Auf der Autobahn fühlt man sich als
König der Landstraße: Die Lkws überholt man mit einer Höchstgeschwindigkeit von 145
km/h ganz locker und über den Pkw thront man in der 1,70 m hohen Karosserie und
für langsamer fahrende Pkw reicht die Spitzengeschwindigkeit sogar zum Überholen.
Der 4,98 m lange Nissan Pick-up ist kein
Renner, sondern ein Laster, genauer gesagt ein "Lkw offener Kasten". Und als
Lastkraftwagen ist es denn gerade sein Nutzwert, der ihn begehrenswert macht. Als Pick-up
King Cab 4x4 fuhren wir ihn in der Top-Ausstattung Navara und motorisiert mit dem
2,5-Liter-Turbodiesel Intercooler.

Der Pick-up King Cab ist ein Zweisitzer.
Wer sein Gepäck ohne Ladeflächenabdeckung oder Hardtop trocken transportieren will, tut
dies hinter den Sitzen. Das Einladen ist allerdings eher auf der Beifahrerseite zu
empfehlen, da nicht nur die Sitzlehne nach vorne klappt, sondern der ganze Sitz gleich mit
nach vorne schiebt. Wer auf der Fahrerseite einlädt, darf danach die Sitzposition neu
einstellen.

Dieses Vorrücken der Sitze ist eine
Einstiegshilfe, denn für Notfälle gibt es in der King Cab-Karosserieversion hinter den
Sitzen auch seitlich in der Wand eingelassene, herausklappbare Notsitze. Die reichen
allerdings nur für kleine, schlanke Leute von mindestens zwölf Jahren oder 1,50 m
Größe, denn Kindersitze können mit dem vorhandenen Beckengurt nicht gesichert werden.
Das ist ohnehin mehr eine Notlösung, vor allem, weil die Frontpassagiere ihre Sitze dann
auch nicht so richtig weit nach hinten schieben sollten.
Zu zweit bietet der Laster allerdings
befriedigend Platz, jedoch sollten Zwei-Meter-Menschen besser auf dem Beifahrersitz Platz
nehmen, denn je nach Masse und Umfang kann das am Steuer sehr eng werden. Komfortabel ist
der Passagierraum gestaltet und auch qualitativ macht er einen guten Eindruck.
Grau in zwei Schattierungen, nicht gerade
innovativ gestaltet, aber praktisch und handlich ist das Cockpit, gut erreichbar alle
Anzeigen und Schalter. Die Ausstattung ist in der Navara-Version alles andere als
spartanisch: Elektrische Fensterheber, elektrisch einstellbare und beheizbare
Außenspiegel, Zentralverriegelung mit Fernbedienung, Lederlenkrad und schaltknauf
und elektrischer Antenne fürs Radio sind Serie. Die Klimaautomatik kostet 2.795 Mark
Aufpreis.
Von außen wirkt er bullig und robust.
Kotflügelverbreiterungen und breitere Reifen gegenüber der Basisausstattung setzten
Akzente. Gut nutzbar ist die Ladefläche: Zwischen 1,39 und 1,06 m breit (zwischen den
Radkästen) und 1,86 m tief. Wer mehr will, sollte den Pick-up mit Einzelkabine nehmen: da
beträgt die Ladetiefe 2,23 m. Außerdem gibt es den Pick-up noch mit Doppelkabine für
fünf Passagiere, aber dafür nur mit einer Ladetiefe von 1,39 m. Der Laderaum ist mit
Kunststoff beschichtet, zur Sicherung der Ladung dienen vier Befestigungshaken in den
Laderaumecken. Vor Verschmutzung und Nässe schützen die gegen Mehrpreis als
Zusatzausstattung erhältlichen Optionen Hardtop, Persenning oder Laderaumabdeckung aus
Aluminium den King Cab.

Eine Zuladung beim King Cab von
ausstattungsbedingt nur bis zu 755 kg ist für die große Ladefläche des Lasters nicht
gerade Klassenbestwert als Einzelkabine sind immerhin bis fast eine Tonne Zuladung
möglich , als Zugpferd beweist er jedoch Spitzenqualität mit seiner Anhängerlast
von 2.300 kg gebremst, 500 kg ungebremst (bei 12 Prozent Steigung).
Rein äußerlich wirkt er so gar nicht
als Arbeitstier: Alufelgen und die Zwei-Farben-Lackierung (Piniengrün Mineraleffekt und
Brillantsilber Metallic) sind Serie. Außenspiegel und Kühlergrill sind verchromt.
Seitliche Trittbretter erleichtern den Einstieg, einen Haltegriff am Türrahmen wie beim
Patrol GR gibt es leider nicht. In dieser Ausstattung ist der Allrounder wohl auch mehr
als Freizeitmobil denn als Arbeitstier gedacht und man ist ja einem gewissen
Komfortstandard nicht gerade abgeneigt.
Die serienmäßige Sicherheitsausstattung
ist umfassend: ABS, Fahrer- und Beifahrer-Airbag, Flankenschutz in den Türen, verformbare
Instrumententafel und Sicherheitslenksäule sowie elektronische Wegfahrsperre.
Als Lkw ist der Nissan Pick-up in den
Papieren eingetragen, allerdings fährt er sich auf trockener Fahrbahn fast wie ein Pkw,
wenn auch ganz typisch wie ein schwerer Pkw mit Hinterradantrieb, der in zu schnellen
Kurven recht schnell mit dem Heck nach außen drängt. Wer denn eine sportlichere Gangart
schätzt sollte sich zumindest bei feuchter Straße sehr zurücknehmen. Dann macht sich
nämlich der Geländewagen, genauer gesagt: machen sich die Geländewagenreifen bemerkbar.
Im Gegensatz zu Pkw-Reifen sind sie nicht nur für die Straße konzipiert, das heißt,
dass sie einerseits ein breiteres Verwendungsfeld abdecken, andererseits dadurch
natürlich überall Kompromisse eingehen müssen, mit der Folge, dass zum Beispiel die
Haftung auf nassem Asphalt zu wünschen übrig lässt.
Die Federung ist nicht auf Komfort
abgestimmt, aber gut, die Dämpfung straff genug, dass sich das Gefährt nicht
aufschaukelt oder im Gelände zu sehr in die Knie geht und aufsetzt. Dank zusätzlicher
Stabilisatoren liegt der Wagen wie ein Brett auf Straßen und Wegen.
Der 2,5-Liter-Turbodiesel leistet 104 PS
und bringt sein maximales Drehmoment von 245 Newtonmetern bei 2.000/min. auf die
Kurbelwelle. Damit steht er dem 2,8-Liter-Turbodiesel mit 130 PS mit seinen 252
Newtonmetern (ebenfalls bei 2.000/min.) aus dem ähnlich großen und schweren Patrol GR
kaum nach. Jedoch wirkt der kleinere Motor bei Teillast erheblich agiler, dreht auch im
unteren Drehzahlbereich freudiger hoch. Das ermöglicht schaltfaules Fahren. Dennoch ist
an der Leichtgängigkeit der Fünfgang-Schaltung nichts auszusetzen und das Schaltknüppel
führen die reinste Freude.

Nach dem Kaltstart ist kurzfristiges
Nageln angesagt, aber bald merkt man nicht mehr, dass man in einem Diesel sitzt: Die
Geräuschentwicklung des Motors hält sich in Grenzen, sobald der Motor warm gelaufen ist.
Der knapp 1,9 Tonnen schwere Pick-up
verfügt über Heckantrieb mit zuschaltbarem Vorderradantrieb, damit er auch im Gelände
die Kurve kriegt. Zentral in Griffweite liegt die Fünfgang-Schaltung. An einem zweiten
Schalthebel kann man von Zweirad-Antrieb auf die kurze wie die lange Getriebeübersetzung
mit Vierrad-Antrieb umschalten. Das selbsttätig sperrende Differential mit begrenztem
Schlupf an der Hinterachse sorgt für gleichmäßige Traktion.
Der Wagen beschleunigt gut, weil der
Motor auch in niedrigeren Drehzahlbereichen schon viel Druck macht. Für die
Beschleunigung von 0 auf 100 km/h braucht der 1,9-Tonner 17,4 Sekunden. Den Verbrauch gibt
Nissan mit 13,1 Liter im Stadtverkehr bzw. mit 10,7 im gemischten Verbrauch an (nach
EU-Norm).
Die Lenkung arbeitet servounterstützt
und damit angesichts seiner Ausmaße und seines Gewichtes relativ leichtgängig. Wendig
ist der Pick-up nicht gerade, der 13,2-m-Wendekreis verrät den Lkw. Serienmäßig
verfügt der Pick-up 4x4 über ABS. Die Bremsen (vorne innenbelüftete Scheibenbremsen,
hinten Trommelbremsen) bringen ein Gefährt dieser Größe auf akzeptabler Strecke zum
Stehen, aber mit längeren Bremswegen als beim Pkw muss man schon rechnen.
Den Pick-up (Einzelkabine,
Basisausstattung) gibt es ab 30.545 Mark. Für den Pick-up King Cab 4x4 Navara 2.5
Turbodiesel Intercooler ist man ab 44.195 Mark dabei. Die Klimaautomatik schlägt mit
weiteren 2.795 Mark zu Buche. Dazu kommen noch Kosten für Sonderwünsche wie die
Hifi-Anlage sowie eine Laderaumabdeckung hier hat der Kunde mehrere Alternativen
zur Auswahl vom Hardtop bis zur Persenning.
Dafür gibt Nissan ein Jahr Garantie ohne
Kilometerbegrenzung sowie drei Jahre bis 100.000 km. Sechs Jahre Garantie gegen
Durchrostung sind üblich, ein Jahr Garantie auf alle vom Nissan-Partner eingebauten
Originalteile ebenfalls. Verschiedene Mobilitätsgarantien und Treueprogramme
komplettieren das Angebot. |