federbeine mit unteren Dreiecksquerlenkern vorne,
Verbundlenkerachse hinten) hat sich mit dem Facelift nichts geändert. Die
Feder-Dämpfer-Abstimmung ist eher auf komfortabel getrimmt, aber ohne dabei die nötige
Fahrstabilität außer acht zu lassen. Lenkung und Fahrwerk vermitteln einen guten
Fahrbahnkontakt.
Eine spurstabile Straßenlage
vermittelt der Polo auf der flotten Hatz durch kurvige Straßen und bei plötzlichen
Spurwechseln, wo neben einem sicheren Fahrgefühl auch richtig Fahrspaß aufkommt. ABS mit
Elektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistent fahren in allen Polo-Varianten mit,
ESP gibt es nur für die Modelle über 100 PS serienmäßig, darunter als
Ausstattungsoption.
Bis auf dem
130-PS-TDI stehen alle Polo auf 14-Zoll-Rädern (je nach Ausstattung Stahl- oder
Leichtmetallräder) mit Reifen im Format 165/70 oder ab 86 PS 185/60. Der
Topmotor verfügt über 15-Zoll-Räder mit 195/55er Reifen. Die kleineren Polo-Modelle
verfügen über innenbelüftete Scheibenbremsen vorne und Trommelbremsen hinten. Ab dem
86-PS-FSI verzögern Scheibenbremsen rundum, vorne innenbelüftet. Alle Bremsanlagen
werden unterstützt durch ABS, Elektronische Bremskraftverteilung EBV und
Komfort-Bremsassistent. Der Bremsassistent ist ein mechanisch arbeitender
Dual-Rate-Bremskraftverstärker, der das ABS in Grenzsituationen wirkungsvoll
unterstützt: Ab einem gewissen Punkt, wenn das System von einer Notbremsung ausgeht, wird
die Bremspedalkraft überproportional verstärkt, um die Bremswege zu optimieren.
Serienmäßige
Sicherheit bieten den Insassen der formstabile Sicherheitsfahrgastraum,
Versteifungsprofile in Türen und Seitenstrukturen, Verformungszonen vorne und hinten,
Kopfstützen und Drei-Punkt-Gurte auf allen fünf Plätzen, Front- und Seitenairbags vorne
sowie Isofix-Kindersitzbefestigungen auf der Rückbank. Gegen Aufpreis gibt es Windowbags
für vorne und hinten sowie einen integrierten Kindersitz hinter dem Beifahrersitz. ESP ist ab 100 PS serienmäßig, darunter optional
verfügbar. Neu ist auch die optionale Reifendruckkontrolle, die ein Nachrüsten mit
pannensicheren Reifen ermöglicht. Serienmäßig verfügt der Polo über ein
Reifenreparaturset, das Ersatzrad (Stahlrad mit Fahrbereifung) kann bei 14- und
15-Zoll-Bereifung ohne Mehrpreis zusätzlich geordert werden, bei den Modellen mit
optionalen 16-Zoll-Leichtmetallern kostet das Ersatzrad (Leichtmetall mit
Fahrbereifung) extra. Als Ausstattungsoption wird nun auch ein ParkPilot-System als
Einparkhilfe am Heck angeboten.
Ab 11.250 Euro steht der Polo in den
Preislisten der Händler, in der Basisversion Trendline mit 55-PS-Dreizylinder-Motor. Die
Dieselmodelle beginnen mit Preisen ab 13.485 Euro. Für die gehobeneren Ausstattungslinien
Comfortline und Sportline berechnet Volkswagen 950 bzw. 1.550 Euro Aufpreis gegenüber der
Trendline-Ausstattung.
Die
Wartungsintervalle werden über die Service-Intervall-Anzeige übermittelt und können ja
nach Einsatz und Fahrstil bis zu 30.000 km oder zwei Jahr betragen. Volkswagen gibt über
die zweijährige Sachmängelhaftung eine sogenannte Volkswagen-Garantie (über ebenfalls
zwei Jahre), die sich auf ausgewählte Mängel laut Garantiebedingungen und nur auf
Fahrzeuge mit einem Serviceheft für den deutschen Markt erstreckt. Darüber hinaus gibt
Volkswagen drei Jahre Garantie auf den Lack sowie zwölf Jahre auf die Karosserie gegen
Durchrostung. Eine Longlife-Mobilitätsgarantie hilft beim Einhalten der
Inspektionsintervalle im Pannenfall weiter.
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