| Von der lang
gezogenen Motorhaube mit den weichen Wölbungen bis hin zum Heckabschluss mit den kecken
Rundungen ist Fiat Barchetta schon was fürs Auge. Erinnerungen an die alten
Spider-Modelle aus Turin werden wach. Aber hält der aufregende Italiener auch, was er
verspricht? Wir testeten einen Barchetta Riviera in Stahlgrau metallic mit rotem Verdeck.
Ausgestattet ist der Roadster in allen Ausstattungsvarianten mit einem 1,8-Liter-Motor mit
131 PS. Neben der Basisausstattung gibt es zurzeit zwei Sondermodelle: Riviera und Lido.

Sitzriesen dürfen die Passagiere nicht
sein: Dann kriegen sie im geschlossenen Barchetta Probleme. Normal Gewachsene finden auf
den straffen Leder-Sportsitzen ausreichenden Platz. Sitze, Lenkrad, Schaltknauf und
Türverkleidungen sind mit Leder bezogen. Die Cockpitverkleidung passend in rotem und
alufarbigem Kunststoff. Das Ganze ist gut verarbeitet, auch die Materialqualität stimmt.
Das PVC-Verdeck ist beim Riviera farblich auf das Interieur abgestimmt. Die austauschbare
Heckscheibe ist sommer- und sonnentauglich aus Metacrylat.
Einfach und puristisch ist die
Cockpitgestaltung: kein Element zuviel stört das fast schon englische Roadster-Feeling
des "Mehr muss einfach nicht". Die wenigen Schalter und Anzeigen sind alle in
Griffweite und gut einsehbar, zumindest bei Fahrern meiner Größe. Das Lenkrad ist
nämlich nicht höhenverstellbar. Ein Stilbruch ist allerdings angesichts des analogen
Kilometerzählers die Digitaluhr auf der Mittelkonsole. Funkfernbediente
Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber, elektrisch einstellbare Außenspiegel und
Windschott hat der Barchetta Riviera ab Werk. Trotz Windschott zieht es aber trotzdem ganz
schön. Eine Klimaanlage kostet Aufpreis.
Leider gibt es kaum Ablagefächer und
auch kein Handschuhfach, nur ein abschließbares Fach auf dem Getriebetunnel zwischen den
Sitzen sowie Taschen in den Türen und hinter den Sitzen. Sie bieten aber alle keinen
großen Stauraum. Da hilft eigentlich nur: so wenig Handgepäck wie möglich!
Das Verdeck verschwindet bei trockenem
Wetter praktisch und ohne Komplikationen unter einer manuellen Verdeckklappe. Dass man die
Verdeckklappe schon mal auf beiden Seiten zum Einrasten festdrücken muss, fällt eher
unter den südländischen Charme des Italieners als dass man es als ärgerlich empfindet.
Der Kofferraum nein,
"Koffer" ist übertrieben , der Laderaum fasst 165 Liter: Roadster-Größe
halt. Mit seiner verhältnismäßig großen Tiefe bei dafür etwas weniger Höhe ist er
aber gut nutzbar. Nur die hohe Ladekante der Kofferraumdeckel sitzt ja wirklich
fast oben auf erschwert das Ein- und Ausladen schwerer Gegenstände. Aber
Transporte sind ja nun wirklich keine Aufgabe für einen Roadster.

Das Fahren ist das Wichtigste: Der Weg
ist das Ziel. Und hier hat die Barchetta wirklich was zu bieten. Der 1,8-Liter-Motor mit
131 PS ist für einen Roadster mit einem Leergewicht von 1.135 kg absolut ausreichend. Er
tritt kräftig an, zieht über den gesamten Drehzahlbereich sehr gut durch. Dank der
knackig kurzen Getriebeübersetzung nimmt er auch schaltfaules Fahren nicht übel. Er
läuft vibrationsfrei, macht sich dafür aber vor allem offen akustisch
bemerkbar, ohne jedoch unangenehm zu sein.
In 8,9 Sekunden spurtet er von Null auf
Tempo 100, bei 200 km/h erreicht er seine Höchstgeschwindigkeit. Das sind sportliche
Fahrleistungen, die für einen Roadster zumal offen gefahren schon an der
Grenze dessen liegen, was man sich erlauben sollte, denn es wird windig und laut. Die
Windgeräusche drängen das sportliche Brummen des Motors in den Hintergrund.

Sportlich ist auch der Verbrauch: 11,8
Liter Superbenzin auf 100 km im Stadtverkehr ist fast schon unanständig. Die langsame
Fahrt durchs Dorf zum Gesehen werden geht damit einfach ins Geld. Besser und billiger ist,
die Qualitäten des Bötchens in freier Wildbahn auszutesten: Über Land ist er um einiges
genügsamer mit 6,6 Litern auf 100 km, im gemischten Verbrauch nach EU-Norm kommt er auf
8,5 Liter (alles Herstellerangaben).
Die Schaltung ist super kurz und knackig,
dass es die wahre Freude ist, den Hebel zu führen. Präzise ist auch die Lenkung, der der
Wagen zielgenau folgt. Auch hier kommt Freude auf. Leichtgängig in unteren
Drehzahlbereich ermöglicht sie auch passgenaues Einparken. Nur mit geschlossenem Verdeck
lässt die Rundumsicht in der kompakten 3,92 m langen, 1,64 m breiten Karosserie hinten
etwas zu wünschen übrig. Tadellos verzögern die Bremsen (Scheibenbremsen rundum, vorne
innenbelüftet) und bringen den Spider schnell und spurtreu zum Stand.

Gut liegt der Barchetta auf der Straße.
Er ist kein virtuoser Kurvenkünstler, sondern eher teutonisch solide und sicher. Im
Ernstfall untersteuert der Fronttriebler in zu schnellen Kurven ganz leicht, lässt sich
aber auch mit hohem Tempo problemlos durch enge und schnelle Kurven ziehen. Die relativ
breiten 195/55er Reifen bieten ausreichend Traktion in jeder Situation.
Die Federung ist sportlich-hart, die
Dämpferabstimmung lässt aber dennoch nicht jede Bodenunebenheiten in den Innenraum
durchdringen. Da wird auch das offen Fahren auf weniger guten Straßen (aber bitte keine
Schlaglöcher) zum Genuss.
Die serienmäßige Sicherheitsausstattung
ist vollständig mit Verstärkungen in der Karosserie, Verstärkungsprofile in den Türen,
Überrollbügel in der Windschutzscheibe, ABS und Servolenkung, elektronischer
Wegfahrsperre, Drei-Punkt-Sicherheitsgurte mit Gurtstraffern sowie Fahrer- und
Beifahrerairbag (mit Schlüssel deaktivierbar). Seitenairbags gibt es bislang für diese
Sportsitze nicht.

Das Basismodell des Barchetta kostet
38.900 Mark. Das fast identisch ausgestattete Sondermodell Lido (hier kostet das ansonsten
serienmäßige Radio extra, aber Lenkrad und Schaltknauf sind ohne Aufpreis
lederummantelt) ist schon für 35.390 Mark zu haben. Der Preisvorteil beträgt bei
identischer Ausstattung 3.290 Mark.
Der Barchetta Riviera ist umfangreicher
ausgestattet und kostet 39.590 Mark. Dafür gibt es über die Basisausstattung hinaus vier
15-Zoll-Leichtmetallräder im Turbinenschaufeldesign, Windschott, Innenausstattung in
Leder, Nebelscheinwerfer, eine automatische Radioantenne sowie elektrisch einstellbare
Außenspiegel und funkfernbediente Zentralverriegelung. Aufpreis hat bei unserem Testwagen
lediglich die Metallic-Lackierung gekostet (550 Mark). Eine Alarmanlage schlägt mit 510
Mark zu Buche, eine Klimaanlage mit 2.070 Mark und ein Hardtop in Wagenfarbe mit beheizter
Heckscheibe mit 3.000 Mark. Insgesamt bekommt man bei Fiat eine ganze Menge Roadster für
wenig Geld.

Fiat gewährt ein Jahr Garantie auf den Wagen ohne
Kilometerbegrenzung, ein Jahr Mobilitätsgarantie, drei Jahre auf den Lack und 8 Jahre
gegen Durchrostung. Die Wartungsintervalle liegen bei 20.000 km. Bei den
Versicherungsklassen ist der Barchetta allerdings recht hoch eingestuft: 15 / 29 / 34 (KH
/ VK / TK). |