Auch wenn Microvans asiatischer Hersteller in Deutschland nicht unbekannt sind, so zieht
der Opel Agila doch die Blicke auf sich. Ist es der Blitz auf der Motorhaube der
Agila ist der erste Microvan eines europäischen Herstellers oder ist es bloß die
magmarote Farbe, die den kleinen Van richtig pfiffig aussehen lässt? Jedenfalls lockt er
interessierte Leute an ...

Mit seinen 3,50 m Länge ist er drei
Zentimeter kürzer als ein Lupo, hat aber dank seiner 1,70 m Höhe erheblich mehr
Laderaum. Zwar hat er nicht ganz den Wiedererkennungswert eines Lupo, sieht aber mit den
großen Scheinwerfern einfach knuffig aus. Wir fuhren Opels Microvan mit 1,2-Liter-Motor
in Comfort-Ausstattung.
Platz haben acht Personen: vier
schwangere Frauen! Aber mal im Ernst: In der Breite ist das Angebot wirklich auf allen
vier Sitzen hervorragend, allerdings wird es hinten im Knieraum etwas eng, wenn die
Frontpassagiere ihre Sitze etwas weiter zurückschieben. Auch zu groß gewachsen sollte
die Passagiere nicht sein, denn die hoch platzierten Sitze sind nicht höhenverstellbar
und der Kopfraum lässt trotz hoher Karosserie nicht all zu viel Spiel. Die hohe
Sitzposition garantiert dem Fahrer dafür allerdings eine gute Rundumsicht.

Gute 240 Liter Laderaum sind schon
Kleinwagenformat, bis zu 1.250 Liter Zuladung sind mit umgeklappten Rücksitzlehnen bis
unters Dach möglich, aber leider nur bis 305 kg. Das reicht bei den schwangeren Frauen
gerade mal fürs Handgepäck. Beim Umklappen der Rückbanklehnen senkt sich der Sitz nach
unten ab. Zudem entsteht ein gut nutzbare, ebene Ladefläche von bis zu 1,38 m Tiefe und
bis zu einem Meter Breite zwischen den wenig störenden Radkästen. Die Ladekante von 56
cm ist auch mit schweren Gepäck gut zu überwinden. Für Leute über 1,80 m nicht ganz
ungefährlich ist nicht gerade hoch öffnende Heckklappe.

Innenraum und Cockpit sind funktional
gestaltet, aber alles andere als innovativ. Die Materialqualität ist befriedigend, an der
Verarbeitung nichts auszusetzen. Die Schalter und Anzeigen sind gut sortiert und in
Reichweite. Viele Ablagefächer und flächen erhöhen den Nutzwert für die
Passagiere.
Serienmäßig ist der Agila ausgestattet
mit Servolenkung, zwei Kopfstützen vorne, Drei-Punkt-Gurten auf allen Sitzen sowie
Fahrer- und Beifahrerairbag. Zwei Kopfstützen hinten und ABS stehen in der
Basisausstattung immer noch auf der Zuschlagsliste. Seitenairbags gibt es nicht,
elektrischen Fensterheber für die hinteren Türen eben so wenig. Ist das der Einfluss von
Entwicklungspartner Suzuki, die die zweite Generation des Wagon R+ mit Opel zusammen
entwickelt haben? So richtig zeitgemäß ist diese Sicherheitsausstattung bald auch für
Kleinstwagen nicht mehr. Die Comfort-Ausstattung umfasst wenigstens ABS und Kopfstützen
hinten serienmäßig, die Klimaanlage kostet auch hier Aufpreis.

Die beiden Motoren der Agila-Baureihe
der 1.0 12V und der 1.2 16V sind aus dem Corsa bekannt. Für den Agila (und
den neuen Corsa) sind sie technisch überarbeitet worden, leisten 3 bzw. 10 PS mehr und
erfüllen die D4-Abgasnorm. Der 1,2-Liter-Motor mit 75 PS ist für den Agila eine recht
ordentliche Motorisierung. Leider ist es auch der Topmotor. Denn voll beladen tut sich
auch das 75-PS-Aggregat etwas schwer. Im niedrigeren und leichteren Corsa gefällt der
(hier sogar schwächere) 1,2-Liter-Motor entschieden besser, zieht spritziger an und
besticht durch seine Laufruhe. Da im Agila zum Motorraum wenig Platz für
Geräuschdämmung vorhanden ist, macht sich der Motor nämlich auch akustisch ganz anders
bemerkbar.
In 13,5 Sekunden schafft der Agila den
Sprint auf Tempo 100 und bringt es auf 155 km/h Spitze. Im Gesamtverbrauch gibt er sich
mit 6,5 Litern Superbenzin je 100 km nach EU-Norm zufrieden, im Stadtverkehr sind es 8
Liter (beides Herstellerangaben).
Alles andere als handlich ist trotz
seiner ultra-kompakten Abmessungen der Wendekreis. Die manuelle Fünfgang-Schaltung gibt
kaum Anlass zur Klage: Präzise lässt sich der Schalthebel führen, nur die Schaltwege
könnten etwas kürzer sein. Die Lenkung ist leichgängig und spricht direkt an.
Auf trockener Straße ist der Agila
problemlos zu handhaben. Zu schnelle Kurvenfahrten quittiert er mit einem gutmütigen
Untersteuern. Schwer fühlt sich das Gefährt bei plötzlichen Spurwechseln an, die
Seitenneigung lässt sich dabei gut kontrollieren.
Die Feder-Dämpfer-Abstimmung stellt
einen guten Kompromiss dar: Ausreichender Federungskomfort, aber dennoch hart genug, um
die hohe Karosserie in Kurven und bei plötzlichen Spurwechseln nicht zu sehr aufschaukeln
zu lassen.
Nicht mehr zeitgemäß sind allerdings
die Leistungen der Bremsen (Scheibenbremsen vorne, Trommelbremsen hinten): Der Bremsweg
ist definitiv zu lang!

Einen Agila gibt es ab 17.500 Mark mit 1-Liter-Motor in
der Basisausstattung. Unseren 1,2-Liter-Motor gibt es ab 20.145 Mark, dafür verfügt er
aber auch gleich über die Comfort-Ausstattung. Die magmarote Brillantlackierung kostet
zusätzliche 215 Mark. Aufpreis kosten in der Comfort-Aussattung zudem Dachreling (250
Mark), Klimaanlage (1.595 Mark), Nebelscheinwerfer (267 Mark) und das Elektro-Paket mit
elektrischen Fensterhebern vorne und Zentralverriegelung (975 Mark). Opel gewährt ein
Jahr auf das Fahrzeug sowie alle beim Opel-Partner eingebauten Original-Ersatzteile sowie
zwölf Jahre auf die Karosserie. Die Wartungsintervalle sind lang: Alle 15.000 km braucht
er einem Service, alle 30.000 km eine Inspektion. Bei den ersten Einstufungen in
Versicherungsklassen kam der kleine Rüsselsheimer allerdings gar nicht gut weg: 14 / 16 /
25 (KH / VK / TK) sind es für den großen Motor, 12 / 14 / 17 für den Kleinen. |