Der Lancia Lybra ist nicht nur von außen
ein, Hingucker. Mit hochwertigem und ansprechend gestaltetem Interieur lädt er zum
Einsteigen und Losfahren. Dezent säuselt der Motor nach dem Anlassen, nach dem Tritt aufs
Gas setzt sich das Fahrzeug schwungvoll in Bewegung.

Die Mittelklasse der italienischen
Premiummarke Lancia offenbart schon auf den ersten Blicken seine Klasse: ein
unverwechselbares Design, welches sich aus der Masse der Autos deutlich abhebt, ein
wohnlich-eleganter Innenraum, reichlich Platz und Komfort für die Passagiere und ein
Vierzylinder-Triebwerk, welches nur selten seinesgleichen findet.
Mit dem Dedra-Nachfolger Lybra, der seit
Herbst 1999 sowohl als Limousine wie auch als Kombi (Station Wagon) zu haben ist, will
Lancia als Premium-Anbieter an Profil zurückgewinnen. Optisch hat der ausdrucksvoll
gestylte Newcomer keine Ähnlichkeit mit dem eher langweiligen Vorgänger Dedra. Anleihen
machten die Turiner Designer schon eher beim Klassiker Lancia Aurelia aus den Fünfziger
Jahren. Dennoch ist es kein schlichtes Retro-Design. Die rundlichen Formen ziehen die
Blicke auf sich. Wir erfuhren in einem Lybra 1.8 in der Exklusiv-Ausstattung LX und
Azzurro Laura Metallic-Lackierung, ob es den Italienern gelungen ist, ihren Anspruch aufs
Premium-Segment zu behaupten.

Großzügig ist das Platzangebot vorne
wie hinten. Edel ist die Anmutung des Innenraumes mit Alcantara-Sitzbezügen und
Innenverkleidungen, Lederlenkrad mit Audiofernbedienung und Lederschaltknauf sowie
Holzdekor- und hellen Metalldekorblenden. Die Materialien wirken hochwertig, sind stimmig
und gut verarbeitet. Vom Vorgänger unterscheiden den Lybra in punkto Qualität und
Anmutungen schlichtweg Welten.

Die Sitze sind angenehm straff, bieten
aber vor allem auf schnellen Kurvenfahrten recht wenig Seitenhalt. Die Rückbank verfügt
über drei Drei-Punkt-Gurte und drei Kopfstützen, die mittlere ist versenkbar und damit
nicht im Sichtfeld, wenn man sie nicht braucht. Links und rechts sitzt man sogar sehr
komfortabel, der mittlere Sitzplatz ist besser für die Mittelkonsole zu gebrauchen, denn
zum wirklich angenehmen Sitzen.
Der Kofferraum ist zwar nur über eine
hohe (70 cm) Ladekante zu erreichen, bietet dafür aber ordentlich nutzbare 420 Liter
Laderaumvolumen und 520 kg maximale Zuladung. Bei 4,47 m Karosserielänge ist das kein
Bestwert, aber noch ganz anständig.

Das Cockpit ist klar und übersichtlich
gestaltet. Alle Anzeigen sind gut einzusehen, die Schalter blind zu bedienen. Tadellose
Verarbeitung rundet das anspruchsvoll gestaltete Interieur ab. Die beleuchtete
Innenspiegel in den Sonnenblenden von Fahrer und Beifahrer sind Standard.
In der Basis-Ausstattung ist bereits
alles drin, was das Auto fahren angenehmer macht. Selbst Bordcomputer und integriertes
Kontroll-System ICS, automatische Leuchtweitenregulierung für die Scheinwerfer sowie das
Cassetten-Radio mit Lautsprechern sind ab Basis Serie, ab der LX-Ausstattung verfügt die
Hifi-Anlage sogar über ein hochwertiges Bose-Sound-Lautsprechersystem mit sieben
Lautsprechern. In der LX-Ausstattung ist auch die Dual-Zonen-Klimaautomatik mit getrennter
Regelung für Fahrer und Beifahrer (Dual-Zonen-Heizung ab Basis) enthalten. Ebenfalls mit
der LX-Version bekommt das Auto elektrische Fensterheber hinten, Nebelscheinwerfer und
15-Zoll-Leichtmetallräder.
Die Karosserie ist dank der rundlich
ausgestellten Kotflügel vorne, die dem Fahrer die Abmessungen seines Autos vor Augen
führen, sehr übersichtlich. Hinten ist es dann beim Einparken schon mehr eine Sache des
Gefühls. Da würde dann der in der Lineaccessori-Zusatzausstattung erhältliche
Park-Assistent für vorne und hinten gute Dienste leisten.

Höchste Laufkultur und gehörigen Biss
verspricht der 1,8-Liter-Motor mit 131 PS. Ruhig und vibrationsarm läuft er dank zweier
Ausgleichswellen, er hängt gut am Gas, dreht freudig hoch und ist an Leistungsentfaltung
die ideale Motorisierung für die fast 1,4 t schwere Limousine. Die knackig kurze
Getriebeübersetzung ist alles andere als auf Sparsamkeit ausgelegt, was in Verbindung mit
dem agilen Fahrwerk für eine gehörige Portion Fahrspaß gut ist. An Durchzug mangelt es
auch in unteren Drehzahlregionen kaum. Das Fünfgang-Schaltgetriebe erfreut mit präzisen,
kurzen Schaltwegen. Die Bremsen (groß dimensionierte Scheibenbremsen rundum, vorne
innenbelüftet) sprechen schnell an, verzögern prompt und gut dosierbar.
Der Fronttriebler braucht für die
Beschleunigung von Null auf Tempo 100 10,3 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei
201 km. Im Stadtverkehr ist er recht durstig (12,0 Liter Superbenzin je 100 km), insgesamt
begnügt er sich doch mit 8,4 Litern auf 100 km im gemischten Verbrauch nach EU-Norm, bei
Überlandfahrten sind es nur 6,4 Liter (alles Herstellerangaben). Der Motor erfüllt
allerdings nur die Abgasnorm Euro 3.

Die Lenkung arbeitet spontan und direkt,
folgt begierig den Vorgaben des Fahrers. Frei von Eigenlenkeinflüssen bleibt das Fahrzeug
über einen großen Grenzbereich absolut neutral, neigt praktisch gar nicht zum
frontantriebstypischen Untersteuern, was das Fahrverhalten noch berechenbarer macht. Da
werden Erinnerungen an den Vorgänger Dedra und vor allem an die Steilheckversion Delta
wach.
Leichtfüßig wechselt er bei
plötzlichen Ausweichmanövern den Kurs und lässt sich ebenso problemlos wieder in die
ursprüngliche Spur dirigieren. Optimaler Fahrbahnkontakt lässt den Fahrer über
Untergrund und Fahrbahnbeschaffenheit nicht im Unklaren. Die herrlich direkte Lenkung
verlangt förmlich nach kurvenreichen Strecken, die das Fahrwerk absolut souverän
meistert. Sportlich-dynamisches Vorankommen garantiert das aufwändige Fahrwerk mit
unkonventioneller McPherson-Radaufhängung vorne sowie einer neuentwickelten
Mehrlenkerkonstruktion hinten mit Einzelradaufhängung an geführten Längslenkern.

Komfortabel rollt der Lybra auch über
schlechte Straßen, besitzt aber eine ausreichend straffe Federung, mit der er auch
kritischen Fahrmanöver problemlos bewältigt. Grobe Wellen quittiert er mit ganz leichtem
Nicken, kleine Unebenheiten bügelt er klaglos glatt. Der Lybra ist der fahrende Beweis,
dass sportlich-agiles Handling keine Abstriche an den Komfort machen muss.
Die serienmäßige Sicherheit umfasst
eine hochfeste Fahrgastzelle, Seitenaufprallschutz in den Türen, Kopfstützen und
Drei-Punkt-Gurte auf allen Sitzen, vier Airbags für die Frontpassagiere,
Anti-Submarining-Kissen auf allen Sitzen und das Fire Prevention System. ABS mit
elektronische Bremskraftverteilung ist ebenfalls Serie. Eine Antriebsschlupfregelung ist
nur für den 2-Liter-LX-Lybra zu haben.

Die Limousine ist mit Basis-Ausstattung
und motorisierung ab 36.700 Mark zu haben, mit dem 1,8-Liter-Motor und
Exklusiv-Ausstattung LX schlägt er mit 43.800 Mark zu Buche. Aufpreis kosten auch bei der
LX-Ausstattung die Metallic-Lackierung (990 Mark), die Sitzheizung vorne (510 Mark) sowie
die asymmetrisch geteilte Rücksitzbank mit Mittelarmlehne (470 Mark). Ein elektrisches
Glasschiebedach ist für 1.450 Mark zu haben.
Bei den Garantien sind die Italiener noch
etwas zurückhaltender: Sie geben das übliche eine Jahr auf den Wagen sowie ein Jahr
Mobilitätsgarantie, drei Jahre auf den Lack und acht Jahre auf die Karosserie gegen
Durchrostung. Allerdings können gegen Aufpreis Garantiepakete für einen Zeitraum bis zu
vier Jahren, eine verlängerte Mobilitätsgarantie sowie eine auf bis zu drei Jahre
erweiterte Neuwagen-Garantie erworben werden. Die Versicherungseinstufungen liegen bei 18
/ 20 / 30 (KH / VK / TK), Inspektion und Ölwechsel sind alle 20.000 km oder nach 18
Monaten fällig.
Mit dem Lybra hat Lancia eine Modellreihe
auf den Markt gebracht, die den Premium-Ansprüchen der Marke Auftrieb gibt. Und das alles
insgesamt zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. |