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Anfang 2008 wurde
die zweite Generation des Ford Focus einem Facelift unterzogen. Zu
dem Zeitpunkt kam ein LPG-Focus (Flüssiggas-Antrieb)
neu ins Programm, einen Focus mit Erdgas-Antrieb (CNG) gab es auch
vor dem Facelift schon. Im Test hatten wir das Modell bislang zum Marktstart
der zweiten Generation 2004, als Flexi
Fuel Vehicle FFV und als Focus
ST 2006 sowie mit Flüssiggas
(LPG Liquified Petroleum Gas) vor einigen Monaten. Damit erübrigt
es sich hier, näher auf Innenraum, Ausstattung oder Fahrwerk und
Sicherheit einzugehen, sofern es nicht den Antrieb tangiert.
Erdgas
(CNG) ist leichter als Luft und wird in komprimierter Form bei einem
Betriebsdruck von etwa 200 bar gespeichert. Flüssiggas
ist auch bekannt als Autogas. Es entsteht als Nebenprodukt
bei der Erdöl- oder Erdgasgewinnung, vor allem aber als
Raffinerie-Nebenprodukt. Flüssiggas ist ein Gemisch aus Propan
und Butan, im gasförmigen Zustand schwerer als Luft und wird
bereits unter sehr geringen Druck (ca. 8 bar) flüssig.
Ökologisch
gesehen macht die Umrüstung auf komprimiertes Erdgas (CNG
Compressed Natural Gas) mehr Sinn als die Umrüstung auf Autogas (Flüssiggas),
da dieses ein brennbares, ungiftiges Naturprodukt ist
(Hauptbestandteil Methan). Aber dank geringerer Umbaukosten bei
gleicher Mineralölsteuer-Begünstigung (bis 2018) hat LPG vor allem
auf der Kostenseite enorme Vorteile. Auch ist das Tankstellennetz für
komprimiertes Erdgas nicht so dicht wie das für Flüssiggas (CNG
815 : LPG 4530, Stand 27. November 2008, Quelle: www.gas-tankstellen.de),
aber die Zahl der Zapfsäulen steigt stetig.
Erdgas-Fahrzeuge
werden übrigens auch von lokalen Energieversorgern gefördert.
Allerdings – je nach Bedingungen – nur Fahrzeuge, die vom
Hersteller umgerüstet wurden (keine nachträglich Umrüstung), für
Kunden des jeweiligen Energieversorgers und solange der Fördertopf
für das jeweilige Jahr reicht (in Duisburg 2008 zum Beispiel für
die ersten 30 Fahrzeuge). Die Förderung wird in Form eines
Einkaufsgutscheins für Erdgas ausgezahlt, der Energieversorger will
ja auch was davon haben!
Längere
Fahrten mit einem Erdgas-Fahrzeug plant man wegen des
Tankstellennetzes besser im Vorfeld – zum Beispiel im Internet
unter http://www.erdgasfahrzeuge.de/tankstellen-finden.html,
wo man sich gleich nach den geeigneten Tankstellen umsehen kann.
Hier gibt es neben einer Umkreissuche auch einen Routenplaner. Natürlich
gibt es Tankstellenpläne oder einen Erdgastankstellen-Atlas auch in
gedruckter Form, aber für die Routenplanung macht – wenn verfügbar
– die Online-Suche Sinn, wobei aber ein zusätzlicher aktueller
Tankstellen-Atlas im Auto auch nicht schadet!
Vor
unserer Fahrt von Duisburg nach Berlin haben wir online an der
Strecke nach günstig gelegenen Erdgas-Tankstellen gesucht. Nicht zu
weit sollten sie von der Autobahn entfernt liegen und möglichst
unkompliziert zu erreichen sein. Die beiden ersten angesteuerten
Tankstellen in Rheda-Wiedenbrück und Glindow waren zwar einigermaßen
einfach zu finden, aber gut doppelt so weit von der Autobahn
entfernt wie angegeben. Bei der dritten Tankstelle in Peine war
Abfahrt von der Autobahn nicht ganz so einfach (eine ordentliche
Karte im Auto wäre mir jetzt lieber gewesen), aber auch sie war
leicht zu finden. Ausreichend Zeit fürs Tanken sollte man also
einplanen! Erdgastankstellen befinden sich nämlich in aller Regel
jenseits der Autobahn. – Und es macht Sinn, Adressen zu haben, die
man ins Navi eintippen kann!

Überwiegend außerorts
unterwegs, mit eher kurzen Abstechern abseits der Autobahn, ein
wenig Stadtverkehr in Duisburg und Berlin: So kamen wir mit einem
Durchschnittsverbrauch von ca. 4,7 kg je 100 km Fahrtstrecke hin.
Getankt wurde überwiegend H-Gas, nur eine Tankfüllung von 14,5 kg
(der Tank war noch nicht leer!) war L-Gas. Das macht für die ca.
580 km der Hinfahrt und 570 km der Rückfahrt einen Verbrauch von
etwa 53 kg Erdgas, was sich selbst bei einem Preis von 99,9 Cent für
1 kg H-Gas auf knappe 53 Euro addiert. Das lässt sich weder mit
einem Billigflieger (mit viel Glück 29 Euro für eine Strecke –
ohne Fahrt zum/ab Flughafen) noch mit Angeboten der Bahn toppen.
Einmal
Volltanken für 16 oder 17 Euro, da lacht das Autofahrer-Herz. Die
Erdgas-Kombitanks – ein Erdgaszylinder unterm Wagenboden sowie
vier Erdgaszylinder in der Reserveradmulde – haben ein
Fassungsvermögen von ca. 17 kg. Die Tankfüllung hängt auch ein
bisschen davon ab, mit welchem Druck das Gas eingefüllt wird: Je
mehr Druck, desto mehr geht in den Tank. Der Laderaum ist nicht
kleiner (Focus Drei- oder Fünftürer 396 – 1.258 Liter, Turnier
503 – 1.546 Liter), allerdings ist die für den normalen Focus
verfügbare Option von Reserve- oder Notrad hier natürlich nicht möglich.
Der CNG-Focus verfügt nur über das serienmäßige
Reifen-Reparatur-Set. Die gefüllten CNG-Tanks ergeben ein
Mehrgewicht von etwa 100 kg. Der Zugang zum Tank befindet sich
direkt über dem Tankstutzen für den Benzintank.
Der
Focus CNG ist ein bivalentes Fahrzeug, das heißt: Neben den
Vorrichtungen für den Erdgasbetrieb hat er auch einen Benzintank.
Ein Fahrzeug, welches nur auf Erdgasbetrieb ausgelegt ist, heißt
monovalent. Bivalente Fahrzeuge haben den Vorteil, dass sie immer
noch fahren, wenn der Erdgastank leer ist. Ähm ja, zumindest
solange noch Benzin im Tank ist ... – Man sollte also drauf
achten, dass man nicht mit zwei leeren Tanks liegen bleibt!
Umgeschaltet wird nach Ende des Erdgas-Vorrats automatisch, man kann
aber auch von Hand von Erdgas auf Benzin – oder umgekehrt –
schalten.
Der
2-Liter-Benzinmotor leistet im Benzinbetrieb 145 PS und im
Erdgasbetrieb 126 PS, da Erdgas eine etwas geringere Energiedichte
hat als Benzin. Er hängt gut am Gas, im Benzin- wie im
Erdgasbetrieb. Antritt und Durchzugsvermögen sind ordentlich, egal
was als Kraftstoff gerade durch die Brennräume fließt.
Unterschiede sind eher minimal. Die Leistungsentfaltung ist über
das ganze relevante Drehzahlband ordentlich und bei über 1,4 t
Leergewicht angemessen souverän. Sein maximales Drehmoment von 185
Nm liegt zwar erst bei 4.500 Touren an, aber auch bei niedrigeren
Drehzahlen zieht der Motor ganz ordentlich. Dabei läuft er ruhig
und vibrationsarm.
Das
manuelle Fünfgang-Schaltgetriebe schaltet sich leichtgängig und präzise.
Die Getriebeübersetzung ist recht kurz, was mehr einem
temperamentvollen Vortrieb denn besonderer Kraftstoffökonomie
dient. Der Wagen steht auf 16-Zoll-Leichtmetallrädern mit Reifen im
Serienformat 205/55.
Ford gibt mit
H-Gas eine Reichweite von ca. 290 km an. Der konventionelle Tank mit
55 Litern Fassungsvermögen ist auch noch an Bord, mit ihm ist eine
Reichweite von 770 km möglich (auf Basis des gemischten Verbrauchs
nach EU-Norm von 7,1 Liter Superkraftstoff je 100 km). Das addiert
sich im gemischten Verbrauch auf eine Reichweite von 1.060 km –
bei sensiblem Umgang mit dem Gaspedal, versteht sich.

Für die
Beschleunigung von Null auf 100 km/h braucht er im Benzinbetrieb 9,2
Sekunden, Daten für den Erdgasbetrieb liegen nicht vor. Seine Höchstgeschwindigkeit
erreicht er im Benzinbetrieb bei 206 km/h, im Erdgasbetrieb bei 196
km/h. Im Benzinbetrieb verbraucht der Focus 9,8 Liter
Superkraftstoff je 100 km innerorts, 5,4 Liter außerorts und 7,1
Liter im gemischten Verbrauch nach EU-Norm. Im Erdgasbetrieb
verbraucht er 8,8 kg je 100 km im Stadtverkehr, 4,2 kg außerorts
und 5,9 kg im gemischten Verbrauch nach EU-Norm (alles
Herstellerangaben, ermittelt unter Idealbedingungen auf dem Rollenprüfstand).
Die CNG-Verbrauchswerte wurden mit H-Gas ermittelt. Im Test
erzielten wir mit H-Gas deutlich höhere Reichweiten: Gute 330 bis
350 km waren es gegenüber etwa 290 km mit L-Gas. Hierbei handelt es
sich weitgehend um Außerorts-Verbrauch, die Zahl ist also nicht
gleichzusetzen mit den 290 km Reichweite, die Ford für den
kombinierten Verbrauch nach EU-Norm angibt. Das ist eine ganze Menge
und spricht für das Tanken von H-Gas, auch wenn es teurer ist.
Allerdings haben die Tankstellen nur entweder – oder ... Der Motor
erfüllt die Abgasnorm EU4, der CO2-Ausstoß beträgt 151 g pro km
im Erdgas-Betrieb und 169 g / km im Benzinbetrieb.
Ab
16.000 Euro ist ein Focus-Fünftürer zu haben, in der
Basisausstattung Ambiente mit 1,4-Liter-Benzinmotor (80 PS).
Der 2-Liter-Benziner, der Grundlage ist für unser CNG-Fahrzeug,
steht ab 20.500 Euro in der Ausstattung Style (Editionsmodell) in
den Preislisten. Diese Ausstattung ist auch Grundlage unseres
Erdgas-Focus, der Umbau durch die Ford-Tochter CNG-Technik kostet
3.275 Euro.
In
den ersten zwei Jahren greift neben den gesetzlichen zwei Jahren
Sachmängelhaftung eine zweijährige Hersteller-Garantie. Zwölf
Jahre gewährt Ford auf die Karosserie gegen Durchrostung. Zwei
Jahre ab Erstzulassung gibt es die Ford-Assistance-Mobiltitätsgarantie.
Für das dritte bis fünfte Jahr kann man gegen Aufpreis einen
Garantie-Schutzbrief inkl. Mobilitätsgarantie erwerben. Zum Ölwechsel
muss der 2-Liter-Focus alle 20.000 km (oder einmal im Jahr), zur
Inspektion alle 40.000 km oder alle zwei Jahre. Die Versicherungen
stufen das Modell in die Typklassen 13 / 18 / 17 (KH
/ VK / TK) ein.
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