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Etwas merkwürdig sieht der Daihatsu
Cuore ja immer noch aus: Superkurze Überhänge bei einer kantigen, fast kastigen
Karosserie charakterisieren auch die sechste Generation des nur 3,41 m langen Japaners.
Seit 1981 ist das "Herzchen" (ital. "cuore" heißt Herz) auf dem
deutschen Markt, seit dem Frühjahr 2003 mit der aktuellen Baureihe. Was der Wagen mit
seinem 1-Liter-Dreizylinder-Motor (58 PS) kann, davon überzeugten wir uns in einem
marsroten Dreitürer in der "Top"-Ausstattung.
Obwohl von außen ganz klein, ist er im
Innenraum recht groß. Bei gleicher Außenlänge ist die Passagierkabine 12 mm länger und
80 mm größer als beim Vorgänger, was auch dem um 50 mm verlängerten Radstand (2,375 m)
zu verdanken ist. Im dreitürigen Cuore erleichtert die Easy-Entry-Funktion am
Beifahrersitz den Zugang zur zweiten Reihe. Wer die Rückbank viel nutzen will sei
es für Passagiere oder Gepäck ist aber mit dem Fünftürer besser bedient. Auf
den straff gepolsterten, mit strapazierfähigem Stoff bezogenen Sitzen sitzt man nicht
unbequem, allerdings bieten sie in schnellen Kurven keinen ausreichenden Seitenhalt. Die
Sitzposition ist hoch, das verschafft eine gute Übersicht über Karosserie und näherer
Umgebung. Die großformatigen Außenspiegel links und rechts bieten einen großzügigen
Blick nach hinten.

Solange vorne keine großen Leute sitzen
ist auch die Kniefreiheit hinten gut. In der Breite haben sowohl vorne als auch hinten die
jeweils zwei Insassen reichlich Platz in dem 1,48 m breiten Fahrzeug. Das Leergewicht von
795 kg ergibt eine maximal erlaubte Zuladung von 405 kg, die den Laderaum von 157 Litern
(bis 421 Litern bei Umklappen der asymmetrisch geteilten Rückbanklehne) etwas
überfordern dürfte. Die Ladekante von 60 cm erleichtert das Einladen schwerer Kisten.
Die Heckklappe des 1,50 m hohen Kleinstwagens öffnet nicht so richtig weit hoch, groß
gewachsene Menschen müssen sich vorsehen.

Wie in jedem Kleinwagen ist die Dämmung
zum Motorraum nicht üppig, den Dreizylinder vernimmt man im Stadtverkehr ganz gut. Auf
der Autobahn übertönen ihn allerdings Windgeräusche. Das anthrazit-schwarze Interieur
ist schlicht und funktional gehalten, die spartanische Instrumentierung erleichtert die
Übersicht. Ablagen stehen den Frontpassagieren in ausreichender Anzahl zur Verfügung:
Handschuhfach, in den Türen, in der Mittelkonsole sowie zwei Getränkedosenhalter
ebenfalls in der Mittelkonsole. Die Fondpassagiere müssen sich mit einem Netz an der
Rückseite des Fahrersitzes (nur in der Top-Ausstattung) sowie einen Getränkedosenhalter
begnügen.

Zwei Ausstattungsvarianten stehen zur
Auswahl: die Basisversion "Plus" und die Komfortausstattung "Top". In
der Plus-Version verfügt der Cuore serienmäßig über Spiegel in beiden Sonnenblenden,
eine umlegbare Rückbanklehne sowie eine Radiovorbereitung mit Lautsprechern und
Dachantenne. In der Top-Version kommen Zentralverriegelung (leider nur von der Fahrertür
aus), elektrische Fensterheber vorne, elektrisch einstellbare Außenspiegel, Servolenkung
und eine geteilt umlegbare Rückbanklehne. dazu. Optional verfügte unser Testwagen noch
über einen höhenverstellbaren Fahrersitz inkl. Seitenairbags für die Frontpassagiere,
ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung, Klimaanlage und Leichtmetallräder

Der 1-Liter-Dreizylinder-Motor mit 58 PS
ist der einzige Antrieb für den Cuore. Der Motor verfügt über eine variable
Ventilsteuerung (DVVT), um möglichst hohen Durchzug bei niedrigem Verbrauch zu
ermöglichen. Für die neue Generation wurde der Zwölfventiler überarbeitet und leistet
jetzt 58 PS (vorher 55 PS). Mit 91 Nm liegt jetzt auch mehr Drehmoment an, allerdings wird
das Maximum erst bei 4.000 Touren erreicht (vorher 88 Nm bei 3.600 U/min.). Wer die
präzise und leichtgängige manuelle Fünfgang-Schaltung eifrig nutzt, kann mit dem
Wägelchen auch ganz schön flott unterwegs sein, zumindest im Stadtverkehr. Auch auf der
Landstraße macht er keine schlechte Figur. Auf der Autobahn merkt man kaum, wie er
schneller wird 120, 130, 140, 150 oder 160: Die Windgeräusche bleiben gleich.
Allerdings kann er bei höherer Geschwindigkeit nur noch mäßig zulegen, aber dafür ist
er auch nicht gedacht. Es ist ein Stadtauto und als solches recht spaßig zu fahren. Schon
knapp unter 2.000 U/min. liegt ein mehr als ausreichendes Drehmoment an, um in der Stadt
bei regem Gebrauch der Schaltung zügig voran zu kommen. Dabei punktet der
Einliter-Benziner allerdings nicht gerade mit ruhigem und vibrationsarmen Lauf, aber das
ist bei einem Dreizylinder auch nicht zu erwarten, auch wenn sich die Ingenieure sehr viel
Mühe mit einem neuen Motorlayout und eine neuen Aufhängung gegeben haben, um Vibrationen
und Geräusche im Vergleich zum Vorgänger zu reduzieren.

Von Null auf Tempo 100 braucht er 12,2
Sekunden, bei eindrucksvollen 160 km/h (immerhin 20 km/h mehr als der Vorgänger) erreicht
er seine Höchstgeschwindigkeit. Das reicht für gutes Autobahntempo und auch für zügige
Überholmanöver, sofern man dafür nicht noch etwas schneller werden muss. Im Verbrauch
gibt er sich sehr manierlich und braucht dabei nur Normalbenzin: 6 Liter je 100 km
in der Stadt, 4,1 Liter außerorts und 4,8 Liter im gemischten Verbrauch nach EU-Norm
bei ökonomischer Fahrweise (alles Herstellerangaben). Im wenig ökonomischen
Testbetrieb mit Stadtverkehr und Autobahnfahrten (auch bei Geschwindigkeiten zwischen 140
und 160 km/h) verbrauchte er 5,9 Liter. Das gibt trotz eines Tankinhalts von nur 36 Litern
eine ganz ordentliche Reichweite. Der Motor erfüllt bereits die Abgasnorm EU4.

Der Cuore begeistert durch seine recht
direkte Lenkung. Die geschwindigkeitsabhängige Servolenkung ist bei niedrigen
Geschwindigkeiten leichter zu betätigen, bei höheren Geschwindigkeiten lässt sie für
gefühlvolles Lenken Spiel. Trotz des kurzen Radstandes kann man über den Geradeauslauf
auf ebener Straße auch nicht meckern.
Das Fahrwerk wurde von europäischen
Ingenieuren entwickelt. Für "knackig" ist etwas zu komfortabel ausgelegt, etwas
straffer wäre sicherer, aber da stellt sich natürlich die Frage, ob das nicht an der
Zielgruppe vorbei geht. Mit Karacho in die Kurve quittiert der Fronttriebler dank der
mitlenkenden Verbundlenker-Hinterachse nur mit einem leichten Untersteuern, aber dafür
umso mehr Reifenquietschen, weil die dünnen Reifen (13-Zoll-Felgen mit 165/65er Reifen)
die nötigen Seitenführungskräfte nur mühsam übertragen können und das Fahrzeug damit
eher gleichmäßig mit beiden Achsen zum Kurvenaußenrand schiebt. Dank der eher
komfortablen Fahrwerksauslegung neigt sich allerdings die Karosserie dabei sehr deutlich.
Beim schnelleren Slalom oder doppelten Spurwechseln bei höherem Tempo ist durch dieses
Nach-außen-driften beherztes Gegenlenken erforderlich, um den Wagen wieder auf Kurs zu
bringen. Mit einem etwas strafferen Fahrwerk wäre da noch eine gehörige Portion mehr
Spaß in flott gefahrenen Kurven drin, aber inwiefern das bei der Zielgruppe nötig oder
erwünscht ist, ... Bei normalen Stadttempo ist der Wagen aber einfach und problemlos zu
handhaben und neigt nicht zu tückischen Lastwechselreaktionen.

Die Bremsenanlage (Scheibenbremsen vorne,
Trommelbremsen hinten) ist nicht mehr der aktuelle Stand der Technik, ist aber in
Kleinwagen noch immer Praxis. Sie kann aber den nur knapp 800 kg schweren "Mini"
gut im Zaum halten. Die Bremsen sprechen gut an, der Bremsweg ist nicht nur für einen
Kleinstwagen ganz anständig. Sicher und spurtreu verzögern sie den kleinen Japaner auch
bei einer Vollbremsung.
Eine Aufprallenergie absorbierende
Sicherheitskarosserie mit verstärktem Seitenaufprallschutz schützt die Insassen im Falle
eines Unfalles. In Crashtests in Japan, die nach europäischen Normen durchgeführt
wurden, hat der Cuore gut abgeschnitten. In Deutschland ist er bislang noch nicht getestet
worden. Vier Kopfstützen (höhenverstellbar) und vier Drei-Punkt-Gurte (vorne mit
Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern) sowie Frontairbags stehen serienmäßig zur
Verfügung. Seitenairbags für die Frontpassagiere sind leider nur im Paket mit einem
höhenverstellbaren Fahrersitz zu haben. Motor und Getriebe verschwinden im Falle eines
Frontalcrashs in Richtung Fahrzeugunterboden. Die Sicherheitslenksäule knickt definiert
ein und dringt nicht in die Fahrgastzelle ein. Im Falle einer Vollbremsung schlägt das
Bremspedal nach dem Aufprall nicht in den Fahrgastraum zurück, sondern wird durch das
Rückhaltesystem an der Spritzwand festgehalten, um das Risiko von Fuß- und
Beinverletzungen zu minimieren. ABS gehört nicht zur Serienausstattung, ist aber immerhin
für alle Modelle gegen Aufpreis (in Verbindung mit einer Höhenverstellbarkeit des
Fahrersitzes) verfügbar. Weitere Fahrassistenzsysteme gibt es nicht.

Dafür steht der Cuore als Dreitürer in
der Basisausstattung "Plus" zu Preisen ab 7.795 Euro beim Händler. Die
Komfortausstattung "Top" mit serienmäßiger Servolenkung, höhenverstellbaren
Kopfstützen hinten und Radzierblenden auf den Stahlrädern schlägt mit 9.095 Euro zu
Buche. Als Fünftürer liegt der Preis jeweils um 330 Euro höher. Aufpreis kosteten an
unserem Testwagen der höhenverstellbare Fahrersitz inkl. Seitenairbags, Klimaanlage, ABS
mit elektronischer Bremskraftverteilung und die Leichtmetallfelgen.

Daihatsu gibt auch seinem Kleinsten drei
Jahre Garantie (bis 100.000 km) auf den Neuwagen, drei Jahre auf den Lack und sechs Jahre
auf die Karosserie gegen Durchrostung mit auf den Weg. Die Neuwagen-Garantie umfasst zudem
einen europaweiten Mobilservice im Pannenfall (24-Std.-Service). Gegen Aufpreis kann man
über das Garantie-Plus-Paket Garantie und Mobilservice um zwei weitere Jahre (bis max.
150.000 km) verlängern. Die Versicherungen stufen den Cuore in die Typklassen 12 / 16 /
18 (KH / VK / TK). |