
Niedlich schaut er aus, der Daewoo Matiz
mit seinen großen Kulleraugen. Das niedliche Kindergesicht spricht natürlich vor allem
Frauen an. Ein kleines Stadtauto, handlich kurz. Die Türen hinten sind super praktisch,
um auch die Kinder mit ihren Kindersitzen auf den Rücksitzen bequem unterbringen zu
können. Angetrieben wird unser sportiv-roter Matiz von einem 0,8-Liter-Motörchen mit 51
PS, der einzigen Motorisierung, mit der dieses Modell angeboten wird. Er fuhr bei uns in
der gehobeneren Ausstattungsvariante SE vor.
Die hohe Sitzposition erleichtert die
ohnehin schon gute Übersicht über die nur 3,50 m lange, 1,50 m breite und 1,49 hohe
Karosserie. Im Innenraum ist trotz der bescheidenen Maße ausreichend Platz für nicht zu
groß geratene Erwachsene vorne und drei kleinere (oder zwei größere) Kinder hinten. Die
Sitze sind angenehm straff und bieten guten Seitenhalt.
Als Multi-Purpose-Vehicle (MPV) bezeichnet
ihn Daewoo, was im Rahmen der Möglichkeiten seiner Karosseriegröße tatsächlich
zutrifft, denn praktisch nutzbar ist er, wenn auch nur für eine begrenzte Anzahl an
Insassen.

Schlicht, praktisch und funktional ist der
Innenraum gestaltet, in verschiedenen Grau-- Schwarz- und Graublau-Tönen. Kein
Designer-Schnick-Schnack, sondern praktisch und strapazierfähig, für den Alltag gebaut
ist der Wagen. Entsprechend alltagstauglich auch für Kinder sind die Stoffbezüge der
Sitze und die ebenso leicht zu reinigenden Velour-Fußmatten. Die Bedienung der Knöpfe
und Schalter ist einleuchtend und gibt keine Rätsel auf. Die runde Anzeigeabdeckung
hinter dem Lenkrad passt zu diesem Auto, allerdings haben wir sie woanders schon mal
gesehen ... Becherhalter und verschiedene Ablagefächer in Türen, Mittelkonsole und auf
dem Mitteltunnel sowie das Handschuhfach erleichtern das Verstauen von Kleinkram.
Der Laderaum fasst 155 Liter. Das ist nicht
viel, aber ok für die Größe eines Kleinstwagens. 480 Liter sind es bei umgeklappter
Rücksitzlehne (asymmetrisch geteilt) bis zur unteren Fensterkante, dachhoch kommt noch
einiges mehr dazu. 360 kg Zuladung sind für den Kleinen absolut ausreichend, mehr könnte
man hier wohl gar nicht verstauen.

Der Komfort der Ausstattung beschränkt
sich bei der SE-Version nicht nur auf Notwendigkeiten. Kleine Annehmlichkeiten wie von
innen verstellbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber vorn, Zentralverriegelung und
Intervallschaltung für die Scheibenwischer sind schon serienmäßig vorhanden. Die
Klimaanlage kostet Aufpreis.
Der Motor zeichnet sich nicht gerade durch
Laufruhe aus. Von Antritt und Durchzug leistet er das, was man von einem 50-PS-Motor in
einem 850-kg-Auto erwarten kann. Für ein Stadtauto ist eine 17-Sekunden-Beschleunigung
von 0 auf Tempo 100 akzeptabel. Seine 144 km/h Spitzengeschwindigkeit erreicht der kleine
Koreaner nur mühsam. Lange Touren sind deshalb einfach anstrengend, voll beladen tut sich
der Motor auf Reisen noch schwerer.

Das ist halt der Preis, um günstig von A
nach B zu kommen, denn im Verbrauch ist der Daewoo Matiz sehr günstig. Knappe 6,1 Liter
Normalbenzin auf 100 km sind es im gemischten Verbrauch nach EU-Norm, 7,9 Liter in der
Stadt und 5,1 Liter über Land.
Die Fünfgang-Schaltung ist sehr
gewöhnungsbedürftig, erst mit viel Übung gelingt die gezielte Schaltknüppelführung.
Richtig schnell kann der Wagen ohnehin
nicht, aber auch so ist vorausschauendes Fahren angesagt. Die Bremswege sind nämlich
selbst für so ein kleines Auto nicht so richtig gut. Die Bremsanlage (Scheibenbremsen
vorne, Trommelbremsen hinten) in Verbindung mit 155/65er 13-Zoll-Reifen schaffen nicht
mehr oder sollte man sagen weniger ... Bremsweg.

Unproblematisch ist das Fahrverhalten. Gut,
die hohe Karosserie neigt sich dank der eher komfortablen Abstimmung in Kurven etwas, ohne
jedoch den Fahrer vor Probleme zu stellen. In schnellen Kurven tendiert der Fronttriebler
zu leichtem Untersteuern. Plötzliche Ausweichmanöver und doppelte Spurwechsel meistert
er trotz Seitenneigung ohne Gefahren für Insassen und Elch. Sein kleiner Wendekreis macht
ihn handlich zu führen und in Parklücken zu rangieren, die Servolenkung ist allerdings
nur beim SE in Serie zu haben. Präzise arbeitet die Lenkung, tadellosen Geradeauslauf
muss man ihr bescheinigen.
Für serienmäßige Sicherheit sorgen
Knautschzonen vorne und hinten, Dachverstärkungen und Seitenaufprallschutz,
Verstärkungen in A- und B-Säule als Überrollschutz, Frontairbags für Fahrer und
Beifahrer, die Teleskop-Sicherheitslenksäule, Drei-Punkt-Sicherheitsgurte auf allen
Außenplätzen (Beckengurt hinten Mitte) und Kopfstützen vorne. Kopfstützen für die
Rückbank gibt es gar nicht, ABS nur gegen Aufpreis.

Ab 14.900 Mark steht der Matiz in der
S-Version (Basis) beim Händler, die etwas komfortablere Version SE-Variante kostet ab
16.790 Mark und verfügt unter anderem über von innen verstellbare Außenspiegel,
zusätzliche Ablagefächer, elektrische Fensterheber vorn, Heckklappen- und
Tankfernentriegelung aus dem Innenraum, Servolenkung und Zentralverriegelung. Die 1.890
Mark extra sind damit gut angelegtes Geld. ABS gibt es in beiden Versionen nur gegen
Aufpreis (690 Mark), in der SE-Version ist sogar eine Klimaanlage (1.690 Mark extra) zu
haben. Das war es dann aber schon mit Sonderwünschen. Leichtmetallfelgen und ein
verchromtes Auspuffendrohr gehören zur Serienausstattung.
Die Typklasseneinstufungen sind moderat
11 / 13 / 15 (KH / VK / TK) , die Garantiefristen lang: drei Jahre bis
100.000 km Fahrzeug- und Mobilitätsgarantie, allerdings nur 3 Jahre auf den Lack, sechs
Jahre gegen Durchrostung und ein Jahr auf Original-Ersatzteile.
Um einen Kollegen zu zitieren: "Der
Matiz ist der fahrende Beweis, dass man einen Renault Twingo oder VW Lupo auch viertürig
bauen kann." Und das erhöht die praktische Nutzbarkeit eines Kleinstwagens ganz
erheblich. |