| Eigenständig
wirkt die Karosserie des Bora. Nichts deutet von außen darauf hin, dass der Stufenheck
eigentlich ein Golf mit Kofferraum ist. Was dem Bora durchaus zugute kommt: Ausgereifte
Technik aus der vierten Golf-Generation steht unter seinem Blechkleid.

Der Bora fährt optisch keineswegs als
Nachfolger von Jetta und Vento vor, auch wenn er genau das ist. Ansprechend im Design
behauptet er seine Position gegenüber dem Golf, an den er weder von vorne erinnert mit
den eckigen Klarglasscheinwerfern, noch im Heckabschluss mit der schrägen C-Säule, die
fließend in den Kofferraum übergeht. Im Karosseriedesign fällt schon eher sein Streben
nach höheren Weihen ins Auge: er wirkt fast wie ein kleiner Passat. Wir fuhren den Bora
mit 2-Liter-Motor, der gängigsten Motorisierung, in der Ausstattungslinie Trendline in
Ravennablau metallic.
Angenehme Platzverhältnisse bietet der
Bora vorne wie hinten auf straffen Sitzen. Hervorragenden Seitenhalt bieten sowohl die
Sportsitze vorne wie auch die äußeren Sitze hinten. Hochwertig ist die Anmutung des
Passagierraumes mit Lederlenkrad und handbremshebel sowie Holzschaltknauf.
Strapazierfähig ist die Qualität der Sitzbezüge: Das hat Familienqualitäten. Die hat
auch der Kofferraum mit 455 Litern Fassungsvermögen, 538 kg Zuladung verträgt der Bora.
Gut weggepackt sind Erste-Hilfe-Kasten (seitlich), Warndreieck (am Kofferraumdeckel),
Ersatzrad und Werkzeug (unterm Teppich), rechts mit einem Netz ist ein Fach abgeteilt für
Kleinkram, der nicht lose rumfliegen muss. Nur die Ladekante ist mit 70 cm zu hoch, aber
immerhin zum Schutz der Lackierung Kunststoff-überzogen. Etwas schmal sind die
Einladebreite zwischen den massigen Rückleuchten und Ladebreite zwischen den gut
verkleideten Radkästen geraten.

Das Cockpit ist Volkswagen-typisch
aufgeräumt, alles gut erreichbar, Anzeigen gut einzusehen. Das Lenkrad ist höhen- und
neigungsverstellbar. Fahrer- und Beifahrersitz verfügen über eine stufenlose
Höheneinstellung. Beide Plätze verfügen über beleuchtete Spiegel in den Sonnenblenden.
Ausreichende Ablagefächer befinden sich in den vorderen Türen und in der Mittelkonsole,
das Handschuhfach jedoch verdient seinen Namen. Die Brillenbox am Dachhimmel ist auch nur
für Nicht-Brillenträger für die Sonnenbrille zu gebrachen, da ein Brillenwechsel
während der Fahrt zu gefährlich ist. Brillenträgern empfiehlt sich hierfür das Fach in
der Mittelkonsole. Den Fondpassagieren dienen Taschen auf den Rückseiten der Vordersitze
sowie in Ablagefach in der Mittelkonsole zum Verstauen von Kleinkram. Aufpreispflichtig
sind das Glashub-/Schiebedach und die manuelle Klimaanlage. Leider gibt es keinen
Heckscheiben-Wischer.

Der 2-Liter-Motor mit 115 PS ist die
goldene Mitte im Motorenangebot der Baureihe. Nicht umsonst ist er die gefragtste
Motorisierung, denn von der Durchzugskraft und Leistungsentfaltung für ordentliche
Fahrleistungen gut. Vibrationsarm läuft er, ist aber akustisch präsent. Der Schalthebel
lässt sich präzise und auf kurzen Wegen durch die fünf Gänge schalten. Allerdings
nimmt der Motor auch schaltfaules Fahren nicht übel und zieht auch aus niedrigen
Drehzahlen gut hoch.
In 11 Sekunden zieht es den Bora von Null
auf 100, bei 195 km/h endet der Vortrieb. Damit ist er für zügige Überholmanöver auch
auf der Autobahn gut. Acht Liter Superbenzin auf 100 km gibt Volkswagen als
durchschnittlichen Verbrauch nach EU-Norm an.
Die präzise Lenkung lässt kaum Wünsche
offen: zielgenau folgt der Bora der vorgegebenen Linie. Auch der Wendekreis ist handlich.
Allerdings könnte die Lenkung um die Mittellage etwas direkter sein. Die Bremsen
(Scheibenbremsen rundum, vorne innenbelüftet) verzögern prompt und spurtreu. ABS mit
elektronischer Bremskraftverteilung gehört zur Serienausstattung.

Neutral und problemlos gibt sich der
Fronttriebler auch auf flotter Fahrt in Kurven. Erst bei extremem Kurventempo beginnt der
Bora, leicht zu untersteuern. Tückische Lastwechselreaktionen sind ihm fremd. Der
Grenzbereich liegt sehr hoch, das serienmäßige ESP greift erst spät ein, ohne dass der
Fahrer bis dahin vor Probleme gestellt wird.
Die Feder-Dämpfer-Abstimmung ist
komfortabel, aber nicht zu weich, so dass sie der Karosserie auch in Kurven oder bei
plötzlichen Spurwechseln akzeptablen Seitenhalt bietet.
Sicherheit serienmäßig bietet der Bora
durch einen formstabilen Fahrgastraum, Versteifungsprofilen in den Türen und
Seitenstrukturen sowie Verformungszonen vorne und hinten. Kopfstützen und
Drei-Punkt-Sicherheitsgurte auf allen Außenplätzen, Beckengurt hinten in der Mitte sind
Serie ab Basis. Ebenso Isofix-Kindersitzvorrüstungen auf den Außenplätzen hinten. Gegen
Aufpreis sind auch die dritte Kopfstütze und ein Drei-Punkt-Gurt hinten, eine
Rücksitzbank mit zwei integrierten Kindersitzen (für Kinder ab 3 Jahre) sowie ein
Kopfairbagsystem zu haben.
Ab 32.320 Mark ist der Bora zu haben.
Preislich liegt er damit weit über Golf-Niveau. Er tritt an gegen den Dreier von BMW und
den Audi A4. Der 2-Liter-Bora steht ab 37.063 Mark in der Preisliste, mit
Trendline-Ausstattung ab 39.166 Mark. Für einen Bora nämlich den V6 4Motion
kann man aber auch ganz locker ab über 54.000 Mark auf den Tisch des Hauses
blättern.

Serienmäßig verfügt der Bora schon in
der Basis-Ausstattung über das komplette Sicherheitsprogramm, Zentralverriegelung, von
innen einstellbare Außenspiegel sowie beleuchtete Spiegel in beiden Sonnenblenden. Die
Trendline-Ausstattung bietet zusätzlich Leichtmetallräder, in Wagenfarbe lackierte
Stoßschutzleisten rundum, Kühlergrill und Türgriffe in Wagenfarbe, Sportsitze vorn und
Leder an Lenkradkranz, Schalthebelmanschette und Handbremsgriff sowie Holzschaltknauf. Die
Metallic-Lackierung kostet 704 Mark Aufpreis, die manuelle Klimaanlage 2.132 Mark, das
Elektrik-Komfortpaket 1.105 Mark und das Glashub-/Schiebedach 1.486 Mark. Das
Multifunktions-Lederlenkrad inklusive Geschwindigkeitsregelanlage schlägt mit 802 Mark zu
Buche, das Sicherheits-Komfortpaket mit drittem Drei-Punkt-Gurt und Kopfstütze hinten
sowie 1:2 geteilter Rückbank noch einmal mit 111 Mark. Die in die Rücksitzbank
integrierten Kindersitze kosten 518 Mark, das Kopfairbagsystem 782 Mark.
Volkswagen gewährt eine Neuwagen-Garantie von einem Jahr
ohne Kilometerbegrenzung, 3 Jahre auf den Lack, 12 Jahre auf die Karosserie sowie eine
LongLife-Mobilitätsgarantie beim Einhalten der Inspektionsintervalle. Die
Versicherungseinstufungen liegen mit 16 / 13 / 32 (KH / VK / TK) sogar verhältnismäßig
günstig. |