| Kantiger
ist der neue Vectra geworden, aber auch markanter gestaltet als sein Vorgänger. Obwohl kantiger und größer kann der Neue
aber mit einem besseren Luftwiderstand aufwarten: cW-Wert 0,28 (Vorgänger:
0,30). Die neue Optik ist gewöhnungsbedürftig und interessanterweise gefällt den Leuten
entweder die Front oder das Heck, aber nicht unbedingt beides. In der Front sind es nicht
die großen eckigen Scheinwerfer, sondern es vor allem die breite verchromte Mittelleiste
mit dem Blitz im Kühlergrill, die auf der Autobahn in der Heckscheibe schon von weitem
signalisiert: Hier komme ich!

Gegenüber der zweiten Vectra-Generation
hat der Neue an Größe zugelegt: sechs Zentimeter länger (4,60 m), neun Zentimeter
breiter (1,80 m) und fast vier Zentimeter höher (1,46 m). Auch der Radstand ist um sechs
Zentimeter gewachsen, wobei aber schon der Vorgänger
mit großzügigem Platzangebot für die Passagiere glänzte. Was der Vectra der aktuellen
Generation in der Praxis zu bieten hat, erfuhren wir in einem in einem Vectra in der
Lackierung Auster Metallic mit 2,2-Liter-Benzinmotor und Top-Ausstattung Elegance.
Auf den ersten Klick der
Funkfernbedienung der Zentralverriegelung öffnet sich nur die Fahrertür, der Rest
entsperrt erst auf den zweiten Klick. Vier Türen bieten bequemen Einstieg für Front- und
Fondpassagiere. Knie- und Kopffreiheit sind vorne wie hinten gut. Straffe, gut konturierte
Sitze bieten vorne guten Seitenhalt. Hinten sind auch die Außenplätze gut konturiert,
wodurch der Mittelsitz eher nur für die kurze Strecke geeignet ist. Von außen dringen
auch bei höherem Tempo kaum Windgeräusche in die Karosserie, auch über die
Geräuschdämmung zum Motorraum kann man sich nicht beklagen. Der Kofferraum fasst
wie schon beim Vorgänger 500 Liter Ladung auf einer fast quadratisch nutzbaren
Fläche. Die Ladekante ist Limousinen-typisch hoch. Die Rücksitzlehne ist asymmetrisch
geteilt umklappbar, wodurch sich der Laderaum auf bis zu 1.050 Liter erweitern lässt.

Die Übersicht über die Karosserie ist
vom Fahrersitz aus nicht so berauschend, aber dafür hilft die optional verfügbare
Einparkhilfe vorne und hinten beim Rangieren. Das Armaturenbrett ist gut sortiert und
blind nutzbar. Die Blinker mit Komfort-Tipp-Funktion sind gewöhnungsbedürftig: Sie gehen
automatisch nach dem Betätigen des Schalters in die Ausgangsposition zurück; kein Klick
verrät, ob der Hebel nur kurz (für drei Blinkintervalle) oder richtig (für
Dauerblinken) gedrückt wurde. Die Türinnengriffe sind vorne zu niedrig und zu weit
hinten angebracht, zumindest für Leute, die nicht wegen ihrer langen Beine die Sitze weit
nach hinten schieben. Die Ablagefächer in den vorderen Türen sind sehr klein, hinten
gibt es gar keine. Ansonsten gibt es zumindest für die Frontpassagiere reichlich
Staufächer: ein geräumiges Handschuhfach, ein Brillenfach über Kopf im Dachhimmel, ein
kleines Fach seitlich vom Lenkrad, zwei Fächer in der Armlehne sowie ein Fach für
Getränkedosen. Die Fondpassagiere müssen sich mit Taschen an den Rückseiten der
Vordersitze sowie einem flachen Fach in der Mittelarmlehne begnügen. Allerdings stehen
ihnen zumindest in der Elegance-Ausstattung auch Halter für Becher oder Getränkedosen
zur Verfügung.

Der Innenraum ist in Anthrazit gehalten,
mit Ledersitzen (Sonderausstattung, Serie sind Velours-Polster) und
Ulmenholzdekor-Einlagen in Armaturenbrett und Türen (Elegance-Ausstattung). Die ganze
Innenraumausstattung macht sowohl von der Materialauswahl wie auch von der Verarbeitung
qualitativ einen guten Eindruck. Eine manuelle Klimaanlage ist ab der Comfort-Ausstattung
Serie, die Zwei-Zonen-Klimaautomatik ist gegen Aufpreis zu haben. Zur Serienausstattung
gehören ab der Basisversion elektrische Fensterheber vorne, elektrisch einstellbare und
beheizbare Außenspiegel, die Service-Intervall-Anzeige sowie eine funkfernbediente
Zentralverriegelung. Zusätzlich sind in der Elegance-Version ab Werk u.a. auch
elektrische Fensterheber hinten, Multifunktions-Lederlenkrad, Schaltknauf und Manschette
in Leder, Leichtmetallräder sowie eine Klimaanlage mit Belüftungsdüsen hinten mit
dabei. Aufpreis kosten die Metallic-Lackierung, die Zwei-Zonen-Klimaautomatik,
Bordcomputer, Geschwindigkeitsregler, Lederausstattung inkl. Sitzheizung vorne und hinten,
elektrische Sitzeinstellung vorne (mit Memory für den Fahrer) mit automatisch
abblendendem Innenspiegel und Regensensor, Sitzheizung hinten, Einparkhilfe,
Navigationsradio, Schiebe-/Ausstelldach und Sonnenschutzrollos hinten (Heck elektrisch,
hintere Seitenfenster manuell) sowie Xenon-Scheinwerfer.

Zwei Benziner und zwei
Turbodiesel-Direkteinspritzer sind für die Stufenheck-Limousine verfügbar. Unser
2,2-Liter-Ecotec-Ottomotor mit 147 PS ist zur Zeit die Topmotorisierung und bereits aus
dem Vormodell bekannt, wo er 2000 seine Premiere feierte. Die über 1,4 t schwere
Limousine ist mit dem 2.2 Ecotec gut motorisiert: kräftiger Antritt und guter Durchzug
über das ganze Drehzahlband versprechen einen komfortablen Antrieb. Dabei glänzt der
Motor mit seiner Laufkultur: Ruhig und vibrationsarm ist er im Passagierraum kaum zu
bemerken.
Der Ring am Schalthebel, den man
hochziehen muss, um den Rückwärtsgang einzulegen, der ist etwas klein geraten. Ansonsten
ist die manuelle Fünfgang-Schaltung knackig und präzise, lässt sich der Schalthebel
leichtgängig durch die Gänge führen, dass es eine Freude ist. Viel benutzen muss man
ihn aber nicht, denn die Motorleistung ist ausreichend, den Wagen schaltfaul fahren zu
können. Wer es komfortabler mag, bekommt auf Wunsch auch eine neu entwickelte gut
abgestufte und sauber schaltende Fünfstufen-Automatik zur Verfügung, mit ActiveSelect
für die manuelle Gangwahl, wenn es doch etwas sportlicher abgehen darf.
Natürlich ist der mit 147 PS
motorisierte Vectra kein Sportler: Die Beschleunigung von Null auf 100 km/h absolviert er
in 10,2 Sekunden. Seine Höchstgeschwindigkeit von 216 km/h reichen auf der Autobahn
allemal für flottes Vorankommen und zügige Überholmanöver, zumal der Wagen auch bei
höheren Touren immer noch ganz gut zulegen kann. Zwar liegt knapp überm Leerlauf
reichlich Drehmoment an, aber das Maximum von 203 Nm erreicht er erst bei 4.000 U/min. Der
Vectra ist eher prädestiniert für lange Touren über Land und die Autobahn: Bei
ökonomische Fahrweise erzielt er einem Verbrauch von 11,9 Litern Superbenzin je 100 km in
der Stadt, 6,7 Litern außerorts und 8,6 Litern im gemischten Verbrauch nach EU-Norm
(alles Herstellerangaben). Natürlich erfüllt der Motor die Abgasnorm EU4.

Der Fronttriebler glänzt mit tadellosem
Geradeauslauf. Die leichtgängige, sehr direkt ausgelegte elektrohydraulische Servolenkung
vermittelt einen Schuss Dynamik und Fahrspaß. Zielgenau und präzise lässt der
Rüsselsheimer sich auch um enge Kurven dirigieren. Dabei vermittelt sie aber trotz der
komfortablen Auslegung des Fahrwerks guten Fahrbahnkontakt.
Beim Fahrwerk hat Opel bewährte Technik
mit neuesten Entwicklungen von Fahrwerksregelsystemen kombiniert. Mit seinem agilen und
dynamischen Fahrwerk machte auch der Vectra B auf
kurvigen Strecken eine gute Figur. Bewährt hatte sich hier die Vorderachs-Konstruktionen
mit McPherson-Federbeinen, Dreiecksquerlenkern, Gasdruckstoßdämpfern und Stabilisator.
Die Mehrlenkeraufhängung an der Hinterachse wurde etwas modifiziert und verfügt jetzt
über drei Querlenker (vorher zwei) und einem Längslenker. Auch an der Hinterachse kommen
Gasdruckstoßdämpfer und Stabilisator zum Einsatz. Auf dieser soliden Mechanik bauten die
Entwickler die technischen Finessen des Interaktiven Dynamischen Fahrsystems auf. Die
Traktionskontrolle TC plus mit Motor- und Bremseingriff stabilisiert das Fahrzeug beim
Beschleunigen, das ESP plus bremst bis zu drei Räder gleichzeitig ab, um das Fahrzeug in
der Kurve in der Spur zu halten. Das hervorragend abgestimmte Fahrwerk macht aber vor
allem Eingriffe des ESP nur selten nötig, der Grenzbereich liegt sehr hoch. Vor allem das
ESP arbeitet sehr fein dosiert und unauffällig, dass der Fahrer die Eingriffe, wenn sie
denn nötig sind, kaum mitbekommt.

Die Federung ist sehr komfortabel
ausgelegt. Trotzdem liegt der Rüsselsheimer nicht zu weich auf der Straße. Mit seinen
16-Zoll-Leichtmetallräder mit 215/55er Reifen ist der Vectra 2.2 etwas breiter bereift
als die schwächeren Motoren (195/65 R 15). Abstriche an die Sicherheit des Handlings sind
trotz der komfortablen Auslegung des Fahrwerks nicht zu befürchten. Spurtreu und sicher
zieht er seine Spur, zeigt in Kurven erst bei höheren Geschwindigkeiten den Hauch einer
Tendenz zum Untersteuern, wechselt problemlos und neutral im Fahrverhalten auch bei hohem
Tempo und plötzlichen Lenkmanövern die Spur. In Kurven gibt er sich dynamisch und agil
und zeigt bei allem Fahrkomfort auch eine sportliche Seite. In Notsituationen greifen die
Scheibenbremsen rundum (vorne innenbelüftet) kräftig zu und bringen das Fahrzeug
blitzschnell und spurtreu zum Stand. Neben ABS, der elektronischen Bremskraftverteilung
und dem Bremsassistenten unterstützt die Kurvenbremskontrolle CBC den Fahrer, wenn er zu
schnell in die Kurve gegangen ist und um ein Abbremsen nicht herum kommt. Die Grenzen der
Fahrphysik können allerdings auch die elektronischen Helfer nicht außer Kraft setzen.

Die Sicherheitsausstattung ist schon ab
Werk vorbildlich: Eine Sicherheitskarosserie mit computerberechneten Verformungszonen,
Rammschutzträger und hochfeste Profile in den Türen, verstärkte Dachquerträger,
Säulen und Schweller aus hochfestem Stahl sowie eine verwindungssteife Fahrgastzelle hat
Opel dem Vectra zum passiven Schutz der Passagiere mitgegeben. Auskuppelnde Pedale,
Sicherheitslenksäule, fünf Kopfstützen (die mittlere hinten ist versenkbar) sowie
Drei-Punkt-Gurte auf allen fünf Sitzen, Front- und Seitenairbags für die Frontpassagiere
sowie Kopfairbags für vorne und hinten, aktive Kopfstützen mit Lehnenunterstützung
vorne und Isofix-Kindersitzbefestigungen auf den äußeren Plätzen hinten runden den
Schutz im Falle eines Unfalles ab. Auch die aktiven Hilfen für den Fahrer sind neuester
Stand der Technik: das Interaktive Dynamische Fahrsystem (IDS) umfasst die
Traktionskontrolle TC Plus, ein ESP der neuesten Generation (ESP plus) sowie ABS mit
Kurvenbremskontrolle CBC, Bremsassistent und elektronischer Bremskraftverteilung. Die
Bremsbelagverschleißanzeige ist Serie, die Einparkhilfe optional verfügbar, ebenso eine
Reifendruckkontrolle.

Ab 20.250 Euro ist der Vectra mit seinem
122 PS starken Basismotor (1.8 Ecotec) in der Grundausstattung zu haben, ab 21.600 steht
der 2.2 Ecotec in der Preisliste. Über der Comfort-Version ist die Elegance-Ausstattung
die Topversion bei Opel. In dieser Ausstattung schlägt der 2,2-Liter-Vectra mit
mindestens 24.100 Euro zu Buche. Dazu kommen Aufpreise für die Metallic-Lackierung,
Klimaautomatik, Bordcomputer, Geschwindigkeitsregler, Lederausstattung inkl. Sitzheizung
vorne, elektrische Sitzeinstellung vorne mit automatisch abblendendem Innenspiegel und
Regensensor, Sitzheizung hinten, Einparkhilfe, Navigationsradio, Schiebe-/Ausstelldach und
Sonnenschutzrollos hinten sowie Xenon-Scheinwerfer.
Opel gibt zwei Jahre Gewährleistung für
den Wagen und alle beim Opel-Partner eingebauten Ersatzteile sowie zwölf Jahre auf die
Karosserie. Die Service-Intervalle hängen vom persönlichen Fahrstil und den
Einsatzbedingungen ab und werden über die Service-Intervall-Anzeige angezeigt. Sie
können bis zu 30.000 km betragen, aber maximal zwei Jahre. Die Versicherungen stufen den
stärksten Stufenheck-Vectra in die Typklassen 16 / 16 / 30 (KH / VK / TK). |