Seit 1998 ist die aktuelle S-Klasse von Mercedes auf dem Markt,
zum Modelljahr 2003 wurde sie noch einmal gründlich verbessert und aufgewertet, das
Design von Front- und Heckpartie etwas verändert. Die zeitlos elegante Form ist aber in
ihrer Grundform auch heute, nach sechs Jahren Laufzeit, noch nicht von gestern. Die
schlanke Form bringt es auf einen Luftwiderstandsbeiwert (cW-Wert) von hervorragenden
0,27.

Ein in Brillantsilber Metallic
lackierter S-Klasse-Mercedes als Einstiegsbenziner (S 350) fuhr bei uns vor, um zu
beweisen, dass er auch nach sechs Jahren Modell-Laufzeit dank steter Modellpflege mit der
neueren Konkurrenz aus München, Ingolstadt und Wolfsburg
mithalten kann.

Den Zugang zum Fahrzeug gibt die
Fahrzeugelektrik frei, wenn der Fahrer mit dem (optional verfügbaren) schlüssellosen
Zugangs- und Startsystem Keyless-Go in der Tasche ankommt. Vier Türen erleichtern den
Einstieg auch für die Fondpassagiere. Die Türen ziehen sich dank Servoschließung auch
dann richtig zu, wenn sie nicht richtig ins Schloss gefallen sind. Mit Tippstartautomatik
startet der Fahrer den Wagen, ohne den Schlüssel aus der Tasche ziehen zu müssen. Die Übersicht über die 5,04 m lange und 1,86 m
breite Karosserie ist natürlich nicht berauschend, aber der Wagen verfügt als
Ausstattungsoption über eine Parktronic, die dort schaut, wo das Auge des Fahrers nicht
hinreicht.

Die Platzverhältnisse sind
großzügig, das gilt vorne wie hinten. Die Frontsitze sind straff, gut konturiert und
bieten ausgezeichneten Seitenhalt. Die Fondsitze sind weicher, außen auch gut konturiert,
der Mittelsitz ist aber nicht wirklich bequem. Die Kopfstützen im Fond sind pneumatisch
nach hinten umklappbar, was die Sicht durch die Heckscheibe deutlich verbessert. Der
Kofferraum fasst gut nutzbar knappe 500 Liter bei einer erlaubten
maximalen Zuladung von 530 kg. Damit kommt die schon leer über 1,8 t schwere Limousine
auf ein zulässiges Gesamtgewicht von 2.340 kg. Per Knopfdruck am Schlüssel (oder vom
Fahrersitz aus) öffnet sich der Kofferraumdeckel, die optionale Heckdeckelfernschließung
wird vom Fahrersitz aus oder per Knopfdruck im Kofferraum betätigt. Die Ladekante geht
für eine Limousine in Ordnung. Haken im Laderaum erleichtern das Sichern der Ladung.

Hochwertig sind die Materialien im
Passagierraum Leder, Holz und Kunststoff , die Verarbeitung ist perfekt. Ein
wohnliches Ambiente strahlt der großzügige Innenraum mit seinen Lederpolstern aus. Trotz
reichhaltiger Ausstattung mit Funktionen, Schaltern und Anzeigen behält der Fahrer immer
noch gut den Überblick. Die Bedienelemente sind ergonomisch angeordnet und problemlos
handhabbar. Mit Ablagen, Staufächern ist der Wagen gut gestückt: ein Handschuhfach,
Fächer in allen vier Türen, in der vorderen Armlehne und ein weiteres versteckt
darunter, in der hinteren Armlehne und Taschen an den Rückseiten der Vordersitze sowie
ein Fach als Getränkedosenhalter vorne auf dem Mitteltunnel hinterm Schalthebel und zwei
Cupholder hinten.

Die Serienausstattung orientiert sich
bei Mercedes an der Motorvariante. Der S 350 ist da fast schon so etwas wie eine
Basisversion. Der S 320 CDI ist zwar im Einstandspreis noch etwas günstiger (und das als
Diesel!), aber in der Ausstattung ähnlich. Und die Ausstattung ist schon im Basismodell
reichhaltig: eine funkfernbediente Zentralverriegelung, Leichtmetallfelgen, elektrische
einstellbare und beheizbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber vorne und hinten,
elektrisch einstellbare Frontsitze mit Lordosenstütze, Zwei-Zonen-Klimaautomatik mit
Belüftungsdüsen hinten, Fahrlichtautomatik und Regensensor, Reiserechner (ein
abgespeckter Bordcomputer), das Bediensystem Comand mit integriertem Radio, Farbdisplay
und DVD-Laufwerk (auch für CDs), ein Tempomat mit variabler Geschwindigkeitsbegrenzung
Speedtronic sowie eine Autotelefon-Vorrüstung und die Luftfederung AIRmatic mit Adaptiver
Dämpferregelung. Beleuchtete Spiegel gibt es nicht nur in beiden Sonnenblenden vorne,
sondern auch im Fond. Ein manuelles Rollo schützt vor zu viel Sonneneinstrahlung an der
Heckscheibe. Reichlich zusätzlicher Luxus kostet aber auch reichlich Aufpreis: Extra
kosten im S 350 die 7-Speichen-Leichtmetallräder (16 Zoll), Comand APS (mit
DVD-Navigationssystem), das Autotelefon, das Zugangssystem Keyless-Go, die
Servoschließung der Türen, die Kofferraumdeckelfernschließung, das elektrische
Glas-Schiebe-Hebe-Dach, Multikontursitze vorne, Komfortsitze mit Belüftung und
Sitzheizung vorne und hinten, wärmedämmendes und Infrarot reflektierendes Verbundglas
rundum und die Bi-Xenon-Scheinwerfer. Ebenfalls als Sonderausstattung verfügbar sind der
Abstandsregeltempomat, Active Body Control (zum Modelljahr 2003 wurde das System zur
Kompensation von Karosserie-Aufbaubewegungen weiter verfeinert) sowie eine Klimaanlage
hinten.
Der S 350 wird angetrieben
hier stapelt die Typbezeichnung etwas tief von einem
3,7-Liter-Sechszylinder-Benzinmotor mit 245 PS. Wahrlich nicht von schlechten Eltern ist
dieser Sechszylinder-Dreiventiler-Motor: Er hängt gut am Gas, in Antritt, Durchzug und
Leistungsentfaltung ist er schon weit mehr als eine Basismotorisierung, welche er als
Benziner in der S-Klasse darstellt. Mehr als souverän ist nicht nur seine
Kraftentfaltung, sondern auch seine Laufkultur. Ruhig und vibrationsarm ist er nur durch
eine kräftige Erhöhung der Spritzufuhr aus der Ruhe zu bringen.

Die
serienmäßige Fünfgang-Automatik setzt die Motorkraft adäquat in Vortrieb um. Die
Automatik ist gut abgestuft und schaltet zügig hoch, ohne es an ausreichender
Durchzugskraft mangeln zu lassen. Bei normaler Beschleunigung sind die Gangwechsel kaum
spürbar, sondern erst beim kräftigen Tritt aufs Gaspedal, wenn der Automat erst mal
runter schaltet, um mehr Drehzahl zur Verfügung zu stellen.
In sportlichen 7,6 Sekunden sprintet
der S 350 aus dem Stand auf Tempo 100, bei 246 km/h erreicht er seine
Höchstgeschwindigkeit. Mit sechs Brennräumen und über 1,8 t Leergewicht geizt er
natürlich nicht mit dem teuren Kraftstoff, begnügt sich dafür aber immerhin mit
Superbenzin. Gute 16,4 Liter Benzin fließen auf 100 km in der Stadt durch seine
Kraftstoffleitungen, 8,1 Liter sind es außerorts und 11,9 Liter im gemischten Verbrauch
nach EU-Norm bei ökonomischer Fahrweise, versteht sich (alles Herstellerangaben).
Dafür erfüllt der S 350 die Abgasnorm EU4.
Unser S 350 fuhr mit Heckantrieb vor,
das Modell ist aber auch mit dem Allrad-Antrieb 4matic zu haben. Die breite Spur und ein
Radstand von fast 2,97 m verhelfen der S-Klasse zu einem tadellosen Geradeauslauf. Die
Lenkung ist leichtgängig und präzise und vielleicht eher direkt ausgelegt. Der
Fahrbahnkontakt lässt in der komfortablen Einstellung der Luftfederung eher zu wünschen
übrig, ist dafür aber im anderen Extrem, der Sport-II-Einstellung, viel zu deutlich
spürbar.
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Serienmäßig fährt die S-Klasse mit
dem Luftfeder-Fahrwerk AIRmatic mit einem Adaptiven Dämpfungssystem und einer
Rundum-Niveauregulierung vor. Drei Komfortstufen stehen dem Fahrer zur Wahl: eine
Komfort-Stufe und zwei Sport-Stufen mit unterschiedlich straffer Auslegung. Die
Komfort-Auslegung ist einfach genial: Die schwere Limousine schwebt wie auf Wolken sogar
über schlechte Straßen. Angenehm sportlich-straff, aber immer noch harmonisch abgestimmt
ist die Variante Sport I: Sie ist nicht unkomfortabel und federt kleine Unebenheiten immer
noch sauber weg, erfreut aber das Herz des eher sportlich ambitionierten Fahrers. Sport II
ist dagegen etwas unausgewogen, jede Unebenheit wird von der Karosserie mit
Aufbaubewegungen quittiert.

Im Notfall greifen dem Fahrer
Fahrwerksregelsysteme wie ABS mit Elektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistent,
eine Antriebsschlupfregelung und ESP unter die Arme. Fast schon agil gibt sich die
Stuttgarter Oberklasse im Handling, was aber eher dem souveränen Motor als dem weniger leichtfüßigen Fahrwerk zuzuschreiben ist. In der
Komfort-Abstimmung haben die Fahrwerksregelsysteme schon etwas mehr zu tun als im
strafferen (aber sichereren) Modus. Bei plötzlichen Spurwechseln und dem folgenden wieder
Einscheren wirkt der Wagen etwas schwammig, das ESP greift ein, wenn das Heck zu weit
ausschwenkt. Die strafferen Fahrwerksabstimmungen bieten hier deutlich höhrere
Sicherheitsreserven bei weniger Einsatz der Elektronik. Auch beim Slalom gilt: Je
sportlicher die Abstimmung, desto sicherer die Spur. Dabei ist das Fahrverhalten im
Großen und Ganzen recht problemlos auch weil die elektronischen Helfer nicht weit
sind. In zu schnellen Kurven verlegt sich die S-Klasse auf ein leicht beherrschbares
Untersteuern, auch hier gilt: Je weicher die Federung, desto deutlicher die Tendenz zum
Untersteuern.
Der S 350
steht auf Leichtmetallrädern mit Serienbereifung im Format 225/60 R 16 und
verfügt über innenbelüftete Scheibenbremsen rundum, die sehr gut ansprechen und wirksam
verzögern. Im Notfall kommt der Wagen damit schnell, schmerzlos und auf kürzestem Weg
zum Stand. Bei der Vollbremsung nacht sich das Insassenschutzsystem Pre-Safe bemerkbar,
welches vorsorglich es könnte ja zu einer Kollision kommen die
Sicherheitsgurte etwas straffer zieht. Eine Fußfeststellbremse ersetzt den
Handbremshebel.

Insassenschutz bietet die im Vergleich
zum Vorgänger leichtere, aber stabilere Karosserie mit gezielt verformbaren Knautschzonen
vorne und hinten, zusätzlichen Trägerelementen und Seitenaufprallschutz im Dach, in den
Türen und im Fahrzeugboden sowie Drei-Punkt-Gurte und Kopfstützen auf allen Plätzen,
Front- und Seitenairbags in allen Türen und Windowsbags von der A-Säule bis zur
C-Säule. Seit dem Modelljahr 2003 verfügt die S-Klasse über das Insassenschutzsystem
Pre-Safe, das Sensoren des Elektronischen Stabilitäts-Programms ESP® und des
Brems-Assistenten nutzt, um einen kritischen Fahrzustand zu erkennen. Pre-Safe rückt im
Notfall die Sitze senkrecht, zieht die Sicherheitsgurte an und schließt das Schiebedach,
um den Schutz der Insassen im Falles eines Crashs zu optimieren. Der Beifahrer-Airbag wird
gesteuert von zwei Up-Front-Sensoren im Vorbau der Karosserie je nach
Unfallschwere in zwei Stufen ausgelöst. Die Kindersitzerkennung auf dem Beifahrersitz
erkennt speziell von Mercedes freigegebene Kindersitze mit Transponder.
Isofix-Kindersitzvorrüstungen auf dem Außenplätzen im Fond sind allerdings nur gegen
Aufpreis zu haben. Eine Bremsbelagverschleißanzeige ist Serie, die Reifendruckkontrolle
optional verfügbar. An aktiven Hilfen für den Fahrer verfügt die S-Klasse serienmäßig
über ABS mit Elektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistent, Traktionskontrolle
und ESP. Die Bi-Xenon-Scheinwerfer kosten Aufpreis.

Ab 61.538 Euro steht die S-Klasse in
der Preisliste, mit 3,2-Liter-Common-Rail-Dieselmotor (S 320 CDI). Der S 350 beginnt
mit gleicher Serienausstattung bei 64.902 Euro. Aufpreis kosten unter
anderem die Metallic-Lackierung, Bi-Xenon-Scheinwerfer, Keyless-Go, Multikontur- und
Komfortsitze, Comand mit DVD-Navigationssystem und das Autotelefon.

Der
Mercedes-Händler gibt zwei Jahre gesetzliche Sachmängelhaftung auf das Fahrzeug,
Mercedes selber eine 30-jährige Garantie gegen die Durchrostung von innen nach außen.
Mit MobiloLife gewährt Mercedes eine ebenfalls 30-jährige Mobilitätsgarantie beim
Einhalten der vorgeschriebenen Service-Intervalle. Die Service-Intervalle werden von der
Wartungsintervall-Anzeige ASSYST in Abhängigkeit von Fahrzeugeinsatz und Fahrstil
berechnet und im Display angegeben. Die Versicherungen stufen das Modell in die Typklassen
21 / 36 / 40 (KH / VK / TK nach der neuen Struktur in der
Fahrzeugversicherung: VK 31, TK 29) ein.
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