
Dass auch Japaner klassische Roadster
bauen können, wissen wir, seit Mazda 1989 den MX-5 vorstellte. Zehn Jahre später, auf
der IAA 1999, zog Honda mit seinem offenen Zweisitzer nach. 240 PS offenbaren allerdings
etwas andere Ambitionen: Der S2000 will ein richtiger Sportwagen sein. Sportlich ist seine
Erscheinung: flache Karosserie, lange Motorhaube, kurze Überhänge und eine gelungene
Mischung aus Linien und Kurven. Ob auch unter der Motorhaube wirklich ein Sportlerherz
schlägt? Eine kurze Ausfahrt mit dem 4,14 m langen Japaner vermittelte einen ersten
Eindruck.

Wir fuhren einen S2000 des Modelljahres
2005. Ab dem Modelljahr 2006 kommt der Roadster leicht modifiziert in die Schauräume der
Händler. Der 2-Liter-i-VTEC-Motor ist jetzt mit Drive-by-wire ausgestattet,
was eine bessere Drosselklappensteuerung sowie ein verbessertes Motormanagement
ermöglicht. Das Elektrische Stabilitätsprogramm VSA (Vehicle Stability Assist) wird
serienmäßig verbaut, eine verbesserte Gangschaltung rundet die Änderungen im
technischen Bereich ab. Neue 17-Zoll-Leichtmetallfelgen im 10-Speichen-Design, zwei neue
Außenfarben und ein behutsam überarbeiteter Innenraum deuten optisch das überarbeitete
Modell an.
Für zwei Passagiere braucht man auch
nur zwei Türen. Platz nehmen die Insassen auf straffen, tief liegenden Sportsitzen mit
integrierten Kopfstützen. Offen gestanden ist die Übersicht über die
Karosserie nicht zu bemängeln ;-). Auch über das Platzangebot können normal gewachsene
Leute nicht meckern. Der Laderaum ist mit 143 Litern bescheiden, aber etwas anderes ist
bei einem offenen Zweisitzer auch nicht zu erwarten. Gleiches gilt für die 215 kg
maximale erlaubte Zuladung.

Die konturierten lederbezogenen
Sportsitze bieten guten Seitenhalt in den Kurven. Auf Knopfdruck öffnet und schließt das
Soft-Top. Sparsam, aber der Übersicht sehr dienlich ist das Cockpit instrumentiert.
Sportliche Akzente setzen gelochte Alu-Pedale, die
Radioabdeckung aus gebürstetem Aluminium, der sportliche Alu-Schaltknauf mit Ledereinsatz
und der groß dimensionierte Drehzahlmesser. An der Verarbeitung gibt es nichts
auszusetzen, auch in Ordnung gehen Materialauswahl und -qualität.

Der S2000 wird nur in einer
Ausstattungsversion angeboten, mit einer ziemlich reichhaltigen Serienausstattung. Ein
paar zusätzliche Optionen runden das Angebot ab. Serienmäßig verfügt der Japaner über
elektrische Fensterheber, elektrisch einstellbare und beheizbare Außenspiegel, eine
beheizbare Glasheckscheibe, Colorverglasung, ein Windschott, eine manuelle Klimaanlage und
ein Audiosystem mit Radio und CD-Spieler. An Extras gibt es einen CD-Wechsler, Spoiler und
Schwellerverkleidungen sowie Zusatzlautsprecher in den Rückenteilen der Kopfstützen.
Auf Knopfdruck startet der Motor. Aus
zwei Litern Hubraum entwickelt sich in der zweiflutigen Auspuffanlage ein
sportlich-kerniger, wenn auch etwas rauer Sound. Gute 240 PS leistet das 16V-Triebwerk,
das maximale Drehmoment von 208 Nm liegt sportwagentypisch erst sehr spät, nämlich bei
7.500 U/min. an. Der Motor nimmt sehr gut Gas an und dreht sehr schön hoch. Trotz des
erst späten Drehmomentmaximums liegen schon bei 1.500 Touren gute 160 Nm an, die
Drehmomentkurve verläuft sehr gleichmäßig und nur flach ansteigend, was im Klartext
bedeutet: Kraft satt, auch schon bei niedrigen Drehzahlen. Mit den 1,320 kg Leergewicht
haben die temperamentvollen 240 Pferdchen ein leichtes Spiel. Kraftvoll ist der S2000 im
Antritt, gut im Durchzug über das ganze relevante Drehzahlband und überzeugend in seiner
Leistungsentfaltung. Besondere Freude macht das serienmäßige Sechsgang-Schaltgetriebe
mit seiner sehr exakten Schaltung und knackig kurzen Schaltwegen.

In guten 6,2 Sekunden sprintet der
S2000 aus dem Stand auf Tempo 100. Seine Höchstgeschwindigkeit erreicht er bei 240 km/h.
Natürlich ist ein drehfreudiger Sportwagen alles andere als ein Sparfuchs. Der Verbrauch
liegt bei 13,9 Litern Super Plus je 100 km in der Stadt, 8 Litern außerorts und 10 Litern
im gemischten Verbrauch nach EU-Norm ökonomische Fahrweise vorausgesetzt, wozu
dieser Flitzer aber keineswegs animiert (alles Herstellerangaben). Der Motor erfüllt
lediglich die Abgasnorm EU3.
Der S2000 versteht sich als klassischer
Sportwagen, mit Frontmotor und Heckantrieb. Die Lenkung ist präzise, zielgenau und sehr
direkt ausgelegt. Der S2000 ist ein Sportwagen der kernigen Sorte: straff, um nicht zu
sagen hart liegt er auf dem Asphalt. Kurvige Pisten sind sein
Terrain. Problemlos zu handhaben ist er in schnell gefahrenen Kurven und auf
Slalomstrecken auch ohne ESP (heißt bei Honda VSA), wobei dem Kurvenkünstler sein hoch
angesiedelter Grenzbereich zugute kommt. Er glänzt mit einer exzellenten Fahrdynamik,
wirkt leichtfüßig und agil und gibt sich als puristisches Sportgerät. Ab Werk steht der
Roadster auf 17-Zoll-Aluminiumrädern mit Reifen im Format 215/45 vorne und 245/402
hinten. Die Bremsanlage mit großdimensionierten Scheibenbremsen rundum (vorne
innenbelüftet) verzögert schnell und standfest.
Passive
Sicherheit bieten die verwindungssteife, hochfeste selbsttragende Karosserie mit einen
X-förmigen Karosserierahmen und besonders steifem Mitteltunnel (New Open Body Structure),
kontrolliert verformbare Knautschzonen, Aufprallenergie absorbierende Strukturen sowie
Seitentaufprallschutz dank stabiler Querstreben und hochgezogener Seitenschweller und
Überrollbügel hinter den Sitzen. Im Innenraum schützen Drei-Punkt-Gurte und in die
Sitze integrierte Kopfstützen sowie Frontairbags. Im Jahr 2002 war das für vier Sterne
im EuroNCAP gut. Alarmanlage mit Ultraschall-Innenraumüberwachung sowie
Xenon-Scheinwerfer, ABS und EBD gibt es serienmäßig, ESP ab dem Modelljahr 2006 auch.
Ab 36.150 Euro ist der Honda S2000 zu
haben. Optional stehen Metallic-, Perleffekt- oder Handlackierungen, CD-Wechsler, Spoiler
und Schwellerverkleidungen auf der Liste der Sonderausstattungen. Das Hardtop gibt es auf
Wunsch ab dem Modelljahr 2006 ohne Aufpreis.
Honda
gibt drei Jahre Garantie auf den Neuwagen (bis 100.000 km), drei Jahre auf den Lack sowie
sechs Jahre auf die Karosserie gegen Durchrostung. Die Serviceintervalle liegen bei 15.000
km oder einmal jährlich. Die Versicherungen stufen das Modell in die Typklassen 22 / 36 /
39 (KH / VK / TK nach der neuen Struktur in der
Fahrzeugversicherung: VK 32, TK 28) ein.
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