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Der neue Toyota
Auris (von „aurum“, lat. Gold) löst den Bestseller Corolla ab,
der nach neun Generationen seit 1966 und über 32 Mio. verkauften
Exemplaren als das meistverkaufte Auto der
Welt (* siehe Anmerkung unten) in den Ruhestand
geht. Seit März ist der in Toyotas Design-Zentrum in Südfrankreich
gezeichnete Corolla-Nachfolger auf dem Markt. Eine Ausfahrt in einem
Auris 1.6 in der Ausstattungslinie Executive vermittelte erste Eindrücke.
Der 4,22 m lange
Auris ist – wie schon sein Vorgänger – als Drei- oder Fünftürer
zu haben. Die fünf Türen unseres Testwagens bieten guten Zugang für
Passagiere und Gepäck. Bei 1,51 m Höhe ist auch die Sitzposition
recht hoch. Die Vordersitze sind ausreichend straff, gut konturiert
und bieten im Schulterbereich akzeptablen Seitenhalt. Das
Platzangebot ist in beiden Sitzreihen großzügig, auch drei Leute
auf der Rückbank sitzen nicht wirklich unbequem. Die Übersicht ist
vor allem nach hinten nicht wirklich prickelnd, die optionale
Einparkhilfe ist eine gute Empfehlung. Nach vorne macht es die weit
nach vorne gezogene Frontscheibe schwierig, die Abmessungen der
Karosserie einzuschätzen.

Der Kofferraum
fasst 354 Liter. Nach Umklappen der asymmetrisch geteilten Rückbanklehne
(ist ab der Basisversion Serie) stehen dachhoch bis zu 1.335 Liter
zur Verfügung. Unser Auris wird dank der üppigen Ausstattung eher
am oberen Ende der möglichen 1.305 – 1.380 kg Leergewicht liegen,
was bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 1.750 kg die erlaubte
maximale Zuladung auf 370 kg reduziert. Verzurrösen im Kofferraum
erleichtern das Sichern von Ladung. Hochwertige Materialien und eine
tadellose Verarbeitung kennzeichnen den Innenraum. Das Cockpit ist
eher funktional gezeichnet, mit Kurven und klaren Linien. Die
Anordnung von Schaltern und Anzeigen ist ergonomisch und gibt dem
Fahrer keine Rätsel auf.

Über der
Basisversion gibt es drei Ausstattungslinien, die den
unterschiedlichen Bedürfnissen der Käufer Rechnung tragen. Ab der
Basisversion ist der Auris unter anderem serienmäßig ausgestattet
mit einer funkfernbedienten Zentralverriegelung, elektrischen
Fensterhebern vorne, elektrisch einstellbaren Außenspiegeln,
RDS-Radio mit CD-Player und vier Lautsprechern, Bordcomputer, Gepäckraumabdeckung,
Wärmeschutzverglasung rundum und 15-Zoll-Stahlfelgen mit
Radvollblenden. Die Linie Luna verfügt darüber hinaus über
beheizbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber hinten, eine
manuelle Klimaanlage, Schaltknauf und Lenkrad (mit integrierter
Audio-Bedienung) in Leder, sechs Lautsprecher für das Audiosystem
und Nebelscheinwerfer.

Die Linie Sol bietet zudem Features wie eine
elektronische Geschwindigkeitsregelanlage (allerdings nicht für den
1,4-Liter-Benziner) mit Geschwindigkeitsbegrenzer (aber nicht in
Verbindung mit Multi-Mode-Getriebe) sowie eine
Zwei-Zonen-Klimaautomatik. Die Top-Ausstattung Executive verfügt
zusätzlich serienmäßig über Extras wie 16-Zoll-Leichtmetallräder,
Xenon-Scheinwerfer, Regensensor und Lichtautomatik, automatisch
abblendende Innenspiegel, eine Mittelarmlehne hinten mit Getränkehaltern
sowie das schlüssellose Zugangs- und Startsystem Smart-Key. Dazu
gibt es für die Executive-Ausstattung in der Preisliste Extras wie
CD-Wechsler, ein Multivisions-, Audio- und DVD-Navigationssystem, eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung und eine Einparkhilfe
hinten (als Zubehörausstattung zum nachträglichen Einbau sogar für
vorne und hinten).
Mit zwei Benzin-
und zwei Dieselmotoren geht der Auris an den Start. Die beiden
Selbstzünder sind aus dem Vorgängermodell sowie der
Avensis-Baureihe hinlänglich bekannt: der 2.0 D-4D leistet 126 PS (im Corolla Verso haben wir 2004
mal die 116-PS-Version getestet), der 2.2 D-CAT 177 PS (Test im Avensis
2005). Der 97 PS starke Einstiegsbenziner mit 1,4 Litern Hubraum
stammt in dieser Form noch aus dem Corolla. Unser 1.6 Dual VVT-i ist
eine Neuentwicklung und leistet 124 PS. Der bisherige 1.6 VVT-i
brachte es auf 110 PS (Test im Corolla 2003). Der Motor verfügt
als Weiterentwicklung des alten 1.6 VVT-i über eine duale variable
Ventilsteuerung (Dual VVT-i), die eine stufelose Verstellung sowohl
der Einlass- als auch der Auslassnockenwelle ermöglicht. Diese
Technik, die elektronische Drosselklappensteuerung ETCS-i sowie
diverse andere Maßnahmen ermöglichen den – so Toyota –
„optimalen Kompromiss zwischen Fahrdynamik und
Wirtschaftlichkeit“. Trotz
seiner über 1,3 t schwere Karosserie ist er recht flott unterwegs.
Er nimmt gut Gas an und dreht freudig hoch. Man kann ihn aber auch
– aus Sparsamkeitsgründen – mit wenig Drehzahl fahren, ohne
sich wie eine lahme Ente vorzukommen. In punkto Antritt,
Durchzug und Leistungsentfaltung bietet der
1,6-Liter-Sechzehnventiler sehr anständige Kost. Das
maximale Drehmoment von 157 Nm liegt aber erst sehr spät, nämlich
bei 5.200 U/min. an. Aber schon ab 2.000 Touren stehen über 140 Nm
zur Verfügung. Insgesamt läuft der Motor sehr ruhig und kultiviert
und er ist dank seines vibrationsarmen Laufs im Innenraum kaum zu spüren.
Erst bei hohen Drehzahlen wird er akustisch präsent, klingt dann
aber kernig und keineswegs aufdringlich.

Der Schalthebel für
das serienmäßige Fünfgang-Schaltgetriebe sitzt relativ hoch unter
der Mittelkonsole. Der Hebel lässt sich leichtgängig, präzise und
knackig führen. Die Gänge sind eher lang ausgelegt für größere
Kraftstoffökonomie. Dennoch könnte der Motor einen sechsten Gang
gut gebrauchen, um bei höherem Tempo die Drehzahl und damit den Geräuschpegel
noch ein wenig zu senken. Es gibt eigentlich keine Grund, dem
Benziner das Sechsgang-Schaltgetriebe der Dieselmotoren
vorzuenthalten …
Für die
Beschleunigung aus dem Stand auf 100 km/h braucht er knappe 10,4
Sekunden, seine Höchstgeschwindigkeit erreicht er bei 190 km/h. Das
reicht für ein mehr als zügiges Vorankommen allemal. Innerorts
verbraucht der 1.6er Auris 9,0 Liter Superbenzin je 100 km, 5,9
Liter sind es außerorts und 7,1 Liter im gemischten Verbrauch nach
EU-Norm – bei ökonomischer Fahrweise, versteht sich (alles
Herstellerangaben). Die Verbräuche des 1.6 Dual VVT-i mit manueller
Schaltung liegen damit nur geringfügig über denen des
1,4-Liter-Benziners. Mit Automatik-Getriebe fährt der 1.6er übrigens
genauso sparsam wie der 1.4er Auris. Der Motor erfüllt die
Abgasnorm EU4, der CO2-Ausstoß beträgt 166 g pro km.
Der
frontgetriebene Auris glänzt mit einem tadellosen Geradeauslauf.
Die präzise Lenkung ist sehr direkt ausgelegt, was dem Auris eine
gute Portion Fahrdynamik und Agilität verleiht. Passend
dazu ist das Fahrwerk eher straff abgestimmt, es bietet aber dennoch
geschmeidigen Abrollkomfort und bügelt kleine Unebenheiten sauber
glatt.
Lenkung
und Fahrwerk vermitteln guten Kontakt zur Fahrbahn. Hohe
Spurstabilität auch in flotten Kurven sowie sicheres Führen bei plötzlichen
Ausweichmanövern zählen zu seinen Stärken. Problemlos ist er im
Handling bis kurz vor den Grenzbereich, den der Auris durch ein
leichtes Schieben über die Vorderräder ankündigt.

Serienmäßig
steht der Auris 16-Zoll-Rädern (in der Executive-Ausstattung auf
Leichtmetallern) mit 205/55er Reifen. Die Bremsanlage mit ordentlich
dimensionierten Scheibenbremsen rundum (vorne innenbelüftet) verzögert
gut dosierbar, prompt und spurtreu. An aktiven Helfern hat er ABS
mit elektronischer Bremskraftverteilung EBD, einen Bremsassistenten
(BA), die elektronische Stabilitätskontrolle VSC (heißt woanders
ESP) und die Traktionskontrolle TRC (Antriebsschlupfregelung) mit an
Bord.

Der
Auris verfügt über eine Aufprallenergie absorbierende
Sicherheitskarosserie, Seitenaufprallschutz mit zusätzlichen
Energie absorbierendem Material in den Türen, Kopfstützen und
Drei-Punkt-Gurte auf allen Sitzplätze, aktive Kopfstützen vorne (Schleudertrauma-Schutzsystem
WIL), Front- und Seitenairbags für die Frontpassagiere, Knieairbag
für den Fahrer, Kopfairbags (Curtain Shield) für vorne und hinten
und Isofix-Kindersitzbefestigungen auf der Rückbank. Der
Beifahrerairbag ist abschaltbar, damit Kindersitze auch gegen die
Fahrtrichtung angebracht werden können. Im EuroNCAP gab es 2006 das
Maximum von fünf Sternen für Insassensicherheit. Zum
Ausstattungsumfang zählt zur Gewichtsoptimierung ein Notlaufrad
anstelle eines vollwertigen Ersatzrades.
Ab 15.200 Euro
ist der Auris zu haben, als Dreitürer in Basisausstattung und mit einem
1,4-Liter-Ottomotor. Die fünftürigen Varianten sind jeweils 700
Euro teurer als die Dreitürer. Der 1,6-Liter-Benziner ist erst ab
der Ausstattungslinie Luna zu haben und kostet ab 17.750 Euro (Fünftürer
ab 18.450 Euro). Der 1.6er Auris ist in der Executive-Ausstattung
lediglich als Fünftürer zu haben und schlägt mit Preisen ab
20.950 Euro zu Buche. Aufpreis kosten Mica-/Metallic-Lackierungen,
ein Multivisions-, Audio- und DVD-Navigationssystem, eine
Bluetooth-Freisprecheinrichtung, CD-Wechsler sowie eine Einparkhilfe
hinten.
Toyota
gibt eine dreijährige Neuwagen-Garantie (bis 100.000 km) inkl. fast
europaweiter Mobilitätsgarantie Eurocare, drei Jahre auf den Lack
sowie zwölf Jahre auf die Karosserie gegen Durchrostung. Zu
Fitnesscheck und Ölwechsel muss der Auris alle 15.000 km (oder
einmal jährlich), zum großen Service alle 30.000 km (oder alle
zwei Jahre). Die Versicherungen stufen das Modell in die Typklassen
14 / 14 / 15 (KH / VK / TK) ein.
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*)
ANMERKUNG: Seit 1966 liefen neun Modell-Generationen mit Namen
Corolla vom Band und es hatte ein Wechsel des Antriebskonzepts (von
Heck- auf Frontantrieb) stattgefunden, so dass man auch den
weitgehend nur wenig modifizierten Käfer oder den immerhin in fünf
Generationen immer als Fronttriebler gebauten Golf als
meistverkaufte Autos der Welt bezeichnen könnte.
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