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Optisch hat
Lancia mit dem Delta wieder ein Schmuckstück auf die Räder
gestellt. Die markante Front trägt das Familiengesicht und findet
sich in ähnlicher Form in Ypsilon,
Musa, Phedra und Thesis wieder. Dahinter nimmt der Delta seine
eigenen Formen an. Mit klaren Linien, fließenden Flächen und
dezenten Kurven ist der Delta eine dynamische Erscheinung.
Chromapplikationen an Kühlergrill und Seitenscheiben sowie die Türgriffe
in Chrom-Optik geben der modern gezeichneten Karosserie klassische
Akzente. Die Chromleisten oben an den Fenstern verraten die
Oro-Ausstattung. Die geschwungenen, streifenförmigen LED-Leuchten
am Heck erinnern an das Lancia-Oberklassemodell Thesis.

Im Jahr 2008 kam
die dritte Generation des Lancia Delta auf den Markt. Zwischen der
zweiten Generation (1993 – 1999) und der Aktuellen füllte
Lancia die Lücke im Programm mit dem Lybra
(1999 – 2006), den es aber nur als Stufenheck-Limousine
und als Kombi gab. Der Lybra war
damit genau genommen nur der Nachfolger des Dedra
(1989 – 99), der Stufenheck- und Kombiversion des Delta.
Für ausgiebige Tests stand uns ein Lancia Delta 1.6 Multijet mit
120 PS in der Ausstattungslinie Oro in Bi-Colore-Lackierung Luna
Plena Elfenbein / Lava Schwarz zur Verfügung.
Fünf Türen
bieten guten Zugang zum Innenraum, einzig durch die Heckklappe ist
das Einladen wegen der hohen Ladekante (79 cm) etwas mühselig. Die
4,52 m lange Kompaktklasse-Limousine bietet fünf Passagieren sehr
akzeptable Platzverhältnisse. Die straffen Sitze vorne sind gut
konturiert und bieten entsprechenden Seitenhalt. Auch die Außenplätze
hinten bieten dank leichter Konturen ausreichenden Seitenhalt.
Lediglich auf dem Mittelplatz im Fond fühlt man sich etwas
aufgebockt. Allerdings sind Sitzriesen auf der Rückbank nicht
wirklich optimal aufgehoben, denn die Kopffreiheit leidet ein wenig
unter der früh abfallenden Dachlinie: Schönheit hat halt ihren
Preis. Der Laderaum fasst ordentliche 380 Liter. Die Rückbank kann
zudem in Längsrichtung verschoben werden – je nachdem, ob man
mehr Laderaum oder mehr Kniefreiheit im Fond wünscht. In der
vordersten Position fasst der Laderaum 465 Liter. Bis zu 1.190 Liter
sind nach dem Umklappen der asymmetrisch geteilten,
neigungsverstellbaren und umlegbaren Rückbanklehne möglich. Die
495 kg maximal erlaubte Zuladung reichen auch für größere
Transportaufgaben.

Nicht nur optisch
macht der neue Delta deutlich viel mehr her als der Alte
– das gilt ebenso für den Dedra.
Auch die Qualität ist von einem ganz anderen Kaliber: hochwertig
sind die Materialien und mehr als ordentlich die Verarbeitung.
Lancia will heute in einer ganz anderen Liga spielen, um damit
eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Chromringe um die
Anzeigeninstrumente setzen auch im Innenraum die klassische Linie
fort. In puncto Ergonomie lässt das Cockpit keine Wünsche offen,
die Bedienung erfolgt intuitiv und ohne Ablenkung vom
Verkehrsgeschehen. Ablagen sind reichlich vorhanden: Handschuhfach,
Fächer in allen vier Türen, eine Kartentasche an der Rückseite
des Beifahrersitzes, ein Brillenfach über der Tür, seitlich unterm
Lenkrad, Getränkedosenhalter auf dem Mitteltunnel und eine
Mittelarmlehne vorne mit integrierter Kühlbox und Dokumentenfach.

Drei
Ausstattungslinien stehen dem Käufer zur Wahl. Recht umfangreich
ist hier schon die Grundausstattung: Die Basisversion Argento (ital.
Silber) fährt vor mit einer funkfernbedienten Zentralverriegelung,
elektrisch einstellbaren und beheizbaren Außenspiegeln,
elektrischen Fensterhebern rundum, CD-Radio (mp3-fähig),
Multifunktionstasten am Lenkrad zur Audiobedienung, Bordcomputer mit
Multifunktionsdisplay, manueller Klimaanlage, LED-Tagfahrlicht und
16-Zoll-Stahlräder. Die Nebelscheinwerfer verfügen über eine
Kurvenlichtfunktion. Die nächsthöhere Ausstattungsvariante heißt
Oro (ital. Gold) und umfasst darüber hinaus abgedunkelte Scheiben
hinten und 16-Zoll-Leichtmetallfelgen. Die Innenausstattung (inkl.
Lenkrad und Schaltknauf) ist in Leder/Alkantara gehalten. Die Außenspiegel
sind elektrisch anklappbar. Hinten gibt es nun auch eine
Mittelarmlehne – und das sogar mit Ablagefach.

Aufpreis kosteten in unserem Testwagen Features wie ein höherwertiges
CD-Radio (mp3-fähig), die Blue&Me-Freisprechanlage (mit
Bluetooth, Multifunktionstasten am Lenkrad für Audio und Mobilfunk
sowie USB-Port), eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Spurhalteassistent,
18-Zoll-Leichtmetallfelgen (gibt es jetzt nur noch im Look-Paket
zusammen mit einem verchromten Doppelendrohr – zum gleichen
Preis!) und Parksensoren hinten sowie das Technologie-Paket mit
Regen- und Dämmerungssensor, automatisch abblendendem Innenspiegel
und Tempomat. In der Ausstattungsversion Platino (ital. Platin) gehören
die Bi-Colore-Lackierung, 17-Zoll-Leichtmetallfelgen, die
Zwei-Zonen-Klimaautomatik und ein elektrisches
Panorama-Glasschiebedach mit Namen Granluce (ital. helles Licht)
ebenfalls zur Serienausstattung.
Motorisiert war
unser Lancia Delta mit dem gleichen 1,6-Liter-Common-Rail-Aggregat
(1.6 Multijet 16V) wie schon der Alfa
MiTo, allerdings in einer minimal anderen Abstimmung. Die
Bezeichnung MultiJet (M-Jet oder auch JTDM) steht in der Fiat
Automobilgruppe, zu der auch Lancia und Alfa Romeo gehören, für
Dieselmotoren mit einer Common-Rain-Einspritzung der neuesten
Generation (die ersten Common-Rail-Diesel hießen Unijet JTD). Alle
Dieselmotoren der aktuellen Delta-Baureihe verfügen über einen
elektrischen Zuheizer, der das Aufwärmen des Motors beschleunigt.
Das kommt der Laufkultur zugute. Die gute Dämmung des Motorraums lässt
den Motor nur in der Kaltlaufphase präsent sein, hier kann er den
Dieselantrieb nicht ganz verleugnen. Warm gelaufen hört man
allerdings kaum noch was davon.

Der 120-PS-Motor
geht für eine Basismotorisierung in dieser Klasse in Ordnung, aber
der Delta reißt so natürlich keine Bäume aus. Er bietet aber in
puncto Antritt, Durchzug und Leistungsentfaltung solide
Hausmannskost. Das manuelle Sechsgang-Schaltgetriebe schaltet
leichtgängig, knackig und präzise. Das ist gut so, denn der Motor
hat angesichts eines Karosseriegewichts von fast 1.5 t seine
Grenzen. An Steigungen müht sich der kleine Selbstzünder ganz schön.
Da ist dann eifrige Schaltarbeit gefordert, um ordentlich in Fahrt
zu bleiben, zumal die Getriebeübersetzung gerade in den höheren Gängen
immer länger ausgelegt ist für maximale Kraftstoffökonomie. Mit
dem Alfa MiTo und seinen 1.280 kg
wirkte der Motor deutlich agiler. Die Beschleunigungsdaten auf dem
Stand auf Tempo 100 sprechen für sich: 10,7 Sekunden sind es beim
Lancia, 9,8 Sekunden beim kleineren Alfa.

Der Delta
erreicht seine Höchstgeschwindigkeit bei 195 km/h. Das reicht für
zügige Autobahnfahrten und Überholmanöver allemal. Beim Verbrauch
gibt er sich genügsam: Gute 6,1 Liter Dieselkraftstoff konsumiert
er je 100 km innerorts, 4,2 Liter sind es außerorts und 4,9 Liter
im gemischten Verbrauch nach EU-Norm (alles Herstellerangaben,
ermittelt unter Idealbedingungen auf dem Rollenprüfstand). Der
Motor erfüllt bereits die Abgasnorm EU5, der CO2-Ausstoß beträgt
130 g pro km. Deutlich besser im Verbrauch agiert übrigens das
automatisierte Schaltgetriebe, das für diese Motorisierung verfügbar
ist: mit 5,7 Litern in der Stadt, 3,9 Litern außerorts und 4,6
Litern im gemischten Verbrauch kommt man deutlich sparsamer ans Ziel
– bei identischen Beschleunigungswerten und fast der gleichen Höchstgeschwindigkeit
(194 km/h).
Der
Delta wird – wie alle aktuellen Lancia – über die Vorderachse
angetrieben. Tadellos ist sein Geradeauslauf, die Lenkung ist direkt
ausgelegt und spricht gut an. Präzise folgt das Fahrzeug den
Lenkbefehlen des Fahrers, da kommt schon richtig Freude auf! Auch
wenn der neue Delta nicht ganz so sportlich zu handeln ist, wie noch
das Vormodell. Der Neue ist schließlich Ausdruck des
Premium-Anspruches, den die Marke Lancia heutzutage verkörpert. Das
heißt, er will über Komfort und nicht über Sportlichkeit punkten.
Und das tut er sehr ordentlich! Das Fahrwerk ist eher komfortabel
abgestimmt, aber nicht zu weich. Souverän schluckt er kleinere
Unebenheiten. Problemlos und neutral meistert der Delta die flotte
Kurvenhatz ebenso wie plötzliche Ausweichmanöver. Lediglich ein
leichtes Schieben über die Vorderräder kündigt irgendwann bei
hohem Kurventempo das Nahen des Grenzbereichs an. Insgesamt ist er
recht wendig.
Anstelle
der 16-Zoll-Basisräder (195/55er Reifen) trägt unser Testwagen
18-Zöller mit 225/40er Bereifung. Trotz ausgesprochener Breitreifen
ist er in keinster Weise unkomfortabel, weil das Fahrwerk nicht
besonders sportlich ausgelegt ist. Das hat zwar eine recht deutliche
Seitenneigung in den Kurven zufolge, beeinträchtigt aber nicht die
Sicherheit der Straßenlage. Die Bremsanlage mit Scheibenbremsen
rundum (vorne innenbelüftet) spricht gut an und verzögert im
Notfall prompt und sicher.
Die
Ganzstahlkarosserie verfügt über Seitenaufprallschutz sowie
Aufprallenergie absorbierende Karosserieelemente vorne und hinten.
Im Innenraum schützen die Insassen Drei-Punkt-Gurte, Kopfstützen
auf allen Plätzen (vorne aktive Kopfstützen), die Kindersitzvorrüstung
Isofix im Fond sowie das Fire Prevention System FPS. Im EuroNCAP
bekam der kompakte Italiener im vergangenen Jahr fünf Sterne für
Insassenschutz, drei Sterne für Kindersicherheit und zwei Sterne für
Fußgängerschutz. An Fahrassistenzsystemen hat Fiat dem Lancia
Delta ein Paket namens „Absolute Handling System“ mitgegeben. Es
beinhaltet ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung EBD und
Bremsassistent sowie ESP mit Hill-Holder-Funktion,
Antriebsschlupfregelung, Torque Transfer Control TTC (sorgt über
Bremseneingriff für begrenzten Schlupf), Dynamic Steering Torque
DST (stabilisierender Lenkeingriff) und die
Motorschleppmoment-Regelung MSR (vermindert Blockiertendenzen der
Antriebsräder). Tagfahrlicht ist hier – genau wie beim Alfa
MiTo – Serie, denn in Italien gilt außerorts geschlossener
Ortschaften auch tagsüber die Scheinwerferpflicht. Tagfahrlicht und
Rückleuchten arbeiten mit LED-Technik, die Nebelscheinwerfer
agieren als Kurvenlicht. Serienmäßig ist ein Reifen-Reparatur-Set
an Bord, gegen Aufpreis gibt es – wie in unserem Testwagen – ein
Notrad. Optional ist auch eine Reifendruckkontrolle verfügbar, die
für die Montage von Reifen mit Notlaufeigenschaften zwingend
erforderlich ist.
Ab 19.990 Euro
gibt es den Lancia Delta in der Argento-Ausstattung mit
1,4-Liter-T-Jet-Ottomotor und 120 PS. Der 1.6 MultiJet steht ab
22.400 Euro in den Preislisten, unsere Oro-Ausstattung schlägt dann
schon mit 24.700 Euro zu Buche. Aufpreis kosten hier die
Bi-Colore-Lackierung, die Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Parksensoren
hinten, 18-Zoll-Leichtmetaller und das Technologie-Paket.

Lancia
gibt eine zweijährige Neuwagen-Garantie ohne Kilometerbegrenzung,
die optional auf 5 Jahre bis 150.000 km erweiterbar ist. Drei Jahre
geben die Italiener auf den Lack sowie acht Jahre auf die Karosserie
gegen Durchrostung. Eine fast europaweite Mobilitätsgarantie gibt
es für die Laufzeit der Neuwagen-Garantie. Zum Service muss der
Lancia Delta nach 30.000 oder 35.000 km (je nach Motorisierung) oder
einmal im Jahr. Die Versicherungen stufen das Modell in die
Typklassen 20 / 19 / 21 (KH / VK / TK)
ein.
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