
Im Test hatten wir bereits einen Focus C-Max mit 2-Liter-Ottomotor, jetzt stand uns für
eine Ausfahrt der Focus C-Max CNG zur Verfügung. CNG steht für Compressed
Natural Gas, was so viel bedeutet wie komprimiertes Erdgas (also kein Flüssiggas!). Wie
auch andere Hersteller bietet Ford einige seiner Modelle (Focus und Transit) mit einem
solchen Erdgas-Antrieb an, genauer gesagt als Umrüstung. Erdgasfahrzeuge gibt es entweder
monovalent (also mehr oder weniger reiner Erdgas-Antrieb mit maximal einem Nottank) oder
bivalent (mit zusätzlichem Benzintank, wie bei Ford). Die Markteinführung des Focus
C-Max CNG soll noch in diesem Sommer sein.

Der Ford Focus C-Max CNG ist ein
bivalentes Fahrzeug. Ein Schalter zwischen den Vordersitzen, neben der elektronischen
Parkbremse, ermöglicht das Umschalten des Motors von Erdgas- auf Benzinbetrieb und
umgekehrt. Der aus Mondeo, Focus und C-Max bekannte 1,8-Liter-Duratec-HE-Motor fährt im
Erdgas-C-Max sowohl mit Erdgas als auch mit Superkraftstoff. Der Motor ist speziell für
den Erdgasbetrieb modifiziert worden. Im Benzinbetrieb leistet er 125 PS (statt bisher 145
PS). Im Erdgasbetrieb verliert etwa 10 Prozent an Leistung und liegt bei 110 PS. Das
maximale Drehmoment sinkt im Erdgasbetrieb von 165 Nm (bei 4.500 U/min.) auf 148 Nm (bei
4.800 U/min.). Zwar ist der Unterschied im Fahrbetrieb durchaus spürbar, aber dennoch ist
der C-Max auch mit Erdgas-Antrieb und 110 PS flott unterwegs und leistet sich keinerlei
Durchzugsschwächen. Leistung in über das ganze relevante Drehzahlband ausreichend
verfügbar. Bei der Verbrennung spürt man kaum einen Unterschied zwischen Erdgas- und
Benzinbetrieb: in beiden Modi läuft der Motor ruhig und relativ vibrationsarm.
Serienmäßig gibt es den Focus C-Max CNG mit dem Fünfgang-Schaltgetriebe des
konventionellen Benziners.

Neben dem normalen
55-Litern-Kraftstofftank sind unterm Gepäckraumboden drei Erdgastanks (drei
Stahldruckflaschen à 27 Liter = 14,5 kg
Erdgas) untergebracht. Die Erdgas-Ausstattung erhöht das Leergewicht des Wagens um 104 kg
auf 1.387 kg. Durch die eingebauten Erdgastanks verringert sich das Laderaumvolumen von
460 auf ca. 290 Liter. Bei ausgebauter hinterer Sitzreihe stehen bis zu 1.450 Liter (statt
1.620 Liter) zur Verfügung.
Für die Beschleunigung aus dem Stand
auf 100 km/h braucht der C-Max CNG im Benzinbetrieb 10,8 Sekunden, im Erdgasbetrieb ca.
eine Sekunden mehr. Seine Höchstgeschwindigkeit erreicht er im Benzinbetrieb bei 193 km/h
und im Erdgasbetrieb bei 180 km/h. Im Benzinbetrieb verbraucht der Motor 7,1 Liter
Superbenzin je 100 km (gemischter Verbrauch nach EU-Norm), im Erdgasbetrieb ca. 5,6 kg
oder 8,5 Kubikmeter Erdgas je 100 km (alles Herstellerangaben). Das reicht für eine
Strecke von 720 km im Benzinbetrieb sowie zusätzlichen bis zu 250 km im Erdgasbetrieb.
Verbrauch und Reichweite richten sich nach der Erdgasqualität, Fahrweise sowie Straßen-
und Verkehrsverhältnissen. Der Motor erfüllt die Abgasnorm EU4 sowohl im Erdgas- als
auch im Benzinbetrieb. Im Erdgasbetrieb läuft der Motor noch ein wenig sauberer als im
Benzinbetrieb.

Der frontgetriebene C-Max gibt sich im
Handling sehr agil und glänzt mit gutem Geradeauslauf. Die reibungsoptimierte
Zahnstangenlenkung verfügt serienmäßig über eine elektrohydraulische
Lenkkraftunterstützung (EHPAS). Sie ist recht direkt ausgelegt und setzt präzise die
Anweisungen des Fahrers um. Enorm wendig, um nicht zu sagen sehr handlich ist er trotz
seiner Größe bei normaler Fahrt wie beim Rangieren. Da kommen fast schon sportliche
Fahrgefühle auf.
Nicht ganz so sportlich wirkt die eher
komfortabel ausgelegt Feder-Dämpfer-Abstimmung, die sich in einer recht deutlichen
Seitenneigung in den Kurven nicht gerade positiv bemerkbar macht. Fahrwerk und Lenkung
geben dennoch eine gute Rückmeldung über den Zustand der Fahrbahn. Sehr agil gibt sich
der 1,4 t schwere Van im Handling. Nur sehr leichtes Untersteuern bei allerdings
deutlicher Seitenneigung kennzeichnen seine Spur in besonders flott gefahrenen Kurven.
Sein Fahrverhalten kann als problemlos, sehr handlich und für sportlich ambitionierte
Fahrer einfach spaßig bezeichnet werden. Plötzliche Spurwechsel und das folgende
Wiedereinscheren absolviert er neutral und sicher, sauber zieht er auch beim schnelleren
Slalom seine Linie. An Fahrwerksregelsystemen und -assistenten hat Ford dem C-Max alles
mitgegeben, was heutzutage in der Kompaktklasse üblich ist, obwohl das Fahrwerk auch ohne
elektronische Helfer schon sehr hohe Sicherheitsreserven bietet.
Die ausreichend groß dimensionierten
Bremsen (Scheibenbremsen rundum, vorne innenbelüftet) sind leistungsfähig und verzögern
schnell und wirkungsvoll. Die Elektronische Parkbremse EPB ist auf Knopfdruck vom
Mitteltunnel aus zu bedienen und greift automatisch beim Abziehen des Zündschlüssels.
Für die Sicherheit seiner Passagiere
hat Ford dem Focus C-Max eine besonders robust ausgelegte Fahrgastzelle aus hochfestem
Stahl sowie verstärkten Quer- und Längsstreben mit exakt definierten, Aufprallenergie
abbauenden Lastpfaden im Fahrzeugunterboden und in den Karosserieflanken sowie
Seitenaufprallschutz mitgegeben. Das Intelligente Sicherheits-System IPS (Intelligent
Protection System) umfasst unter anderem Front- und Seitenairbags für Fahrer und
Beifahrer, Kopf-Schulter-Airbags vorne und hinten sowie Drei-Punkt-Sicherheitsgurte und
Kopfstützen auf allen fünf Plätzen sowie Sicherheitspedale und eine
Sicherheitslenksäule. Im EuroNCAP erhielt der Focus C-Max jeweils vier Sterne in den
Kategorien Insassenschutz und Kindersicherheit. Den Fahrer unterstützen Assistenzsysteme
wie ABS mit Elektronischer Bremskraftverteilung, Bremsassistent und ESP mit
Antriebsschlupfregelung.
Preise werden erst zur Markteinführung
bekannt gegeben. Der Ford-Händler gibt auch für das Fahrzeug der Ford-Tochter
CNG-Technik GmbH eine zweijährige Ford-Partner-Garantie auf Basis der gesetzlichen
Sachmängelhaftung. Zwölf Jahre Garantie gibt es gegen Durchrostung. Eine
Mobilitätsgarantie gibt Ford für zwei Jahre ab Erstzulassung. Gegen Aufpreis können
Ford Partner Garantie und Mobilitätsgarantie bis zum fünften Jahr verlängert werden
(Ford Protect Garantie-Schutzbrief plus). Alle 60.000 km muss der Erdgas-C-Max zur
Inspektion, alle 20.000 km oder einmal im Jahr sind Ölwechsel und Sicherheitskontrolle
nötig.
Erdgasfahrzeuge kosten in ihrer
Anschaffung oder vielmehr Umrüstung zwar mehr als Benzin- oder Dieselfahrzeuge, aber
dafür ist Erdgas an der Tankstelle steuerlich begünstigt und damit sehr viel billiger.
Erdgas kostet zur Zeit etwa 70 Cent pro Kilogramm, das entspricht einem Benzinpreis von
0,47 Euro pro Liter oder einem Dieselpreis von 0,54 Euro. Zudem wird von einigen
regionalen Erdgasunternehmen die Anschaffung eines Erdgasfahrzeugs mit bis zu 2.500 Euro
meist in Form von Tankgutscheinen gefördert.
Mittlerweile gibt es in Deutschland ca.
580 Erdgastankstellen (Stand Ende Juni), in zwei Jahren sollen es knappe 1.000 sein.
Informationen zum Fahren mit Erdgas, zu Tankstellen in Deutschland und dem Tanken in
Europa, zur Förderung von Erdgas-betriebenen Fahrzeugen sowie zum Fahrzeugangebot findet
man im Internet unter www.erdgasfahrzeuge.de.
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