In Genf feierte der Audi Allroad quattro
im Jahr 2000 seine Premiere. Basis ist der A6 Avant, den der Allroad quattro mit 4,81 m
nur knapp (1,4 cm) an Karosserielänge überragt. Der Unterfahrschutz (vorne und hinten)
aus Edelstahl mit Rippenstruktur, markante Stoßfänger und die ausgestellten Radhäuser
deuten optisch die Geländetauglichkeit des Allroad quattro an und verleihen dem
Allrounder, der auf allen Wegen zuhause sein soll, seine Eigenständigkeit. Die breiten
Radkästen verbreitern die Karosserie auf 1,852 (normal 1,81 m), das Plus von 4,9 cm Höhe
(1,53 m) rührt zum Teil auch von einer Erhöhung der Karosserie.
Als Testwagen fuhr der Allroad quattro
mit 2,7-BiTurbo-Motor vor, mit einer Fahrzeuglackierung in Lichtsilber Metallic sowie
Kontrastlackierung in Schwarz Matt an Stoßfängern, Radkästen, Schwellerleisten und auf
dem mit vier Längsrippen versehenen Dach sowie an der Dachreling, an der
Gepäckraumklappenzierleiste, Türaufsatzleisten und an den Seitenfenstereinfassungen.

Robust und solide sagt der erste Eindruck. Die Übersicht vom
Fahrersitz ist nach vorne und hinten ganz in Ordnung, eine gute Unterstützung ist die
Einparkhilfe trotzdem. Optimalen Zugang zum Passagierraum bieten die vier Türen. Die gut
konturierten, straffen Frontsitze mit ausgeprägten Seitenwangen bieten exzellenten
Seitenhalt und sind elektrisch einstellbar. Die Rückbank ist ebenfalls straff, mit nur
mäßig konturierten Außensitzen, was zumindest den Mittelsitz nicht zum Sitzbock werden
lässt. Platz für Kopf und Knie haben die Passagiere vorne wie hinten reichlich.

Der Laderaum ist geräumig, fast quadratisch nutzbar und fasst
unter der Laderaumabdeckung gute 455 Liter. In der Gepäckraumauskleidung links und rechts
finden sich Ablagefächer für Kleinkram. Durch Umklappen der serienmäßig asymmetrisch
geteilten Rückbanklehne sind bei dachhoher Beladung das Gepäcktrennnetz kann
hierbei zur Sicherung auch direkt hinter den Vordersitzen arretiert werden sogar
1.590 Liter (wie beim A6 Avant) möglich. Verzurr-Ösen und eine Sicherungsnetz
ermöglichen das Sichern der Ladung.

Das Leergewicht unseres Testwagens beträgt dank der sehr üppigen
Ausstattung immerhin 1.910 kg (Basis-Modell des 2.7T mit Automatik 1.835 kg), das
zulässige Gesamtgewicht 2.465 kg. Trotzdem beträgt die erlaubte maximale Zuladung immer
noch 555 kg (Maximum 630 kg bei Basis-Ausstattung). Interessant ist der Audi Allroad
quattro auch als Zugfahrzeug, darf er doch mit Stabilisierungseinrichtung
Anhängelasten von bis zu 2.300 kg ziehen.

Das Cockpit ist eher funktional
gestaltet, sehr ergonomisch und gut bedienbar sortiert, von sehr guter Materialqualität
und tadelloser Verarbeitung. Chromringe um die Anzeigen und um das Airbag-Modul im Lenkrad
geben eine sportlichen Touch, das Nussbaumwurzelholz in Armaturenbrett und Türen verhilft
vor allem in Verbindung mit den Ledersitzen zu einem edlen Ambiente. Die Sitze sind bezogen mit einer Leder-Alcantara-Kombination in
Grau-Schwarz. Ablagen zum Verstauen des unvermeidlichen Kleinkrams finden die Passagiere
im Handschuhfach, in den Türen vorne und hinten, im Armaturenbrett seitlich unterm
Lenkrad, in der Armlehne vorne (sofern dort kein Autotelefon untergebracht ist) sowie
unter der Armlehne im Mitteltunnel.
Ab dem
Basismodell fährt der Allroad quattro vor mit funkfernbedienter Zentralverriegelung,
elektrisch einstellbaren und beheizbaren Außenspiegeln, elektrischen Fensterhebern
vorne und hinten, Zwei-Zonen-Komfortklimaautomatik,
Wärmeschutzverglasung rundum mit Colorstreifen an der Frontscheibe, beleuchteten
Innenspiegel in den Sonnenblenden, Luftfederung, permanentem Allradantrieb quattro,
Dachreling, Gepäckraumabdeckung, Trennnetz und Sicherungsnetz für die Ladung sowie
Nebelscheinwerfer, Warndreieck und einem Erste-Hilfe-Set in der Mittelarmlehne hinten.
Aufpreis kosten unter anderem die geschwindigkeitsabhängig geregelte Servolenkung
Servotronic, eine Anhängevorrichtung (für die Nutzung als Zugfahrzeug),
automatisch abblendende Innen- und Außenspiegel, Geschwindigkeitsregelanlage, ein
Multifunktions-Lederlenkrad mit Schaltfunktion (für die Tiptronic) und Lenkradheizung,
eine Einparkhilfe für vorne und hinten, das DVD-Navigationssystem mit Radio, TV-Empfang,
Audi logbook, CD-Wechsler und Bose-Soundsystem, Sitzbezüge in Leder/Alcantara, elektrisch
einstellbare Frontsitze mit Sitzheizung, Sonnenschutzrollos (manuell) in der Heckscheibe
und den hinteren Seitenscheiben, UV und Infrarot absorbierendes Dämmglas sowie die
Wendematte für den Gepäckraumboden, die auf der Rückseiten gummiert ist. Extra kosten
auch die mehrteiligen Aluminium-Gussräder im 5-Arm-Doppelspeichen-Design. Über das
Display des Navigationssystems werden auch die Daten des Bordcomputers und des
Auto-Check-Control-Systems angezeigt, für was sonst (ohne Navi) ein gesondertes
FIS-Display (Fahrer-Informations-System) zusätzlich zu ordern wäre.
Der 2,7-Liter-Biturbo-Benzinmotor mit
250 PS ist praktisch der mittlere Motor der Baureihe. Darunter rangiert der 2,5-Liter-TDI,
der mit 163 und 180 PS angeboten wird, darüber ein 4,2-Liter-Achtzylinder mit 300 PS. Von
der Leistung her braucht sich der 2.7T hinter der Topmotorisierung der Baureihe, dem
4,2-Liter-Benziner kaum zu verstecken. Ganz subjektiv gesehen kommt der BiTurbo einfach
nur spitze aus den Pantoffeln, sobald die beiden Turbolader einsetzen und das ist
recht fix über Leerlaufdrehzahl. Von Turboloch kann man da kaum noch reden, das ist
bestenfalls ein Löchlein, denn der Motor hängt gut am Gas und mit dem schnellen
Einsetzen der Zwangsbeatmung setzt er sich ruckartig unter einem Fauchen des Motors in
Bewegung, und powert einfach nur hoch. Schon bei 1.800 U/min. liegt das Drehmomentmaximum
von beeindruckenden 350 Nm an und das kontinuierlich bis 4.500 Touren. Das heißt
in der Praxis genau das, was es auf dem Papier verspricht:
Durchzug satt fast wie ein hubraumstärkerer Saugmotor und eine Leistungsentfaltung, die
über das ganze Drehzahlband kaum Wünsche offen und den Wagen bei jeder Geschwindigkeit
souverän noch einmal einen drauflegen lässt. Dabei läuft der
Sechszylinder-Fünfventiler ruhig, kultiviert und vibrationsarm, und meldet sich erst bei
einem kräftigen Tritt aufs Gas, aber dann nicht nur akustisch, sondern auch mit einem
Durchzug, der einen kräftig nach hinten in den Sitz presst.
Unser Testwagen war ausgestattet mit
einer Fünfstufen-Tiptronic, dem manuell schaltbaren Automatikgetriebe von Audi mit
Wandlerüberbrückung, Dynamischem Schaltprogramm (DSP) und Sportprogramm. Die Automatik
ist gut abgestuft, schaltet sehr schnell und nur wenig spürbar. Da ist die manuelle
Schaltoption fast schon überflüssig, denn sportlicher lässt sich der Allroad quattro
damit auch nicht fahren. Der 2.7T ist aber auch mit einer manuellen Sechsgang-Schaltung zu
haben. Die handgeschaltete Variante ist zudem optional mit der speziellen
Geländeuntersetzung Low Range zu haben.
Sportliche 7,7 Sekunden reichen dem
Geländekombi zur Beschleunigung auf Tempo 100, das schafft der Allradler auch mit dem
durstigeren Achtzylinder-Motor kaum schneller (7,2 Sekunden). Seine Höchstgeschwindigkeit
erreicht er bei 234 km/h (Achtzylinder 240 km/h). Auch mit 70 Litern Tankvolumen kommt man
mit dem BiTurbo nicht so richtig weit: Der Verbrauch ist alles andere als bescheiden,
schon mal erst recht beim Automatik-Getriebe. Reichliche 19,2 Liter Superbenzin
(immerhin!) rinnen auf 100 km in der Stadt durch die Brennräume, 9,7 Liter sind es
außerorts sowie 13,2 Liter im gemischten Verbrauch nach EU-Norm das aber nur bei
ökonomischer Fahrweise, zu der dieses Fahrzeug wahrlich nicht gerade einlädt (alles
Herstellerangaben). Zum Ende des Testzeitraums zeigte der Bordcomputer 14,4 Liter
Durchschnittsverbrauch an. Dafür erfüllt der Motor aber immerhin die Abgasnorm EU4.
Der Allroad quattro verfügt der
Name deutet es an über den bewährten permanenten Allradantrieb quattro. Die
breite Spur, der relativ lange Radstand und die integrierte Niveauregulierung
verhelfen dem Geländekombi zu einer tadellosen Straßenlage und einem sehr guten
Geradeauslauf. Die Lenkung ist sehr präzise: Zielgenau folgt das Fahrzeug den Anweisungen
des Fahrers. Fahrwerk und Lenkung geben eine gute Rückmeldung vom Fahrbahnuntergrund.
Gefahren wird
der Allroad quattro ja wie fast alle (vor allem die schickeren) geländegängigen
Fahrzeuge mehr auf Asphalt. Aber auch jenseits
befestigter Straßen muss ein Fahrzeugkonzept wie Audis Geländekombi mehr können als ein Pkw. Der Allrounder braucht für eine gute
Straßenlage auf jedem Untergrund, also on und off road, eine
variable Bodenfreiheit: Diese garantiert eine Vier-Stufen-Luftfederung, die es erlaubt,
die Bodenfreiheit um 6,6 cm zu variieren. In zwei Stufen kann man ihn höher heben
als das Normalniveau, und eine Stufe senken auf das Tiefniveau. Die Bodenfreiheit wächst
dann von 14,2 cm im Tiefniveau auf 20,8 cm im Hochniveau II. Die integrierte
Niveauregulierung sorgt dank Höhensensoren in allen vier Rädern dafür, dass das
eingestellte Fahrzeugniveau unabhängig von Zuladungsgewicht und Verteilung erhalten
bleibt. Die intelligente Regelung des Systems wählt die Bodenfreiheit je nach
Geschwindigkeit vor, Autobahntempo auf Stelzen auch zum Beispiel durch ein
versehentliches Hochschalten während der Fahr ist nicht möglich. Vielmehr sucht sich das
System hier ab Tempo 120 den niedrigen Fahrzeug-Schwerpunkt im Tiefniveau, um größere Sicherheitsreserven und verringerten Luftwiderstand zwecks
Kraftstoffersparnis zu bieten. Das Hochniveau II ist nur bei langsamer Gangart zu halten,
aus dem Hochniveau I lässt sich die Luftfederung bei Geschwindigkeiten über 80 km/h
herab. Ins Gelände geht der Allroad quattro mit einer maximale Steigfähigkeit von 60
Prozent und einem Böschungswinkel von 19,5 Grad vorne und 23 Grad hinten.
Allradantrieb
ist hervorragend für die Traktion, besonders bei stärkeren Motoren oder im Gelände,
kann aber bei flotten Kurvenfahrten und plötzlichen Ausweichmanövern mitunter mit
Vorsicht zu genießen sein. Keine Probleme in dieser Beziehung macht der Allroad quattro:
Neutral und präzise lässt er sich auch durch schnell gefahrene Kurvenstrecken
dirigieren, ein nur minimales Untersteuern verrät die Annäherung an den hoch angesetzten
Grenzbereich. Leichtfüßig und agil, fast schon dynamisch gibt er sich im Handling, dass
man gar nicht auf die Idee kommt, fast 2 t Leergewicht über die Piste zu bewegen. Da
kommt richtig Freude auf, wenn er durch kurvige Serpentinen zirkelt.
Zielgenau
weicht er plötzlichen Hindernissen aus und wechselt ebenso präzise auf die alte Spur
zurück. Auch im flotten Slalom verfolgt er eine sauber Linie. Über die größten
Sicherheitsreserven verfügt der Allrad-Kombi im Tiefniveau, aber auch auf Normalniveau
wirkt er sicher und solide, lediglich greift hier das ESP schneller mal ein, bevor das
Fahrzeug auch nur annähernd instabil zu werden droht. Die Federung ist eher straff, ohne
jedoch selbst auf schlechten Straßen unkomfortabel zu sein. Auf Tiefniveau ist die
Abstimmung noch eine Idee sportlicher als auf Normalniveau.
In
Zusammenarbeit mit zwei Reifenherstellern wurde ein Reifen entwickelt, der - so die Vorgabe von Audi weder auf der Straße
noch im Gelände Kompromisse eingeht und on wie off road mit optimaler Leistung überzeugen kann. Der
BiTurbo-Sechszylinder steht serienmäßig auf 17-Zoll-Aluminium-Gussräder mit 225/55er
Reifen. Die Scheibenbremsen rundum (nur vorne innenbelüftet rundum innenbelüftet
gibt es nur beim Achtzylinder) sprechen sehr gut an und sind gut dosierbar, die könnten
aber etwas standfester wirken.
Die
Sicherheit der Insassen schützen die verwindungssteife, selbsttragende Karosserie mit
Sicherheitsfahrgastzelle und definierten Knautschzonen sowie umfassender
Seitenaufprallschutz mit biegesteifen Aluminium-Aufprallträgern in den Türen und
Rohbauverstärkungen in der B-Säule. Im
Fahrgastraum runden Sicherheitslenksäule, Kopfstützen und Drei-Punkt-Gurte auf allen
fünf Sitzplätzen, Front- und Seitenairbags vorne, das Kopfairbagsystem sideguard für
vorne und hinten, optional auch Seitenairbags hinten die Passiven Sicherheitsfeatures ab.
Zur Serienausstattung gehört das Tire Mobility System (Reifendichtmittel und Kompressor),
ein Reservefaltrad mit Kompressor ist ebenso optional erhältlich wie Xenon-Scheinwerfer.
An aktiven Hilfen hat Audi dem Allroad quattro die ganze Palette der heutzutage üblichen
Fahrassistenzsysteme mitgegeben, vom ABS mit Elektronischer Bremskraftverteilung und
Bremsassistent über die Elektronische Differentialsperre und die Antriebsschlupfregelung
bis hin zum ESP. Die geschwindigkeitsabhängig geregelte Servotronic kostet
Aufpreis.

Mit 2,5-Liter-TDI liegt der Grundpreis
des Allroad quattro zwischen 39.900 und 44.400 Euro. Ab 46.800 Euro legt man für den 2.7T
auf den Tisch, in der Tiptronic-Version ab 48.800 Euro. Das 4,2-Liter-Topmodell der
Baureihe steht ab 59.500 Euro in der Preisliste. Als Sonderausstattung bekommt man unter
anderem die Metallic-Lackierung, Xenon-Licht, eine Einparkhilfe,
Geschwindigkeitsregelanlage, das DVD-Navigations-Audio-System und das
Leder-Alcantara-Interieur sowie die Holz-Dekorleisten im Innenraum.
Der Audi-Händler gibt zwei Jahre Sachmängelhaftung auf den
Neuwagen und alle Audi-Original-Ersatzteile, drei Jahre auf den Lack und zwölf Jahre auf
die Karosserie gegen Durchrostung. Audi gibt eine Mobilitätsgarantie für zwei Jahre ab
Neuzulassung und bietet einen LongLife-Mobilservice beim Einhalten der
Inspektionsintervalle. Den Zeitpunkt für Ölwechsel und Inspektion berechnet die
Serviceintervall-Anzeige aus den individuellen Einsatzbedingungen des Fahrzeugs. Sie
betragen maximal zwei Jahre. Die Versicherungen stufen das Modell in die Typklassen 18 /
27 / 40 (KH / VK / TK nach der neuen Struktur in der
Fahrzeugversicherung: VK 26, TK 25) ein.

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