Ein neues Gesicht hat Opel zum 1999er Modelljahr seinem Mittelklasse-Modell Vectra
verpasst. Ein Kühlergrill mit Chromeinfassung sowie H7-Scheinwerfer mit Klarglas-Optik
zählen zu den offensichtlichen Änderungen. Begleitet von eher marginalen äußeren
Änderungen bringt es der Vectra auf immerhin 3.000 veränderte (von rund 8.000)
Komponenten. Damit will Opel seine Spitzenposition auf dem europäischen
Mittelklasse-Markt halten.

Der Innenraum ist in unserem
schwarzlackierten Testwagen, einem Vectra Caravan 2.0 DI 16V Comfort, in hellen Farben
gehalten. Die hellen Stoffpolster sind strapazierfähig und relativ unempfindlich. Das
ganze wirkt auch in der Comfort-Ausstattung, welches die erste Ausstattungsvariante über
dem Basismodell ist, qualitativ gut. Der Beifahrer-Airbag hat eine eigenständige
Abdeckung, so dass im Falle einer Reparatur nicht das ganze Cockpit ausgetauscht werden
muss.
Das Platzangebot ist vorne wie hinten
für vier Passagiere angenehm und ausreichend bemessen. Mit drei Erwachsenen sitzt man auf
der Rückbank schon etwas beengter. Ausreichend Kopffreiheit haben auch über 1,90 m
große Fahrer, allerdings reichen die Kopfstützen kaum aus. Die Sitze sind angenehm
straff gepolstert und bieten guten Seitenhalt. Mit verstellbarer Lordosenstütze (Serie)
fahren große und kleinere Frontpassagiere entspannt und ohne Wirbelsäulenprobleme auch
auf langen Strecken.
Zu wenig Ablageflächen hat unser
Testwagen, da er mit dem Navigationssystem ausgestattet ist. Die Steuerung und das Display
des Navigationssystem sind etwas tief angebracht und belegen Platz in der Mittelkonsole,
der sonst als Ablagefach gestaltet ist. Das Ablagefach über den Rückspiegel ist gut,
aber für die Sonnenbrille nicht gut zu gebrauchen. Auch das Handschuhfach, wo das
Navigationssystem untergebracht ist, reicht nur noch für Handschuhe. Der CD-Wechsler der
Radio-Kombination ist im Kofferraum gut und geschützt unter einer Abdeckung
untergebracht.
Die Schalter der Fensterheber sind
griff-ungünstig neben dem Schaltknüppel platziert. Ansonsten sind alle Anzeigen gut
ablesbar, alle Schalter sinnvoll angeordnet und blind erreichbar. Mit Klimaautomatik (885
Mark Aufpreis gegenüber der serienmäßigen manuellen Klimaanlage) ausgestattet fühlen
sich die Passagiere im Innenraum bei jeden Wetter wohl.
Die Sicherheitsausstattung ist mit
versteifter Fahrgastzelle, Seitenaufprallschutz, Front- und Seitenairbags für Fahrer und
Beifahrer, Wegfahrsperre, Servolenkung und elektronisch gesteuertem ABS vollständig.

Gut nutzbar ist der Kofferraum.
Erste-Hilfe-Kasten und Warndreieck sind in einem Fach in der Seitenwand verstaut. Über
eine Ladekante von 55 cm lassen sich auch sperrige, schwere Güter ziemlich problemlos
einladen und über die Kunststoffschienen im Laderaumboden leicht über die Ladetiefe von
110 cm nach hinten schieben. Im vorderen Teil des Laderaumes steht ein Ladebreite von 108
cm zur Verfügung. Im hinteren Bereich verengt sich die Durchladebreite allerdings wegen
der ausladenden Radkästen auf 95 cm. Auch steht unter der Abdeckung ausreichend Ladehöhe
zur Verfügung, dass selbst höhere Gegenstände vor neugierigen Blicken verborgen werden
können.
Gut ist die mittlere Kopfstütze hinten,
die sich bei Bedarf oder vielmehr dann, wenn sie nicht gebraucht wird
runterschieben lässt und nur noch wenig über die Sitzlehne reicht. Das verbessert die
Sicht durch die Heckscheibe ungemein, denn selbst in einem Kombi ist man nicht ständig
mit fünf Leuten unterwegs.
Der Kofferraum ist von 460 Liter (unter
der Laderaumabdeckung) durch umlegen der asymetrisch geteilten Rücklehne auf 1490 Liter
erweiterbar. Das kann der Astra Caravan zwar besser (480 bis 1500 Liter), aber dafür hat
der Vectra-Fondpassagier dank 20 cm mehr Karosserielänge ein Plus an Kniefreiheit.
Der 2.0
Liter-Direkteinspitzer-Turbodiesel mit 82 PS hat es mit der 1,4 Tonnen schweren Karosserie
nicht leicht. Beim sportlichen Tritt aufs Gaspedal gibt er sich etwas rauh und brummig,
läuft aber bei gleichmäßigem Gasgeben recht kultiviert. Im unteren Drehzahlbereich ist
er etwas schwach auf der Brust. Erst ab 1.500 Touren liegt bis gut 2.800 Touren über 95
Prozent seines maximalen Drehmoments von 185 Nm an. Das ist für schnelleres Fahren immer
noch gut. Die lang übersetzten Gänge im Diesel machen allerdings häufiges Schalten
nötig. Was jedoch mit dem sauber und leichtgängig zu dirigierenden Schaltknüppel eine
Freude ist.
Dass die kleinere Turbodiesel der
Baureihe keine Bäume ausreißt, merkt man beim Beschleunigen: in 17 Sekunden kommt der
Caravan von 0 auf Tempo 100. Kein Sportler, aber angesichts der zu bewegenden Masse
durchaus akzeptabel. Wer dem sportlichen Fahrstil frönt, sollte sich lieber für einen
Benziner entscheiden. Die Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h ist auf der Autobahn für
zügiges Vorankommen und problemlose Überholmanöver gut. Immerhin fährt er sparsam: 6
Liter im EU-Norm-Durchschnitt (Herstellerangabe), 7,9 Liter im Stadtverkehr da kann
man nicht meckern.

Das überarbeitete Fahrwerk des neuen
Vectra begeistert. Sportlich und agil im Handling nimmt er jede Kurve. Unproblematisch
steckt der Fronttriebler auch zu schnelles Kurventempo locker weg, schiebt vielleicht ein
wenig über die Vorderräder, aber bleibt beherrschbar. Die direkte und präzise Lenkung
lässt den Fahrer kaum vermuten, dass er einen fast 4,50 m langen Kombi über die Straßen
dirigiert. Insgesamt besticht er durch seine Ausgewogenheit in Verbindung mit einem Pfiff
Sportsgeist. Gut bekommt dem Fahrverhalten die größere 16-Zoll-Bereifung mit 205/55er
Reifen (Serie sind 195/65er 15-Zoll-Reifen).
Der Vectra Caravan verfügt über
Scheibenbremsen rundum (vorne innenbelüftet). Die Bremsen packen kräftig und gut
dosierbar zu und bringen den Kombi schnell und sicher zum Stehen.
Die Federung ist sportlich straff, was
eine geringe Seitenneigung in den Kurven zur Folge hat. Dennoch ist die Karosserie
ausreichend gefedert, um Bodenwellen und kleinere Unebenheiten glatt zu bügeln.
Einen Vectra Caravan in der
Grundausstattung kostet ab 37.105 Mark. Der Preis für den Vectra Caravan 2.0 DI Comfort
liegt bei 41.560 Mark. Dafür gibt es Laderaumabdeckung und trennnetz, elektrisch
einstell- und beheizbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber vorn (inkl. hinten kostet
680 Mark Aufpreis), Klimaanlage (Klimaautomatik kostet 885 Mark extra) sowie drei
Drei-Punkt-Gurte und Kopfstützen auf der Rückbank serienmäßig. Eine
Anhängerzugvorrichtung (1.195 Mark), die Niveauregulierung (1.165 Mark) sowie
Bordcomputer (482 Mark) und Winter-Paket mit Sitzheizung und Scheinwerfer-Reinigungsanlage
(805 Mark) kosten extra. Die Versicherungseinstufungen liegen mit 19 / 21 / 28 (H / VK /
TK) gut im Durchschnitt.
Opel gewährt ein Jahr Garantie auf den Neuwagen ebenso
wie ein Jahr Garantie auf Reparaturen mit Opel Ersatzteilen und Original Zubehör in einer
Opel-Werkstatt. Auf die Karosserie gibt Opel 10 Jahre Garantie gegen Durchrostung. Die
Wartungsintervalle liegen bei 15.000 km oder einem Jahr für den Service-Check und bei
30.000 für die Inspektion. |