Ausdrucksstärker ist die Karosserie des neuen Almera geworden, nicht mehr ganz so bieder
wie die des Vorgängermodells. Die geschwungene Dachlinie bringt einen dynamischen Touch
in die sonst eher unauffällig gestaltete Nissan-Modellpalette. Der neugestaltete
Flügel-Kühlergrill verrät aber nach wie vor die Familienzugehörigkeit.
Mit 4,18 m ist er nur wenige Zentimeter
länger als seine Konkurrenz in der Kompaktklasse. Wir fuhren den Nissan Almera als
Fünftürer in Nevadasilber metallic und der Top-Ausstattung Elegance, mit einem
1,8-Liter-Benzinmotor und Automatikgetriebe.

Auf das erste Klick der funkfernbedienten
Zentralverriegelung öffnet sich nur die Fahrertür, ein zweiter Klick (oder Doppelklick)
und der Wagen ist komplett entriegelt. Wer allein fährt und nur den Zugang zur Fahrertür
braucht, kann sich mit der Anti-Hijack-Funktion der Fernbedienung vor ungeliebten
Zusteigern sicher fühlen.
Bequem ist der Einstieg vorne wie hinten,
auch die Platzverhältnisse sind für normal Gewachsene trotz des relativ kurzen
Radstandes von 2,54 m gut. Strapazierfähige Stoffbezüge in Grau-Grün setzen farbliche
Akzente im Innenraum. Das Kunststoff-Armaturenbrett in drei verschiedenen Grautönen wirkt
qualitativ gut, spricht jedoch nicht gerade von innovativem Design, ist aber funktional
gestaltet und praktisch zu handhaben. Tasten am Lenkrad erleichtern die Bedienung des (im
Elegance serienmäßigen) Radios. Praktisch sind die zahlreichen Ablagefächer und
flächen im Passagierraum. Für Brillenträger nicht zu gebrauchen ist allerdings
das Brillenfach im Dachhimmel. Was für Nicht-Brillenträger kein Problem ist
Klappe auf, Sonnenbrille raus, Klappe zu ist für Brillenträger ein blödes
Hantieren über Kopf nach dem Brillenwechsel und das vielleicht auch noch während
der Fahrt. Da liegt die Sonnenbrille besser zwischen Mittelkonsole und Schaltknauf mangels
eines schlichten aber besser erreichbaren Faches in der Mittelkonsole.

Die massigen Rückleuchten schränken
allerdings die Ladebreite ein. Schlecht geteilt ist auch die Rückbanklehne: die kurze
rechte Seite gibt nur eine eingeschränkte Durchladebreite bis zum Armaturenbrett frei.
Darüber hinaus ist der Kofferraum allerdings geräumig und fast viereckig nutzbar, keine
Radkästen stören. 355 Liter Laderaumvolumen (15 Liter mehr als beim alten Modell) liegen
im Durchschnitt seiner Klasse, die 1.020 Liter bei umgeklappter Rückbank eher darunter.
Innovativ sind einige Ausstattungsdetail:
Der Taschenhaken auf der Beifahrersitzseite der Mittelkonsole ist schon clever gemacht,
zwei Befestigungsnetze seitlich im Kofferraum lassen Kleinkram rutschsicher verschwinden.
Ab der Comfort-Ausstattung sind zwei variable Halterungen vor der Rückbank zum Anbringen
von Regenschirmen ebenso serienmäßig wie der herausziehbare Gurt zum Sichern von
Aktentaschen und ähnlichem.

Munter agiert der 1,8-Liter-Motor mit
seinen 114 PS, sein maximales Drehmoment von 158 Nm liegt bereits bei 2.800/min. an, die
Übersetzungsstufen der Getriebeautomatik reichen für einen ordentlichen Antritt und
akzeptablen Durchzug. Von 0 auf Tempo 100 braucht er 12,8 Sekunden, bei einer
Spitzengeschwindigkeit von 173 km/h erreicht er sein Limit. Das reicht für zügige Stadt-
und Überlandfahrten aus. Einen beherzten Tritt aufs Gaspedal quittiert der Motor mit
einem Aufheulen, bevor der Kompakte abzieht. Als Topmotorisierung einer
Kompaktklasse-Baureihe kann er allerdings zu wenig. Da könnte Nissan schon noch
nachlegen.
Als Automatik verbraucht der Almera
natürlich mehr als der gleichmotorisierte Schaltwagen. Im Schnitt nach EU-Norm sind es
7,8 Liter Superbenzin auf 100 km. Außerorts lässt er sich mit 6,2 Litern fortbewegen, in
der Stadt hingegen schluckt er 10,6 Liter je 100 km (alles Herstellerangaben). Mit
Automatikgetriebe erfüllt der Motor nur die Euro-3-Norm, mit manueller Schaltung D4.
Die servounterstützte Zahnstangenlenkung
setzt Lenkbefehle direkt um und vermittelt guten Fahrbahnkontakt. Leichtgängig folgt die
Lenkung beim Einparken den Lenkbewegungen. Der Wendekreis ist allerdings nur gerade noch
akzeptabel für einen Kompakten.

Die Dynamik des Äußeren setzt sich auch
im Handling durch. Sehr viel agiler als das Vorgängermodell wieselt er durch die Kurven.
Da kommt Freude auf. Neutral im Fahrverhalten bleibt er auch bei steigenden
Geschwindigkeiten, bis er sich in Grenzbereich auf leichtes Untersteuern verlegt.
Der Fahrkomfort bietet einen guten
Kompromiss aus straff und komfortabel. Kleine Unebenheiten bügelt er klaglos glatt,
größere quittiert er mit einem leichten Nicken. Die Bremsen (Scheibenbremsen rundum,
vorne innenbelüftet) sprechen schnell an und packen kräftig zu. Der Bremsweg mit den
serienmäßigen 195/60er Reifen könnte allerdings kürzer sein.
Sicherheit serienmäßig bieten
Flankenschutz in den Türen, ein verstärkter Fahrgastraum, ABS mit elektronischer
Bremskraftverteilung und Bremsassistent, Sicherheitslenksäule mit verformbarer
Instrumententafel, elektronische Wegfahrsperre, vier Airbags für die Frontpassagiere,
aktive Kopfstützen in den Vordersitzen, Isofix-Kindersitzvorrüstung hinten sowie ab der
Comfort-Ausstattung auch drei Kopfstützen im Fond mit Drei-Punkt-Automatikgurten auf
allen fünf Plätzen (vorne mit Gurtstraffer ab Basisausstattung). Ab der
Elegance-Ausstattung ist die funkfernbediente Zentralverriegelung mit Anti-Hijack-Funktion
Serie.

Ab 25.700 Mark steht der Almera beim
Nissan-Händler, dreitürig, mit 1,5-Liter-Motor (90 PS) und Basis-Ausstattung. Der
fünftürige Almera mit 1,8 Litern Hubraum kostet ab 30.500 Mark, in der reichhaltigen
Elegance-Ausstattungsvariante ab 34.500 Mark. Als Extras werden berechnet die
Metallic-Lackierung (650 Mark) und das Vier-Stufen-Automatikgetriebe (2.200 Mark).
Ab der Basisausstattung gibt es beim
Almera Stoßfänger in Wagenfarbe mit austauschbaren Stoßleisten sowie schwarzen
Seitenschutzleisten, ab der Comfort-Ausstattung sind elektrisch einstellbare, in
Wagenfarbe lackierte Außenspiegel, elektrische Fensterheber vorne, Zentralverriegelung,
das Sonnenbrillenfach über dem Innenspiegel, die Beleuchtung der Spiegel in den
Sonnenblenden, Taschenhaltegurt und Regenschirmhalter Serie. Zur
Elegance-Serienausstattung gehören ein integriertes RDS-Audiosystem, Lederlenkrad,
Klimaanlage, Funkfernbedienung für die Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber
vorne und hinten sowie 15-Zoll-Leichtmetallfelgen mit 195/60er Bereifung. Das ist viel
Auto fürs Geld.
Die Garantieleistungen des Herstellers
sind japanisch üppig: Drei Jahre (bis 100.000 km) auf den Wagen, drei Jahre auf den Lack
sowie zwölf Jahre gegen Durchrostung. Dazu kommt ein Jahr auf alle beim Nissan-Partner
eingebauten Originalteile. Die Mobilitätsgarantie über den Nissan-Treuepass "Super
Plus" verlangt das Einhalten der Inspektionsintervalle, die beim Almera bei einem
Ölwechsel alle 15.000 km sowie einer Inspektion alle 30.000 km (oder einmal jährlich)
liegen. Die Versicherungseinstufungen liegen mit 17 / 17 / 24 (KH / VK / TK) wie
üblich geringfügig über der deutschen Konkurrenz. |