Eins muss man ihm lassen: Ein Blickfang ist er auch in diesem
langweiligen Maus-, ähh Titangrau Metallic. Der fünfeckige Kühlergrill verrät den
Mazda. Die 4,43 m lange Karosserie mit kurzen Überhängen vorne und hinten und der langen
Motorhaube wirkt fast schon klassisch sportlich. Akzente setzt die muskulöse Front mit
Motorhaube und Kotflügeln (vor allem in der Ansicht von oben) und das kräftige Heck.
Mehr als gelungen ist die Kombination aus Rundungen, Linien und Kanten, die der Karosserie
sportlich-markante Züge verleiht. Zum Test fuhr der RX-8 in der Top-Ausstattung
Revolution mit der 231-PS-Topmotorisierung vor.
Zugang zum Passagierraum gewährt das
Freestyle-Türsystem mit hinten angeschlagenen Fondtüren. Platz bietet der Sportwagen
für vier Passagiere, die tiefe Sitzposition im Fond erschwert ein wenig den Einstieg. Der
RX-8 ist eher für Japaner oder Italiener ;-)) gebaut: Die Kopffreiheit ist nicht gerade
üppig. Dafür ist vorne wie hinten die Ellenbogenfreiheit großzügig bemessen, was der
Tatsache zu verdanken ist, dass hier nur zwei
Einzelsitze Passagiere aufnehmen. Vorne auf gut konturierten, straffen Sportsitzen reicht
es auch für langbeinige Passagiere; hinten, auf zwei gut konturierten Einzelsitzen
(Sportsitze), haben sie aber nur dann gute Kniefreiheit, wenn vorne keine großen Leute
sitzen. Wobei die Sitze durchaus für nicht zu groß gewachsene Erwachsene und nicht nur
für Kinder ausreichen. Der Laderaum ist zwar schön groß (immerhin 290 Liter), aber
nicht wirklich gut nutzbar, weil die Einladeöffnung recht klein ist. Zudem ist die
Ladekante sehr hoch. Die erlaubte Zuladung von 425 kg für Beifahrer und Gepäck ist mehr
als in Ordnung. Die Übersicht über die Karosserie ist vom Fahrersitz aus nicht so
berauschend, vor allem nach hinten nicht. Hier würde eine Einparkhilfe gute Dienste
leisten.

Der Innenraum ist ganz in Schwarz
gehalten: Lederpolster, Teppiche und Verkleidungen im Fußraum sowie die Türverkleidungen
und das Armaturenbrett. Sportlich-funktional ist das Ambiente, hochwertig die
Qualitätsanmutung. Über mangelnde Übersicht kann man sich beim Cockpit nicht beklagen.
Alles ist aufgeräumt und übersichtlich, rund um die sportlichen Rundinstrumente, die
Anzeigen klar einsehbar. Das erleichtert die Handhabung, ohne zu sehr abgelenkt zu werden. Die Geschwindigkeitsanzeige ist digital,
mittig sticht die großdimensionierte Drehzahlanzeige ins Sportlerauge. Ablagen finden die
Frontpassagiere in den Türen, im Handschuhfach, in einem kleinen Fächlein unterm
Lenkrad, auf dem Mitteltunnel (unter der Armlehne) sowie in den Getränkedosenhaltern. Die
Fondpassagiere müssen sich mit einer Kartentasche an der Rückseite des Fahrersitzes
sowie einem Fach in der Mittelarmlehne (auf dem Mitteltunnel) und den beiden
Getränkedosenhaltern begnügen. Zwischen den Rücksitzen gibt es eine abschließbare
Durchreiche zum Gepäckraum.

Ab der Basisausstattung Renesis ist der
RX-8 schon sehr gut ausgestattet mit funkfernbedienter Zentralverriegelung, elektrisch
einstellbaren und beheizbaren Außenspiegeln, elektrischen Fensterhebern vorne und
Ausstellfenstern hinten, wärmedämmender Colorverglasung, Sportsitzen mit integrierten
Kopfstützen, Lenkradfernbedienung für das Audiosystem, Sport-Lederlenkrad und
Lederschaltknauf, dem X-Sportfahrwerk mit 16-Zoll-Leichtmetallrädern, dem modularen
Mazda-Audio-System mit Radio und vier Lautsprechern sowie einer Klimaanlage mit
Luftausströmern im Fußraum hinten. Die serienmäßige zusätzliche Beleuchtung durch
Bodenleuchten am Außenspiegel sowie in den Türen macht Ein- und Aussteigen in der
Dunkelheit komfortabler und sicherer. Die Ausstattung Challenge verfügt darüber hinaus
über eine Klimaautomatik, das SX-Sportfahrwerk mit 18-Zoll-Leichtmetallrädern sowie
Nebelscheinwerfer. Der Topmotor bringt schon in der Challenge-Ausstattung Fußstütze und
Pedalsatz in Leichtmetall, das Bose-Sound-System mit 6fach-CD-Wechsler und neun
Lautsprechern sowie die Xenon-Scheinwerfer mit. Für die Top-Ausstattungslinie Revolution
gehört schließlich die Sport-Lederausstattung mit elektrisch einstellbarem Fahrersitz
und beheizbaren Frontsitzen zur Serienausstattung. Die Aufpreisliste ist kurz und
schmerzlos. Unser Testwagen verfügte gerade mal über die Metallic-Lackierung. Extra
kosten zudem für das 231-PS-Topmodell Revolution ein DVD-Navigationssystem sowie ein
elektrisches Glasschiebedach.
Anstelle eines konventionellen
Hubkolbenmotors wird der RX-8 angetrieben ohne Zylinder, Ventile und Pleuel
von einem Wankel- oder Kreiskolbenmotor (auch Rotationskolbenmotor genannt). Diese
Motorenkonstruktion hat Tradition bei Mazda: Seine Premiere feierte er 1967 im Cosmo Sport
110 S, mit dem er später (bis 1972) in die Serienproduktion ging (1.176 Exemplare). Der
Nachfolger des Cosmo Sport 110 S, RX-7 (1978 2002), ist bis heute das weltweit
meistverkaufte Auto mit Wankelmotor (811.634 Exemplare).

Wie schon der Name
Rotationskolbenmotor sagt, bestimmen dreieckige rotierende Kolben die Takte
der Verbrennung in einem ovalen Gehäuse. Diese
Motorenbauart hat dem deutschen Erfinder Felix Wankel seinen Platz in der
Automobilgeschichte neben den großen Motoringenieuren Otto, Benz, Daimler, Maybach oder
Diesel gesichert. Den wassergekühlten 2-Rotoren-Kreiskolbenmotor des RX-8 nennt Mazda
Renesis-Motor (setzt sich zusammen aus der Abkürzung für Rotary Engine RE und der
biblischen Schöpfungsgeschichte Genesis). Und da es sich um keinen
Hubkolbenmotor handelt, gibt es auch keinen Hubraum. Das Kammervolumen der beiden
Brennkammern, also: der Brennraum beträgt je 654 ccm. Das gilt sowohl für die 192-PS-
als auch für die leistungsstärkere 231-PS-Variante. Beim Renesis-Motor handelt es sich
um einen Zweischeiben-Rotationsmotor, der von der Laufruhe mit
einem Sechszylinder-Hubkolbenmotor vergleichbar ist. Vorteil des Rotationskolbenmotors ist
zudem sein niedriges Gewicht und die kompakte Größe, die einen Einbau hinter der
Vorderachse ermöglicht.
Der Motor
hängt gut am Gas und spricht umgehend auf zusätzliche Kraftstoffzufuhr an. Nicht nur im
Leerlauf glänzt der Rotationskolbenmotor mit einem ruhigen und vibrationsfreien Lauf.
Etwas gewöhnungsbedürftig ist des leicht heulende Geräusch beim Tritt aufs Gaspedal. Im
Antritt der RX-8 ebenso eine gute Figur wie im Durchzug und der Leistungsentfaltung über
das ganze relevante Drehzahlband. Der Motor ist auf viel Drehzahl ausgelegt. Der rote
Bereich beginnt erst bei 9.000 Um/min. (rot gestrichelt ab 8.500 U/min.), die Skala reicht
bis 10.000 U/min. Das maximale Drehmoment von 211 Nm liegt sportwagen-typisch erst spät,
nämlich bei 5.500 U/min. an. Der Motor läuft insgesamt sehr hochtourig. Früh schalten
ist nötig, um den Wagen in sparsamen Drehzahlregionen zu halten, aber dafür zieht er bei
50 km/h im 6. Gang immer noch sehr ordentlich. Und früh schalten hat keine zähe
Beschleunigung zur Folge. Dem sportlichen Wagen fehlt allerdings der
Turbo-Wumm für den Extra-Stoß Adrenalin, aber er zieht souverän auch in
niederen Drehzahlregionen, zerren doch bereits bei 1.500 Touren guten 150 Nm (bei 3.000
Touren sogar über 180 Nm) an den Antriebswellen, um den knapp 1,4 t schweren Sportwagen
ordentlich auf Trab oder eher Galopp? zu bringen.
Der
leistungsstärkere Motor kommt mit einem manuellen Sechsgang-Schaltgetriebe, das insgesamt
kürzer abgestuft ist als das Fünfgang-Schaltgetriebe des schwächeren Motors. Der
Schalthebel lässt sich knackig und präzise durch die kurzen Schaltgassen dirigieren und
findet sicher sein Ziel. Die Gänge sind knackig kurz abgestuft und für sportlichen
Vortrieb gut mit entsprechenden Abstrichen bei der Kraftstoffökonomie. Nur mit dem
langen Pedalweg der Kupplung muss man erst mal klar kommen.
x
In nur 6,3
Sekunden beschleunigt der 231-PS-Japaner von Null auf die 100-km/h-Marke, die
Höchstgeschwindigkeit liegt bei 235 km/h. Die 192-PS-Variante liegt bei 7,2 Sekunden für
den Sprint und 232 km/h Spitze. Der Verbrauch ist im Vergleich zu einem Hubkolbenmotor
höher, innerorts kann man ihn sogar als unanständig bezeichnen. Nein, gut, ein
Sportwagen gehört ja auch auf die Straße Landstraße oder Autobahn
und nicht in die Stadt. Vor allem im Stadtverkehr sollte man also auf niedrige Drehzahlen
achten und frühzeitig höher schalten. Innerorts fließen reichliche 15,8 Liter
Superbenzin fließen auf 100 km durch die Brennräume, 8,9 Liter sind es außerorts und
11,4 Liter im gemischten Verbrauch nach EU-Norm bei ökonomischer Fahrweise,
versteht sich. Der schwächere Motor begnügt sich mit 15,1, 8,3 bzw. 10,8
Litern (alles Herstellerangaben). Der Motor erfüllt die Abgasnorm EU4.
Die
Platzierung von Motor (hinter der Vorderachse) und Antriebsstrang (an der Hinterachse)
ermöglicht eine 50:50-Gewichtsverteilung auf die beiden Achsen. Frontmittelmotor und der
niedrige Karosserieschwerpunkt tragen zur unbestritten sportlichen Fahrdynamik des
Japaners bei. Der Antrieb geht über die Hinterräder auf den Asphalt. Die stämmige
Karosserie glänzt mit hervorragendem Geradeauslauf. Die Lenkung ist sehr direkt
ausgelegt, wodurch sich die Fahrdynamik bis zum ultimativen Fahrspaß ausreizen lässt.
Das Fahrwerk
mit Doppelquerlenkerachse vorne und Mehrlenkerachse hinten ist in seiner
Feder-Dämpfer-Kennlinie sportlich-straff abgestimmt. Dennoch bügelt es Bodenwellen ohne
Probleme glatt und ist insgesamt nicht unkomfortabel geraten. Fahrwerk und Lenkung geben
gute Rückmeldung von der Fahrbahn. Auf trockenem Asphalt ist der RX-8 in jeder
Fahrsituation problemlos zu handhaben innerhalb der Grenzen der Fahrphysik,
versteht sich. Auf nasser Fahrbahn kann es bei der Verbindung von Breitreifen und
Heckantrieb schon mal rund gehen, auch wenn es nur um die Kurve gehen soll. Hier wird ein
Übersteuern spürbar, welches auf trockener Straße kaum ins Gewicht fällt. Problemlos
und neutral bewegt er sich unter Idealbedingungen auf dem Asphalt: Agil und leichtfüßig
meistert er plötzliche Ausweichmanöver und fährt sauber in die alte Spur zurück. Den
flotten Slalom absolviert er sauber und problemlos. Auf trockener Straße muss das ESP
(heißt hier DSC) nur selten eingreifen, da der Grenzbereich erst sehr hoch angesiedelt
ist, aber gerade in nassen Kurven ist zu Recht ein beherzteres Regeln der Elektronik
angesagt.
Der RX-8
steht nur in der Basisversion Renesis mit dem 192-PS-Motor auf 16-Zoll-Rädern, alle
anderen Versionen sind mit 225/45er Reifen auf 18-Zoll-Leichtmetallern ausgestattet. So
gut die breiten Reifen für Traktion und Seitenführung auf trockener Fahrbahn sind, so
nachteilig wirken sie sich bei nasser Straße in Kurven vor allem in Verbindung mit dem
Heckantrieb aus: Hier will der Gasfuß dann mit viel Gefühl geführt werden. Die
Bremsanlage mit groß dimensionierten Scheibenbremsen (rundum innenbelüftet), ABS und
Elektronischer Bremskraftverteilung spricht sehr gut an, verzögert gut dosierbar und im
Notfall sehr wirkungsvoll und auf den Punkt.
Sicherheit
bieten unter anderem ein hochstabiler Zentralträgerrahmen mit definierten,
Aufprallenergie ableitenden Karosseriestrukturen, eine Sicherheitsfahrgastzelle und der
stabile Mitteltunnel. Ringförmige Verstärkungen der Türöffnungen auf beiden Seiten
sowie senkrechte Stahlprofile in den hinteren Türen ersetzen die Verstärkungen, die
konventionell die B-Säulen leisten. Drei-Punkt-Gurte und Kopfstützen auf allen vier
Sitzplätzen, zweistufige Frontairbags, Seitenairbags vorne sowie Kopf-Schulter-Airbags
vorne und hinten und Isofix-Kindersitzhalterungen im Fond schützen die Insassen
serienmäßig im Falle eines Crashs. An aktiven Hilfen hat Mazda dem RX-8 fast alles
mitgegeben, was heutzutage Standard ist: ABS mit Elektronischer Bremskraftverteilung EBD,
die Dynamische Stabilitätskontrolle DSC (ist nichts anderes als ESP) mit
Traktionskontrolle TCS und Sperrdifferenzial. Ein Mobilitätskit mit Kompressor und
Reifendichtmittel ersetzt das Reserverad. Zur Serienausstattung zählt auch die
Alarmanlage mit Innenraumüberwachung.
Ab 26.900
Euro steht der RX-8 in den Preislisten der Händler in der Basisausstattung und dem
kleinen Motor mit 192 PS. Die Top-Ausstattung Revolution ist mit 192-PS-Motor
zu Preisen ab 29.300 Euro zu haben, mit 231 PS ab 33.500 Euro. Bei der Topmotorisierung
ist die Serienausstattung besonders reichhaltig. Aufpreis kosten lediglich die
Metallic-Lackierung, ein elektrisches Glasschiebedach sowie ein DVD-Navigationssystem
(letzteres beides hier nicht vorhanden).
Mazda
gibt drei Jahre (bis max. 100.000 km) Garantie auf den Neuwagen, 3 Jahre auf den Lack und
zwölf Jahre auf die Karosserie gegen Durchrostung. Anschlussgarantien für das vierte und
fünfte Jahr sind gegen Aufpreis möglich. Der Mazda Europa Service (Mobilitätsgarantie)
gilt ein Fahrzeugleben lang in über 30 Ländern Europas beim Einhalten der
Serviceintervalle. Zum Service muss der RX-8 alle 20.000 km oder einmal im Jahr. Die
Versicherungen stufen das Modell in die Typklassen 22 / 26 / 37 (KH / VK / TK nach
der neuen Struktur in der Fahrzeugversicherung: VK 25, TK 27) ein.
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