Seat Ibiza und Cordoba stehen
auf der gleichen Plattform wie der aktuelle Polo. Seit Anfang
2002 beweist der Ibiza, dass sich Plattformstrategie
und Eigenständigkeit nicht ausschließen. Der Cordoba wurde im September 2002 in Paris
vorgestellt. Mit seinen 4,28 m Karosserielänge er ist fast 33 cm länger als der Ibiza, Höhe, Breite und Radstand sind identisch ist
der Cordoba schon kein Kleinwagen mehr. Da kann auch die viertürige Version des
Volkswagen Polo mit 4,18 m nicht mithalten. Dass der Cordoba mehr als nur ein
Rucksack-Ibiza ist, bewies ein Cordoba Sport in der Metallic-Lackierung Sombra Grau mit
1,9-Liter-TDI und 100 PS.
Bis zu den hinteren Türen sind der
fünftürige Ibiza (es gibt ihn auch als Dreitürer,
wie wir ihn im Test zur Verfügung hatten) und der
Cordoba identisch. Dahinter ist das Heck eigenständig gestaltet und wirkt alles andere
als angehängt. Mit der ansteigenden Gürtellinie wirkt der Wagen durchaus
dynamisch und solide. Vor allem die Gestaltung der Heckleuchten verrät eine gewisse
stilistische Nähe zum Alfa Romeo 156, dessen Designer Walter De Silva seit einigen Jahren
Chef-Designer bei Seat ist.

Vier Türen ermöglichen Passagieren
vorne und hinten einen bequemen Zugang zum Fahrzeug. Die Sitzposition ist vorne für ein
sportliches Auto trotz Sitzhöhenverstellung recht hoch. Die Sitze sind in beiden Reihen
straff, aber außen auch angenehm zum Sitzen: Vier Passagieren können in gut konturierte
Sportsitzen Platz nehmen, der erlaubte fünfte Passagier sitzt in der Mitte im Fond schon
etwas wie das fünfte Rad am Wagen, zumal er sich auch nur mit Beckengurt sichern kann und
keine Kopfstütze zur Verfügung hat. Aber für vier Leute sind die Platzverhältnisse
sehr annehmbar, die Kniefreiheit hinten leidet allerdings unter langbeinige Passagieren
vorne. Die Übersicht geht ja nach vorne ganz in Ordnung, aber hinten liegt der Kofferraum
so gut versteckt, dass man beim Rückwärtsfahren schon vorsichtig sein muss bei der
Einschätzung des Restabstandes. Eine Einparkhilfe wäre hier von Vorteil.

Der Innenraum in schwarzem Leder ist
kombiniert mit Instrumententräger und Türverkleidungen in Schwarz/Dunkelgrau.
Materialqualität und Verarbeitung sind in keinster Weise zu beanstanden. Der
Instrumententräger ist aufgeräumt, funktionell und ohne Schnickschnack, die Anordnung
von Schaltern und Anzeigen ist ergonomisch gestaltet und gut handhabbar. Ablagen sind im
Passagierraum nicht so reichlich gesät: ein Handschuhfach, Ablagefächer in den vorderen
Türen sowie eine etwas kurz geratene Tasche auf der Rückseite der Beifahrer-Sitzlehne.
Immensen Nutzwert bieten allerdings die
485 Liter Laderaum (zum Vergleicht: der Ibiza hat 267 Liter, der viertürige Polo 432
Liter). Die Rücksitzlehne ist zudem asymmetrisch geteilt umklappbar, wodurch sich der
Laderaum auf bis zu 1.140 Liter Fassungsvermögen bei dachhoher Beladung hinter den
Vordersitzen erweitern lässt. Von der im Basismodell (1.188 kg) möglichen Zuladung vom
495 kg verbleiben in unserem gut ausgestatteten Testwagen mit einem Leergewicht von 1.246
kg immer noch gute 443 kg.

Ab der
Basisausstattung kommt der Cordoba mit funkfernbedienter Zentralverriegelung, elektrischen
Fensterhebern vorne, Bordcomputer, wärmedämmender Colorverglasung, höheneinstellbarem
Fahrersitz, Heizausströmdüsen im Fond, höhen- und längenverstellbarer Lenksäule und
Nebelscheinwerfern. Spiegel gibt es in den Sonnenblenden auf der Beifahrerseite. Die
Ausstattungslinie Sport hat zusätzlich elektrisch einstellbare und beheizbare
Außenspiegel, ein Sportlenkrad, Sportsitze vorne und hinten, CD-Radio und
15-Zoll-Leichtmetallräder. Als Sonderausstattung verfügte unser Testwagen über
das Leder-Paket (Sitze, Lenkrad und Schaltknauf mit Manschette
in Leder), höheneinstellbare und beheizbare Vordersitze, elektrische Fensterheber
hinten, Regensensor und Navigationssystem mit CD-Radio und Klimaautomatik sowie über die
16-Zoll-Leichtmetallräder Udala und ESP. Aber keine Panik, auch wenn die Klimaautomatik
hier im Paket mit Navigations-Audiosystem eingebaut wurde: Es gibt sie als
Sonderausstattung auch einzeln.
Der
1,9-Liter-TDI mit Pumpe-Düse-Einspritzung und 100 PS ist neben einem gleichstarken 1,4-Liter-Benziner, den wir im Ibiza
bereits getestet haben fast die Topmotorisierung der Baureihe, ein 130-PS-TDI rangiert
ganz an der Spitze. Nach unten runden je ein Saugdiesel und ein Benziner mit 64 PS die
Palette ab.
Der
Dieselmotor verrät sich schon beim Anlassen. Akustisch präsent ist er vor allem im
kalten Leerlauf. Nach dem Warmlaufen gibt sich das ein wenig. Dann spielt der 1.9 TDI ist
seine Stärken aus als sportlich-souveräne Motorisierung für den kompakten Spanier.
Unter 1.200 Touren ist er zwar noch reichlich zurückhaltend, aber ab gut 1.500 U/min.
zieht er schon ganz ordentlich ab. Das Drehmomentmaximum liegt denn auch
Diesel-typisch recht früh, nämlich zwischen 1.900 und 2.400 Touren an. Mit
ausreichend Drehzahl lässt allerdings der Durchzug für eine Kompaktwagen-Limousine (als
solche kann man den Cordoba trotz seiner Kleinwagen-Abstammung fast bezeichnen) kaum zu
wünschen übrig. Zügig macht er Tempo, was ihn auf Langstrecken zu einem angenehmen
Begleiter macht, zumal man im Innenraum gar nicht richtig merkt, wenn er jenseits Tempo
180 geht.
Die manuelle
Fünfgang-Schaltung ist in den ersten drei Gängen eher kurz auf sportlichen Antritt
ausgelegt, in den Gängen Vier und Fünf dagegen recht lang, um den Kraftstoffverbrauch zu
senken. Dafür darf man dann im Stadtverkehr schon mal schneller wieder runter schalten,
wenn man zügig fahren will. Dabei bereitet die präzise und leichtgängige Schaltung sehr
viel Freude, wenn der Schalthebel durch die Schaltkulisse flitzt. Lediglich im Stand wirkt
sie schon mal etwas hakelig, wenn man den ersten Gang oder den Rückwärtsgang einlegen
will.
In knappen
11,1 Sekunden beschleunigt der Cordoba aus dem Stand auf 100 km/h, seine
Höchstgeschwindigkeit erreicht er bei 192 km/h. Im Verbrauch kann der TDI natürlich
glänzen: Mit 6,4 Litern Dieselkraftstoff ist er je 100 km in der Stadt unterwegs, 4 Liter
verbraucht er außerorts und 4,9 Liter im gemischten Verbrauch nach EU-Norm bei
ökonomischer Fahrweise versteht sich (alles Herstellerangaben). Allerdings entpuppte er
sich auch bei wenig ökonomischer Fahrweise im Test keineswegs als Schluckspecht. Der
Motor erfüllt die Abgasnorm EU3.
Der Fronttriebler liegt sauber und
problemlos, um nicht zu sagen unspektakulär auf der Straße. Gibt man ihm allerdings
etwas die Sporen, kann er richtig Spaß machen, ohne dabei an Fahrsicherheit und
Stabilität einzubüßen. Die Lenkung ist sportlich direkt ausgelegt und vermittelt guten
Fahrbahnkontakt. Auch das Fahrwerk gehört in die Kategorie sportlich mit
seiner straffen, aber nicht unkomfortablen Federung. Die Dämpfer sind hervorragend
abgestimmt und unterdrücken Aufbaubewegungen der Karosserie auf unebenen Straßen
wirkungsvoll. Zusätzliche Sicherheitsreserven innerhalb der Grenzen der Fahrphysik bieten
die optionalen Fahrwerksregelsysteme wie Antriebsschlupfregelung und ESP.
Die Messlatte
an das Fahrverhalten des Cordoba ist sicher hoch gesteckt, schließlich konnte der Ibiza
hier mit hoher Sicherheit bei einer gehörigen Portion Fahrspaß mehr als überzeugen.
Sicher und fast jederzeit beherrschbar ist der Cordoba. Nur minimal ist seine Tendenz zum
Untersteuern in sehr schnell gefahrenen Kurven. Die schnelle Kurvenfahrt ist so richtig
sein Revier, sicher auf sauber gefahrenen Linien zirkelt er durch kurvige Passagen.
Plötzliche Spurwechsel und schnelle Slalomfahrten absolviert er sicher, solide und
spurtreu, tückische Lastwechselreaktionen sind ihm völlig fremd.
Als Sonderausstattung steht unser
Testwagen auf 16-Zoll-Leichtmetallfelgen mit Breitreifen im Format 205/45 (Serie sind bei
dieser Motorisierung und Ausstattungslinie Reifen im Format 195/55 R 15). Ausgesprochen
leistungsfähig sind die Bremsen (Scheibenbremsen rundum, vorne innenbelüftet) in
Ansprechen, Dosierbarkeit und Wirkung. Wobei hier neben den breiten Reifen auch die
Elektronische Bremskraftverteilung und der Bremsassistent zu guten Bremswegen beitragen.
Die schwächer motorisierten Modelle des Cordoba kommen aber leider nur mit Trommelbremsen
hinten.

Passive Sicherheit bietet den
Passagieren die hochfeste Karosserie mit Sicherheitsfahrgastzelle, Verformungszonen vorne
und hinten sowie Versteifungsprofilen in den Türen und Seitenstrukturen. Die
Rückhaltesysteme umfassen Kopfstützen und Drei-Punkt-Gurte auf allen Außenplätzen, ein
Beckengurt hinten in der Mitte, Front- und Seitenairbags vorne sowie
Isofix-Kindersitzbefestigungen auf den Außenplätzen hinten. Ein Kopfairbag-System für
vorne und hinten ist gegen Aufpreis zu haben, der Beifahrerairbag ist mit Hilfe des
Zündschlüssels deaktivierbar. An aktiven Fahrassistenz-Systemen hat der Cordoba
serienmäßig eine elektrohydraulische Zahnstangenlenkung mit geschwindigkeitsabhängiger
Servounterstützung sowie ABS mit Elektronischer Bremskraftverteilung zu bieten, ESP inkl.
Traktionskontrolle und Elektronischer Schlupfreduzierung sowie der hydraulische
Bremsassistent kostet extra.

Ab 12.490 Euro bekommt man einen Seat
Cordoba mit 64 PS in der Grundausstattung Reference. Den 100-PS-TDI gibt es ab
15.290 Euro, in der Sport-Ausstattung ab 17.090 Euro. Aufpreis kosten unter anderem die
Leichtmetallräder, das Leder-Paket, ESP und Navigationssystem mit CD-Radio und
Klimaautomatik.

Seat
gibt zwei Jahre Gewährleistung auf den Neuwagen, drei Jahre Garantie auf den Lack sowie
zwölf Jahre auf die Karosserie gegen Durchrostung. Die Mobilität garantiert Seat fünf
Jahre lang beim Einhalten der Service-Intervalle. Alle 15.000 km (oder einmal im Jahr)
muss der Cordoba zum Ölwechsel, alle 30.000 km (oder einmal im Jahr) zum
Inspektions-Service, eine Service-Intervall-Anzeige weist den Fahrer darauf hin. Die
Versicherungen stufen das Modell in die Typklassen 19 / 18 / 33 (KH
/ VK / TK nach der neuen Struktur in der Fahrzeugversicherung: VK 18, TK 20)
ein.
|