Eigentlich liegen Sportwagen tief geduckt
auf der Straße. Ganz anders die dritte Baureihe eines Zuffenhausener
Sportwagenherstellers. Der steht nicht nur (auf Normalniveau der Luftfederung) 1,70 m
hoch, sondern ist darüber hinaus als erster Porsche überhaupt auch voll
familientauglich. Porsche betrat mit einem sportlichen Geländewagen oder sollte
man nicht eher sagen: Sports Utility Vehicle (SUV) absolutes Neuland und
entwickelte den Cayenne in Zusammenarbeit mit Volkswagen. Die Verwandtschaft zum Touareg
kann der Cayenne zumindest in Bezug auf die Karosserieform auch nicht leugnen, auch wenn
er innen wie außen über eigenständige markante Designmerkmale wie zum Beispiel
Kühlergrill, Scheinwerfer, Heckleuchten und Innenraumgestaltung sowie über
unterschiedliche Abstimmungen bei Antrieb und Fahrwerk verfügt. Von der Charakteristik
ist der Porsche schon ganz eindeutig als Sportwagen ausgelegt, auch wenn er sich zudem
sehr gekonnt im Gelände bewegt.

Massiv und mächtig wirkt seine
Karosserie, was bei 4,79 m Länge und 1,93 m Breite schon kein Wunder ist. Den
Turbo-Cayenne, das Top-Modell, erkennt man an der Front mit den großflächigen
Lufteinlässen für dem erhöhten Kühlluftbedarf des aufgeladenen Achtzylinders und der
Motorhaube mit so genannten Powerdomes, die den Wagen noch eine Spur massiger,
um nicht zu sagen aggressiver wirken lassen. Am Heck entsorgen zwei Doppel-Endrohre aus
Edelstahl die Turbo-Abgase. Wie viel Sportwagen steckt unter dieser fast schon bulligen
Optik? Ein Test mit einem Cayenne Turbo mit 450 PS in der Lackierung Carmonarot Metallic
schuf Klarheit.
Der Zugang zu dem hochbeinigen Gefährt
ist gut. Ein großzügiges Platzangebot erwartet die Passagiere vorne wie hinten. Straff
sind die lederbezogenen Sitze in beiden Reihen. Die elektrisch einstellbaren Komfortsitze
vorne (mit 12-Wege-Verstellung inkl. Lendenwirbelstütze und Memory-Funktion) bieten guten
Seitenhalt, hinten sind zumindest die Außenplätze gut konturiert für ausreichenden
Seitenhalt. Die Übersicht ist trotz der hohen Sitzposition nicht unbedingt berauschend,
aber der beim Turbo serienmäßige Parkassistent hilft vorne wie hinten weiter.

Der Laderaum ist gut nutzbar und fasst 540 Liter Gepäck. Auf normaler Fahrzeughöhe ist er über eine
Ladekante von etwa 71 cm zu erreichen. Auf Beladungsniveau abgesenkt (die Luftfederung
machts möglich) liegt die Ladekante nur noch gute 65 cm über dem Boden. Eine
asymmetrisch geteilt umklappbare Fondsitzlehne ermöglicht das Erweitern des
Gepäckabteils auf bis zu 1.770 Liter. Die maximale Zuladung für Beifahrer und Gepäck
liegt bei 650 kg. Das Fenster in der Heckklappe geht separat zu öffnen, um Kleinkram in
den Laderaum zu legen. Ausgelegt ist der Cayenne für den Anhängerbetrieb bis 3,5 Tonnen.
Der Innenraum ist hochwertig und vom
Feinsten ausgestattet, mit viel Leder und sehr gut verarbeitet. Trotz vieler Funktionen
wirkt das Cockpit aber nicht überladen, ist Einsicht und Bedienung von Schaltern und
Anzeigen immer noch problemlos möglich. Das Zündschloss links vom Lenkrad ist
Porsche-typisch, allerdings für einen Umsteiger etwas gewöhnungsbedürftig. Ablagen
finden die Passagiere im Handschuhfach, in allen Türen, in den Armlehnen vorne (2) und
hinten (1), an den Rückseiten der Vordersitzlehnen sowie unter dem Fondgebläse am
Mitteltunnel. Vor der Armlehne auf den Mitteltunnel ist ein Fach mit zwei
Getränkedosenhaltern. Entfernt man diesen Einsatz, steht ein rechteckiges Fach zur
Verfügung. Ein Brillenfach über dem Innenspiegel rundet die Ablagen-Ausstattung ab.

Ab der Basisversion kommt der Cayenne
serienmäßig mit all den kleinen Annehmlichkeiten des Autofahrerlebens. Dazu zählen die
funkfernbediente Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber vorne und hinten,
elektrisch einstellbare, anklappbare und beheizbare Außenspiegel, Bordcomputer, ein
CD-Radio-Audiosystem, Klimaanlage, elektrisch einstellbare 12-Wege-Vordersitze und
getönte Wärmeschutzverglasung rundum mit Graukeil in der Windschutzscheibe. Die
2-Zonen-Klimaautomatik ist ab dem Cayenne S Serie. Die Turbo-Version verfügt zusätzlich
serienmäßig unter anderem über Sitzheizungen vorne und hinten inklusive Lenkradheizung,
Parkassistent vorne und hinten, die Geschwindigkeitsregelanlage Tempostat, Komfortsitze
vorne mit 12-Wege-Verstellung und Memory-Funktion, zusätzliche Lederausstattung in
Cockpit und Türverkleidungen sowie einen mit Alcantara bezogenen Dachhimmel,
Bi-Xenon-Scheinwerfer mit Abbiegelicht, das Porsche Communication Management (PCM)
inklusive CD-Radio, DVD-Navigationssystem und Bordcomputer mit erweiterten Funktionen
sowie ein Bose-Sound-System mit 350 W Gesamtleistung, Subwoofer und 14 Lautsprechern und
ein Kombiinstrument mit 5-Zoll-Farbbildschirm und sogar die Metallic-Lackierung
kostet hier nichts extra. Gegen Aufpreis waren in unserem Testwagen ein elektrisches
Schiebe-/Hubdach aus Glas, ein CD-Wechsler, die geschwindigkeitsabhängige Servolenkung
Servotronic, die 19-Zoll-Leichtmetallräder Cayenne Design, das Licht-Komfort-Paket, ein
Drei-Speichen-Multifunktionslenkrad mit Lenkradkranz in Leder sowie eine Kompassanzeige im
Kombiinstrument und das Telefonmodul für das PCM mit schnurgebundenem Hörer vorhanden.
Eine Vorrüstung für die Anhängerzugvorrichtung ist ab der Basisversion serienmäßig
dabei, die Anhängerkupplung selber ist optional verfügbar.
Angetrieben wird der Top-Cayenne von
einem 4,5-Liter-Achtzylinder-Triebwerk mit kontinuierlicher Nockenwellenverstellung
VarioCam und zwei parallel angeordneten Abgasturboladern (also genau genommen ein BiTurbo)
mit stattlichen 450 PS. Ein baugleicher 4,5-Liter-Saugmotor mit 340 PS sowie ein
Volkswagen-3,2-Liter-Sechszylinder, der von Porsche ein wenig optimiert 250 PS leistet
(bei VW sind es nur 220 PS), komplettieren das Antriebsprogramm.
Kraft satt verspricht der
Turbo-Achtzylinder in allen Lebenslagen, dafür sorgt ein maximales Drehmoment von 620 Nm,
das zwischen 2.250 und 4.750 Touren kontinuierlich anliegt. Ab kurz über der
Leerlaufdrehzahl liegen bereits 320 Nm an. Das reicht für einen spritzigen Antritt, dem
man einem Geländewagen gar nicht zutraut noch weniger, wenn man um seine fast 2,5
t Leergewicht weiß. Auch in punkto Durchzugsvermögen und Leistungsentfaltung ist der
Turbo-Cayenne mehr als souverän. Dabei läuft der Motor ruhig und vibrationsarm,
lediglich beim kräftigen Tritt auf Gas hört man das Aufheulen beim Einsatz der beiden
Turbolader als verheißungsvolle Hintergrundmusik.

Der Turbo-Cayenne ist nur mit der
Sechsgang-Automatik Tiptronic S verfügbar. Die Tiptronic S ist hervorragend abgestuft und
schaltet zügig, sauber und kaum spürbar hoch und runter. Da braucht man eigentlich die
manuelle Schaltoption (über Tasten am Lenkrad oder den Schalthebel) nicht. Auch dank der
knackig kurzen Getriebeübersetzung in den ersten vier Gängen ist der Cayenne zügig
unterwegs, was allerdings auch für reichlichen Spritfluss in den Brennräumen sorgt. Die
Gänge Fünf und Sechs sind länger ausgelegt, um dem Spritkonsum ein wenig Einhalt zu
gebieten. Zur Serienausstattung gehört beim Turbo die Geschwindigkeitsregelanlage
Tempostat. Ein absolutes Muss, denn man merkt seine Geschwindigkeit kaum und beim Tritt
aufs Gas läuft der Wagen halt einfach nur los, was auf Strecken mit Tempolimits sehr
schnell den Führerschein kosten kann ...

In sagenhaften 5,6 Sekunden spurtet der
Cayenne aus dem Stand auf Tempo 100. Hier offenbart sich der Sportwagen, wobei die
Leistung umso beeindruckender ist bei der Masse, die hier bewegt wird. Seine
Höchstgeschwindigkeit erreicht der Cayenne Turbo bei 266 km/h. Die schwere Karosserie und
ein Achtzylinder-Biturbo sind nicht gerade für einen bescheidenen Verbrauch zu haben:
Reichliche 21,9 Liter Super Plus genehmigt sich der Cayenne Turbo auf 100 km Stadtverkehr,
11,9 Liter außerorts und 15,7 Liter im gemischten Verbrauch nach EU-Norm bei
ökonomischer Fahrweise versteht sich (alles Herstellerangaben). Der Motor erfüllt die
Abgasnorm EU 4.
Den permanenten Allradantrieb brauchte
Porsche für seinen sportlichen Geländegänger ja nicht neu erfinden, aber die
Anforderungen eines SUV gehen doch über die reiner Sportwagen weit hinaus. Porsche
Traction Management (PTM) heißt die im Cayenne eingesetzte neue Variante des permanenten
Allradantriebs mit variabler Grundverteilung, die im Normal-Modus im Verhältnis 62:38 auf
Hinter- und Vorderachse verteilt wird. Je nach Bedarf können bis zu 100 Prozent auf eine
Achse geleitet werden. Darüber hinaus schließt das PTM eine
elektronisch geregelte Längssperre, ein Reduktionsgetriebe für die Geländeuntersetzung,
ein automatisches Bremsendifferential (ABD) und die Antriebsschlupfregelung (ASR) mit ein.
Mit seinen
fast 2,86 m Radstand glänzt der Cayenne mit einem tadellosen Geradeauslauf. Satt und
breitbeinig liegt er auf der Straße. Die Lenkung ist sehr direkt ausgelegt. Guten
Fahrbahnkontakt und eine exzellente Straßenlage garantiert das Luftfeder-Fahrwerk.
Serienmäßig steht der Turbo-Cayenne auf volltragenden Luftfederbeinen mit
Niveauregulierung und Höhenverstellung inklusive Porsche Active Suspension Management
(PASM) zur kontinuierlichen Regelung der Dämpfkraft, abhängig von Fahrbahnzustand und
Fahrweise. Der Fahrer kann beim PASM auch von Hand die drei Komfort-Stufen
Komfort, Normal und Sport oder sechs Fahrzeughöhenniveaus mit einer Bodenfreiheit
zwischen 15,7 cm (Beladungsniveau) und 27,3 cm (Sondergeländeniveau) wählen. Zur
Serienausstattung zählt zudem das Fahrstabilisierungs-System Porsche Stability Management
(PSM) mit ABS, Antriebsschlupfregelung, ESP und Motor-Schleppmoment-Regelung (MSR). Bei
zunehmender Geschwindigkeit wird das Fahrzeug automatisch abgesenkt, um maximalen
Fahrspaß bei größter aktiver Sicherheit zu gewährleisten.

Ich wusste gar nicht, dass ein
Geländewagen auf der Straße so spaßig zu fahren sein kann. Sehr agil bewegt sich der
2,5-Tonner auf der Straße, da glaubt man nicht, in welch riesigem Gefährt man sich voran
bewegt. Trotz seiner Agilität ist sein Wendekreis eher bescheiden, was bei der Größe
des Fahrzeugs aber nicht verwundert. Auch bei flotterem Tempo zieht der Cayenne in Kurven
oder bei Ausweichmanövern sauber seine Spur, sicher und ohne tückische
Lastwechselreaktionen. Auch bei höherem Tempo bleibt der Cayenne sicher beherrschbar,
wobei der Grenzbereich hier eher von der hohen Karosserie bestimmt wird als vom Fahrwerk,
welches entschieden mehr leisten könnte.
Die
Luftfederung ermöglicht dem Fahrer mit der elektronischen Dämpferregelung PASM (Porsche
Active Suspension Management) die Wahl zwischen drei Abstufungen, die alle auf ihre eigene
Art eine gelungene Mischung aus Komfort und Sportlichkeit bieten: komfortabel, normal und
sportlich. Aufbaubewegungen der Karosserie werden in allen drei Komfortstufen
kontinuierlich und wirkungsvoll unterdrückt. In der sportlichen Abstimmung steht das
Fahrzeug solider auf der Fahrbahn als im komfortablen Modus, wo der Wagen zu spürbar mehr
Karosserieneigung bei eiliger Kurvenhatz neigt.
Der Cayenne
Turbo trägt speziell entwickelte Leichtbau-Aluminiumräder. Serienmäßig sind sie zugeschnitten auf 18 Zoll (Bereifung 255/55 R
18 Y für bis zu 300 km/h), unser Testwagen stand
jedoch auf 19-Zoll-Rädern mit Reifen oder sollte man besser sagen: Walzen
im Format 275/45 ZR 19. Die Reifen sind mit ZR für Geschwindigkeiten über
240 km/h zugelassen.

Über jeden Zweifel erhaben ist die
Bremsanlage des Cayenne mit innenbelüfteten Scheibenbremsen rundum, die in punkto
Ansprechverhalten, Dosierbarkeit und Wirkung keine Wünsche offen lassen und natürlich
Sportwagen-Ansprüchen voll genügen. Blitzschnell und spurtreu bringen sie den Cayenne
bei einer Notbremsung zum Stand. Dass ein Porsche über groß dimensionierte Sportbremsen
verfügt, ist klar. In der Basisversion arbeiten schon
17-Zoll-Aluminium-Monobloc-Festsattelbremsen (mit 330 mm Bremsscheiben) vorne und hinten,
der Cayenne S und der Cayenne Turbo verfügen vorne sogar über 18-Zoll-Bremsen (350 mm
Bremsscheiben). Die Bremssättel sind beim Turbo rot lackiert, bei den anderen Versionen
schwarz oder silberfarben eloxiert. Die Feststellbremse wird mit dem Fuß betätigt und
von Hand gelöst, einen Handbremshebel gibt es nicht.
Hohe Karosseriesteifigkeit garantiert
der Einsatz hochfester und höchstfester Stähle. Die vollverzinkte Karosserie verfügt
über einen im Aufbau integrierten zusätzlichen Sicherheitsrahmen, die vier Türen über
integrierten Seitenaufprallschutz. Die Rückhaltesysteme umfassen Drei-Punkt-Gurte und
Kopfstützen auf allen für Sitzplätzen, Front- und Seiten-Thorax-Airbags sowie im
seitlichen Dachrahmen eingebaute Curtain-Airbags. An aktiven Fahrassistenzsystemen hat
Porsche dem Cayenne Turbo alles mitgegeben, was in dieser Klasse üblich ist.
Für den Fall einer Reifenpanne gibt es
Reifendichtmittel und Kompressor, ein vollwertiges Reserverad gibt es gegen Aufpreis.
Serienmäßig gibt es die Bremsbelagverschleißüberwachung für jeden Belag, als
Sonderausstattung auch eine Reifendruckkontrolle. Der Turbo kommt darüber hinaus
serienmäßig (die anderen Versionen gegen Aufpreis) mit Bi-Xenon-Scheinwerfern mit
dynamisch geregeltem Abbiegelicht.
Der Einsteiger-Cayenne mit 250 PS ist
ab 48.984 Euro zu haben, das Top-Modell Cayenne Turbo steht ab 101.880 Euro in den
Preislisten. Dafür ist im Top-Modell aber schon vieles Serie, was im Basis-Cayenne noch
extra kostet. Zur Sonderausstattung in unserem Testwagen zählen unter anderem die
19-Zoll-Leichtmetallräder, die Servotronic, das
Drei-Speichen-Multifunktions-Lederlenkrad, der CD-Wechsler und das Glas-Schiebe-/Hubdach.
Porsche
gibt zwei Jahre Gewährleistung auf das Neufahrzeug, drei Jahre auf den Lack sowie zehn
Jahre auf die Karosserie gegen Durchrostung sowie eine zweijährige Mobilitätsgarantie.
Eine Service-Intervall-Anzeige weist auf die fällige Inspektion hin. Die Versicherungen
stufen das Modell in die Typklassen 22 / 36 / 40 (KH / VK / TK
nach der neuen Struktur in der Fahrzeugversicherung: VK 31, TK 29) ein.
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