Der Focus ist Fords Bestseller in der
Kompaktklasse. Der Kombi-Ableger der Kölner heißt "Turnier". An das
New-Edge-Design haben wir uns ja mittlerweile gewöhnt, aber immerhin erkennt man einen
Ford damit auf den ersten Blick zumindest von vorne. Der Wiedererkennungswert eines
Focus Turnier von hinten ist allerdings eher begrenzt. Da verließ die Ford-Designer wohl
der Mut.
Unser colorado-roter Testwagen fuhr in der
sportlichen Editionsvariante Futura vor, motorisiert mit dem Top-Selbstzünder-Aggregat
der Baureihe, einem 1,8-Liter- Turbodiesel mit Common-Rail-Direkteinspritzung und 115 PS.

Der Passagierraum macht qualitativ einen
sehr guten Eindruck und ist sauber verarbeitet. Nicht mehr ganz so originell wirkt
mittlerweile auch das Designer-Cockpit des Focus. Das Armaturenbrett ist aber aufgeräumt
und übersichtlich, der Fahrer findet sich problemlos beim Fahren zurecht. Gut, die Tasten
für die Klimaautomatik und die Heckscheibenheizung liegen vielleicht etwas tief, aber
deren Einstellungen kann man ja auch vor der Fahrt vornehmen. Die Übersicht rund ums
Fahrzeug ist gut, eine Einparkhilfe ist aber als Sonderausstattung verfügbar.

Angenehm straff und gut konturiert sind die
stoffbezogenen Sportsitze vorn. Leider sind sie nicht höhenverstellbar, die Sitzposition
ist etwas hoch. Platz haben die Frontpassagiere reichlich, auch hinten ist zumindest der
Knieraum üppig. Kunststück, ist der Focus Turnier doch mit seinen 4,45 m Länge eine
wahre Größe bei den Kompaktklasse-Kombis. Nur die Ellenbogenfreiheit ist bei drei
Fondpassagieren etwas eingeschränkt.
Über mangelnde Ablageflächen können sich
die Frontpassagiere nicht beklagen: Handschuhfach, Fächer in den Türen,
Getränkedosenhalter sowie ein Brillenfach in der Mittelkonsole bieten viele
Möglichkeiten. Den Fondpassagieren stehen lediglich Getränkedosenhalter in der
Mittelkonsole sowie Kartentaschen in den Vordersitzrücklehnen zur Verfügung. Nur in
einem Ausstattungspaket (Space-Paket) oder in den Ausstattungslinien Ghia bzw. Ghia
Exclusiv (hier als Serienausstattung) ist eine Mittelarmlehne mit Ablagefach für die
Rückbank zu haben.

Der Focus Turnier hat so ziemlich den
größten Laderaum aller Kompaktklasse-Kombis, was aber bei seiner Karosserielänge kein
Kunststück ist. Gute 520 Liter sind es unter der Laderaumabdeckung. Eher rechteckig
geschnitten lässt er sich auf einer Breite von 1,16 m und eine ebene Fläche über die
niedrige Ladekante sehr schön beladen. Bis zu 1.580 Liter Ladung können bei umgeklappter
Rückbanklehne dachhoch hinter den Vordersitzen verstaut werden. Die Rückbanklehne ist
asymmetrisch geteilt umklappbar. Eine Laderaumabdeckung hat Ford dem Turnier als
Serienausstattung mitgegeben, ein Sicherheitstrennnetz zum Schutz der Frontpassagiere bei
Bremsungen mit größerer Beladung gibt es aber in allen Ausstattungslinien nur gegen
Aufpreis.
Der 1,8-Liter-Duratorq-TDCi-Motor brabbelt
noch etwas vor sich hin, solange er kalt ist. Warm gelaufen und auf Touren glänzt er mit
seiner für einen Diesel ungewöhnlichen Laufruhe. Im Antritt ist der Motor o.k., unter
1.500 U/min. noch etwas schwach auf der Brust, aber dann laufen die 115 Pferdchen ganz
gut, kultiviert und vibrationsarm. Sein maximales Drehmoment von 250 Nm liegt ja auch
schon bei 1.850 U/min. an, da mangelt es schon früh nicht an Durchzugsvermögen. Der
Focus überträgt die Motorkraft über ein manuelles Fünfganggetriebe auf die
Vorderräder.

Eine Beschleunigung aus dem Stand auf Tempo
100 in 10,6 Sekunden ist für einen Turbodiesel nicht schlecht. Auch die
Höchstgeschwindigkeit von 196 km/h sind bei modernen Selbstzündern klassenüblich. Im
Verbrauch gibt er sich auf gleichmäßig zu fahrenden Strecken sparsam: 5,4 Liter Diesel
je 100 km im gemischten Verbrauch nach EU-Norm, 4,4 Liter außerorts, allerdings doch
recht stattliche 7,2 Liter im Stadtverkehr (alles Herstellerangaben). Der Motor erfüllt
die Abgasnorm Euro 3.
Für ausreichend Haftung auf dem Asphalt
sorgen 195/60er Reifen auf 15-Zoll-Leichtmetall-Rädern. Die Bremsen (Scheibenbremsen
rundum, vorne innenbelüftet) mit ABS, elektronischer Bremskraftverteilung und
Bremsassistent sprechen gut an und verzögern wirkungsvoll und prompt.
Die Lenkung ist recht direkt ausgelegt und
vermittelt guten Kontakt zur Straße. Zielgenau und präzise folgt der Kombi den
Lenkbefehlen des Fahrers. Im unteren Drehzahlbereich wirkt die Lenkung allerdings doch ein
bisschen schwerfälliger.

Nahezu problemlos und neutral ist sein
Fahrverhalten. In schnellen Kurven neigt er zum Untersteuern, allerdings ist er in seiner
Abstimmung vor allem auf Beladung ausgelegt: Ohne Gepäck im Laderaum wird in zu schnellen
Kurven das Heck etwas leicht. Aber auch hier bleibt er beherrschbar und überfordert den
Fahrer nicht, sofern dieser den Gasfuß nicht zu sehr ausreizt. Plötzliche Spurwechsel
meistert der Fronttriebler gutmütig und solide und schert ebenso präzise wieder auf die
alte Spur zurück. Dabei ist der Focus Turnier eher straff abgestimmt, aber immer noch gut
davon entfernt, unkomfortabel zu sein.
Schutz für die Insassen gewähren die
Sicherheitsfahrgastzelle mit Seitenaufprallschutz, Front- und Seitenairbags für die
Frontpassagiere sowie Drei-Punkt-Gurte und Kopfstützen auf allen fünf Plätzen. Die
mittlere Kopfstütze hinten gibt es allerdings nur in den Ghia-, Ghia-Exklusiv- und
Futura-Modellen ohne Aufpreis. Elektrische Fensterheber vorne sind Grundausstattung,
hinten (und das im Familienauto Kombi) nur als Sonderausstattung zu haben. Lediglich in
den Ausstattungen Ghia und Ghia Exklusiv sind die hinteren Fensterheber serienmäßig
elektrisch. Isofix-Kindersitzvorrüstungen sind nicht verfügbar. Die Laderaumabdeckung
ist Serie, ein Sicherheitstrennnetz gibt es nur gegen Aufpreis. Den Fahrer unterstützen
im Notfall Sicherheitsfeatures wie ABS, elektronische Bremskraftverteilung mit
Bremsassistent, die Antriebsschlupfregelung und ESP.

Den Ford Focus Turnier bekommt man in der
Basisversion ab 15.500 Euro mit 75-PS-Ottomotor bzw. ab 16.925 Euro mit 75-PS-Turbodiesel.
Der 115 PS starke Common-Rail-Turbodiesel ist das Topmodell der Selbstzünder und ab 20.300 Euro ab Ausstattungslinie der sportlichen Trend-Ausstattung
zu haben. Dafür gehören elektrisch einstellbare und beheizbare Außenspiegel,
elektrische Fensterheber vorn, Zentralverriegelung, getönte Wärmeschutzverglasung und
die Dachreling sowie ab der sportlichen Ausstattung Trend Sportfahrwerk,
Lederlenkrad und Titan-Look-Dekor an Armaturenbrett, Schalthebelknauf und Türen zur
Serienausstattung. Das Editionsmodell Futura steht ab 20.750 Euro in der Preisliste. Die
Serienausstattung des Futura umfasst zusätzlich zur Trend-Ausstattung das Audiosystem
4000 (mit Radio und Cassette), Klimaanlage, Funkfernbedienung für die
Zentralverriegelung, Sportsitze vorn, Nebelscheinwerfer und Leichtmetallräder. Aufpreis
kosten die Uni-Lackierung Colorado-Rot, Klimaautomatik und Bordcomputer, das Audiosystem
6006 mit Radio und CD-Wechsler, das Sicherheitstrennnetz für den Gepäckraum,
Nebelscheinwerfer, das elektrische Schiebedach aus getöntem Sicherheitsglas sowie eine
Antriebsschlupfregelung und ESP.
Die Versicherungen stufen den Focus Turnier
in die Typklassen 16 / 19 / 32 (KH / VK / TK). Ford gibt zwei Jahre Gewährleistung auf
das Fahrzeug, zwölf Jahre gegen Durchrostung sowie eine einjährige Mobilitätsgarantie
fast europaweit. Die Ölwechselintervalle ebenso wie Sicherheitskontrollen laufen über
15.000 km, Inspektionsintervalle über 45.000 km. |