Ihn mit Vernunftkriterien messen zu wollen, kann nur dazu führen, daß man ihn nicht mag.
Er ist unvernünftig und unpraktisch in jeder Hinsicht: zu klein, zu wenig übersichtlich
und überhaupt! Aber wer ein vernünftiges Auto will, wird in der Volkswagen-Modellpalette
nicht nur mit dem Golf fündig.

Was mit Vernunft gemessen nicht
begeistern kann, muß mit anderen Maßstäben gemessen werden. Also wenden wir uns den
Gefühl zu: Schnuckelig sieht es aus, das kleine Krabbeltierchen auf vier Rädern. Nun ja,
so klein ist er eigentlich nicht, mit 4,08 m Länge, 1,73 m Breite und 1,50 Höhe. Aber
schön anzusehen und in seinem freundlichen Cybergreen metallic gibt es die Farbe
eigentlich auch in Deutsch? verbreitet er Spaß und gute Laune und das nicht
nur bei strahlendem Sonnenschein, der uns in Deutschland ohnehin viel zu selten vergönnt
ist.
Ein bißchen erinnert der Beetle an den alten Käfer,
aber das sind nur (von den Automobildesignern bewußt gewählte) Anlehnungen an den als
Basismotorisierung für die Massen konzipierten Käfer. Der Beetle zielt in eine andere
Richtung: ein bißchen Nostalgie, ein bißchen Lifestyle von heute ein Spaßauto
halt, daß in keine praktische oder gar vernünftige Ecke paßt.
Perfekt gestylt ist das Cockpit, das in
ehemaligen Käfer-Fahrern durchaus nostalgische Gefühle weckt: vom Haltegriff über dem
Handschuhfach und den Halteschlaufen an der B-Säule über die Staufächer in den Türen
bis hin zur Blumenvase. Nicht sonderlich nützlich in den Tagen von "Easy
Entry"-Funktionen, Sicherheitsgurten und Airbags, aber angestaubt mit
Erinnerungswerten. Großflächig und rundlich gestaltet stellt das Beelte-Cockpit aber
einen krassen Gegensatz zum eher kleinen, engen Käfer-Armaturenbrett dar.

Das Armaturenbrett wirkt ein wenig
nüchtern, auch wenn es perfekt durchdesignt ist. Leben bringt da die kleine Blumenvase,
die ich im Test stets gefüllt hatte: mal mit echten, mal mit Seidenblumen. Je kleiner der
Strauß in der Vase, desto weniger hat der Fahrer allerdings davon. Links von der
Mittelkonsole hinter dem Lenkrad versteckt erfreut sich hauptsächlich der Beifahrer an
der blühenden Pracht. In der Design-Studie "Concept 1" war die Blumenvase noch
auf der Beifahrer-Seite angebracht, wo auch der Fahrer den Blumenstrauß gut im Blick
hatte. Mal ganz abgesehen davon, daß sich der Fahrer bei einem üppigeren Strauß etwas
vorsehen muß beim Lenken. Und etwas reichhaltiger darf der Strauß ruhig sein, denn er
bringt Leben ins Innere des Beetle. Sehr unpraktisch ist allerdings die Tatsache, daß die
Blumenvase fest installiert ist: Hin und wieder sollte sie ja doch mal gründlich gespült
werden vor allem, wenn man frische Blumen bevorzugt.
Der Einstieg in den Fond ist einfach dank der "Easy
Entry"-Funktion der vorderen Sitze. Allerdings finden auf den Rücksitzen bestenfalls
Kinder ausreichend Platz. Weniger wegen der Kniefreiheit die ist ausreichend
bemessen als vielmehr wegen der Kopffreiheit sollten hinten nur bis zu 1,60 m
große Personen Platz nehmen. Die Rücksitzbank ist nur für zwei Passagiere konzipiert:
Zumindest in der Breite haben die "Hinterbänkler" wenigstens reichlich Platz.
Der Kofferraum nimmt über die viel zu hohe Ladekante von
73 cm nur 209 Liter Gepäck auf. Auch glänzt der Laderaum nicht gerade mit guter
Zugänglichkeit, aber das muß man bei einem solchen Designer-Auto wohl in Kauf nehmen.
Bei umgelegter Rückbank sind immerhin bis zu 527 Liter Zuladung möglich.
Technische Perfektion fast ohne Fehl und
Tadel Großserienproduktion auf der technischen Plattform des Golf machen es
möglich ist in dem "Designer-Golf" im Gegensatz zum alten Käfer
selbstverständlich. Motoren, die neben gutem Durchzugsvermögen mit relativ niedrigem
Verbrauch immerhin hat der Beetle einen Luftwiderstandbeiwert (cw-Wert) von 0,38 in
einer Klasse, wo 0,29 bis 0.30 die Norm sind auch mit niedrigen
Schadstoffemissionen glänzen. Der bekannte 1,9 Liter-Turbodiesel mit 90 PS erfüllt die
Abgasnorm D3, der 2 Liter-Ottomotor mit 115 PS aus unserem Testwagen sogar die Abgasnorm
D4.
Nur in seiner Lautstärke bei höheren
Drehzahlen erinnert unser Testwagen an den alten Käfer, nicht aber mit dem Verbrauch:
Knappe 9,8 Liter Superbenzin auf 100 km waren es im Test mit meinem doch eher sportlichen
Fahrstil. Bei zurückhaltender Fahrweise sollen laut Hersteller 8,7 Liter im gemischten
Verbrauch möglich sein. Wenn man leichte Leistungseinbußen in Kauf nimmt, fährt der
2.0-Liter-Beetle auch mit Normalbenzin.
Mit 10.9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo
100 und 185 km/h ist der Benziner-Beetle kein Sprinter, aber dafür ist er ja auch nicht
gebaut. Dennoch kann man mit diesen Fahrleistungen komfortabel auch größere Strecken
zurücklegen und auf Autobahnen bequem und zügig überholen. Ansonsten macht das
rundliche Krabbeltierchen vor allem bei ruhigerem Fahren durch Städte und Dörfer was
her, denn es zieht dank seiner freundlichen Formen und Farben die Blicke auf sich.
Nichts desto trotz ist Fahren das, was
dieser knubbelige Rundling am besten kann. Die Fünfgang-Schaltung ist klasse:
leichtgängig und präzise flutscht der Schaltknüppel durch die Gänge. Fast schon
schade, daß man die Schaltung so wenig braucht, denn dank der kurzen Getriebeübersetzung
läßt sich der Beetle herrlich schaltfaul fahren.

Spaß an diesem Auto machen aber nicht
nur die Motoren, sondern auch das Fahrwerk. Nicht aus der Ruhe zu bringen ist der Beetle.
Unbeirrbar zieht er auch bei flotterem Tempo seine Runden, schiebt in zu schnellen Kurven
vielleicht ein wenig über die Vorderräder, bleibt aber jederzeit beherrschbar und läßt
sich nicht zu Lastwechselreaktionen hinreißen, die den Fahrer überfordern würden. Die
gute, wenn auch ein wenig harte Straßenlage verdankt unser Beetle der straffen Federung
und seinen breiten 205/55er Reifen auf 16 Zoll-Felgen, was aber meinem sportlichen
Fahrstil mit seiner guten Bodenhaftung sehr entgegenkommt.
Auch an der Standfestigkeit der Bremsen
(Scheibenbremsen rundum, vorne innenbelüftet) gibt es nichts auszusetzen. Kräftig und
gut dosierbar bringen sie den Beetle schnell zum Stand. Die Sicherheitsfeatures umfassen
ein Anti-Blockiersystem und das elektronische Stabilitätsprogramm serienmäßig,
allerdings trotzt der Beetle auch ohne ESP problemlos jedem Elch. Front- und
Seiten-Airbags sind ebenso Serienausstattung wie Dreipunkt-Automatik-Sicherheitsgurte
(vorne höhenverstellbar und mit Gurtstraffer), vier Kopfstützen und die elektronische
Wegfahrsperre.
Dieser Rundling ist ein Ausbund an Fahrspaß, was sowohl
die Durchzugskraft der Motoren wie auch die fast perfekte Fahrwerksabstimmung angeht.
Technische Perfektion und ein ganz klein wenig Vernunft sind hier gepaart mit viel Gefühl
von Käfer-Nostalgie mit Blumenvase über die lustig dreinblickenden
Scheinwerfer-Augen bis hin zu einem Fahrwerk und Motoren, die dem passionierten Autofahrer
einfach Spaß machen. Allerdings verlangt der Beetle dem Käufer eine hohe Toleranz für
die praktischen Unzulänglichkeiten ab und einen für ein Spaßauto sehr hohen
Preis (ab 34.950 Mark). Die Aufpreisliste ist lang und beginnt bei der Klimaanlage für
2.050 Mark und der Metallic-Lackierung für 680 Mark. Mit allen Extras lag unser Testwagen
schon über 40.000 Mark. Da tröstet auch die günstige Vollkasko-Versicherungseinstufung
(Typklasse 14, die Reparturfreundlichkeit läßt grüßen) nichts, denn die Haftpflicht
liegt mit Typklasse 32 weit über den Klassendurchschnitt (gilt jeweils für den Benziner,
der Diesel ist noch etwas teurer). |