So schön das höhere Sicherheitsgefühl durch eine ansteigende Gürtellinie auch ist:
Beim rückwärts Einparken auf dem Seitenstrafen ist angenehm und äußerst hilfreich,
wenn man den Wagen, vor dem man sich in die Parklücke manövriert, bis vorne zur
Motorhaube sehen kann anstatt bloß anhand dessen Frontscheibe abzuschätzen, wo er nun
anfängt oder aufhört?!

Übersichtlichkeit auch durch die
Heckscheibe und Handlichkeit sind die Trümpfe des Micra. Nissans Kleinster bringt
auf 3,72 m Länge neben fünf Personen gut nutzbare 206 Liter Ladung unter oder bei
vollständig umgeklappter Rücksitzlehne (asymetrisch geteilt) zwei Personen und bis zu
960 Liter Ladung. Unser tiefseeblauer Fünftürer kommt mit 1,3 Liter-Motor (75 PS) und
Style-Ausstattung.
Die frische Farbe läßt den kleinen
Japaner pfiffig aussehen. Praktisch sind die Seitenschutzleisten ebenso wie Schutzleisten
über die Ecken der Stoßfänger, die mit ihrem unlackierten Kunststoff kleine Parkrempler
nicht zum teuren Mißvergnügen werden lassen. Hingegen fehlt ein entsprechender
Kunststoffüberzug an der inneren Ladekante im Kofferraum: Einkaufs- und Getränkekisten
hinterlassen hier schnell häßliche Kratzer im Lack. Ansonsten ist der Laderaum zwar
klein, aber gut zugänglich und die fast rechteckige Ladefläche variabel nutzbar. Vier
Befestigungshaken erleichtern das Sichern der Ladung im Kofferraum. Der Zugang zum
Laderaum ist tritz der mit 65 cm recht hohe Ladekante mit Stufe dahinter kein Problem.

Auf der Rücksitzbank spüren Großgewachsene wenig
Kniefreiheit. Die äußeren Sitze verfügen nicht nur über Drei-Punkt-Gurte mit
Gurtstraffern sowie höhenverstellbare Kopfstützen, sondern auch über
Isofix-Kindersitzvorrüstungen. Die gibt es zwar nur beim Fünftürer, dafür aber
serienmäßig. Der sichere Einbau von Kindersitzen wird damit durch die hinteren Türen
ein Kinderspiel. Kindersicherungen sind in den hinteren Türen. Was fehlt sind elektrische
Fensterheber für hinten. Die gibt es leider auch nicht gegen Aufpreis. Die vorhandenen
Fensterkurbeln können Mütter (und Väter) vom Fahrersitz so schlecht kontrollieren.
Ansonsten ist die Sicherheitsausstattung zeitgemäß und
vollständig: Airbags für Fahrer und Beifahrer sind serienmäßig, die Seitenairbags gibt
es seit dem Facelift im vergangenen Jahr auf Wunsch gegen Aufpreis (450 Mark), ABS,
Flankenschutz in den Türen, Boden und Dach mit Querträgern versteift und
computerberechnete Knautschzonen vorne und hinten schützen die Insassen. Auch an den
Schutz vor Langfingern ist gedacht: mit der NATS-Diebstahlsicherung.
Eine Zentralverriegelung mit
Funkfernbedienung gibt den Zugang zum Innenraum frei. Die mit strapazierfähigen Stoff
bezogenen Sitze bieten ausreichend Komfort, Seitenhalt und vorne auch ausreichend Platz.
Zwei elektrisch von innen einstellbare Außenspiegel gehören ebenso zum Serienumfang wie
elektrische Fensterheber für die vorderen Türen. Gegen Aufpreis ist auch entweder eine
manuelle Klimaanlage (1.990 Mark) oder Glas-Hub-Schiebedach (1.025 Mark) lieferbar. Die
Instrumententafel ist gut einsehbar, alle Schalter und Bedienelemente sinnvoll und gut
erreichbar angeordnet.
Der 1,3 Liter-Ottomotor leistet 75 PS. Damit ist der
Micra recht kräftig motorisiert. Wer einen eher ruhigen Fahrstil pflegt und nicht oft
größere Ladungen zu transportieren hat, ist aber auch mit dem kleineren
Einliter-Aggregat mit 55 PS gut bedient. Der 75 PS-Motor ist für recht flotten Vortrieb
vor allem in den unteren Gängen des Fünfgang-Schaltgetriebes gut. Im recht lang
übersetzten vierten und fünften Gang geht es dann nicht mehr ganz so spritzig zu.
Dennoch nimmt der Wagen schaltfaules Fahren im Stadtverkehr nicht übel. Wendig der
1,3-Liter-Micra hat einen Wendekreis von 9,80 m, für den Einliter und den Diesel gibt
Nissan 9,20 m an und klein ist man mit dem Wagen gerade in der Stadt gut
aufgehoben, aber auch über die Landstraßen zieht er zügig seine Bahn. Mit einem
12-Sekunden-Sprint von Null auf Hundert wird der Micra kein Weltmeister. Der Motor braucht
viel Drehzahl, was ihn denn auch im Zwischenspurt zwischen 80 und 120 ziemlich alt
aussehen läßt. Bei 4.000/min. liegt erst sein Drehmomentmaximum von 103 Newtonmetern an.
Auf der Autobahn geht es bei Überholmanövern mit einer Höchstgeschwindigkeit von 170
km/h recht zügig, wenn man nicht vorher vom Tempo runter mußte.
Den Verbrauch gibt Nissan mit 6,1 Liter Superbenzin auf
100 km im Durchschnitt (nach EU-Norm) an. Der Motor ist allerdings nicht gerade neuesten
Datums. Er erfüllt bislang nur die "Euro 2"-Norm. Die beiden anderen Motoren
des Micra-Programms schaffen dank zwischenzeitlicher Überarbeitung sogar die Abgasnorm D3
und sind damit befristet steuerbefreit.
Der Schaltknauf fluppt nur so durch die fünf Gänge nach
oben. Die Zahnstangenlenkung agiert mit drehzahlabhängiger Servounterstützung
(serienmäßig, nur in der Basis-Ausstattung gegen Aufpreis), was den Wagen auf jeden
Parkplatz beim Rangieren zum handlichen Spielzeug macht. Für die Verzögerung sorgen
Scheibenbremsen vorne und Trommelbremsen hinten.
Gut läßt sich der Kleinwagen dirigieren und in
Parklücken rangieren. Auch bei höheren Geschwindigkeiten arbeitet die Lenkung tadellos
direkt und präzise. In zu schnellen Kurven untersteuert die Karosserie ein wenig, aber
völlig unproblematisch. Gutmütig gibt er sich, ohne böse Lastwechselreaktionen, die
für den Fahrer zum Problem werden können.
Unser Testwagen ist als stärkster Benziner der
Modellreihe mit 14 Zoll-Felgen und den breiteren 165/60er Reifen ausgestattet, aber selbst
die breiteren Reifen verhelfen dem Kleinwagen nicht zu einem akzeptablen Bremsweg. Bei
einer Vollbremsung aus Tempo 100 kommt er erst nach gut 45 m zum Stehen: Das ist für
einen Wagen dieser Größenordnung entschieden zu lang, auch wenn die Bremsen ansonsten im
Stadtverkehr durchaus akzeptabel und gut dosierbar zupacken.
Ausreichend komfortabel gefedert steckt
er kleine Unebenheiten und längere Bodenwellen klaglos weg. Allerdings schaukelt die
Karosserie leicht, aber unproblematisch bei plötzlichen Spurwechseln oder spontanen
Ausweichmanövern.
Einen Micra bekommt man ab 18.695 Mark in
der Basismotorisierung und Ausstattung. Unser Testwagen, ein 1,3 Liter Micra Style,
schlägt mit 22.845 Mark Grundpreis zu Buche. Die Serienausstattung ist reichlich, die
Aufpreisliste kurz: Klimaanlage (1.990 Mark) oder manuelles Glas-Hub-Schiebedach (1.025
Mark), Seitenaifbags für die Vordersitze (450 Mark) sowie ein stufenloses
NCVT-Automatikgetriebe (1.990 Mark), welches allerdings nur für die beiden Benziner in
der Style-Ausstattung lieferbar ist.
Die Versicherungseinstufungen liegen in
der Haftpflicht mit Typklasse 13 sowie in der Vollkasko mit Klasse 17 im
Klassendurchschnitt, einziger Ausreißer nach oben ist die Einstufung in Typklasse 25 in
der Teilkasko.
Ein Jahr Gewährleistung ohne Kilometerbegrenzung gibt
Nissan auf den Wagen. Die weiteren Garantien: drei Jahre bis zu 100.000 Kilometer, drei
Jahre Lackgarantie, sechs Jahre Garantie gegen Durchrostung sowie ein Jahr auf alle von
der Nissan-Werkstatt eingebauten Originalteile. |