| Das kleinste
Pferd im Ingolstädter Stall ist der A3 nicht mehr, seit Audi mit dem 3,83 m langen A2 nun
auch in der Kleinwagenklasse Premium-Ansprüche befriedigen will. Ein Zugpferd ist der
kompakte A3 aber allemal, wie die Zulassungszahlen eindrucksvoll belegen. Als
Premium-Kompakter zielt er auf die Klientel, denen ein Golf zu sehr Volkswagen ist.

Im vierten Jahr seiner Laufzeit hat Audi
ihn mit einem Facelift fit gemacht für die gewachsenen Ansprüche des Marktes.
Äußerlich ist nicht viel davon zu sehen: Klarglas-Scheinwerfer mit Ellipsoid-Technik und
modifizierte Heckleuchten fallen schon auf, dezente Retuschen an Kühlergrill und Spoiler
sowie und eine leicht veränderte Kontur der Heckklappe sind so zurückhaltend geraten,
dass sie auch auf den zweiten Blick nicht unbedingt bemerkt werden.
Unterm Blechkleid hat sich mehr getan:
Änderungen, die der Sicherheit, Wirtschaftlichkeit sowie Komfort und Qualitätsanmutung
zugute kommen. Wir fuhren einen A3 Attraction in Lichtsilber metallic mit einem
überarbeiteten 1,6-Liter-Ottomotor, der nun über 102 PS verfügt.

Das Interieur hinterlässt schon beim
Einstieg einen guten Eindruck, die verwendeten Materialien wirken hochwertig. Die raue
Oberfläche der schwarzen Cockpit-Verkleidung sieht zwar gut aus, zieht aber leicht Flusen
und Staub an. Eine Bürste zum Reinigen der Kunststoff-Oberflächen ist da als ständiger
Begleiter zu empfehlen. Die schwarzen Stoffsitzbezüge im Design "Solo" sind
angenehm und strapazierfähig, auch die Veloursfußmatten sind unempfindlich und leicht zu
reinigen. Das Vier-Speichen-Lenkrad und der Schaltknauf sind lederummantelt, die
Schaltknaufmanschette ist ebenfalls aus Leder.
Ablagefächer in ausreichender Zahl und
Größe: in den Türen, links unter dem Lenkrad, in der Mittelkonsole, eine Ablage
darunter, Handschuhfach, eine Rinne darunter sowie diverse Fächer auf dem Mitteltunnel
bieten reichlich Platz. Leselampen hinten, beleuchtete Spiegel in den Sonnenblenden, ein
Navigationssystem, Klimaautomatik und Sitzheizung vorne runden die Ausstattung unseres
Testwagens ab.
Ausreichend Platz haben in dem 4,15 m
langen Kompakten fünf Personen. Nur leidet naturgemäß bei sehr groß gewachsenen
Frontpassagieren die Kniefreiheit der Rückbänkler ein wenig. Normal Gewachsene sitzen
gut und geräumig, vorne auf konturierten Sportsitzen, die guten Seitenhalt bieten. Auf
den Rücksitzen ist der Seitenhalt auf den äußeren Sitzen gerade noch befriedigend.
Kopfstützen und Drei-Punkt-Sicherheitsgurte stehen für alle drei Mitfahrer auf der
Rückbank zur Verfügung.
Das Armaturenbrett ist übersichtlich
gestaltet: Anzeigen und Schalter sind in Blick- und Griffweite und genau dort platziert,
wo sie hingehören.

Der Laderaum ist mit 350 Litern kein
Klassenprimus, aber ausreichend und dank der fast rechtwinkligen Seiten gut nutzbar. Dank
der breiten Radkästen verfügt der A3 nur über eine Ladebreite von einem knappen Meter,
aber die Ladetiefe lässt sich durch Umklappen der Rücksitzlehne auf 1,50 m verlängern.
Wenn man die Rücksitze hochklappt, bevor die Lehne umgelegt wird, entsteht eine ebene
Ladefläche. Rückbank und lehne sind asymmetrisch geteilt, und zwar mit der breiten
Seite links, was das Durchladen auch von breiten Gegenständen bis vorn zum Armaturenbrett
ermöglicht, ohne dass man auf einen Mitfahrer verzichten muss, der nach der Fahrt beim
Tragen hilft. Lediglich die Ladekante von 73 cm mit einer Stufe von 23 cm dahinter ist
alles andere als ladefreundlich.
Mit seinen 1,6 Litern Hubraum wird der A3
nicht zum Renner: Von 0 auf Tempo 100 in 10,9 Sekunden, das können andere besser. Als
Einstiegsmotorisierung jedoch ist dieser Motor für den 1,1 t schweren Kompakten ideal.
Akzeptabel ist der Antritt, für ein flottes Lossprinten hat die Kupplung zu viel Spiel.
Durchzugskräftig zieht der auch bei niedrigen Touren, lässt sich schön schaltfaul
fahren und ist alles in allem ein recht unauffälliger Arbeiter im Hintergrund. Die
Fünfgang-Schaltung ist präzise und zielgenau, allerdings sind die Schaltwege recht lang.

189 km/h markieren seine
Höchstgeschwindigkeit. Dank seines guten Durchzuges ist er für recht zügige
Überholmanöver auch auf der Autobahn gut. Er ist kein Renner, dafür aber sparsam. Mit
6,8 Litern Superbenzin kann man ihn im gemischten Zyklus nach EU-Norm fahren, 9,6 Liter
braucht er innerorts, mit 5,3 Litern begnügt er sich außerorts auf Landstraßen und mit
gemäßigtem Autobahntempo (alles Herstellerangaben). Darüber hinaus erfüllt der
überarbeitete 1,6-Liter-Motor nun die D4-Abgasnorm.

Die Lenkung lässt keine Wünsche offen,
leichtgängig und zielgenau folgt der Wagen den Lenkbefehlen des Fahrers. Dabei spielt er
seine kompakten Maßen aus, ist wendig und vermittelt guten Fahrbahnkontakt.
Spielerisch meistert der Fronttriebler
nicht nur schnelle Kurven, sondern auch plötzliche Spurwechsel und Ausweichmanöver.
Problemlos bleibt er auf der Straße, in zu schnellen Kurven untersteuert er ganz leicht,
das (serienmäßige) ESP greift erst spät, hat aber auch vorher beim besten Willen nichts
zu tun.
Der Federungskomfort ist gut, ohne
Abstriche an die Sicherheit in Form von kritischen Karosseriebewegungen zu machen. Die
Bremsanlage (Scheibenbremsen rundum, vorne innenbelüftet) mit Anti-Blockier-System ABS
und elektronischer Bremskraftverteilung EBV bringt den Wagen nach einem kräftigen Tritt
aufs Pedal fix und sauber zum Stehen. Minuspunkte bekommt allerdings das lange Pedalspiel,
welches den Fahrer hindert, die Bremskraft der Situation angemessen zu dosieren.
Vorbildlich ist die
Sicherheitsausstattung des A3: Servolenkung mit Sicherheitslenksäule, ESP mit ABS und
EBV, Seitenaufprallschutz, Front- und Seitenairbags für Fahrer und Beifahrer sowie als
Option ein Kopfairbagsystem für die Außenpassagiere. Dritte Kopfstütze und dritter
Drei-Punkt-Gurt ist nur gegen Aufpreis zu haben, Isofix-Kindersitzsicherungen sind hinten
für Außenplätze Serie. Serienmäßige Ausstiegsleuchten an allen vier Türen
erleichtern den sicheren Ausstieg im Dunkeln. Die Diebstahlwarnanlage gibt es als
Sonderausstattung.

Ein Premium-Auto kostet auch
Premium-Geld: Ab 34.716 Mark steht er in der Preisliste, preislich ist er damit noch über
dem Bora angesiedelt. Der 1.6 stellt die Basismotorisierung dar, Attraction ist die
Grundausstattung.
Die Aufpreisliste ist lang:
Metallic-Lackierung (821 Mark), fünf Türen (1.702), dritte Kopfstütze mit
Drei-Punkt-Gurt hinten (156), Sideguard-Kopfairbags (753), Deaktivierung für
Beifahrerairbag (156), Klimaautomatik (2.601), Sitzheizung vorn (616), Beleuchtung für
die Spiegel in den Sonnenblenden (127), Navigationssystem inkl. Fahrerinformationssystem
FIS (Check-Control und Bord-Computer, 2.895), Nebelscheinwerfer (274), Radioanlage concert
mit CD-Wechsler (2.063) sowie eine Diebstahlwarnanlage (479). Damit addiert sich unser
Testwagen auf über 47.000 Mark ein stolzer Preis für das Einsteiger-Modell der
Premium-Kompakten, auch wenn es sonst mit fast allen Annehmlichkeiten des Autofahrerlebens
ausgestattet ist.
So gar keine Punkte sammelt der A3 damit
im Kostenkapitel. Neben dem hohen Preis schlagen auch andere Kosten negativ zu Buche: Die
Versicherungseinstufungen liegen mit 14 / 16 / 20 (KH / VK / TK) über der deutschen
Konkurrenz. Günstig sind hingegen die langen Serviceintervalle, die sich in Abhängigkeit
von Fahrweise und Fahrzeugeinsatz nach der Service-Intervall-Anzeige richten und nach bis
zu 30.000 km oder nach spätestens 2 Jahren fällig werden. Als Kostenplus gilt auch der
überarbeitete Motor, der die D4-Abgasnorm erfüllt und damit befristet steuerlich
gefördert wird.
Audi gibt ein Jahr Gewährleistung auf
den Wagen sowie alle beim Audi-Partner eingebauten Original-Ersatzteile sowie drei Jahre
auf den Lack, eine 12-Jahres-Garantie für die Karosserie und eine
LongLife-Mobilitätsgarantie beim Einhalten der Wartungsintervalle. |