
Mit seinen 3,78 m Karosserielänge ist
der Lancia Ypsilon ein Kleinwagen, der seinen Namen noch verdient: Deutlich größer als
ein Kleinstwagen, aber weit von der 4-Meter-Marke entfernt, an der andere Kleinwagen heute
kratzen. Zum Modelljahr 2004 kam der kleine Premium-Italiener mit seiner zweiten
Generation auf den deutschen Markt. Freundlich guckt der Ypsilon mit seinen großen
Scheinwerfern, der große Lufteinlass unterm Stoßfänger zaubert ein Lächeln in sein
Gesicht. Das Topmodell, ein Ypsilon 1.4 16V mit 95 PS stand uns in Platino-Ausstattung
für eine Testfahrt zur Verfügung.
Der Ypsilon ist nur als Dreitürer zu
haben, Easy Entry erleichtert dafür den Zugang für die Fondpassagiere. Mit 1,53 m ist
die Karosserie recht hoch. Man merkt das auch, wenn man Platz genommen und den Sitz so
weit wie möglich runtergestellt hat: Man sitzt immer noch vergleichsweise hoch. Diese
garantiert einen guten Blick auf den Verkehr, die Karosserie wirkt insgesamt auch
verhältnismäßig übersichtlich.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist die
mittige Anordnung der Rundinstrumente, deren Chormeinfassung einen Hauch von Nostalgie in
diesen hochwertigen, eher modernen Innenraum wehen lässt. Dennoch wirkt diese Nostalgie
nicht aufgesetzt, das Design ist stimmig. Schalter und Anzeigen sind gut einzusehen und zu
erreichen, lediglich der über dem Tempomathebel sehr hoch platzierte Blinkhebel erfordert
etwas Übung in der Handhabung. Das Platzangebot ist eher Kleinwagen-typisch, allerdings
finden auch größer Gewachsene ausreichende Kopffreiheit. Dank der nur zweisitzigen
Rückbank ist auch die Ellenbogenfreiheit nicht knapp bemessen. Allerdings ist die
Kniefreiheit hinten etwas eingeschränkt, wenn vorne große Leute sitzen. Der Kofferraum
fasst mindestens 215 Liter, 290 Liter sind es bei nach vorne geschobener Rückbank (Serie
ab Argento-Ausstattung). Dachhoch und bis zu den Vordersitzen stehen nach Umklappen der
serienmäßig (ab der Version Oro asymmetrisch geteilt) umklappbaren Rücksitzbank gute
895 Liter zur Verfügung. Die maximale erlaubte Zuladung ist mit 440 kg für einen
Kleinwagen großzügig bemessen.

Der Innenraum besticht durch
hochwertige Materialien und gute Verarbeitung. Nichts klappert oder knarzt, auch nicht bei
der Fahrt auf wirklich schlechten Straßen. Die Platino-Ausstattung kommt serienmäßig
mit zweifarbigen Ledersitzen (Cognacfarben oben / Creme unten). Mein persönlicher Favorit
ist hier eher die cremefarbene Alkantara-Ausstattung, allerdings könnte ich mir
vorstellen, dass sie etwas empfindlicher ist als das robuste Leder. Über der Basisversion
stehen drei umfangreiche Ausstattungslinien zur Wahl: Argento (Silber), Oro (Gold) und
Platino (Platin). Ab der Basisversion gibt es unter anderem serienmäßig eine
funkfernbediente Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber, manuell von innen
einstellbare Außenspiegel, eine Easy-Entry-Funktion für die Vordersitze, Bordcomputer
sowie Wärmeschutzverglasung rundum. Ab Argento gibt es darüber hinaus serienmäßig zum
Beispiel eine manuelle Klimaanlage und die verschiebbare Rückbank. In der Oro-Version
kann der Ypsilon zudem mit Features wie einer verstellbaren Wirbelsäulenstütze,
elektrisch einstellbaren und beheizbaren Außenspiegeln, Nebelscheinwerfern sowie einem
Audiosystem mit Radio und CD-/MP3-Spieler aufwarten. Die Top-Ausstattung Platino enthält
zusätzlich unter anderem eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Tempomat, 15-Zoll-Räder sowie
ein Bose Sound System mit Radio und CD-Spieler. Gegen Aufpreis gibt es zum Beispiel
Leichtmetallräder, eine Sitzbank mit drei Sitzen im Fond, Regen-/Dämmerungssensor, eine
Einparkhilfe hinten Navigationsradio, CD-Wechsler sowie ESP.
Der 95 PS starke 1,4-Liter-Ottomotor
ist die sportliche Spitze der Ypsilon-Baureihe. Serienmäßig ausgestattet ist der 1.4 16V
mit einem manuellen Fünfgang-Schaltgetriebe. Großzügige Motorleistung und eine kurze
Getriebeübersetzung verhelfen dem knapp 1.055 kg leichten Ypsilon zu einem flotten
Antritt, gutem Durchzug und einer angemessenen Leistungsentfaltung. Der Motor lässt sich
für ein sparsames Vorankommen gut früh schalten. Bei knapp über 50 km/h fährt er sich
im fünften Gang jenseits der Ruckelgrenze. Der vibrationsarm laufende Motor ist auf einem
sehr akzeptablen Niveau akustisch präsent, was bei einem Kleinwagen aber nicht erstaunt.

Präzise Schaltwege und eine
leichtgängige Hebelführung gehören zu den positiven Seiten des Schaltgetriebes, die
langen Schaltwege sind eine Folge des hoch positionierten Schalthebels. Einzig der sehr
lange Weg des Kupplungspedals trübt ein wenig die Schaltfreude. Als Option steht ein
automatisiertes Fünfganggetriebe zur Wahl, welches die Italiener mit dem Kürzel DFN in
der Preisliste führen. Das DFN-System steht ausgeschrieben für Dolce far
niente, das süße Nichtstun, obwohl sich das automatisierte Getriebe natürlich
auch von Hand schalten lässt ...
Für die Beschleunigung aus dem Stand
auf 100 km/h braucht der manuell geschaltete Ypsilon 10,9 Sekunden, seine
Höchstgeschwindigkeit liegt bei 175 km/h. Für den Verbrauch gibt Fiat 8,4 Liter
Superbenzin je 100 km Stadtverkehr an, 5,6 Liter außerorts und 6,6 Liter im gemischten
Verbrauch nach EU-Norm ökonomische Fahrweise natürlich vorausgesetzt. Alle
Motoren der Ypsilon-Baureihe erfüllen die Abgasnorm EU4.
Der kleine Premium-Italiener verfügt
über Frontantrieb. Dank kurzem Radstand und schmaler Spur ist er sehr wendig. Besondere
Vorteile bietet hier die Servolenkung Dualdrive mit ihrer City-Funktion: Im normalen
Fahrbetrieb reagiert sie etwas direkter und unmittelbarer auf Lenkbefehle, im City-Modus
ist sie etwas leichtgängiger, um das Rangieren und Einparken zu erleichtern.
Das Fahrwerk
ist eher komfortabel ausgelegt, an Premium-Kleinwagen stellt man halt entsprechende
Anforderungen. Nachteil dieser Auslegung ist allerdings eine größere Seitenneigung der
Karosserie in den Kurven. Dennoch fährt sich der Ypsilon sicher. Leichtfüßig, agil und
spurtreu meistert er flotter gefahrene Kurven, nur leicht zeigt sich eine Tendenz, über
die Vorderräder nach außen zu schieben. Das liegt neben dem hervorragenden Fahrwerk auch
an den für einen Kleinwagen sehr breiten Reifen: Die Top-Version Platino steht auf
15-Zoll-Rädern mit Reifen im Format 195/55 R 15 (anstelle der in den unteren
Ausstattungslinien serienmäßigen 185/65 R 14). ESP war in unserem Testwagen nicht
vorhanden, ist aber gegen Aufpreis verfügbar. Der Kleinwagen verfügt über
innenbelüftete Scheibenbremsen vorne und Trommelbremsen hinten, die für den nur knapp
über eine Tonne schweren Kleinwagen eine standfeste Verzögerung garantieren.
Die
selbsttragende Ganzstahlkarosserie bietet den Insassen Sicherheit durch eine verstärkte
Fahrgastzelle, Seitenaufprallschutz in den Türen und Energie absorbierende Front- und
Heckteile. In Innenraum schützen Kopfstützen und Drei-Punkt-Gurte auf allen vier
Plätzen, Front- und Kopfairbags sowie optional erhältliche Seitenairbags (nicht in
Verbindung mit Innenausstattung Glamour). Die optionale dreisitzige Rückbank kommt
standardmäßig mit drei Kopfstützen und drei Drei-Punkt-Gurten. Zur Serienausstattung
gehört ein Reifenreparatur-Kit, gegen Aufpreis gibt es ein Notrad. ABS mit elektronischer
Bremskraftverteilung ist ab der Basisversion an Bord, ESP mit Bremsassistent, integriertem
Hillholder und Antriebsschlupfregelung ist nur optional verfügbar, allerdings nicht für
den kleinsten Motor der Baureihe, den 1.2 8V mit 60 PS.
Ab 11.600 Euro steht der noble
Italiener in der 60-PS-Basisversion in den Preislisten. Den 1.4 16V gibt es ab 13.750 Euro
in der Ausstattung Argento. In der Top-Ausstattung Platino schlägt er mit Preisen ab
16.150 Euro zu Buche. Aufpreis kosten unter anderem alle Lackierungen außer Tiziano Rot
(also alle Varianten von Pastell Exklusiv, Metallic, Perleffekt und Bi-Colore),
Leichtmetallräder, ein elektrisches Glasschiebedach, die Innenausstattung in Alkantara,
Multifunktionslenkrad, Lederlenkrad/-schaltknauf, drei Sitze im Fond sowie verschiedene
Audiosysteme.
Über die zweijährige
Sachmängelhaftung hinaus gibt der Lancia-Händler für zwei Jahre eine
Mängelbeseitigungsgarantie, drei Jahre Garantie auf die Lack sowie acht Jahre Garantie
auf die Karosserie gegen Durchrostung von innen nach außen und eine zweijährige
Mobilitätsgarantie. Gegen Aufpreis bietet Lancia verschiedene Anschlussgarantien für
zwölf oder 24 Monate. Die Serviceintervalle liegen bei 20.000 km oder einmal jährlich.
Die Versicherungen stufen das Modell in die Typklassen 14 / 18 / 29 (KH / VK / TK nach der neuen Struktur in der
Fahrzeugversicherung: VK 19, TK 17) ein.
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