Nicht gerade auffällig gestylt ist die Mittelklasse-Stufenhecklimousine: Schön
anzusehen, aber eben kein Hingucker, der einem auf der Straße sofort ins Auge fällt.
Wiedererkennungswert hat allenfalls die weit nach unten gezogene Motorhaube mit dem
markanten, chromumrandeten "Double-Wing"-Kühlergrill.

Die Tugenden des viertürigen Nissan
Primera 2.0 Competence liegen augenscheinlich woanders: Zuverlässigkeit, Geräumigkeit
und Komfort, eine solide und gleichzeitig dynamische Erscheinung sowie dank der
fast schon sportlichen Fahrwerksabstimmung jede Menge Fahrspaß.
Der 2 Liter-Motor leistet im Primera
Competence 130 PS (in der Top Sport-Ausstattung sind es 150 PS), sprintet in 9,6 Sekunden
von 0 auf 100 und erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 205 km/h. Sein
Drehmoment-Maximum von 173 Newtonmetern liegt erst bei 4.800/min. So richtig auf Touren
kommt der Vierzylinder-Vierventiler ab 4.000/min., unter 2.500/min. wirkt er im Vortrieb
fast schon behäbig. Gemäßigt hingegen ist sein Durst: Knappe 9 Liter Superbenzin auf
100 km verbrauchte er im Test. Der Motor erfüllt die D3-Norm und ist damit befristet von
der Kfz-Steuer befreit.
Exakt und leichtgängig schaltet sich der
Wagen durch die fünf Gänge, daß es eine wahre Freude ist. Das ist aber auch nötig,
denn schaltfaul fahren läßt sich die Limousine dank der langen Getriebeübersetzung
nicht gerade. Wer lieber schaltfaul fährt, dem sei das gegen Aufpreis lieferbare
Vierstufen-Automatikgetriebe empfohlen. Die Lenkung arbeitet zielgenau und präzise, die
Bremsen (Scheibenbremsen, vorne innenbelüftet) verzögern ordentlich, gut dosierbar und
spurtreu.

Das Autofahren macht Spaß, vor allem im
Primera. Der Fronttriebler besticht durch sein dynamisches Fahrverhalten und agiles
Handling. Die Kombination aus Multilenker-Vorderachse und Kompaktlenker-Hinterachse sorgt
für Spurtreue und hervorragende Kurvenstabilität. Bei schnelleren Kurvenfahrten schiebt
er ein wenig über die Vorderräder. Lastwechselreaktionen sind ihm fremd. Die straffe
Auslegung bringt hohe Fahrstabilität und Sicherheit bei einem aktiveren Fahrstil, geht
aber ein wenig auf Kosten des Komforts.
Daß er bei der Beschleunigung in unteren
Drehzahlregionen eher schwerfällig wirkt, will nicht so recht passen zu dem hervorragend
ausgelegten, sportlich-dynamischen Fahrwerk. Hier ist der Primera mit dem 2 Liter-Motor
der Top Sport-Ausstattung mit 150 PS und einer kürzeren Getriebeabstufung im
dritten und vierten Gang für ein sportlicheres Fahren sicherlich vorzuziehen.
Straff gefedert ist der Primera, aber
noch nicht unkomfortabel: Kleine Unebenheiten spürt man, lange Bodenwellen bügelt er
hingegen makellos glatt. Die Geräuschkulisse hält sich auch bei höheren
Geschwindigkeiten sehr in Grenzen.
Die körpergerecht geformten,
velourbezogenen Sitze sind straff, bequem und bieten guten Seitenhalt. Eine
Lendenwirbelstütze im Fahrersitz sorgt für Wohlbefinden auf Langstreckenfahrten. Das
Platzangebot ist vorne wie hinten ausreichend bemessen. Allerdings sitzen drei große
Erwachsene auf der Rückbank etwas eng. Drei vollwertige Sitzplätze mit Kopfstützen und
Drei-Punkt-Sicherheitsgurten, die äußeren Sitze mit Ausformung, garantieren aber auch
hinten eine sichere Fahrt.
Die Stufenhecklimousine verfügt über
einen gut nutzbaren, 490 Liter fassenden Kofferraum, der dank der asymmetrisch geteilt
umlegbaren Rückbank variabel vergrößert werden kann und über die Ladekante von 62 cm
hervorragend zu beladen ist. Die Durchladebreite hinein in den Fahrgastraum ist allerdings
an den Radkästen etwas eingeschränkt.

Das Cockpit ist im Nissan-typischen,
praktischen Design gehalten. Der Kunststoff wirkt hochwertig, die Verarbeitung ist
ordentlich. Alle Instrumentenanzeigen sind gut einzusehen, alle Schalter an der richtigen
Stelle, wo sie sich blind finden und betätigen lassen. Besonders angenehm fällt die
unkomplizierte, stufenlos einstellbare Intervallschaltung der Scheibenwischer auf.
Den Nissan Primera 2.0 gibt in vier
Ausstattungsvarianten: In den eher komfort-orientierten Linien Competence und Ambiente
sowie die sportlicheren Modelle Motion und Top Sport. Wir fuhren den Primera in der
Competence-Ausstattung. Außer der Basisausstattung, die es ohnehin nur für den 1,6
Liter-Motor gibt, verfügen alle Linien über eine serienmäßige Klimaanlage, elektrisch
einstellbare und beheizbare Außenspiegel und elektrische Fensterheber.
Serienmäßig ist die kleinere Komfortausstattung zudem
ausgerüstet mit einer Fernbedienung für die Zentralverriegelung, einer
Außentemperaturanzeige sowie Holzeffekt-Applikationen an der Mittelkonsole, die
Zigarettenanzünder und Aschenbecher beinhaltet. Außerdem gibt es im hinteren Teil der
Mittelkonsole ein Ablagefach mit Getränkedosenhalter. Was allerdings fehlt ist eine
zusätzliche Ablage für die Sonnenbrille oder anderen Kleinkram, den man schon mal
schnell bei der Hand haben muß. Ansonsten gibt es ausreichend Stauraum: ein beleuchtetes
Handschuhfach, Stauraum für Cassetten unter dem Radio sowie Ablagefächer in den Türen.
Der Innenraum wirkt angenehm wohnlich und ist gut verarbeitet. Nichts klappert oder
scheppert, auch nicht auf richtig schlechten Straßen.
Ein weiteres angenehmes Ausstattungs-Plus: Wenn man
die Türen aufschließt, geht für bis zu 30 Sekunden im Innenraum die
Beleuchtung an, was in der Dunkelheit das Einsteigen und sich im Innern des Wagens zurecht
finden sehr erleichtert.

Die übliche Sicherheitsausstattung mit
ABS, vier Airbags, Drei-Punkt-Sicherheitsgurten mit Gurtstraffern, Sicherheitslenksäule
und Seitenaufprallschutz gibt es serienmäßig. Dazu kommen eine Karosserie mit
computerberechneten Knautschzonen, schwer entflammbare Materialien im Innenraum sowie
"Anti-Submarining"-Kissen in den Sitzen, die verhindern, daß die Passagiere im
Falle eines frontalen Aufpralls unter den Sicherheitsgurten durchrutschen. Eine besonders
verstärkte Rückbank schützt vor nach vorne rutschendem Gepäck aus dem Kofferraum. Den
Rundum-Schutz vervollständigt die elektronische Diebstahlsicherung NATS.
Als Einstiegsmodell ist der 1.6 Stufenheck
in der Basisausstattung schon für 32.695 zu haben, Spitzenmodell ist der 2.0 Top Sport
Fließheck für 41.995 Mark. Der Nissan Primera 2.0 Stufenheck kostet in der
Competence-Ausstattung 37.695 Mark. Dafür ist er aber auch schon komplett mit allem
serienmäßig ausgestattet, was das Autofahrerleben angenehm macht. Lediglich in der
Versicherungseinstufung liegt der Primera (Haftpflicht Typklasse 18, Vollkasko 22,
Teilkasko 27) etwas über dem Durchschnitt seiner Klasse.
Nissan gewährt drei Jahre Garantie bis zu einer
Laufleistung von 100.000 Kilometern, eine Sechs-Jahres-Garantie gegen Durchrostung, eine
dreijährige Garantie auf die Lackierung und dazu gegen Aufpreis
verschiedenste Service- und Mobilitätsgarantien.
© Oktober 1998 Petra
Grünendahl, Fotos: grü / IN*TEAM |