
Unser Audi A4 trägt die Farbe
"Denimblau Perleffekt": Denim? Jeans? Ist das jetzt ein Jeans-Audi analog zum
Jeans-Käfer Mitte der 70er Jahre? Aus der Arbeitshose von Volkswagen mit Nieten und
Nähten ist dem Zeitgeist angepasst bei Audi eine Designer-Jeans geworden
mit edler Perleffekt-Lackierung. Der Modellwechsel im November 2000 brachte nur
marginale Änderungen an der Karosserie, dafür umso mehr an den inneren Werten. Im
zeitlosen Maßanzug und mit 130 PS starkem 2-Liter-Motor fuhr die Premium-Mittelklasse aus
Ingolstadt zum Test vor.
Gute 7 cm länger, aber auch breiter und
höher ist er im Vergleich zum Vorgänger-Modell geworden. 4,55 m misst der neue A4 in der
Länge, 1,77 m in der Breite und 1,43 m in der Höhe: Das verspricht mehr Platz für die
Passagiere.

Vorne sitzen zwei Passagiere gut und
komfortabel auf straffen, gut konturierten Sitzen. Auch hinten sitzt man mit zwei Leuten
sehr gut. Stiefmütterlich wird der mittlere Sitz in der zweiten Reihe behandelt. Er kommt
ab Werk mit Beckengurt und ohne Kopfstütze. Dafür ist die Mittelarmlehne Serie, was zwei
Passagieren auf der Rückbank ein gutes Maß an Bequemlichkeit bietet.

Der Laderaum ist mit einem guten Meter
Breite und fast einem Meter Tiefe fast quadratisch und bei einer Ladehöhe von 45 bis 50
cm sehr gut nutzbar. 445 Liter Ladevolumen sind guter Standard, mit umgeklappter
Rücksitzlehne können es bis zu 720 Liter werden.
Wie bitte? Die Rücksitzlehne ist
serienmäßig weder geteilt noch umklappbar! Das Umklappen kostet Aufpreis (280 Euro),
dann hat aber der Kunde ohne weiteren Aufpreis die Wahl, ob er lieber ungeteilt oder
asymmetrisch geteilt haben will. Kopfstütze und Dreipunkt-Gurt für den Mittelsitz gibt
es nur in Verbindung mit einer umlegbaren Rückbank und kosten noch einmal 110 Euro extra!

Der Innenraum wirkt auf eine eher
praktische Art komfortabel. Gut verarbeitet und solide in der Anmutung ist der
Passagierraum gehalten. Verschiedene Grauschattierungen und Alu-Zierleisten lockern die
Kunststoffwüste Armaturenbrett etwas auf. Übersichtlich angeordnet lassen sich Schalter
und Anzeigen blind handhaben. Die Ausstattung liegt auf einem gutem Niveau und schließt
neben den üblichen Annehmlichkeiten des Autofahrerlebens auch die serienmäßige
Komfortklimaautomatik mit ein. Da kann man sich über mangelnden Komfort nicht beklagen!
Die Übersicht ist für den Fahrzeugführer
aber leider vor allem nach hinten nicht berauschend: Sinn macht eine Einparkhilfe (ab 320
Euro nur für hinten). Besser noch, man gönnt sich gleich die für vorne und hinten (630
Euro).

Der 2-Liter-Motor ist der zweitkleinste
Benziner der Baureihe. Er leistet 130 PS. Ein 1,6-Liter-Aggregat mit 102 PS rundet die
Palette nach unten ab. Als entsprechend starke Diesel bietet Audi den 1,9-Liter-TDI mit
100 bzw. mit 130 PS an. Der 2-Liter-Benziner stellt eine gute Motorisierung in dieser
Klasse dar. Ausreichend Drehmoment steht über das ganze relevante Drehzahlband zur
Verfügung: mindestens 150 Nm sind es zwischen 1.300 und 6.000 Touren, über 175 Nm
zwischen 2.200 und 5.000 U/min. Das Maximum von 195 Nm liegt bei 3.300 U/min. an. Mit der
fast 1,4 t schweren Karosserie ermöglicht der Zweiliter gute Fahrleistungen bei gutem
Antritt und entsprechend gutem Durchzug .
Der Motor hat Laufkultur. Ruhig und
vibrationsarm verrichtet er seine Arbeit, nimmt bereitwillig Gas an, um seine Leistung zu
entfalten. Von Null auf Tempo 100 braucht er 9,9 Sekunden. Seine 212 km/h
Höchstgeschwindigkeit sind für komfortables und zügiges Reisen sehr angenehm.

Er ist eher fürs Reisen gebaut denn für
den Stadtverkehr. In der Stadt genehmigt er sich auch bei ökonomischer Fahrweise 11,4
Liter Superbenzin je 100 km. Außerstädtisch kommt er mit 5,9 Litern hin. Im gemischten
Verbrauch nach EU-Norm macht das 7,9 Liter je 100 km. Der Motor erfüllt die Abgasnorm
EU4.
Die Schaltung macht Freude mit kurzen
Schaltwegen sowie einer leichtgängigen und präzisen Führung des Hebels. Nur das lange
Spiel des Kupplungspedals ist mehr als gewöhnungsbedürftig. Die Bremsen (Scheibenbremsen
rundum, vorne innenbelüftet) packen schnell und gut dosierbar zu. Spurtreu und schnell
kommt das Fahrzeug zum Stehen.

Die Lenkung ist einigermaßen direkt und
sehr präzise. Gut ist der Federungskomfort, ohne er den Kontakt zur Fahrbahn
beeinträchtigt. Sicher und weitgehend neutral liegt der A4 auf der Straße. Fast schon
agil nimmt der Fronttriebler auch in flottem Tempo jede Kurve. Der Grenzbereich kündigt
sich durch ein leichtes Untersteuern rechtzeitig an. Bevor etwas schief gehen kann, greift
dann das ESP ein, solange die Grenzen der Fahrphysik nicht erreicht sind. Sicher und
leichtfüßig umkurvt die Limousine den Elch.
Die feste Karosserie bietet passive
Sicherheit mit Knautschzonen im Front- und Heckbereich, Seitenaufprallschutz in den
Türen, Sicherheitslenksäule, Kopfstützen und Dreipunkt-Gurte auf den Außenplätzen
sowie einem Beckengurt in der Mitte, Front- und Seitenairbags vorne, das Kopfairbagsystem
Sideguard für vorne und hinten und eine Kindersicherung in den hinteren Türen (alles
Serie) sowie Seitenairbags hinten (gibt es gegen Aufpreis, 340 Euro). Die
Isofix-Kindersitzvorrüstungen für den Beifahrer- und die äußeren Fondsitze sowie
Fensterheber hinten gibt es ebenfalls nur als Sonderausstattung (80 bzw. 260 Euro).

Den Fahrer unterstützen neben dem
hervorragend ausgelegten Fahrwerk serienmäßig zusätzliche aktive Sicherheitsfeatures
wie Servolenkung, Antriebsschlupf-Regelung, ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung,
Bremsassistent, Bremskraftverstärker und das elektronische Stabilitätsprogramm ESP.
Ein Tire Mobility System mit
Reifendichtmittel und Kompressor hilft nach einer Reifenpanne bis zur nächsten Werkstatt.
Ein Platz sparendes Reserverad (Notrad) gibt es auf Wunsch und ohne Aufpreis, ein
Reserverad auf Serienfelge in Fahrbereifung kostet 100 Euro extra.

Ab 21.800 Euro ist der Audi A4 mit
1,6-Liter-Benzinmotor in der Basisausstattung zu haben. Mit 2-Liter-Maschine muss man
wenigstens 24.750 Euro hinblättern. Die Perleffekt-Lackierung schlägt mit 580 Euro zu
Buche. Zur Serienausstattung gehören ab dem Basismodell elektrische Fensterheber vorn,
elektrisch einstellbare Außenspiegel, Fußmatten (vorne Serie, hinten gibt es sie
wahlweise, aber ohne Aufpreis), Spiegel in beiden Sonnenblenden, Türrückstrahler,
Wärmeschutzverglasung und funkfernbediente Zentralverriegelung. Der 2-Liter-Benziner
bekommt zusätzlich ab Werk Alu-Schmiedeleichtbauräder im Sieben-Arm-Design in 15 Zoll
sowie eine Komfortklimaautomatik mit. Aufpreis kosten: elektrische Fensterheber hinten
(260 Euro), beheizbare Außenspiegel (inklusive beheizbarer Scheibenwaschdüsen, 130
Euro), Sitzheizung vorne (320 Euro), Seitenairbags hinten (340 Euro), Lichtpaket Innenraum
(180 Euro), eine Durchladeklappe mit Skisack (175 Euro), Vier-Speichen-Lederlenkrad (185
Euro), Alu-Dekor an Mittelkonsole, Armaturenbrett und Türverkleidungen (170 Euro), Radio
Concert (750 Euro) und Navigationssystem (1.480 Euro) sowie Geschwindigkeitsregelanlage
(305 Euro) und Alu-Zierleisten rund um die Fenster (160 Euro). Sinnvoll ist außerdem eine
umklappbare Rücksitzlehne, um den Laderaum bei Bedarf bis hinter die Vordersitze
erweitern zu können, aber die kostet 280 Euro extra!

Für die Kraftfahrtversicherungen ist der
A4 eingestuft in die Klassen 15 / 15 / 26 (KH / VK / TK). Audi gibt zwei Jahre
Gewährleistung auf den Wagen sowie alle beim Audi-Partner eingebauten
Original-Ersatzteile, drei Jahre auf den Lack, eine 12-Jahres-Garantie für die Karosserie
gegen Durchrostung und eine LongLife-Mobilitätsgarantie beim Einhalten der
Wartungsintervalle. Der LongLife-Service erfolgt nach Service-Anzeige. Abhängig von
Einsatz und Fahrweise sind Laufzeiten von bis zu 30.000 km möglich. Mindestens alle zwei
Jahre muss der A4 allerdings dennoch zur Inspektion.
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