Optisch ist er gut gelungen, der Nissan Almera: Jugendlich und sportlich von der langen,
flachen Motorhaube bis zur lang nach hinten durchgezogenen Dachlinie, die bei unserem
"Top Sport"-Modell wie auch in den Ausstattungsvarianten Motion und
Emotion noch durch einen serienmäßigen Dachspoiler (mit integrierter dritter
Bremsleuchte) verlängert wird.

Angetrieben wird der "Top
Sport" von einem 2 Liter-Benzinmotor mit 143 PS, der Top-Motorisierung dieser
Modellreihe, die nur in der "Top Sport"-Ausstattung zu bekommen ist. Mit seinem
flotten Design gibt der 4,14 m lange, kompakte Japaner in der Stadt wie auf
Überlandstraßen oder Autobahnen eine gute Figur ab. Zwar ist der Nissan Almera bereits
seit 1995 auf dem Markt, doch sieht man den Sunny-Nachfolger auf unseren Straßen viel zu
selten. Im Frühjahr dieses Jahres hat ihn Nissan einer Frischzellenkur unterzogen und
hier und da noch etwas verbessert.
In der sogenannten
"Golf-Klasse" hat er sich bislang zu Unrecht nicht durchsetzen
können. Dabei hat der Japaner eine ganze Menge zu bieten. Die Sitzposition in den
velourbezogenen Sportsitzen relativ niedrig, aber bequem. Der Platz auf den vorderen
Sitzen ist ausreichend, die Sitze bieten guten Seitenhalt und sind auch auf längeren
Fahrten eine Wohltat. Die Kopffreiheit ist vorne wie hinten dank der weit nach
hinten gezogenen Dachlinie mehr als ausreichend.
Der Radstand von 2,54 m sorgt für recht
gute Platzverhältnisse im Passagierraum. Nur mit der Kniefreiheit im Fond ist nicht weit
her, wenn sowohl vorne als auch hinten sehr großgewachsene Passagiere Platz nehmen,
reicht aber für kurze Strecken immer noch aus. Für zwei Personen ist dieses Auto in
jeder Beziehung großzügig bemessen.
Der Kofferraum ist mit 340 Litern nicht
übermäßig groß, faßt aber doch 10 Liter mehr als der Golf und ist geräumig und gut
nutzbar. Lediglich die verhältnismäßig großen Federbeindome schränken die
Durchladebreite hinten an den Rücksitzen etwas ein. Die hohe Ladekante von 69 cm
erschwert das Einladen gewichtiger Gepäckstücke. Das (vollwertige) Resesrverad ist unter
dem leicht zu entfernenden Kofferraumboden zumindest bei leerem Gepäckraum
gut zugänglich.

Die Rückbank ist in dem nur als Dreitürer lieferbaren Almera nur über die Fahrer- oder
Beifahrertür zu erreichen. Zwar gibt der ganz nach vorne rückende Vordersitz ausreichend
Raum zum Einstieg frei, jedoch rücken die Vordersitze nicht wieder in die alten
Positionen zurück und müssen neu eingestellt werden. Im Fond wird es für drei
Passagiere etwas eng und ist nichts für längere Touren. Soll es aber wohl auch nicht
sein, denn es gibt für hinten nur zwei Kopfstützen.
Der Innenraum wirkt wohnlich und qualitativ erstklassig. Tadellos auch die Verarbeitung:
Nichts klappert oder knarrt bei Fahrten auf holprigen Straßen. Das Cockpit ist
übersichtlich gestaltet. Die Anzeigen sind problemlos einzusehen und gut ablesbar. Alle
Schalter und Hebel sind an der richtigen Stelle und lassen sich blind betätigen. Sehr
angenehm ist die stufenlos regelbare Intervall-Schaltung der Scheibenwischer, für die man
zwar die rechte Hand kurz vom Lenkrad, nicht aber den Blick von der Straße nehmen muß.
Die exklusive Ausstattungslinie "Top
Sport" umfaßt eine manuelle Klimaanlage, strapazierfägige, velourbezogene
Sportsitze mit Seitenairbag vorne und ein Vier-Speichen-Airbag-Sportlenkrad in Leder.
Ebenso in Leder gehaltenen sind der Schaltknauf und der Handbremshebel. Seitenablagen in
den Türen, ein geräumiges Handschuhfach, daneben eine offene Ablage und die aufklappbare
Mittelarmlehne bieten ausreichend Stauraum. Der Fahrersitz ist ebenso wie das Lenkrad
höhenverstellbar, die Lehne neigungsverstellbar und auch die Kopfstützen können den
Passagieren angepaßt werden. Rücksitzlehne und Sitzbank sind asymetrisch geteilt
umklappbar und ermöglichen ein flexibles Durchladen in den Passagierraum. Elektrische
Fensterheber sowie elektrisch einstellbare und beheizbare Außenspiegel vervollständigen
die kleinen Annehmlichkeiten des Autofahrerlebens. Ein elektrisches Glas-Hub-Schiebedach
gehört ebenso zur Top-Ausstattung wie 15 Zoll-Leichtmetallfelgen wie Breitreifen im
Format 195/55.
Die Sicherheitsaustattung des nicht mehr so ganz
taufrischen Japaners ist seit dem Facelift auf dem neuesten Stand: Vom ABS über eine
crashoptimierte und verstärkte Karosserie und Automatikgurten mit Gurtstraffern (vorne
höhenverstellbar) bis hin zu vier Airbags für Fahrer und Beifahrer ist alles dabei.
Asphärische Außenspiegel ermöglichen zudem größeren Überblick nach hinten.
Serienmäßig ist auch in allen Almera-Varianten die elektronische Wegfahrsperre NATS
(Nissan Anti Theft System) installiert.
Der 2 Liter-Motor leistet 143 PS und
erreicht sein Drehmomentmaximum von 178 Nm bei 4.800/min. Aber auch zwischen 2.000/min.
und 3.000/min. liegt ein verhältnismäßig hohes Drehmoment an und der Wagen kommt zügig
auf Touren. Willig nimmt er vor allem in den unteren Gängen Gas an und prescht vorwärts.
Lediglich im recht lang übersetzten fünften Gang geht es mit der Beschleunigung nicht
mehr ganz so flott. Ansonsten läßt sich der Almera bis zum vierten Gang auch schön
schaltfaul fahren. Alles in allem verfügt der kompakte Japaner mit der 2 Liter-Maschine
über eine souveräne Motorisierung, die auf langen Autobahnfahrten für rasche
Überholmanöver gut ist und sich als angenehmer Reisebegleiter präsentiert.
Von 0 auf Tempo 100 sprintet der
sportliche Nissan in 8,2 Sekunden. Gute 210 km/h schafft er an Spitzengeschwindigkeit. Der
Verbrauch ist mit 8,1 Liter Superbenzin auf 100 km im gemischten Zyklus (Herstellerangabe)
durchaus klassenüblich. Der 2 Liter-Motor, nicht gerade die neueste Motorengeneration,
erfüllt bislang nur die Euro2-Abgasnorm. Die beiden kleineren Benzinmotoren der
Modellreihe erfüllen allerdings schon die D3-Norm.
Leichtgäng und exakt läßt sich der
Nissan Almera schalten. Die Lenkung arbeitet präzise und zielgenau und vermittelt guten
Fahrbahnkontakt. Nur um die Mittellage hat die Lenkung etwas viel Spiel, wo man sich bei
dieser sportlichen Modellausführung eine etwas direktere Ansprache wünschen würde. Die
Bremsen (Scheibenbremsen rundum, vorne innenbelüftet) verzögern schnell, gut dosierbar
und spurtreu.
Gut liegt das Fahrzeug auf der Straße.
Tadellos läßt er sich führen, ist mit einem Wendekreis von 10,4 m und seiner
drehzahlabhängigen Servolenkung mühelos zu handhaben. In schnellen Kurven schiebt der
Fronttriebler gutmütig über die Vorderräder nach außen. Lastwechsel quittiert er nicht
mit bösen Überraschungen.
Die Kompaktlenker-Hinterachse aus dem
Maxima sorgt für bessere Radführung und einen Fahrkomfort der Oberklasse, wobei
allerdings das sportliche Handling des Top Sportlers etwas zu kurz kommt. Das Fahrwerk ist
trotz sportlich-straffer Federung eher auf komfortable Langstreckenfahrten denn auf die
bei dieser Motorisierung wünschenswerte Sportlichkeit abgestimmt.
Die sportliche Federung steckt kleine
Unebenheiten souverän weg, größere quittiert die Karosserie mit leichten
Nickbewegungen. Den kultivierten Motor hört man kaum, auch bei höheren Geschwindigkeiten
nicht, dann schon eher die Windgeräusche, die sich ab 160 km/h in den Vordergrund
drängen.
Neben dem "Top Sport"-Modell
mit 2 Liter-Ottomotor gibt es den Almera mit zwei weiteren Benzinmotoren (1,4 Liter mit 75
PS und 1,6 Liter mit 90 PS) sowie einem 75 PS starken 2 Liter-Dieselmotor. Mit Ausnahme
des "Top Sport"-Modells gibt es sie außer mit drei Türen auch als Fünftürer
sowie als viertürige Stufenheck-Limousinen. Sechs Ausstattungsvarianten sorgen zudem beim
Käufer für die Qual der Wahl.
Die Preise liegen zwischen 24.395 Mark
für den kleinsten Motor mit der einfachsten Ausstattung und 36.995 Mark für die Top
Sport-Serienausstattung unseres Testwagens. In der Versicherungseinstufung
Haftpflicht Typklasse 21, Vollkasko 27, Teilkasko 34 liegt er kostenmäßig im
Spitzenfeld seiner Klasse. Abgesehen davon bietet der Almera in allen Karosserievarianten
durchaus ein vernünftiges Preis-Leistungs-Verhältnis in Puncto Ausstattung und Verbrauch
in Verbindung mit seiner Handlichkeit, für bis zu zwei Personen ausreichenden Nutzbarkeit
und guten komfortablen Fahreigenschaften.
Nissan gewährt drei Jahre Garantie bis
zu einer Laufleistung von 100.000 Kilometern, eine Sechs-Jahres-Garantie gegen
Durchrostung und dazu gegen Aufpreis verschiedenste Service- und
Mobilitätsgarantien. |