
Keine lange Laufzeit war der achten
Generation des Toyota Corolla beschieden. Zu kontrovers war das Design für den
europäischen Markt. 1997 vorgestellt, ein Facelift kam 2000 und schon 2001 auf der
IAA 2001 wurde die neunte Generation vorgestellt. Seit Januar 2002 steht der neue Corolla
bei den Händlern. Nichts erinnert im Design an den Vorgänger. Stämmiger ist die
Karosserielinie geworden. Ein bisschen Ähnlichkeit hat er dabei mit dem parallel
vorgestellten Fiat Stilo. Wir fuhren einen fünftürigen Corolla mit 1,6-Liter-Motor in
der Ausstattungsvariante "linea sol" lackiert in Platingrau Mica Metallic.
"Linea sol" ist die komfortable Top-Variante, "TS" das sportliche
Gegenstück.

Auf 11 cm weniger Karosserielänge als
der Vorgänger (4,18 m) bietet der neue Corolla dank eines größeren Radstands (2,60 m)
mehr Raum für die Insassen. In der fünftürigen Variante erlaubt er allen Passagieren
einen bequemen Einstieg. Der Innenraum mutet sportlich an mit den Applikationen im
Chrom-Design und den Sportsitzen vorne. Die Verarbeitung ist tadellos, der
Qualitätseindruck ist insgesamt gut, auch wenn die unterschiedlichen Kunststoffe
unterschiedliche Eindrücke hinterlassen. Die straffen Sportsitze vorne bieten guten
Seitenhalt in den Kurven. Die Rückbank ist weicher gepolstert, auf den gut konturierten
Außenplätzen fühlen sich Passagiere auch sehr wohl.

Das Cockpit stellt den Fahrer in keiner
Weise vor Probleme. Übersichtlich und ergonomisch gestaltet lassen sich Schalter gut
bedienen, Anzeigen gut ablesen. Ablagen gibt es reichlich in der Anzahl, allerdings
primär für die Frontpassagiere. Den Fondinsassen stehen lediglich Taschen an den
Rückseiten der Vordersitze zur Verfügung, während die Frontpassagiere kaum so viel
Kleinkram mitbringen können, wie ihnen Fächer zur Verfügung stehen.

Auf der Rückbank ist nicht nur die Lehne
asymmetrisch 60:40 (mit dem breiteren Teil rechts) geteilt umlegbar, auch die Sitzbank
(60:40 geteilt) lässt sich komplett nach vorne hinter die Vordersitze klappen, was einen
ebenen Laderaum das Fassungsvermögen von den eher bescheidenen 289 Litern unter der
Laderaumabdeckung hinter den Rücksitzen auf gute 1.190 Liter erweitert. Im Vorgänger
betrug die Ladekapazität zwischen 372 und 1.060 Liter. Die maximal erlaubte Zuladung von
450 kg geht für einen Kompakten schon in Ordnung.

Die Serienausstattung ist gut. Schon die
Basisversion "Corolla C" verfügt über das hochwertige Optitron-Display, ein
RDS-Radio mit Cassetten-Spieler, ein höhenverstellbares Lenkrad und ein
Multi-Info-Display für die Anzeigen des Bordcomputers. Interessant wird es ab der
Ausstattungslinie "Corolla" mit funkfernbedienter Zentralverriegelung,
elektrischen Fensterhebern vorn und elektrisch einstellbaren und beheizbaren
Außenspiegeln sowie je nach Motorisierung Traktionskontrolle, ESP und
Bremsassistent. Die "linea sol"-Version wartet zusätzlich unter anderem auf mit
einem RDS-Radio mit CD-Spieler, Nebelscheinwerfern, elektrischen Fensterhebern in allen
Türen sowie einer Klimaautomatik. Aufpreis kostete in unserem Testwagen neben der
Mica-Metallic-Lackierung nur das Audio-Navigationssystem.

Drei Benziner und zwei Diesel umfasst das
Motorenprogramm für den Corolla. Die Benziner verfügen alle über eine Direktzündung
(DIS) und die intelligente variable Ventilsteuerung VVT-i für weniger Schadstoffe und
mehr Kraftstoffökonomie. Unser 1,6-Liter-Aggregat leistet 110 PS. Damit ist er insgesamt
über die ganze Drehzahlspanne sehr flott unterwegs, auch wenn das Drehmomentmaximum von
150 Nm erst bei 4.800 U/min. anliegt. Laufruhig und kultiviert, aber auch antritts- und
durchzugsstark glänzt der Motor mit seiner gleichmäßigen Leistungsentfaltung, die auf
den Straßen wirklich Spaß macht.
Das manuelle Fünfgang-Schaltgetriebe
zeichnet sich aus durch kurze Schaltwege und eine präzise Hebelführung durch die enge
Schaltgasse. Die Durchzugskraft des Motors ermöglicht schaltfaules Fahren, was angesichts
der tollen Schaltung fast schon bedauerlich ist.

In 10,2 Sekunden sprintet der
Vierzylinder-Vierventiler von Null auf Tempo 100, bei 190 km/h erreicht er seine
Höchstgeschwindigkeit. Das ist auch für lange Touren angenehm für zügiges Vorankommen.
Dabei gibt er sich bei ökonomischer Fahrweise sehr sparsam: Im Stadtverkehr verbraucht er
9 Liter Superbenzin je 100 km, außerorts sind es 5,9 Liter, gute 7 Liter schluckt er im
gemischten Verbrauch nach EU-Norm (alles Herstellerangaben). Der Motor erfüllt die
Abgasnorm EU4.
Der Fronttriebler gefällt mit gutem
Geradeauslauf und seiner direkt ausgelegten servo-unterstützten Lenkung ungemein. Der
lange Radstand unterstützt die präzise Spurführung, dabei ist der Wendekreis aber nicht
zu groß. Die Fahrwerksabstimmung bietet einen guten Kompromiss zwischen straff und
komfortabel, um guten Fahrkomfort bei stabiler Straßenlage zu garantieren. Dabei
vermittelt der Corolla guten Fahrbahnkontakt.

Sportlich-agil bewegt er sich durch
kurvige Passagen, hier offenbart er seine besonderen Stärken auch bei höherem Tempo.
Problemlos und sicher lässt er sich auch um engste Biegungen zirkeln, erst bei höherem
Tempo deutet nur eine leichte Tendenz zum Untersteuern den nahenden Grenzbereich an.
Plötzliche Spurwechsel absolviert er fahrstabil auch bei höherer Geschwindigkeit, beim
wieder Einscheren folgt er willig der vorgegebenen Spur, das serienmäßige ESP (heißt
hier VSC) kommt kaum zum Einsatz, der hoch angesetzte Grenzbereich erfordert es selten.
An der Vorderachse kommen
McPherson-Federbeine mit Gasdruckstoßdämpfern und Stabilisator zum Einsatz, hinten
arbeitet eine weiterentwickelte Torsionslenkerachse ebenfalls mit Gasdruckstoßdämpfern
und Stabilisator. Alle Corolla-Modelle verfügen ab Werk über ABS mit elektronisch
gesteuerter Bremskraftverteilung. Der Corolla ist mit dem 1,6- sowie dem 1,8-Liter-Motor
serienmäßig außerdem mit der elektronischen Stabilitätskontrolle VSC, der
Traktionskontrolle TRC sowie einem Bremsassistenten ausgestattet.

Serienmäßig steht der Corolla in der
"Corolla"- und der "linea sol"-Ausstattung auf 15-Zoll-Stahlfelgen mit
Radabdeckung und 195/60er Bereifung. Die Bremsen (Scheibenbremsen rundum, vorne
innenbelüftet) sind leistungsfähig, sprechen gut und gut dosierbar an und verzögern im
Notfall schnell, spurtreu und sicher.
Eine extrem steife Karosseriestruktur
durch aufwändig verstärkte Längs- und Querträger sowie Seitenaufprallschutz in den
Türen und optimierte Zonen, die im Falle eines Unfalles die Aufprallenergie aufnehmen,
schützen die Insassen. Fünf Drei-Punkt-Gurte und fünf Kopfstützen (die auf der
Rückbank sind versenkbar)s, Front- und Seitenairbags für die Frontpassagiere, Energie
absorbierende Verkleidungen an A-, B- und C-Säule sowie Isofix-Kindersitzbefestigungen
auf den Außenplätzen hinten mindern die Crashfolgen im Innenraum. Das WIL-System in den
Vordersitzlehnen und -kopfstützen dämpft bei einem Heckaufprall den Rückschlag von
Oberkörper und Kopf und verringert damit das Schleudertrauma-Risiko.

Ab 13.550 Euro steht der
Corolla-Dreitürer beim Händler, der Fünftürer ab 14.200 Euro. Als Fünftürer in
"linea sol"-Ausführung mit 1,6-Liter-Motor ist er ab 18.300 Euro zu haben. Die
Serienausstattung ist umfangreich. Aufpreis kosten lediglich die Metallic-Lackierung sowie
das Audio-Navigationssystem.
Die Versicherungs-Typklassen lauten 16 / 12 / 24 (KH / VK
/ TK). Die Service-Intervalle betragen 30.000 km (oder zwei Jahre), dazwischen ist nach
15.000 km (oder einem Jahr) ein Zwischen-Check mit Ölwechsel fällig. Toyota gewährt 3
Jahre Garantie (bis 100.000 km) auf den Wagen, ein bis drei Jahre auf alle vom
Toyota-Partner eingebauten Originalersatzteile, drei Jahre auf den Lack und zwölf Jahre
auf die Karosserie gegen Durchrostung. Ein europaweiter Mobil-Service für drei Jahre ab
Erstzulassung rundet das Paket ab, der Mobil-Service ist gegen Aufpreis um weitere zwei
Jahre verlängerbar. |