| Mächtig
groß wirkt der MPV. MPV steht für "Multi Purpose Vehicle" und verspricht
vielseitige Nutzbarkeit. Gute 14 cm länger als der VW Sharan, 2 cm breiter und knapp 5,5
cm höher ist Mazdas größter Van. Seit 1999 ist der MPV auf dem Markt, zum Modelljahr
2002 bekam der Van ein moderneres Gesicht mit einem markant geformten Fünfpunkt-Grill in
Mazda-Optik, voluminöseren Stoßfängern und neu gestalteten Scheinwerfern.

Zwei neue Motoren ersetzten mit dem
tiefgreifenden Facelift den alten 2-Liter-Benziner: Wir fuhren den MPV mit dem
2,3-Liter-Vierzylinder-Benzinmotor (141 PS) in der Ausstattungsvariante Exclusive mit
Touring-Paket in der Lackierung Cerrionsilber Metallic. Als zweite Motorisierung steht
für die Baureihe ein 2-Liter-Common-Rail-Selbstzünder mit 136 PS zur Verfügung.

Den Zutritt zur zweiten und dritten
Sitzreihe des fast 4,78 m langen Van gewähren Schiebetüren. Der Zugang zu den ersten
zwei Reihen ist bequem, der zur dritten nicht mehr so richtig. Den Innenraum gibt es für
alle Karosseriefarben nur in der Farbe Anthrazit, mit qualitativ hochwertigen Materialien
und von guter Verarbeitung. Alle sieben Sitze sind Einzelsitze und in der zweiten und
dritten Reihe umklapp- und ausbaubar. Die Kopfstützen der zweiten und dritten Reihe sind
aber der Sicht nach hinten nicht gerade förderlich. Über mangelnden Platz kann man sich
in keiner der drei Sitzreihen beklagen, selbst in der letzten Reihe bleibt reichlich
Kniefreiheit. Die Kopffreiheit ist ohnehin in allen drei Sitzreihen des 1,79 m hohen Van
über jeden Zweifel erhaben. Die Sitzposition ist van-mäßig hoch, die Sitze gut
konturiert, bieten guten Seitenhalt und sind mit Velours bezogen.

Das Cockpit ist nicht originell, dafür
aber funktional. Alle Schalter und Anzeigen sind gut ablesbar und bedienbar. Die
Heckklappe öffnet nicht gerade überragend hoch: Ab 1,85 m Körpergröße ist Vorsicht
geboten, sonst macht der Kopf mehr oder weniger unsanfte Bekanntschaft mit der Klappe.

Die Ladekapazitäten reichen von 294 Liter des Siebensitzers über 866 Liter als
Fünfsitzer bis Fensterunterkante beladen, 1.600 Liter dachhoch beladen bis hin zu über
2.500 Liter hinter den Vordersitzen (bei dachhoher Beladung versteht sich). Die maximal
erlaubte Zuladung liegt bei 615 kg. Sechs Verzurrösen ermöglichen das Sichern des
Gepäcks im Laderaum.

Alles in allem ist der MPV ein
komfortabler Van. Zur umfangreichen Serienausstattung gehören die funkfernbediente
Zentralverriegelung, fünf Sitze, elektrisch einstellbare und beheizbare Außenspiegel,
wärmedämmende Colorverglasung, Klimaanlage, elektrische Fensterheber vorne und hinten
und die Dachreling. Die Exclusive-Ausstattung umfasst eine Außentemperaturanzeige, das
modulare Mazda Audio System, eine zusätzliche Heizung im Fond, ein zusätzliches
Ablagefach unterm Beifahrersitz, beleuchtete Spiegel in den Sonnenblenden,
Leichtmetallfelgen, Lenkrad, Schalthebelknauf und Bremshebel in Leder sowie
Carboneffekt-Dekor in der Mittelkonsole und um die Schalter der Fensterheber. Das
Touring-Paket beinhaltet zwei ausbaubare Komfort-Einzelsitze (Quick-Out-Funktion) für die
dritte Sitzreihe, eine zusätzliche Klimaanlage im Fond, Touring Computer und abgedunkelte
Seitenscheiben hinten. Als Sonderausstattung verfügt unser Testwagen über ein
Navigationssystem mit Radio, Cassetten- und CD-Spieler anstelle des Mazda Audio Systems
sowie über ein elektrisches Glasschiebedach, welches es aber nur in Verbindung mit dem
Touring-Paket gibt.

Der
2,3-Liter-Ottomotor mit 141 PS lässt den MPV wesentlich elastischer wirken als der
2-Liter-Turbodiesel (100 PS) den 200 kg leichteren Premacy.
An Antritt und Durchzugsvermögen mangelt es dem
über 1,6 t schweren Van relativ gesehen kaum. Auch die Leistungsentfaltung über das
ganze Drehzahlband geht in Ordnung. Man muss natürlich berücksichtigen, dass ein
4,78-m-Van von 1.655 kg kein Renner sein kann. Von Null auf Tempo 100 braucht er 12,8
Sekunden, das ist für einen Lastesel recht ordentlich. Die Höchstgeschwindigkeit liegt
bei 180 km/h und ist langstreckentauglich. Ein Muster an Laufruhe ist der Motor allerdings
nicht gerade. Schön zu Schalten ist das manuelle Fünfgang-Getriebe, zumindest in den
Vorwärtsgängen. Der Rückwärtsgang ist etwas hakelig.
Natürlich ist der Benziner in Verbindung
mit der großen, schweren Karosserie ein durstiger Geselle: 13,3 Liter Superbenzin
genehmigt er sich je 100 km Stadtverkehr, 8,2 Liter sind es außerorts und das bei
ökonomischer Fahrweise. Im gemischten Verbrauch nach EU-Norm konsumiert er 10,1 Liter je
100 km. Dafür erfüllt er aber immerhin die Abgasnorm EU4. Wer es ökonomischer mag, kann
auf den 2-Liter-Common-Rail-Diesel mit 136 PS zurückgreifen, der im Schnitt nach EU-Norm
immerhin drei Liter weniger je 100 km verbraucht, aber dafür nur die Abgasnorm EU3
erfüllt.

Das Fahrwerk des MPV gefällt um Längen
besser als das des Premacy. Die
servounterstützte Zahlstangen-Lenkung ist direkter ausgelegt und vermittelt trotz
der großen Karosserie eine mächtige Portion Fahrspaß. Zielgenau lässt sich der
Fronttriebler um Biegungen und Kurven dirigieren und zwar handlich und problemlos
in Anbetracht seiner Größe. Der Wendekreis ist recht groß, was bei 2,84 m Radstand
nicht verwundert.
In zu schnellen Kurven verlegt er sich
frühzeitig auf ein leichtes Untersteuern, um dem Fahrer den nahenden Grenzbereich
anzuzeigen. Plötzliche Spurwechsel absolviert er sicher und mit nur geringer
Seitenneigung, ebenso sicher schert er auf die alte Spur wieder ein.
In puncto Fahrkomfort ist der MPV eher
straff ausgelegt, damit sich die hohe Karosserie in schnellen Kurven nicht so sehr neigt.
Dennoch ist die Abstimmung sehr gelungen, denn außer straff ist sie auch ausreichend
komfortabel, um kleine Unebenheiten locker glatt zu bügeln.

Unser Testwagen stand auf 15-Zoll-Räder
mit 205/65er Serienbereifung. Die Bremsanlage (innenbelüftete Scheibenbremsen vorne,
Trommelbremsen hinten) ist zwar nicht der zeitgemäße Stand der Technik, jedoch gibt sie
in Ansprechen, Dosierbarkeit und Wirkung keinen Anlass zur Beanstandung und verzögert
prompt und spurtreu.
Sicherheit bietet den Insassen die
Ganzstahlkarosserie mit energieabsorbierender Front- und Heckpartie,
Sicherheitsfahrgastzelle und Seitenaufprallschutz. Kopfstützen gibt es auf allen Sitzen,
Drei-Punkt-Gurte auf allen sechs Außenplätzen, der Mittelsitz in der zweiten Reihe
verfügt nur über einen Beckengurt. Front- und Seitenairbags vorne und
Isofix-Kindersitzbefestigungen auf den Außenplätzen der zweiten Reihe runden das Paket
für den Insassenschutz ab. Den Fahrer unterstützen Fahrwerksregelsysteme wie ABS mit
elektronischer Bremskraftverteilung und Bremskraftverstärker sowie die Traktionskontrolle
TCS. Das elektronische Stabilitätsprogramm ESP (heißt bei Mazda DSC) ist leider für den
MPV nicht verfügbar.

Der Mazda MPV ist mit
2,3-Liter-Benzinmotor ab 23.950 Euro, mit 2-Liter-Common-Rail-Diesel ab 26.140 Euro zu
haben. In der gehobenen Ausstattung Exclusive schlägt der MPV mit Preise ab 25.350 Euro
(für den Benziner zu Buche). Dazu kommt das Touring-Paket Exclusive für 1.100 Euro. Als
Sonderausstattung kosten Metallic-Lackierung, Navigationssystem und das elektrische
Glasschiebedach Aufpreis.
Mazda gibt drei Jahre Gewährleistung auf
das Neufahrzeug (bis 100.000 km) und den Lack, sechs Jahre auf die Karosserie gegen
Durchrostung. Gegen Aufpreis ist eine Anschlussgarantie für bis zu weitere zwei Jahre
(ohne Kilometerbegrenzung) zu haben. Lebenslang gewährt Mazda Pannenhilfe für
ordnungsgemäß gewartete Fahrzeuge europaweit. Die Versicherungen stufen den MPV
in die Typklassen 15 / 19 / 33 (KH / VK / TK) ein. |