Eine besondere Faszination übt dieses Auto anscheinend auf Jungen
zwischen 12 und 15 aus. Unverholen neugierig und meistens mit einem "Wow" auf
den Lippen nähern sie sich der 5,06 m langen und 1,90 m breiten Luxuslimousine aus
Wolfsburg. Mächtig imposant ist schon seine Erscheinung. Nicht nur die Größe, sondern
auch die verhältnismäßig üppige Ausstattung mit Chrom-Zierrat verheißen Luxus. Dabei
wirkt Volkswagens Phaeton aber keineswegs protzig. Vielmehr verraten seine Linien eine
gewisse zeitlose Eleganz. Unverkennbare Akzente setzen die weit in die Seitenflanken
gezogenen Frontscheinwerfer mit dem Adlerblick sowie die LED-Heckleuchten. Dafür fehlt
ihm in der Seitenansicht das gewisse Etwas.
Wir wollten wissen, was der größte
Volkswagen kann. Im Test versuchte ein schwarz lackierter Phaeton mit
3,2-Liter-Sechszylinder-Motor von Oberklasse-Qualitäten zu überzeugen, für die
Volkswagen bislang noch kein Image hat. Der Sechszylinder kam mit einer
Fünf-Stufen-Automatik, es gibt ihn aber auch als einzigen Motor der Baureihe
mit einer manuellen Sechsgang-Schaltung.

Vier Türen ermöglichen einen einfachen
Zugang für die Passagiere vorne und hinten. Die Übersicht vom Fahrersitz über die
riesigen Ausmaße der Karosserie ist erstaunlich gut, aber die Einparkhilfe vorne und
hinten hat der Wagen trotzdem bitter nötig, weil ein Einparken natürlich in der Regel
Millimeter-Arbeit ist. Die Karosserie ist sehr gut gedämmt gegen Windgeräusche, aber
auch zum Motorraum, von wo der Motor nur bei einem kräftigen Tritt aufs Gaspedal
überhaupt zu vernehmen ist. Platz haben bis zu fünf Passagiere mehr als reichlich, das
gilt vorne wie hinten vor allem für die Kniefreiheit. Trotzdem ist der mittlere
Sitz auf der Rückbank nicht für längere Fahrten gedacht. Zwar ist er mit
Drei-Punkt-Gurt und Kopfstütze (versenkbar bei Nicht-Gebrauch), aber dank gut
ausgeformter Außensitze kommt man sich ja doch eher vor wie aufgebockt. Das ist der Platz
mit heruntergeklappter Armlehne schon besser genutzt. Als Viersitzer (gegen entsprechenden
Aufpreis) verfügt der Phaeton nicht nur über 18-Wege-Komfortsitze vorne und verstellbare
Einzelsitze im Fond, sondern auch über eine lang durchgezogene Mittelkonsole sowie je
zwei Mittelarmlehnen vorne und hinten, die mehr Komfort bieten. Das Gepäckabteil ist
rechteckig geschnitten, angemessen breit und riesig. Es fasst 500 Liter Ladung. Dank
seiner üppigen Ausstattung trägt unser Phaeton 2.110 kg Leergewicht mit sich rum (Serie
3.2 V6 Automatik: 2.056 kg), was die erlaubte Zuladung auf 530 Liter reduziert. Vier
Verzurrösen erleichtern das Sichern der Ladung im Gepäckabteil, ein Fach an der rechten
Seite in der Gepäckraumverkleidung fasst Kleinkram.

"Das sieht ja aus wie die
Oberkasseler Kirmes", kommentierte ein Kollege das Armaturenbrett. In der Tat ist es
gut, dass man fürs Fahren ja erst mal nur Gaspedal, Bremse und Lenkrad braucht, denn es
dauert schon seine Zeit, bis man den Überblick über die üppige Ausstattung an
Funktionen hat. Das Interieur ist ganz in sonnenbeige gehalten, die Oberseite des
Armaturenbrettes ist mit dunklem Leder bezogen, was störende Reflexe in der Frontscheibe
vermeidet. Die hellen Teppiche sind etwas schmutzempfindlich. Die Verarbeitung ist
tadellos, die verwendeten Materialen hochwertig. Die Pedalkappen aus Edelstahl, die
Lederausstattung und Holzapplikationen sorgen für ein edel-wohnliches Ambiente. Ablagen
stehen im Handschuhfach, in allen vier Türen, in den beiden Getränkedosenhaltern auf dem
Mitteltunnel vorne, neben dem eingebauten Telefon in der vorderen Armlehne, an den
Rückseiten der vorderen Sitzlehnen sowie für die Brille über den Innenspiegel im
Dachhimmel zur Verfügung. Das Fach in der Armlehne auf der Rückbank ist mit dem
Erste-Hilfe-Kasten gut gefüllt. An der Armlehne lassen sich zwei Getränkedosenhalter
für die Fondpassagiere ausfahren.

Die Serienausstattung des Basis-Phaetons
um einen solchen handelt es sich beim Sechszylinder-Modell ist schon sehr
umfangreich. Sie umfasst alle kleinen Annehmlichkeiten des Autofahrerlebens wie die
funkfernbediente Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber vorne und hinten,
elektrisch einstellbare und beheizbare Außenspiegel, ein automatisch abblendender
Innenspiegel, Audiosystem mit CD-Wechsler, elektrisch einstellbare 12-Wege-Sitze mit
Lendenwirbelstütze vorne, eine Vier-Zonen-Klimaautomatik, ein
Multifunktions-Lederlenkrad, Dämmverglasung rundum (Windschutzscheibe ist infrarot
reflektierend) sowie Xenon-Licht mit dynamischer Leuchtweitenregulierung, eine
Luftfederung mit elektronischer Dämpferregelung, Geschwindigkeitsregelanlage und
Regensensor.

Die Aufpreisliste ist lang, exklusiv und teuer: Sie reicht vom
Multifunktions-Leder-Holzlenkrad, dem elektrischen Sonnenschutzrollo an der Heckscheibe,
der Volllederausstattung mit Komfortsitzen (inklusive Sitzklimatisierung und
Massagefunktionen) und Memory-Paket, dem High-End-Audiosystem mit Telefoneinbau und
Navigationssystem über die Fondbedienung der Vier-Zonen-Klimaautomatik, Nebelscheinwerfer
und einer Scheinwerferanlage mit Doppel-Xenon für Abblend- und Fernlicht/Lichthupe, einer
automatischen Fahrlichtschaltung (über Dämmerungssensor) und der Tiptronic-Bedienung
über Schaltwippen am Lenkrad (sehr praktisch, wenn man lieber von Hand schaltet!) bis hin
zum Schließ- und Startsystem "Keyless Access", einer Parkdistanz-Kontrolle
vorne und hinten (sehr sinnvoll bei dieser riesigen Karosserie) sowie einer Alarmanlage
mit Innenraumüberwachung und Abschleppschutz.

Der Basis-Motor des Phaeton ist ein
3,2-Liter-Sechszylinder mit 241 PS. Super kultiviert und vibrationsarm ist er im Innenraum
im Leerlauf praktisch nicht zu hören oder zu spüren. Erst wenn man zum
Beschleunigen kräftig aufs Gaspedal tritt, macht sich der Motor akustisch bemerkbar.
Schon ab dem Leerlauf setzt er Kraft pur frei. Sein maximales Drehmoment von 315 Nm liegt
bei 2.400 Touren an, schon bei 1.000 U/min. sind es mehr als 220 Nm. Sehr souverän setzt
der Sechszylinder die schwere Karosserie in Gang. Die sehr gut abgestufte
Fünfstufen-Automatik schaltet zügig, ruhig, sauber und kaum spürbar hoch und runter.

Der Tank fasst gute 90 Liter Kraftstoff.
Den braucht der Phaeton aber auch für eine befriedigende Reichweite, speziell bei den
voluminöseren Motoren. Schon der Sechszylinder ist nicht gerade sparsam, aber er bewegt
ja auch über 2,1 t Lebendgewicht. Im Stadtverkehr schluckt er knappe 17,1 Liter je 100
km, außerorts sind es immer noch 9,4 Liter. Im gemischten Verb auch nach EU-Norm
konsumiert er bei ökonomischer Fahrweise 12,1 Liter, im Test schluckte er bei wenig
ökonomischer Fahrweise, schneller Autobahnfahrt und viel Stadtverkehr rund 17,5 Liter. Er
begnügt sich auch mit Super bleifrei, ist aber optimiert auf Super Plus. Der Motor
erfüllt die Abgasnorm EU4. Aus dem Stand auf Tempo 100 reichen ihm 9,4 Sekunden
ein guter Wert angesichts seiner Masse in Verbindung mit der Getriebeautomatik. Die
Höchstgeschwindigkeit liegt in dieser Ausstattung bei guten 242 km/h.

Der Sechszylinder als
Einstiegsmotorisierung ist mit Frontantrieb kombiniert, die leistungsstärkeren Varianten
gibt es nur mit dem Allradantrieb 4Motion. Die Lenkung ist leichtgängig und präzise, der
lange Radstand (2,88 m) verhilft zu einer guten Straßenlage und einem tadellosen
Geradeauslauf. Das serienmäßige Luftfeder-Fahrwerk verfügt über eine elektronisch
geregelte Dämpfung. Der Fahrer kann zwischen vier Stufen von komfortabel bis sportlich
wählen, wobei "sportlich" hier immer noch sehr komfortabel, wenn auch sehr
dynamisch ist. Bei höheren Geschwindigkeiten senkt die Niveauregulierung der Luftfederung
das Fahrzeug ab, durch ein manuelles Anheben der Karosserie können besonders schlechte
besser gemeistert werden. Die stufenlos geregelte Dämpfung über
Zweirohr-Gasdruckstoßdämpfer passt sich unterschiedlichen Beladungszuständen und
Aufbaubewegungen während der Fahrt automatisch an und verbessert auch in extremen
Fahrsituationen Fahrkomfort und Fahrsicherheit. Neben seinem sicheren Fahrverhalten bietet
der Phaeton aber auch eine Fahrdynamik, die man von einem Fahrzeug dieser Größe nicht
unbedingt erwartet. Von der Agilität meint man, in einem gut motorisierten Kleinwagen zu
sitzen, so pfiffig nimmt er Kurven und Biegungen. Plötzliche Ausweichmanöver absolviert
er leichtfüßig, souverän schert er danach wieder ein. Auch im Slalom macht er mit
sauberen Bewegungen eine gute Figur.

Der Phaeton ist mit allen gängigen
Fahrwerksregelsystemen gespickt: Das reicht vom ABS mit elektronischer
Bremskraftverteilung und Bremsassistent bis hin zur Antriebsschlupfregelung mit
elektronischer Differenzialsperre an den Antriebsrädern und ESP. Die beim Sechszylinder
serienmäßigen 16-Zoll-Leichtmetallräder sind bezogen mit 235/60er Reifen. Die bieten
angesichts ihrer Breite hervorragende Traktion, sehr viel Seitenführung in schnellen
Kurven und unterstützen die Vernichtung des Vortriebs im Notfall. Die breiten Reifen
bieten mit ihrem 60er Querschnitt zudem guten Komfort. Der Fahrkomfort geht dabei aber
nicht auf Kosten des guten Fahrbahnkontaktes. Die Bremsanlage ist rundum mit
innenbelüfteten Scheibenbremsen bestückt. Die Bremsen sprechen schnell an, sind gut
dosierbar und bringen den schweren Wagen schnell und sicher zum Stehen. Ein Handbremshebel
ist nicht vorhanden, die Feststellbremse wird mit dem Fuß betätigt und über einen
Zugschalter seitlich vom Lenkrad wieder gelöst.

Der passiven Sicherheit dienen die extrem
steife Fahrgastzelle und maximaler Flankenschutz; hochfeste Metalle und Spezialkunststoffe
sorgen für konkurrenzlose Torsionssteifigkeit. Die Passagiere schützen bei einem Unfall
darüber hinaus Drei-Punkt-Gurte und Kopfstützen auf allen Sitzen (vorne sogar aktive
Kopfstützen), Frontairbags vorne sowie Seiten- und Kopfairbags vorne und hinten. Die
Außenplätze der Rückbank sind mit Isofix-Kindersitzbefestigungen bestückt.
Ab 57.300 Euro steht der Phaeton in der
Basismotorisierung 3.2 V6 in der Preisliste. Mit Automatik-Getriebe Tiptronic kommt er auf
58.950 Euro. Extra kosten in der Basismotorisierung unter anderem die Volllederausstattung
mit Komfortsitzen vorne und Memory-Paket, die Einparkhilfe vorne und hinten, die
Schaltwippen zum manuellen Schalten beim Automatikgetriebe, der schlüssellose Zugang
"Keyless Access" sowie die Alarmanlage.

Die Inspektions- und Ölwechselintervalle
betragen 30.000 km (maximal zwei Jahre). Volkswagen gibt eine Sachmängelhaftung von zwei
Jahren auf das Neufahrzeug, drei Jahre auf den Lack und zwölf Jahre auf die Karosserie
gegen Durchrostung. Die von Volkswagen bekannte Longlife Mobilitätsgarantie ist
umfangreicher als für VW-Modelle der unteren Klassen (sie beinhaltet zum Beispiel einen
Ersatz-Phaeton für bis zu fünf Tage sowie andere Extras) und ist abhängig vom Einhalten
der Inspektionsintervalle. Ein weiteres Plus beim Phaeton ist der Convenience Service: Er
schließt einen Hol- und Bringservice für alle Wartungen, Reparaturen und Pannen ein.
Verschiedene andere Service-Extras können gegen Aufpreis zusätzlich gebucht werden. Die
Versicherungen stufen das Modell in die Typklassen 22 / 27 / 27 (KH / VK / TK nach
der neuen Struktur in der Fahrzeugversicherung) ein.
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