
Ansprechend und fast schon dynamisch
gestylt, ohne modischen Schnickschnack, das ist der Kia Cerato. Der kompakte Koreaner ist
als Stufenheck- und als Steilheck-Limousine verfügbar. Beide Karosserievarianten sind
eine Neuentwicklung, bauen aber auf der Bodengruppe des Hyundai Elantra (Kia ist ein
Tochter-Unternehmen von Hyundai) auf. Mit seinen 4,34 m Länge (Steilheckversion) tritt
der Cerato gegen Golf, Astra und Focus an. Er ersetzt den Shuma
II (als Stufenheck) und den Ende 2004 ausgelaufenen alten Rio. Der neue Rio tritt
ab Herbst 2005 gegen Polo, Corsa und Fiesta an. Zum Test kam ein in Granatgrau Metallic
lackierter Cerato in der EX-Ausstattung mit 2-Liter-Ottomotor vorgefahren.
Guten Zugang zum Passagierraum
gewährleisten vier Türen. Die Übersicht des
Fahrers über die Karosserie ist nicht wirklich gut, aber vorne kann man den verbleibenden
Platz ganz gut einschätzen. Die Sitze sind komfortabel, vorne auch ein wenig konturiert,
bieten aber nur bescheidenen Seitenhalt. Das Platzangebot ist in beiden Reihen großzügig
bemessen, was allerdings ein wenig zu Lasten des Laderaumes geht. Im Steilheck-Cerato ist
nicht nur die Rücksitzlehne asymmetrisch geteilt umklappbar, sondern auch die Sitzbank.
Damit lässt sich der Laderaum von eher bescheidenen 228 auf 1.064 Liter erweitern. Die
maximale Zuladung ist mit 458 kg ausreichend bemessen.

Der Innenraum ist ordentlich
verarbeitet, aber nicht wirklich hochwertig. Die Materialqualität geht jedoch in Ordnung.
An der ergonomischen Gestaltung ist nichts auszusetzen, die Anzeigen sind gut einzusehen
und die Schalter und Tasten gut zu bedienen. Ablagen finden die Passagieren in den
vorderen Türen, im Handschuhfach, in der Armaturenbrettmitte, vor dem Schaltknüppel, in
der vorderen Mittelarmlehne (2 Fächer), in zwei Getränkedosenhaltern auf dem
Mitteltunnel sowie in Taschen an den Rückseiten der Vordersitzlehnen.

Ab der Basisausstattung LX verfügt der
Cerato serienmäßig über eine Zentralverriegelung, manuell von innen einstellbare
Außenspiegel, elektrische Fensterheber vorne und hinten, eine Klimaanlage,
15-Zoll-Stahlfelgen mit Radzierblenden (mit vollwertigem Ersatzrad), Spiegel in beiden
Sonnenblenden sowie ein CD-Radio. Der 2-Liter-Benziner ist ausschließlich in der
Top-Ausstattung EX zu haben und hat zusätzlich eine Funkfernbedienung für die
Zentralverriegelung, elektrisch einstellbare und beheizbare Außenspiegel, einen
abblendenden Innenspiegel, 16-Zoll-Leichtmetallräder (mit passendem Ersatzrad), eine
Klimaautomatik mit Luftgütesensor (Umluftautomatik), Lichtautomatik, eine
Geschwindigkeitsregelung, einen einfachen Bordcomputer, Nebelscheinwerfer, Leder-Lenkrad,
Schaltknauf und Bremshebel in Leder sowie eine Alarmanlage mit in den Schlüssel
integrierten Panik-Alarm serienmäßig mit an Bord. Die Liste der möglichen
aufpreispflichtigen Sonderausstattungen ist kurz und übersichtlich: Metallic-Lackierung,
eine Vier-Stufen-Automatik (für die Benzinmotoren), ein elektrisches
Glas-Schiebe-/Ausstelldach, Sitzbezüge in Teil-Leder mit Sitzheizung vorne und ein
Navigationsradio von Becker. Unser Testwagen verfügt aber nur über die
Metallic-Lackierung.
Nicht unter 100 PS ist der Kia Cerato zu haben: Einstieg in die untere Mittelklasse der
Koreaner ist ein 105 PS starker 1,6-Liter-Ottomotor. Wir fuhren das Topmodell mit einem
143 PS starken 2-Liter-Ottomotor mit kontinuierlich verstellbarer Ventilsteuerung (CVVT).
Zwei Common-Rail-Dieselmotoren mit 1,5 und 2 Litern Hubraum und 102 bzw. 113 PS runden die
Motorenpalette ab. Der Vierzylinder-Sechzehnventiler läuft sehr ruhig und vibrationsarm,
im Leerlauf spürt man ihn kaum. Erst beim Gas geben wird er akustisch präsent. In
Antritt und im Durchzugsvermögen wirkt er angemessen kraftvoll, unser Testwagen bringt
immerhin leer (inkl. Fahrer) gut 1.325 kg auf die Waage. Der Motor hängt recht spontan am
Gas und auch was die Leistungsentfaltung angeht, macht er einen guten Eindruck, obwohl das
Drehmomentmaximum von 186 Nm erst bei 4.500 U/min. zur Verfügung steht. Aber dank der
kontinuierlich verstellbaren Ventilsteuerung verbessert sich die Motorleistung auch bei
niedrigen und mittleren Drehzahlen im Vergleich zu einer konventionellen Ventilsteuerung.
Die manuelle Fünfgang-Schaltgetriebe schaltet sich leichtgängig und präzise, der
Pedalweg ist allerdings sehr lang. Der Cerato lässt sich recht früh schalten, ohne dass
er sich dann im Vortrieb abmühen muss: Das ist gut für den Verbrauch.

Für die Beschleunigung aus dem Stand
auf Tempo 100 reichen gute 9 Sekunden, seine Höchstgeschwindigkeit erreicht der Koreaner
bei 208 km/h. Der Motor begnügt sich mit bleifreiem Normalbenzin (91 Oktan). Der
Verbrauch liegt bei 10,3 Litern Kraftstoff je 100 km Stadtverkehr, 5,9 Liter außerorts
und 7,5 Liter im gemischten Verbrauch nach EU-Norm ökonomische Fahrweise
vorausgesetzt (alles Herstellerangaben), Die beiden Ottomotoren der Baureihe erfüllen die
Abgasnorm EU4, die beiden Diesel bislang nur EU3. Wenig hilfreich ist allerdings, dass die
Reichweitenanzeige bei 50 km Restreichweite stoppt und danach ohne Angabe einfach nur
blinkt.
Der Cerato wird über die Vorderachse
angetrieben. Die Lenkung ist leichtgängig, ausreichend präzise und spricht auch um die
Mittellage herum gut an. Insgesamt ist sie aber eher ein wenig indirekt ausgelegt. Die
Fahrwerksabstimmung ist sehr komfortabel ausgelegt, was einer guten Rückmeldung vom
Asphalt nicht besonders dienlich ist. Serienmäßig steht der
Cerato in der Ausstattungslinie EX auf 16-Zoll-Leichtmetallräder mit 205/50er Bereifung
anstelle der in der Basisversion üblichen 15-Zöller.
Gut und ordentlich dosierbar verzögern die Scheibenbremsen rundum (vorne
innenbelüftet).
Auf der
Straße bewegt sich der Cerato gutmütig und problemlos, solange ihn der Fahrer nicht
allzu zackig um die Kurven treibt. Die eilige Kurvenhatz ist nämlich nicht sein Ding.
Hier macht sich die komfortable Federung und die eher indirekte Lenkung in einem leicht
schwammigen Fahrverhalten bemerkbar. Plötzliche Spurwechsel absolviert er zwar nicht
wirklich standfest, aber dennoch sicher. Den nahenden Grenzbereich kündigt der Cerato
frühzeitig durch ein deutliches Untersteuern an.
Der
Insassensicherheit dient eine selbsttragende Stahlkonstruktion mit Knautschzonen,
Querverstrebungen vor und hinter dem Passagierraum, besonders verstärkten B-Säulen und
Seitenaufprallschutz in allen vier Türen, Kopfstützen und Drei-Punkt-Gurte auf allen
fünf Sitzplätzen, Front- und Seitenairbags vorne sowie Fensterairbags für vorne und
hinten. An aktiven Fahrassistenzsystemen sind serienmäßig ABS mit elektronischer
Bremskraftverteilung und Bremsassistent sowie hier eine Traktionskontrolle an Bord. Die
Traktionskontrolle ist allerdings nur für die 2-Liter-Motoren (2.0 und 2.0 CRDi) zu
haben, ein elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP) ist gar nicht verfügbar.
Mit 14.310 Euro beginnt der Kia Cerato
Steilheck in der Preisliste. Dafür bekommt der Käufer den 1.6 in der Basis-Ausstattung
LX. Der 2-Liter-Benziner ist nur in der Top-Ausstattung EX zu Preisen ab 18.390 Euro
(Steilheck) zu haben. Gegen Aufpreis ist für
die Topversion EX neben der Metallic-Lackierung ein Radio-Navigationssystem, ein
elektrisches Glas-Schiebe-/Ausstelldach, ein Paket aus Sitzbezügen in Teilleder mit
Sitzheizung vorne sowie für die Benziner ein Vierstufen-Automatikgetriebe verfügbar.
Kia
gibt eine dreijährige Neuwagengarantie (ohne Kilometerbegrenzung!), drei Jahre auf den
Lack und sechs Jahre auf die Karosserie gegen Durchrostung. Zur Inspektion muss der Cerato
alle 15.000 km oder einmal jährlich. Die Versicherungen stufen das Modell in die
Typklassen 17 / 20 / 27 (KH / VK / TK nach der neuen
Struktur in der Fahrzeugversicherung: VK 22, TK 17) ein.
|