Seit dem Marktstart des Leon im Herbst 1999
sind die Formen bei Seat dynamischer geworden. Die Karosserie-Zeichnung trägt
Chefdesigner Walter de Silvas Handschrift: Sportlicher und emotionaler präsentiert sich
die Marke heute. Der kompakte Leon ist technisch verwandt mit dem Golf, auf dessen
Bodengruppe er steht. Der 4,18 m lange Leon verfügt von daher mit 2,51 m über den
gleichen Radstand wie der Wolfsburger.

Als Sondermodell Torrid hat Seat den Leon
jetzt im Angebot. "Torrid" kommt vom spanischen "tórrido" (sehr
heiß) oder dem englischen "torrid" (glühend heiß). Wie heiß der Spanier
wirklich ist, testeten wir in einem Leon Torrid mit 1,9-Liter-TDI-Motor und 110 PS.
Lackiert war der Testwagen in der Farbe Clara-Grau Metallic.
Die weit öffnenden Türen erlauben vorne
wie hinten einen bequemen Einstieg. Die Sitze sind nicht zu straff und ausreichend
komfortabel. Vorne sitzen auch langbeinige Leute dank der großzügigen Sitzflächen
bequem. Der Knieraum hinten kann leiden, wenn vorne große Passagiere sitzen, aber für
einen Kompaktwagen ist das Platzangebot gut. Sogar der Mittelsitz in der hinteren Reihe
ist bequem, wenn es auch mit drei Leuten im Fond etwas eng wird. Die Sportsitze vorne
bieten guten Seitenhalt auch in scharfen Kurven und sind durchaus langstreckentauglich.

Das Armaturenbrett erinnert an Kompakte aus
Wolfsburg, die rote Anzeigenbeleuchtung spricht aber eine eigene Sprache. An der
Verarbeitung wie am Material gibt es nichts auszusetzen. Alles ist solide und sauber. Das
Cockpit ist aufgeräumt und gibt in der Bedienung keine Rätsel auf. Zahlreiche
Ablageflächen und Fächer erleichtern das Verstauen von Kleinkram, selbst für die
Sonnenbrille findet sich ein gut erreichbares Plätzchen in der Mittelkonsole. Für
sportliches Ambiente sorgt die rote Naht an Lenkrad-Leder und Schalthebel-Manschette. Die
Sportsitze mit Stoffbezug "Mercury Grau" sind strapazierfähig und pflegeleicht.
Der Kofferraum fasst
340 Liter Ladung, die Rückbanklehne ist asymmetrisch geteilt umklappbar, die Rücksitze
komplett vorklappbar. Derartig erweitert kann man bis zu 656 Liter Gepäck bis zur unteren
Fensterkante verstauen, dachhoch sind es noch etwas mehr. Verzurrösen erleichtern das
Sichern der Ladung im Kofferraum. Bei einem Leergewicht von 1.334 kg sind 435 kg Zuladung möglich. Ganz anständig für einen Kompakten.

Die Karosserie ist gut gegen Windgeräusche
isoliert. Bemerkbar, wenn auch nicht störend, macht sich im Innenraum vor allem der noch
kalte Dieselmotor. Die Außenspiegel sind von innen manuell verstellbar. Elektrische
Fensterheber gehören hier nur vorne zur Serienausstattung, in anderen Ausstattungspaketen
sind sie aber entweder optional verfügbar oder sogar serienmäßig dabei. Beide
Sonnenblenden sind mit einem Spiegel versehen. Die wärmedämmende Verglasung gehört ab
der Basis zur Serienausstattung, die Klimaanlage ist in der Basisausstattung nur gegen
Aufpreis zu haben, im Torrid-Sondermodell dagegen Serie.
Der 110 PS starke
Turbodiesel-Direkteinspritzer ist der stärkere der beiden Motoren im Sondermodell, ein
1,6-Liter-Ottomotor mit 105 PS rundet das Spektrum ab. Der Leon ist zur Zeit mit sechs
Benzin- und vier Dieselmotoren verfügbar. Die Palette reicht von 75 PS im
1,4-Liter-Benzinmotor bis 210 PS im 1,8-Liter-Turbobenziner.
Vom Durchzug her ist der 110-PS-TDI ja
nicht schlecht, aber besonders temperamentvoll ist er nicht. Ordentliche 235 Nm maximales
Drehmoment stemmt der Motor bei 1.900 U/min. auf die Kurbelwelle. Aber es gibt
mittlerweile im Konzernregal feurigere Diesel-Alternativen ab 130 PS. Als Top-Diesel
bietet auch Seat schon mehr an: mit dem 150 PS starken 1.9 TDI mit
Pumpe-Düse-Einspritzung im Leon Top Sport.

Im Antritt müht der Fronttriebler sich vor
allem im unteren Drehzahlbereich etwas ab, wo er in ein Turboloch fällt. Ist er dagegen
auf Touren gekommen, läuft er ganz gut. Etwas laut und rau macht er sich bemerkbar,
solange er kalt ist. Warm gelaufen wird es besser, aber an Laufruhe kann er mit modernen
Common-Rail-Dieseln natürlich nicht mithalten. Das manuelle Fünfgang-Schaltgetriebe ist
eine Freude: Die knackig kurzen Schaltwege und die präzise Führung sind vom Feinsten.
Der Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 in
10,7 Sekunden klingt ja ganz gut, kommt einem aber in der Praxis ziemlich lang vor. Die
Höchstgeschwindigkeit ist mit 193 km/h ganz ordentlich und auch für lange
Autobahnstrecken bestens geeignet. Für zügige Überholmanöver reicht das nämlich
allemal.
Wer versucht, dem Wagen mit dem Gasfuß
etwas mehr Temperament beizubringen, wird mit höherem Verbrauch bestraft. Bei
ökonomischer Fahrweise lässt sich unser Leon 1.9 TDI mit 6,8 Liter Diesel je 100 km im
Stadtverkehr, 4,3 Liter außerorts und 5,2 Liter im gemischten Verbrauch nach EU-Norm
bewegen (Herstellerangaben). Im Test verbrauchte er bei wenig ökonomischer Fahrweise auf
langer Autobahn- und Landstraßenfahrt in die Berge 5,6 Liter Sprit, im Durchschnitt mit
Stadtverkehr und Fahrtests waren es etwa 6,6 Liter, was gemessen an meinem Fahrstil im
Vergleich zu anderen Autos sehr gute Verbrauchswerte sind. Der Motor erfüllt die
Abgasnorm Euro 3.

Gebaut wird dieses Auto in erster Linie
für die Kurve. Dennoch lässt auch der Geradeauslauf nicht zu wünschen übrig, obwohl
die direkt ansprechende Lenkung Lust auf ganz andere Dinge macht.
Spurtreu und präzise lässt sich der Leon nämlich auch bei höherem Tempo sicher über
kurvige Strecken scheuchen, dass es einfach die wahre Freude ist.
Sehr neutral im Fahrverhalten und sicher in
der Straßenlage neigt der Leon auch in schnellen Kurven nur zu einer ganz leichten
Tendenz zum Untersteuern. Fast schon agil ist er im Handling. Das Fahrwerk lässt
eigentlich kaum Wünsche offen außer vielleicht nach einem temperamentvolleren
Motor.
Serienmäßig steht der Leon auf 195/65er
Reifen auf 15-Zoll-Rädern, das Sondermodell Torrid ist sogar ab Werk mit
Leichtmetallfelgen ausgestattet. Die Bremsen (Scheibenbremsen rundum, vorne
innenbelüftet) verzögern sehr gut und bringen den spanischen Kompakten schnell und
sicher zum Stehen.
Die Federung ist nicht zu straff ausgelegt
und recht komfortabel. Die Dämpfer unterdrücken wirksam grobe Karosseriebewegungen. Der
Fahrer erhält ausreichend Rückmeldung über die Beschaffenheit der Fahrbahn.
Serienmäßige Sicherheit bieten
Seitenaufprallschutz in den Türen, Drei-Punkt-Gurte und Kopfstützen auf allen Plätzen,
Front- und Seitenairbags für Fahrer und Beifahrer sowie Isofix-Kindersitzvorrüstungen
hinten auf den Außenplätzen. Die Fensterheber sind nur vorne elektrisch, aber die
hinteren Türen verfügen zumindest über eine Kindersicherung. Servolenkung sowie ABS mit
Bremskraftverteilung und Bremskraftverstärker unterstützen den Fahrer. ESP ist für den
Leon leider nur optional verfügbar. Unser Testwagen war aber auch ohne ESP dank des
hervorragend abgestimmten Fahrwerks kritischen Fahrsituationen durchaus gewachsen.
Ab 14.860 Euro ist der Leon mit der
Ausstattungslinie Stella mit dem 1,4-Liter-Basismotor (75 PS) zu haben. Einen Leon Stella
1.9 TDI mit 110 PS gibt es ab 17.670 Euro. Dafür sind die grundlegenden Bedürfnisse des
Autofahrerlebens eingeschlossen. Die Serienausstattung umfasst zudem eine funkfernbediente
Zentralverriegelung.

Heiß ist am Torrid ist vor allem der
Preis. Der Grundpreis von 18.160 Euro macht einen Preisvorteil von 1.666 Euro zum
vergleichbar ausgestatteten Serienmodell. Zur Torrid-Ausstattung gehören beispielsweise
die Klimaanlage, 15-Zoll-Leichtmetallräder, Sportsitze und Ledersportlenkrad sowie ein
Radio mit CD-Laufwerk.
Unser Testwagen hatte statt des
Serien-Radios einen Cassetten-Radio mit CD-Wechsler.
Die Versicherungseinstufungen lauten auf die Typklassen 19
/ 18 / 33 (KH / VK / TK). Seat gibt zwei Jahre Gewährleistung auf den Wagen sowie alle
beim Seat-Partner eingebauten Ersatzteile, drei Jahre auf den Lack sowie 12 Jahre auf die
Karosserie gegen Durchrostung. Den Mobil-Service gibt es lebenslang beim Einhalten der
Inspektionsintervalle, die bei 30.000 km liegen (oder einmal im Jahr). Ölwechsel sind
alle 15.000 km (oder ebenfalls einmal im Jahr) fällig. |