Kia-Offensive: Mit „Green Car Roadmap“ zu mehr umweltfreundlichen alternativen Antrieben

Investitionen in Forschung & Entwicklung innovativer Techniken zahlen sich aus
Von Petra Grünendahl

Kia Niro Hybrid. Foto: Petra Grünendahl.

Kia Niro Hybrid. Foto: Petra Grünendahl.

Kia Niro Hybrid. Foto: Petra Grünendahl.

Der südkoreanische Automobilhersteller Kia will sich bis ins Jahr 2020 als einer der weltweit führenden Anbieter emissionsarmer Fahrzeuge positionieren. Nachdem man schon seit Jahren für seine neuen Automodelle Designpreise noch und nöcher absahnt, will man nun auch seine technischen Innovationen deutlicher in die Öffentlichkeit rücken. Motoren und Getriebe entwickeln und produzieren Kia und Konzernmutter Hyundai in Eigenregie. Auch die Fertigungstiefe in der Produktion geht weit über das heutzutage übliche Maß hinaus. Wo „Kia“ drauf steht, ist sehr viel Kia drin.

Im Hyundai Motor Europe Technical Center (HMETC) in Rüsselsheim, in dem die südkoreanischen Automobilhersteller Hyundai und Kia Motoren und Getriebe für den europäischen Markt entwickeln, stellte Kia seine aktuelle Angebotsvielfalt an alternativen Antrieben vor: Vom Hybrid (HEV) über den Plug-in Hybrid (PHEV) bis zum Elektroauto (EV) reicht das Angebot schon heute. Der im Herbst 2015 vorgestellte Fünfjahresplan „Green Car Roadmap“ trug bislang mit dem Niro Hybrid und den Plug-in Hybriden in Optima und Optima Sportswagon erste Früchte. Bis 2020 soll die Modellpalette von Kia anwachsen auf 14 Eco-Mobile mit Hybrid, Plug-in Hybrid und Elektroantrieb – darunter wird eine Brennstoffzelle (FCEV Fuel Cell Electric Vehicle) die Palette abrunden, die ihren Strom aus Wasserstoff selbst produziert. Insgesamt plant die Hyundai Motor Group, der Mutterkonzern von Kia Motors, für den Zeitraum von 2015 bis 2020 Investitionen von umgerechnet ca. 8,5 Mrd. Euro (11,3 Billionen Won) für die Entwicklung umweltfreundlicher Modelle und die Errichtung neuer Anlagen, die dafür erforderlich sind.

Die alternativen Antriebsvarianten

Kia Soul EV. Foto: Petra Grünendahl.

Kia Soul EV. Foto: Petra Grünendahl.

Kia Soul EV. Foto: Petra Grünendahl.

Kia Soul EV. Foto: Petra Grünendahl.

Sein Elektroauto Soul EV brachte Kia Ende 2014 auf den Markt. Der 110 PS starke Elektromotor wird angetrieben von einer Lithium-Ionen-Polymer-Batterie. Seit Juni 2017 wird die Elektrovariante des kultig-kantigen Crossover-Modells Soul mit einer leistungsstärkeren 375-V-Batterie (80 Ah) angeboten (30 statt 27 kWh), die die Reichweite auf bis zu 250 Kilometer steigert (plus 18 Prozent, bisher 212 km). Zugleich hat sich der Stromverbrauch leicht reduziert (14,3 statt 14,7 kWh pro 100 km). Zu den weiteren Neuerungen gehören rollwiderstandsoptimierte Michelin-Reifen. Die Ladedauer liegt zwischen 33 Minuten an einer Schnellladestation (bei 80 Prozent Aufladung) und ca. 20 Stunden an einer Haushaltssteckdose (100 Prozent Aufladung).

Für einen Elektromotor typisch ist sein bulliges Drehmoment von 285 Newtonmetern im Drehzahlbereich zwischen 0 und 2.730 Touren. Das lässt den Soul spritzig angehen. Die Leistungsentfaltung ist für die Motorleistung, die ein Reduktionsgetriebe über die Vorderräder in Vortrieb umsetzt, mehr als angemessen. Die Beschleunigung aus dem Stand auf Tempo 100 realisiert der Soul EV in 11,3 Sekunden, seine Höchstgeschwindigkeit erreicht er bei 145 km/h. Der hochentwickelte Stromer ist dabei als vollwertiges und alltagstaugliches Kraftfahrzeug ausgelegt, welches auf 4,14 Meter Karosserielänge ordentliche Platzverhältnisse und Laderaumkapazitäten zwischen 281 und 891 Litern (fensterhoch bei ungeklappter Rückbanklehne) bietet. Die Alltagstauglichkeit setzt natürlich die entsprechenden Lademöglichkeiten – beim Einfamilienhaus vor der Haustür, tagsüber auf der Arbeit oder mit einer Schnellladestation in erreichbarer Nähe – voraus. „Unseren Qualitätsanspruch unterstreichen wir mit der 7-Jahre-Kia-Herstellergarantie, die selbstverständlich auch für alle Antriebsbatterien unserer Modelle gilt“, sagt Steffen Cost, Geschäftsführer von Kia Motors Deutschland.

Kia Niro Hybrid. Foto: Petra Grünendahl.

Die alltagstauglichste Variante eines alternativen Antriebs ist wohl der Hybrid-Antrieb, der keinerlei Kompromisse in der Nutzung erfordert: Der 1,6-Liter-Benzidirekteinspritzer-Verbrennungsmotor (GDI) im Kia Niro speist über einen Generator die 240-V-Batterie (6,5 Ah), getankt wird ganz normaler Superkraftstoff. Eine Steckdose für die (externe) Stromaufladung gibt es nicht. Der 105 PS starke Verbrenner liefert zusammen mit dem batteriegetriebenen 43,5 PS starken Elektromotor 141 PS Systemleistung. Der 4,36 Meter lange Crossover fasst zwischen 436 und1.434 Liter Ladung im Gepäckabteil. Den Kia Niro Hybrid konnten wir auf einer früheren Ausfahrt bereits testen: http://www.auto-redaktion.de/2016/11/kia-niro-hybrid-id5617690.

Plug-in Hybrid im Kia Optima Sportswagon. Foto: Petra Grünendahl.

Kia Optima Sportswagon Plug-in Hybrid . Foto: Petra Grünendahl.

Kia Optima Plug-in Hybrid . Foto: Petra Grünendahl.

Kia Optima Sportswagon Plug-in Hybrid . Foto: Petra Grünendahl.

Kia Optima Sportswagon Plug-in Hybrid . Foto: Petra Grünendahl.

Schon seit Herbst 2016 gibt es den Optima mit Plug-in-Hybrid, seit Juli ist dieser Antrieb auch für den Optima Sportswagon verfügbar: Der 205 PS starke Mittelklasse-Kombi hat eine rein elektrische Reichweite von 62 Kilometern – ein Spitzenwert unter den Plug-in-Hybriden im D-Segment – und verbraucht durchschnittlich 1,4 Liter Kraftstoff pro 100 Kilometer (die Limousine verfügt immerhin über 54 km E-Reichweite und verbraucht 1,6 Liter Kraftstoff je 100 Kilometer). Das 4,86 Meter lange Kombi-Modell mache fast 90 Prozent des Optima-Absatzes aus, so Steffen Cost. Durch die platzsparende Integration der 360-V-Batterie (Limousine: 27,2 Ah, Kombi 31,3 Ah) verfügen die Plug-in-Versionen des Optima über einen vergleichsweise großzügigen Gepäckraum (Kombi: 440 bis 1.574 Liter, Limousine: 307 Liter). Zum Stromtanken bietet der Plug-in Hybrid einen Typ-2-Ladeanschluss, einen europäischen Standardstecker, der in Deutschland bei Ladestationen am weitesten verbreitet ist.

Das Parallelhybridsystem des Optima Plug-in Hybrid beinhaltet einen 2,0-Liter-Benzindirekteinspritzer (156 PS), ein Sechsstufen-Automatikgetriebe, einen an das Getriebe gekoppelten Elektromotor (68 PS) und eine kompakte, im Gepäckraumboden platzierte Lithium-Ionen-Polymer-Batterie. Sie hat beim Kombi eine Kapazität von 11,3 Kilowattstunden (Limousine: 9,8 kWh) – nach Aussage von Kia Bestwert bei Kombis und Limousinen im Hybridsegment der Mittelklasse. Der Plug-in Hybrid hat eine Gesamtsystemleistung von 205 PS: Der Elektromotor dient neben seiner Antriebsfunktion auch als Generator dem Laden der Batterie während der Fahrt. Beide Karosserievarianten des Optima Plug-in Hybrid sind im reinen Elektrobetrieb bis zu 120 Stundenkilometer schnell. Der leistungsstarke Elektroantrieb trägt auch maßgeblich zum hohen Drehmoment von 375 Newtonmetern des Hybridsystems bei, die ihn fast spritzig wirken lassen: Für den Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 reichen 9,4 Sekunden (Limousine, der Kombi braucht 9,7 Sekunden), auch weil dann der Verbrennungsmotor unterstützt – und das bei zwischen 1,8 und bis zu 1,9 Tonnen Leergewicht. Beide Karosserievarianten schaffen eine Höchstgeschwindigkeit von 192 km/h.

Den Kia Optima Sportswagen konnten wir als 1.7 CRDi bereits einem ausgiebigeren Test unterziehen: http://www.auto-redaktion.de/2017/05/kia-optima-sportswagon-id3617931.

Fast 20-jährige Erfahrung in der Brennstoffzellen-Technologie

Kia stellte seine alternativen Antriebe im Hyundai Motor Europe Technical Center (HMETC) in Rüsselsheim vor. Foto: Petra Grünendahl.

Kia stellte seine alternativen Antriebe im Hyundai Motor Europe Technical Center (HMETC) in Rüsselsheim vor. Foto: Petra Grünendahl.

Im Bereich der Brennstoffzellentechnologie startete Kia seine Forschung und Entwicklung bereits 1998. Das Ergebnis war seinerzeit die Kleinserienproduktion des SUVs Kia Mohave FCEV, der mit einer Tankfüllung bereits bis zu 690 Kilometer zurücklegen konnte. Das Brennstoffzellenfahrzeug (FCEV), das 2020 auf den Markt kommen soll, wird die Brennstoffzellen-Technologie der jüngsten Generation an Bord haben. Die Brennstoffzellen-Einheit, der so genannte Stack (engl. für „Stapel“) soll laut Kia-Entwicklungsteam nur etwa die Größe eines 2-Liter-Verbrennungsmotors haben, über eine hohe Leistungsdichte verfügen und sich durch eine lange Lebensdauer auszeichnen. Kia rechnet damit, dass das FCEV-Modell mit einer Tankfüllung über 800 Kilometer weit fahren kann und eine Höchstgeschwindigkeit von rund 170 Kilometer pro Stunde erreicht.

© 2017 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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