
Von vorne trägt der Stufenheck-Almera
das ausdrucksstarke Gesicht des Steilhecks. Mit dem angehängten Kofferraum verliert der
Almera jedoch seinen kecken Schwung im Dach. Schade eigentlich, denn als Stufenheck bietet
er so zumindest von der Seite nur optische Hausmannskost.
In hochmodischem Nevadasilber Metallic
fuhren wir die Almera Limousine. Nach dem 1,8-Liter-Benziner mit Automatikgetriebe in der fünftürigen Steilheckversion testeten wir im
Stufenheck-Modell den 2,2-Liter-Turbodiesel-Direkteinspritzer mit 110 PS in der
Comfort-Ausstattung.

Vorne sitzen die Passagiere gut. Straffe,
gut konturierte Sitze bieten ausreichend Platz. Die hintere Reihe bietet dank des früh
abfallenden Daches nur recht wenig Kopffreiheit, die gerade größeren Fondpassagieren
fehlen dürfte. Die drei Kopfstützen hinten sind zwar nicht versenkbar, aber sie
behindern dennoch kaum die Sicht nach hinten. Die Übersicht ist aber dennoch nicht
optimal, eine Einparkhilfe wäre gut, ist auch als Händlernachrüstung verfügbar.
Der Kofferraum fasst mit 460 Litern
Inhalt vergleichsweise ordentlich Gepäck, die maximale Zuladung ist mit 430 kg bei einem
Leergewicht von 1.370 kg angegeben, kann aber je nach Reichhaltigkeit der Ausstattung bei
mageren 355 kg für den Viertürer liegen. Die Ladekante ist limousinenüblich, die
Einladebreite dank geteilter Rückleuchten ordentlich. Gut nutzbar ist der Laderaum dank
großzügigen Zuschnitts. Die Rücksitzlehne ist asymmetrisch geteilt (rechts die
schmalere Seite) und lässt sich zur Erweiterung des Laderaumes nach vorne klappen.

Besonders einfallsreich ist das Cockpit
nicht gestaltet. In drei Schattierungen Grau wirkt das Armaturenbrett aber nicht trist,
auch an Materialqualität und Verarbeitung ist nichts auszusetzen. Gute Übersicht und die
Erreichbarkeit der Schalter gewährleistet, dass der Fahrer seine Aufmerksamkeit der
Straße widmen kann.

Mit CD-Wechsler findet sich kein Platz in
der Mittelkonsole für die Sonnenbrille. Das heutzutage bei den Designern so beliebte
Brillenfach über dem Innenspiegel ist nichts für Brillenträger, denn im Zweifelsfalle
während der Fahrt zwei Mal über Kopf hantieren, das kann es nicht sein. Ablagen sind
ansonsten in ausreichender Anzahl vorhanden: Ein Handschuhfach, ein Fach (mit Deckel) auf
dem Armaturenträger, ein Fach in der Mittelarmlehne, Ablagefächer in den Türen sowie
Taschen in den Sitzlehnen für die Fondspassagiere. Ein Taschenhaken zum Fixieren der
Einkaufstaschen in Fußraum des Beifahrersitzes, ein Regenschirmhalter vor der Rückbank
sowie ein Aktentaschengurt für den sicheren Halt vor der Rückbank gehören zu den
innovativen Details der zweiten Almera-Generation.
Gut gedämmt ist die Karosserie nach
außen. Windgeräusche dringen kaum in den Innenraum durch. Mehr ist vor allem zu
Fahrtbeginn von dem Selbstzünder unter der Motorhaube zu vernehmen.

Der Motor verfügt über eine
konventionelle Turbodiesel-Direkteinspritzung. Das ist nicht der letzte Stand der
Dieseltechnologie. Vor allem kalt nagelt er, was das Zeug hergibt. Unterwegs auf der
Autobahn gibt sich seine akustischen Präsenz aber, sobald der Motor etwas warm gefahren
wurde. Auch von Laufruhe und der Spritzigkeit von Dieselmotoren mit Common-Rail- oder
Pumpe-Düse-Einspritzung ist er doch etwas entfernt.
Trotz der eher auf Sparsamkeit angelegten
Getriebeübersetzung kann man sich über mangelndes Durchzugsvermögen zumindest
für einen konventionellen Turbodiesel nicht beklagen. Gut liegt er am Gas,
beschleunigt subjektiv gesehen ganz vernünftig objektiv sind es aber doch 11,5
Sekunden auf Tempo 100 und man ist vom Gefühl her auch nicht untermotorisiert.
Auch 187 km/h Höchstgeschwindigkeit ist ganz in Ordnung und für geruhsames Reisen nicht
zu langsam. Der Almera Stufenheck ist halt kein sportliches Auto.
Fährt man eher sportlich, am oberen
Rande seines Leistungsvermögens, dann geht der Selbstzünder auch mit dem Sprit nicht
mehr knauserig um. Bei ökonomischer Fahrweise sind gibt Nissan 4,7 Liter Diesel auf 100
km außerstädtisch, 7,9 Liter in der Stadt sowie 5,9 Liter im gemischten Verbrauch nach
EU-Norm an. Der Motor erfüllt die gängige Abgasnorm EU3.
Die Schaltung ist präzise, das
Kupplungsspiel nicht zu lang. Die Bremsen (Scheibenbremsen rundum, vorne innenbelüftet)
packen kräftig zu. ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistent sowie
die an unseren Testwagen montierten breiteren Reifen (195/60er) sorgen für gute
Bremswege, die allerdings im Test bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und mit
Sommerreifen leider nicht nachzuvollziehen waren.

Leichtgängig folgt die Lenkung den
Anweisungen des Fahrers. Der Wendekreis zeichnet sich jedoch nicht gerade durch
Sparsamkeit aus. Guter Fahrbahnkontakt vermittelt eine sichere Straßenlage. Trotz
identischen Radstands ist die Stufenheck-Variante lange nicht so agil wie der fünftürige
Kompakte. Gute 24 cm ist seine Karosserie länger,
aber vom Gewicht nehmen sich die beiden nichts. Immerhin teilt das Stufenheck-Modell das
problemlose, neutrale Handling des Kompakten.
Leichtes Untersteuern kündigt die Annäherung an den Grenzbereich an. Ansonsten ist das
Fahrverhalten auch in schnellen Kurven eher neutral, tückische Lastwechselreaktionen sind
ihm fremd. Plötzliche Spurwechsel meistert er stabil, auch das wieder Einscheren bereitet
ihm keine Probleme. Recht komfortabel ist das Fahrwerk ausgelegt, aber ausreichend straff,
um auf der sicheren Seite zu fahren.
Die Fernbedienung für die
Zentralverriegelung verfügt über eine Anti-Hijack-Funktion: Beim ersten Klick entriegelt
nur die Fahrertür. Auf den zweiten Klick werden alle anderen Türen sowie die Heckklappe
freigegeben. Die Wegfahrsperre NATS verhindert das Starten des Motors ohne codierten
Zündschlüssel. Die verstärkte Karosserie, energieabsorbierende Innenraumverkleidung,
Front- und Seitenairbags für die Frontpassagiere, fünf Drei-Punkt-Gurte und
Kopfstützen, aktive Kopfstützen vorne, Isofix-Kindersitzvorrüstungen auf den
Außenplätzen hinten schützen die Passagiere im Innenraum ab der Basisversion
serienmäßig. Aktive Sicherheit bieten Servolenkung, ABS mit elektronischer
Bremskraftverteilung und Bremsassistent. ESP ist noch nicht verfügbar.

Ab 30.100,22 Mark steht der Almera als
Stufenheck-Limousine beim Händler mit 1,5-Liter-Motor und Basis-Ausstattung. In
der Comfort-Ausstattung legt man ab 31.488,86 Mark auf den Tisch, mit
2,2-Liter-Turbodiesel-Direkteinspritzung ab 35.889,48 Mark. Die Serienausstattung ist
umfangreich und umfasst u. a. wärmedämmender Verglasung, Kopfstützen und
Drei-Punkt-Gurte auf allen Sitzen, Radiovorbereitung, Sonnenblenden mit Spiegeln (ab der
Comfort-Ausstattung beleuchtet). In der Comfort-Ausstattung kommen elektrisch einstellbare
Außenspiegel, elektrische Fensterheber vorne, Schirmhalter und Aktentaschengurt dazu. Das
Comfort-Plus-Paket (1.232 Mark) beinhaltet elektrische Fensterheber hinten,
Frontscheibenwischer mit Intervallschaltung, ein Audiosystem sowie die Fernbedienung für
die Zentralverriegelung. Die Metallic-Lackierung kostet ebenso Aufpreis (724 Mark) wie die
Klimaanlage (2.151 Mark), Leichtmetallfelgen (1.027 Mark) und CD-Wechsler (749 Mark).
Drei Jahre Garantie auf den Wagen (bis
100.000 km) sowie 12 Jahre auf die Karosserie gegen Durchrostung gewährt Nissan. Dazu
kommt eine Drei-Jahres-Garantie auf den Lack sowie ein Jahr auf alle beim Nissan-Partner
eingebauten Original-Ersatzteile. Die Versicherungen langen aber mit den Einstufungen 18 /
19 / 32 (KH / VK / TK) ganz ordentlich hin.
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