
Mit seinen 3,99 m Karosserielänge kann
man beim neuen Clio schon nicht mehr von einem Kleinwagen reden. Die erste Generation
brachte es 1991 auf bescheidene 3,71 m. Trotz der im Vergleich zum Vorgänger Clio II um
über 17 cm gewachsenen Karosserie ist der neue aber immer noch als Clio zu erkennen.
Vielleicht etwas flotter und moderner wirkt er jetzt im Design. Die dritte Generation
kommt jetzt zum Herbst 2005 auf den deutschen Markt. Einen Clio 1.6 16V mit 88 PS in der
Ausstattung Edition Dynamique nutzen wir für unsere kleine Probefahrt.
Wir fuhren einen Dreitürer, es gibt
aber auch eine fünftürige Variante. Der Zugang für die Frontpassagiere ist gut, den
Fondpassagieren erleichtern nach vorne verschiebbare Sitze (Easy-Entry-Funktion) den
Einstieg. Vom Fahrersitz aus wirkt die recht übersichtlich. Das Platzangebot vorne ist
großzügig, hinten haben großgewachsene Passagiere eine eingeschränkte Kopffreiheit,
der Knieraum kann durch die Frontpassagieren beengt werden und zu Dritt ist es mit der
Ellenbogenfreiheit nicht weit her. Das alles sollte aber in einem Kleinwagen, auch wenn er
fast vier Meter misst, nicht überraschen. Die Übersicht über die Karosserie ist relativ
gut. Die Sitze sind straff gepolstert und bieten zumindest vorne guten Seitenhalt. Der
Laderaum fasst 288 Liter (33 Liter mehr als sein Vorgänger), durch Umklappen der ab der
Expression-Ausstattung asymmetrisch geteilten Rückbanklehne
sind bis zu 1.028 Liter Fassungsvermögen drin. Der Innenraum wirkt hochwertig und ist gut
verarbeitet. Einen sportlichen Anstrich
bekommt das Interieur durch die alufarbenen Instrumenteneinfassungen. Das Cockpit ist
aufgeräumt und ohne größere Ablenkungen handhabbar.

Vier Ausstattungslinien stehen für den
Clio zur Wahl. Die Basisausstattung heißt Authentique und verfügt ab Werk über eine
funkfernbediente Zentralverriegelung, Bordcomputer, ein höhenverstellbares Lenkrad,
Servolenkung, eine umlegbare Rückbank, Stahlräder mit Radabdeckung und eine
Radiovorrüstung. Die nächsthöhere Linie Expression bietet darüber hinaus elektrische
Fensterheber vorne, einen höhenverstellbaren Fahrersitz, Fensterairbags vorne und hinten und eine asymmetrisch geteilt umlegbare
Rückbank. Die Edition Dynamique hat zudem Features wie das Sicht-Paket (mit
Nebelscheinwerfern, aktivem Abbiegelicht, Hauptscheinwerfern in Xenon-Optik und einer
schwarzen Scheinwerfermaske), Lichtsensor, Lederlenkrad und -schaltknauf, die elektrischen
Fensterheber verfügen über eine Impuls-Schaltung. Die Top-Ausstattung Privilège
verfügt zusätzlich über Dinge wie elektrische Fensterheber hinten (beim Fünftürer),
elektrisch einstellbare und beheizbare Außenspiegel, Klimaanlage und CD-Radio. Als
Sonderausstattungen gibt es fast alles, was das Autofahren noch etwas komfortabler macht,
wie zum Beispiel Regensensor, eine Reifendruckkontrolle, eine Geschwindigkeitsregelung mit
Tempobegrenzer, Doppeldistanz-Xenon-Scheinwerfer, Leichtmetallräder mit 15 oder 16 Zoll,
beheizbare Vordersitze, Klimaanlage oder Klimaautomatik, das schlüssellose Zugangs- und
Startsystem Handsfree, eine Einparkhilfe hinten, verschiedene Audio- bzw.
Navigations-Audiosysteme sowie ein Panorama-Glas-Schiebedach.
Zwei Benziner und zwei Dieselmotoren in
insgesamt sieben Leistungsstufen stehen ab dem Marktstart zur Wahl. Der
1,6-Liter-Ottomotor ist in zwei Leistungsstufen verfügbar: 88 bzw. 112 PS. Mit seinen 88
PS ist unser Clio flott unterwegs. Im Leerlauf ist der Motor praktisch nicht zu hören.
Erst der Tritt aufs Gaspedal offenbart ein leichtes Brummen. Dabei läuft der
Reihenvierzylinder vibrationsarm und sehr kultiviert. Spritzig ist unser Clio im Antritt,
er hängt gut am Gas und legt auch im fünften Gang noch ordentlich an Tempo zu. Durchzug und Leistungsentfaltung lassen für ein
1,2 t schweres Auto eigentlich wenig zu wünschen übrig: Man ist zügig unterwegs, aber
natürlich ist der 88-PS-Clio kein Sportwagen. Für die Beschleunigung von Null auf Tempo
100 braucht er 11,9 Sekunden, seine Höchstgeschwindigkeit erreicht er bei 177 km/h
völlig ausreichend für einen temperamentvollen Kleinwagen.

Das manuelle Fünfgang-Schaltgetriebe
ist gut abgestuft, der Schaltknüppel lässt sich knackig und zielgenau durch die
Schaltkulisse führen. Allerdings ist der Weg des Kupplungspedals sehr lang geraten, was
ein geübtes Zusammenspiel zwischen Kupplung und Gaspedal erforderlich macht, um zügig,
aber ohne Reifenquietschen aus den Pantoffeln zu kommen. Der Clio lässt sich früh schalten, für eine gelassene und dabei auch sparsame
Gangart. Im Verbrauch liegt der 1.6 16V mit 88 PS bei 8,8 Litern Superbenzin je 100 km
Stadtverkehr, 5,3 Litern außerorts und 6,6 Litern im gemischten Verbrauch nach EU-Norm
bei ökonomischer Fahrweise, versteht sich (alles Herstellerangaben), Alle Motoren
der Clio-Baureihe erfüllen die Abgasnorm EU4.
Der Clio
verfügt über Frontantrieb und bietet einen ordentlichen Geradeauslauf. Die Lenkung ist
eher direkt ausgelegt und reagiert feinfühlig auf die Anweisungen des Fahrers. Die
elektrische Servolenkung reagiert geschwindigkeitsabhängig und ist gut abgestimmt. Der
Fahrer erhält eine ausreichende Rückmeldung vom Untergrund.
Der Clio
klebt förmlich am Asphalt und ist wirklich spaßig zu fahren, wenn er zackig und spurtreu
um die Kurven zirkelt. In fixen Kurven untersteuert er nur ganz minimal, gibt sich im
Fahrverhalten ausreichend spurstabil und weitgehend problemlos. Bei Lastwechseln wie
plötzlichen Ausweichmanövern oder beim Slalom schiebt jedoch bei unserem nicht mit ESP
ausgestatteten Testwagen das Heck ein ganz klein wenig nach außen, ohne jedoch den Fahrer
vor Probleme zu stellen. Insgesamt ist die Fahrwerksabstimmung eher straff geraten, aber
dennoch nicht unkomfortabel.
Unser Testwagen stand auf Reifen im
Format 195/50 R 16 (mit optionalen Leichtmetallrädern) anstelle der serienmäßigen
15-Zöller mit 185/60er Reifen, was positive Auswirkungen auf seine Spurstabilität und
den Seitenhalt in schnellen Kurven hat. Neben den beiden Topmodellen 1.6 16V ESP (mit 112
PS) und 1.5 dCi ESP (mit 106 PS) verfügt auch der 88-PS-Motor über Scheibenbremsen
rundum (vorne innenbelüftet). Die kleineren Motoren kommen mit Trommelbremsen hinten. Die
Bremsanlage mit Scheibenbremsen spricht gut an, lässt sich in punkto Bremskraft gut
dosieren und verzögert standfest.

Die
Insassensicherheit gewährleisten eine programmiert verformbare Karosseriestruktur, eine
Fahrgastzelle aus hochfesten Stählen, Energie absorbierende Elemente in Türen,
Fahrzeugboden und Lenkrad, Rückziehvorrichtungen für die Pedale, Kopfstützen und
Drei-Punkt-Gurte auf allen fünf Sitzplätzen, Isofix-Kindersitzvorrüstungen auf den
Außenplätzen hinten und dem Beifahrersitz, adaptive Front- und konventionelle
Seitenairbags für die Frontpassagiere sowie in der Basisversion optional und ab der
Expression-Ausstattung serienmäßig Fensterairbags für vorne und hinten. Der Mittelsitz
hinten mit Kinderkopfstütze und integriertem Kindersitz ist für die Beförderung eines
Kindes im Alter zwischen 6 und 10 Jahren geeignet. Optional gibt es auch für die
Außenplätze integrierte Kinderkopfstützen mit ausklappbaren Seitenflügeln. Das Maximum
von fünf Sternen gab es für den Clio III im EuroNCAP für Insassensicherheit. Er ist
damit bereits der achte Renault in der Fünf-Sterne-Klasse. Bei der Kindersicherheit
erhielt er das hier mögliche Maximum von vier Sternen. Elektronische Helfer wie ABS mit
elektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistent sind ab der Basisversion
serienmäßig an Bord. ESP mit Antriebsschlupfregelung und Untersteuerungskontrolle kann
als Sonderausstattung geordert werden, denn es ist nur bei den Motorisierungen 1.6 16V ESP
(mit 112 PS) und 1.5 dCi ESP (mit 106 PS) Serie. Lediglich für die Basismotorisierung mit
65 PS ist das System nicht verfügbar.
Ab 10.950 Euro steht der Clio in den
Preislisten, als Dreitürer mit 65-PS-Motor in der Ausstattung Authentique. Der 88 PS
starke Clio ist erst ab der Ausstattungslinie Expression ab 11.850 Euro zu haben, als
Edition Dynamique kostet er ab 12.350 Euro. Als Sonderausstattung gibt es u. a.
verschiedene Metallic-Lackierungen sowie zusätzliche Komfort- und Sicherheitsfeatures.
Renault gibt zwei Jahre Garantie auf
den Neuwagen, drei Jahre auf den Lack, zwölf Jahre auf die Karosserie gegen Durchrostung
sowie eine lebenslange Mobilitätsgarantie beim Einhalten der Inspektionsintervalle. Die
Ölwechsel- und Inspektionsintervalle betragen bei den Ottomotoren 30.000 km. Die
Versicherungen stufen das Modell in die Typklassen 16 / 14 / 17 (KH
/ VK / TK nach der neuen Struktur in der Fahrzeugversicherung) ein.
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