Dass "englische" Roadster auch
aus Fernost kommen können, beweist ein anderer japanischer Hersteller ja schon seit
Jahren mit seinem offenen Klassiker MX-5. Mit dem nur als
Rechtslenker verfügbaren Copen schickt sich nun Daihatsu an, in diesem Segment seine
Spuren zu hinterlassen. Der Name Copen ist die Verbindung aus compact
und open, der Name ist Programm: klein und vorzugsweise offen zu
fahren. Solch kurze Autos (unter 3,41 m Länge und 1,475 m Breite) mit wenig Hubraum
(unter 660 ccm) bieten in Japan einen ganz unschätzbaren Vorteil: Man braucht in den
überbevölkerten Städten keinen Stellplatz für sie nachzuweisen, zudem ist die
Kraftfahrzeugsteuer erfreulich niedrig.

Kurz und knapp ist die Karosserie
gehalten (3,39 m), mit kurzem Radstand (2,23 m) und kurzen Überhängen vorne und hinten.
Mit seiner rundliche Form sieht er so ein bisschen so aus wie der kleinere Bruder des Audi TT oder vielmehr wie eine Mischung aus Goggomobil
(klein und rundlich an allen Ecken und Kanten) und dem Roadster aus
Ingolstadt (rundlich auch er, aber viel größer).
Front und Heck des Copen sind ähnlich
gestaltet, Designmerkmale und Linien der Front werden hinten wieder aufgegriffen. Das gibt
dem Design einen originellen Touch. In Safrangelb fuhr der 68 PS starke Roadster zum Test
vor.
Natürlich steht der Fahrer häufig vor
der falschen Tür zum Einsteigen: Die Macht der Gewohnheit macht auch bei einem
Rechtslenker-Roadster keine Ausnahme. Der
Zugang zum Innenraum geht in Ordnung. Das optionale rot-schwarze Interieur passt gut zur
leuchtenden Außenfarbe. Das verstärkt bei offenem Hardtop die Hingucker-Qualitäten, mit
denen schon die markante Karosserielinie glänzen kann. Die Sitzposition ist allerdings
sportlich tief, lange Fahrer haben zudem etwas Mühe, ihre Beine unter das Lenkrad zu
falten, hier ist es ja doch etwas eng. Die Platzverhältnisse sind nicht üppig, große
Leute nehmen besser auf dem Beifahrersitz Platz. Sitzriesen stoßen bei dem tiefen Dach
aber auch schnell an ihre Grenzen.

Offen gestanden ist die Übersicht ja
ganz okay, geschlossen eher eingeschränkt. Dafür ist es offen etwas zugig, trotz
Windschott. Geschlossen ist es ähnlich ruhig wie in einer geschlossenen Limousine, das
Hardtop aus Aluminium stellt hier seine Vorzüge unter Beweis. Nach Entriegelung der
Schnellverschlüsse dauert es knapp 20 Sekunden und man sitzt im Freien. Eine optional
erhältliche faltbare Persenning aus Hartkunststoff schließt die schmale Lücke zwischen
Kofferraumdeckel und den Sitzen.
Auf der Straße hat man einen guten
Ausblick auf dem rechten Bordstein mit der tiefen Sitzposition fast auf Blickhöhe
;-) am Straßenaußenrand. Die Sportsitze mit integrierten Kopfstützen sind straff und
bieten guten Seitenhalt. In der Grundausstattung sind sie mit schwarzem Stoff bezogen,
hier mit dem optional erhältlichen roten Leder. Auch in Beige ist die Lederausstattung
verfügbar.

Ohne Aufpreis gibt es das
vollautomatisch versenkbare elektrohydraulische Aluminium-Hardtop, mit dem man auf
Knopfdruck innerhalb weniger Sekunden unter freiem Himmel steht. Hardtop und heizbare
Glas-Heckscheibe machen den Roadster wintertauglich, eine serienmäßige Klimaanlage sowie
die optionale Sitzheizung ermöglichen auch bei kühlerer Witterung die offene Fahrt, wenn
man sich nicht an dem auch mit Windschott vorhandenen leichten Fahrtwind
stört. Das Hardtop isoliert den Passagierraum im geschlossenen Roadster recht ordentlich
gegen Windgeräusche.

Der Gepäckraum fasst bei geöffnetem
Verdeck nur 14 Liter, bei geschlossenem Verdeck sind es immerhin bis zu 210 Liter. Die
erlaubte Zuladung beträgt 140 kg für Beifahrer und Gepäck. Der Gepäckraum soll schon
für einen zweiwöchigen Toskana-Urlaub für zwei Personen gereicht haben, allerdings um
den Preis, die Reise dorthin geschlossen antreten zu müssen, was vielleicht das kleinere
Übel ist, wenn man dafür die Toskana oben ohne genießen kann ... Der
Verdeck-Mechanismus schließt einen elektrisch schließenden Kofferraumdeckel mit ein: Man
muss nur die Kofferraum-Klappe bis zu einem leichten Widerstand herunterdrücken, den Rest
erledigt der Copen von allein.
Von Hand gefertigt wird der Roadster in
Daihatsus Stammwerk in Osaka, Japan, in einer eigens dafür gebauten Halle und nur
auf Bestellung, das heißt: Jeder Kunde bekommt seinen Roadster. Die Liste der
Zusatzausstattungen bietet so individuelle Optik-Features wie Dekorsätze in Blau oder
Weiß für die Karosserie und Zierelemente in Aluminium oder Holz für den Innenraum
ganz in englischer Tradition. Die optionale Innenspiegelblende in Wagenfarbe (es
gibt sie auch in Schwarz oder verchromt) lässt den Spiegel voluminöser wirken.
Ledersitze, ein schwarzes Verdeck, eine Chromabdeckung für die
Waschdüsen auf der Motorhaube sowie Carbondekor für die Tankklappe sind weitere
Features, die zur Individualisierung des Copen ab Werk optional zur Verfügung stehen.
Der Innenraum
ist in Rot und Schwarz gehalten. Materialienanmutung und Verarbeitung sind ordentlich. Das
Armaturenbrett ist schlicht und einfach, was der problemlosen Bedienung und Nutzbarkeit
sehr dienlich ist. Chromeingefasste Rundinstrumente sowie das sportliche Lederlenkrad von
Momo (längs- und höhenverstellbar) versprühen sportlichen Charme. Das Handschuhfach und
das Fach in der Mittelarmlehne sind abschließbar. Fächer seitlich unterm Lenkrad, hinter
der Mittelarmlehne, in beiden Türen sowie ein Netz hinter den Sitzen runden die
Ablagemöglichkeiten für den unvermeidlichen Kleinkram ab. Bei nicht zu großen
Passagieren bleibt hinter den nicht ganz bis nach hinten geschobenen Sitzen auch hier noch
Stauraum.
Die
Serienausstattung ist umfangreich: funkfernbediente Zentralverriegelung,
elektrische Fensterheber, elektrisch einstellbare Außenspiegel, ein vollautomatisch
versenkbares Hardtop, Klimaanlage und
Wärmeschutzverglasung mit UV-Schutz rundum, 15-Zoll-Leichtmetallräder,
Nebelscheinwerfer, Radiovorbereitung mit Lautsprechern in den Türen, verchromte
Überrollbügel mit Plexiglas-Windschott, Sportsitze sowie
Lederlenkrad und ein verchromter Schaltknauf mit Ledermanschette sind schon ab Werk
vorhanden. Als Serienausstattung stehen drei unifarbene Mehrschicht-Lackierungen zur Wahl,
gegen Aufpreis gibt es zusätzlich fünf Perleffekt-Lackierungen. Extra kosten auch
Ledersitze (inkl. Sitzheizung und Türverkleidung in Vinylleder), eine Innenspiegelblende,
Sportfahrwerk und Kunststoffpersenning sowie der Kühlergrill mit Copen-Emblem
und ein CD-Radio.
Das
Vollaluminium-Vierzylinder-Motörchen mit 659 ccm Hubraum (macht etwa 0,66 Liter) und 16
Ventilen, Turboaufladung und Intercooler bringt es auf eine Leistung von 68 PS. Das
Antriebsggregat gibt sich sehr drehfreudig und hängt gut am Gas. Der Turbolader mit
Intercooler wurde exklusiv für den Copen entwickelt und macht schon bei niedrigen
Drehzahlen kräftig Druck. Ein Turboloch ist da nicht zu spüren. Antritt und
Durchzugsvermögen sind gut, man glaubt kaum, aus wie wenig Brennraum der Motor seine
Leistung schöpft. Mit der leichten Karosserie hat er dabei natürlich leichtes Spiel und
bringt seine Leistung jederzeit gut zur Geltung. Für die
Beschleunigung von 0 auf Tempo 100 braucht er schon seine 11,7 Sekunden, die
Höchstgeschwindigkeit erreicht er bei 170 km/h. Bei einem Fahrzeug dieser Größe sollte
man es auch mit den sportlichen Fahrleistungen nicht übertreiben und diese Werte sind
durchaus angemessen. Objektiv klingen sie sogar etwas schlechter als sie subjektiv
empfunden werden. Sportlich ist die Akustik, aber nicht
unbedingt laut. Der Motor klingt allerdings durchaus nach mehr als 659 ccm ...
Knackig kurz
ist das manuelle Fünfgang-Getriebe, das sich ungewohnterweise mit links, aber doch
präzise schalten lässt. Recht lang ist die Getriebeübersetzung geraten, um trotz
Turboaufladung sparsam unterwegs zu sein. Daihatsu gibt 6,4 Liter Normalbenzin (!) je 100
km im gemischten Verbrauch nach EU-Norm bei ökonomischer Fahrweise an. Der Motor erfüllt
zwar nur die Abgasnorm EU3, der minimale Hubraum hält
aber trotzdem die Kraftfahrzeugsteuer niedrig.
Der kleine
Japaner verfügt über Frontantrieb und glänzt mit seinen recht guten Geradeauslauf. Die
Lenkung ist sehr direkt ausgelegt und bietet in Verbindung mit dem sportlichen Fahrwerk
sehr guten Fahrbahnkontakt. Die Karosserie ist gut ausbalanciert und garantiert dank ihrer
ausgewogenen Gewichtsverteilung bei einem niedrigen Fahrzeugschwerpunkt jede Menge
Fahrspaß gerade auf kurvigen Pisten.
Das Fahrverhalten des Copen ist
unproblematisch und sehr neutral. Agil und wendig ist er dank seines kurzen Radstandes.
Sicher und spurtreu meistert er plötzliche Ausweichmanöver, auf einer sauberen Linie
hält er sich beim Slalom. Da forciert man für ein Mehr an Fahrspaß gerne ein wenig das
Tempo bei der Kurvenhatz. Wobei aber doch deutlich wird, dass sich der Grenzbereich eines
Fahrzeugs auch aus der Fliehkraft bemisst, also aus Geschwindigkeit und Gewicht: Je
niedriger das Gewicht, desto schneller geht der Wagen in zu schnellen Kurven einfach
fliegen und da setzt ein 900-kg-Auto mit schmalen Reifen (165 mm) und schmaler
Karosserie (1,475 m) halt seine Grenzen. Dennoch liegt diese Grenze recht hoch, man darf
also schon in gut abgesteckten Grenzen der Freude am Fahren frönen.

Ausgestattet war unser Testwagen mit
dem optionalen Sportfahrwerk mit Gasdruck-Stoßdämpfern und Zusatzstreben, die
zusätzlich zu den Stabilisatoren vorne und hinten die Verwindungssteifigkeit der
Karosserie erhöhen. Damit liegt das Fahrzeug noch etwas knackiger, um nicht zu sagen
härter auf der Straße. Die Insassen registrieren dafür jede Unebenheit im Untergrund.
Fahrwerksregelsysteme beschränken sich auf die Unterstützung der Bremsanlage durch ABS
und Elektronische Bremskraftverteilung sowie den Bremskraftverstärker an den vorderen
Scheibenbremsen (hinten gibt es Trommelbremsen). Die Bremsen sprechen gut an, sind gut
dosierbar und sind erstaunlich standfest in der Wirkung. Die Verbindung zur Straße halten
verhältnismäßig schmale Niederquerschnittsreifen im Format 165/50 R 15, die extra für
den Copen von Bridgestone entwickelt wurden.

Sicherheit bietet die selbsttragende
Stahlkarosserie mit Motorhaube, Kofferraumdeckel und Hardtop aus Aluminium durch ein
hochfestes Stahl-Gerippe aus Mitteltunnel, Schweller und A-Säule, Seitenaufprallschutz
durch verstärkte Türen, verchromte
Überrollbügel hinter den Sitzen (auch optisch ein Highlight!), Drei-Punkt-Gurte und in
die Sitze integrierte Kopfstützen sowie Front- und Seitenairbags. Ein Crash-Sensor
entriegelt im Notfall die Türen und aktiviert Warnblinker und Innenraumleuchte.
Ab 17.200 Euro steht der Daihatsu beim Händler. Die
Aufpreisliste ist kurz und relativ schmerzlos: Ledersitze (inkl. Sitzheizung), eine
Innenspiegelblende, Sportfahrwerk und Kunststoffpersenning sowie der Kühlergrill mit
Copen-Emblem und ein CD-Radio.
Daihatsu gibt eine dreijährige Garantie (bis 100.000 km)
auf das Neufahrzeug, drei Jahre auf den Lack sowie sechs Jahre auf die Karosserie gegen
Durchrostung. Die Neuwagen-Garantie schließt eine Mobilitätsgarantie mit ein. Eine
kostenpflichtige Anschlussgarantie ist für das vierte und fünfte Jahr möglich. Zur
Inspektion muss der Copen alle 30.000 km oder spätestens nach zwei Jahren, eine
Zwischen-Service ist nach 15.000 km oder spätestens nach einem Jahr fällig. Die
Versicherungen stufen das Modell in die Typklassen 13 / 17 / 27 (KH / VK / TK nach
der neuen Struktur in der Fahrzeugversicherung: VK 19, TK 17) ein. |