Kia Picanto 3

Fahrvorstellung.
Kia Picanto: Die dritte Generation

Mit geschärften Profil auf Kurvenhatz
Von Petra Grünendahl

Kia Picanto III 1.2 GT Line. Foto: Petra Grünendahl.

Der kleine Koreaner ist gewachsen: Mehr Radstand, mehr Bein- und Kopffreiheit für die Passagiere sowie mehr Laderaum – und das alles bei gleicher Länge. Dennoch wirkt er stämmiger. Der Vorgänger von 2011 hatte mehrere Designpreise erhalten. Auch die jüngsten „Neuen“ in Kias Modellpalette räumten mittlerweile mehrfach Preise ab. Mit seiner etwas geschärften Optik dürfte das neue Modell dem kaum nachstehen. Der breitere Kühlergrill findet seine Fortführung in den Scheinwerfereinheiten. Der Neue wirkt markanter, selbstbewusster. Das gilt besonders für die sportlichen Top-Versionen der GT Line, die wir mit dem 1,2-Liter-Motor in einer ausgiebigen Bergtour erfahren durften. Eine kürzere Tour mit dem „kleinen“ 1.0er rundete den ersten Eindruck des neuen Picanto ab.

Kia Picanto III 1.2 GT Line. Foto: Petra Grünendahl.

Gerade ist die dritte Generation des Kia Picanto in den Handel gekommen. Wie auch die ersten beiden Generationen (2004 und 2011) ist der Picanto der Einstieg in die Modellpalette. Kia bietet den Picanto in der Basisversion „Attract“ mit Einliter-Motor zu einem Kampfpreis ab 9.990 Euro an: In der dennoch reichhaltigen Serienausstattung fehlt lediglich die Klimaanlage. „Gerade das A-Segment ist sehr preissensibel“, erklärte Steffen Cost, Geschäftsführer (COO) von Kia Deutschland, bei der Vorstellung des neuen koreanischen Kleinstwagens in der spanischen Provinz Barcelona. „Der Käufer will nicht in jedem Segment alles in der Serienausstattung haben.“ Spartanisch ist er dennoch nicht – nicht einmal in der Basisversion. Allerdings kann man auch in den kleinen Kia gegen Aufpreis weitere Annehmlichkeiten des Autofahrerlebens hineinpacken.

Fahrzeug und Ausstattung

Kia Picanto III 1.2 GT Line. Foto: Petra Grünendahl.

Den 3,60 Meter langen Kleinstwagen bietet Kia in der dritten Generation nur noch als Fünftürer an, der guten Zugang zu beiden Sitzreihen ebenso wie zum Laderaum bietet. Die Übersicht geht über die Karosserie in Ordnung, optionale Parksensoren hinten bzw. eine Rückfahrkamera verbessern den „Rückblick“. Das Platzangebot geht in beiden Reihen voll in Ordnung, mit drei Personen sitzt man hinten allerdings sehr auf Tuchfühlung. Sportlich konturierte Vordersitze – in unserer „GT Line“-Variante in zweifarbiger Ledernachbildung – bieten exzellenten Seitenhalt. Der Laderaum ist im Vergleich zum Vorgänger gewachsen auf 255 Liter Volumen (plus 55 Liter). Unter einem herausnehmbaren Zwischenboden (Serie ab „Edition 7“) verbirgt sich ein Ablagefach von 14,5 Zentimeter Höhe. Für größere Ladung lässt sich die serienmäßig asymmetrisch geteilte Rücksitzlehne umklappen, wodurch eine ebene Ladefläche mit einem Fassungsvermögen von bis zu 1.010 Liter (bislang 870 Liter) bei dachhoher Beladung ergibt. Der Innenraum wirkt hochwertig. Materialqualität und Verarbeitung sind tadellos. Das Armaturenbrett ist übersichtlich gestaltet und gibt keinerlei Rätsel auf: Das erleichtert die Handhabung und Bedienung.

Kia Picanto III 1.2 GT Line. Foto: Petra Grünendahl.

Ab der Basisversion „Attract“ kommt der Picanto serienmäßig Zentralverriegelung, von innen einstellbaren Außenspiegeln, RDS-Radio (mit mp3-Funktion, USB- und AUX-Anschluss), Bordcomputer, Lichtautomatik, Tagfahrlicht und 14-Zoll-Stahlfelgen. Das Lenkrad ist höhenverstellbar, beide Sonnenblenden sind mit Spiegeln bestückt. Die manuelle Klimaanlage ist hier gegen Aufpreis verfügbar. In der nächsten Ausstattungslinie „Edition 7“ ist sie ebenso serienmäßig vorhanden wie eine funkfernbediente Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber vorn, Gepäcknetz-Verzurrösen im Laderaum, der herausnehmbare Gepäckraumzwischenboden, Multifunktionslenkrad und Wärmeschutzverglasung rundum. Der Fahrersitz ist nun ebenfalls höhenverstellbar. Auf dieser „Edition 7“-Linie bauen alle weiteren Ausstattungsvarianten auf: Die luxuriöse Top-Ausstattung „Spirit“, die sportliche Top-Ausstattung „GT Line“ und das Sondermodell „Dream-Team Edition“.

Kia Picanto III 1.2 GT Line. Foto: Petra Grünendahl.

Bei unserem „GT Line“ sind ab Werk unter anderem elektrisch einstellbare, beheizbare und anklappbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber hinten, Lederlenkrad und -schaltknauf, ein beheizbares Lenkrad, Sitzheizung vorn, Alu-Sportpedale, Bluetooth-Freisprecheinrichtung, Nebelscheinwerfer, LED-Tagfahrlicht und LED-Rückleuchten, Privacy Glass ab der B-Säule sowie 16-Zoll-Leichtmetallräder mit an Bord. Sportstoßfänger vorne und hinten mit Diffusor-Optik und Doppelrohrauspuff sowie Farbakzente in Rot, Silber oder Schwarz (in Abhängigkeit von der Wagenfarbe) verraten das sportliche Modell schon von außen. Gegen Aufpreis gibt es verschiedene Ausstattungspakete wie das Kia-Navigationssystem mit 7-Zoll-Touchscreen und Rückfahrkamera oder das Technologie-Paket mit Smart Key, einem schlüssellosen Zugangs- und Startsystem, Klimaautomatik, Parksensoren hinten, Geschwindigkeitsregelanlage und Geschwindigkeitsbegrenzer.

Motor und Antrieb
Zwei Motoren hat Kia für den Picanto zum Marktstart parat: zwei Ottomotoren mit 1,0 und 1,2 Litern Hubraum mit 67 bzw. 84 PS. Die Motoren sind aus dem Vorgänger bekannt, wurden aber für die neue Generation für eine gesteigerte Effizienz und höhere Fahrleistungen überarbeitet. Ein 1,0-Liter-Turbo-Benzindirekteinspritzer mit 100 PS soll im Herbst folgen.

Kia Picanto III 1.2 GT Line. Foto: Petra Grünendahl.

Der Reihenvierzylinder mit 1,2 Litern Hubraum und 84 PS hängt gut am Gas, dreht freudig hoch und entpuppt sich auf ebener Strecke als munterer Antrieb mit sehr befriedigenden Fahrleistungen. Ordentlich im Antritt mit einem sehr akzeptablen Durchzugsvermögen und einer guten Leistungsentfaltung. Ruhig und vibrationsarm trägt es zu einem niedrigen Geräuschpegel bei. Dass der 1.2er auf den Bergstrecken an Steigungen Schwächen zeigt: Geschenk! Zumal unser Modell in der „GT Line“-Ausstattung gewichtsmäßig an das maximale Leergewicht von 1.051 Kilogramm (inklusive Fahrer) heranreicht – und beim Fahren zu zweit der Beifahrer auch noch ein paar Kilogramm zusätzlich mitbringt. Für den Wunsch nach etwas mehr Druck beim Vortrieb den Berg hoch gibt es einen guten Grund, aber dazu später. Wer runter schaltet und die Anstiege im dritten oder bei besonders steilen Stücken im zweiten Gang in Angriff nimmt, ist zügig unterwegs, allerdings um den Preis des entsprechenden Mehrverbrauchs. Besonders der 1.2er braucht aber Drehzahl, um sein Drehmomentmaximum zu erreichen (122 Newtonmeter bei 4.000 U/min.). Zudem: eine solche Bergtour dürfte eher selten im Revier üblicher Kleinstwagen-Touren liegen.

Kia Picanto III 1.2 GT Line. Foto: Petra Grünendahl.

Drehfreudig und munter hängt auch der kleine Einliter-Ottomotor am Gas. Auf ebener Strecke ist kaum zu beanstanden: Flott im Antritt, mit einer ausreichenden Leistungsentfaltung über das relevante Drehzahlband kann er ebenso punkten wie mit einer Laufkultur, die nicht wirklich den Dreizylinder-Motor verrät. Sein Drehmomentmaximum von etwas bescheideneren 96 Newtonmetern liegt schon bei 3.500 U/min. an. Auch die Geräuschdämmung sowohl zum Motorraum als auch an der Karosserie lässt nur einen niedrigen Geräuschpegel zu: Für einen Kleinstwagen erstaunlich gut.

Uns standen beide Fahrzeuge mit dem manuellen Fünfgang-Schaltgetriebe zur Verfügung: Leicht und präzise geht es zu schalten. Die knackige Schaltung macht Spaß, insbesondere wenn man sie auf Bergtouren häufiger braucht, damit man auch an den Steigungen zügig voran kommt. Gegen Aufpreis in der „Edition 7“ sowie serienmäßig in den Linien darüber verfügt der Picanto über EcoDynamics, das unter anderem über ein Start-Stopp-System ISG für Schaltgetriebe verfügt. Das Energie-Regenerationssystem (Alternator Management System AMS), welches gibt es in allen Varianten serienmäßig gibt, lädt mit der beim Gaswegnehmen oder Bremsen gewonnenen Energie die Fahrzeugbatterie auf. Eine Schaltpunktanzeige weist bei den Schaltgetriebe-Varianten den Weg zu möglichst wirtschaftlicher Fahrweise.

Kia Picanto III 1.2 GT Line. Foto: Petra Grünendahl.

Unser „GT Line“-Modell beschleunigt aus dem Stand auf Tempo 100 in 12 Sekunden (1.0er: 14,3 Sekunden), bei 173 km/h erreicht er seine Höchstgeschwindigkeit (1.0er 161 km/h). Der Verbrauch des 1.2ers mit ISG liebt bei 5,8 Litern Superbenzin je 100 Kilometer im Stadtverkehr, 3,7 Liter außerorts und 4,5 Liter im gemischten Verbrauch nach EU-Norm (alles Herstellerangaben, ermittelt unter Idealbedingungen auf dem Rollenprüfstand). Der Motor erfüllt die Abgasnorm Euro 6, der CO2-Ausstoß beträgt 104 g pro km. In der Relation von Größe/Gewicht zum Verbrauch reicht das für die Effizienzklasse C. Der Einliter-Dreizylinder schafft mit ISG 5,3 Litern innerorts, 3,6 Litern außerorts bzw. 4,2 Liter im Norm-Schnitt und damit die Effizienzklasse B (mit 97 g/km).

Fahrwerk, Handling und Sicherheit

Kia Picanto III 1.2 GT Line. Foto: Petra Grünendahl.

Der Fronttriebler verfügt über einen guten Geradeauslauf und eine stabile Straßenlage. Die elektronisch unterstützte Servolenkung spricht gut an: Zielgenau folgt Kleinstwagen den Anweisungen des Fahrers. Wendig ist er, und handlich: Ideal für die Stadt. Die Feder-Dämpfer-Abstimmung ist eine ausgewogene Mischung aus Fahrkomfort und der nötigen Kurvenstabilität. Bei Einliter-Dreizylinder wirkt das Fahrwerk mit den 175-65er Reifen etwas komfortabler, beim „GT Line“ mit den Breitreifen ist es etwas straffer. Der niedrige Reifenquerschnitt nimmt ein wenig Komfort zugunsten einer strafferen satten Straßenlage.

Für die Bergtour (Küstengebirge) wählten wir den 1.2er mit seinem Breitreifen, der die kurvigen Serpentinen fast wie auf Schienen meistert. Solide und spurtreu zirkelt er auch durch engste Kurven. Ein Schieben über die Vorderräder (Untersteuern) war auch in flotter gefahrenen Biegungen kaum zu spüren. Mit einem vermutlich etwas unanständigen Verbrauch erkauften wir uns jede Menge Fahrspaß. Da hätten wir schon gerne noch eine Runde dran gehängt. Obwohl ja ein Kleinstwagen eher etwas für die Vernunft und Kraftstoffökonomie ist: Die Bergtour hatte schon was!

Serienmäßig steht der Picanto auf 14-Zoll-Rädern mit einer 175/65er Bereifung. Unsere sportliche Top-Version ist mit Breitreifen im Format 195/45 auf 16-Zöllern bestückt. Eine Bremsanlage mit ordentlich Scheibenbremsen rundum (vorne innenbelüftet) verzögert den Picanto prompt und sicher. In den unteren Ausstattungsvarianten „Attract“ und „Edition 7“ kommen an der Hinterachse Trommelbremsen zum Einsatz.

Kia Picanto III 1.2 GT Line. Foto: Petra Grünendahl.

Mit einem höheren Anteil an ultrahochfesten Stählen (doppelt so viel wie beim Vorgänger) verstärkten und versteiften die Kia-Entwickler die Karosserie und senkten gleichzeitig ihr Gewicht um 23 Kilogramm. Die höhere Verwindungssteifigkeit sorgt für ein stabileres Fahrverhalten. Die Verstärkungen der Karosserie an der Kernstruktur – unter anderem in Bodengruppe, Dachholmen, Motorraum, A- und B-Säulen – erhöhen den Insassenschutz. Im Innenraum dienen der passiven Sicherheit darüber hinaus Drei-Punkt-Gurte und höhenverstellbare Kopfstützen auf allen Sitzplätzen, Front- und Seitenairbags vorne, Vorhangairbags für vorne und hinten, ein Knieairbag für den Fahrer sowie zwei Isofix-Kindersitzhalterungen auf der Rückbank.

Der neue Picanto ist bislang noch keinem Crashtest nach EuroNCAP unterzogen worden. Das Bewertungssystem berücksichtigt neben Insassen- und Kindersicherheit sowie Fußgängerschutz auch die serienmäßige Sicherheitsausstattung des Fahrzeugs mit Fahrassistenzsystemen. Serienmäßig ist hier alles vorhanden, was heutzutage Standard ist: ABS mit Elektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistent, ESP (heißt hier ESC) mit Traktionskontrolle (TCS), Drehmomentverteilung (Torque Vectoring by Braking TVBB) und Bremsstabilisierung im Geradeauslauf (Straigth-Line Stability SLS), eine Berganfahrhilfe (HAC) und eine Gegenlenkunterstützung (Vehicle Stability Management VSM). Im Laufe der Jahre seit Einführung der aktuellen Regelung hat sich allerdings die Messlatte zum Erreichen der Höchstwertung immer wieder erhöht: So gelten seit 2016 höhere Anforderungen im Bereich Aufprallschutz und ergänzende Anforderungen bei der umfassenden Ausstattung mit praxisgerechter Unfallvermeidungstechnologie. Ein autonomer Notbremsassistent ist im Advanced-Driving-Assist-Paket in allen Ausstattungslinien gegen Aufpreis zu haben. Bei einer Gefahr der Frontalkollision warnt das System den Fahrer und leitet, falls keine Reaktion erfolgt, eigenständig eine Notbremsung ein. Serienmäßig sind ein Reifendruckkontrollsystem sowie ein Reifen-Reparaturset vorhanden, ein Reserve- oder Notrad ist nicht an Bord.

Kosten und Wirtschaftlichkeit

Kia Picanto III 1.2 GT Line. Foto: Petra Grünendahl.

Ab 9.990 Euro steht der Kia Picanto in den Preislisten der Händler, in der Basisausstattung „Attract“ mit dem 67 PS starken Einliter-Motor. Die nächste Variante, „Edition 7“, kostet ab 11.490 Euro mit dem Einliter-Motor sowie ab 11.890 Euro mit den 84 PS starken 1,2-Liter-Motor. In der sportlichen Top-Ausstattung GT Line schlägt der Picanto 1.2 mit Preisen ab 14.990 Euro zu Buche. Aufpreis kosten Metallic-Lackierungen, lediglich die Uni-Lackierung Schneeweiß ist ohne Mehrkosten zu haben. Als Sonderausstattung sind neben der manuellen Klimaanlage für die Basisausstattung verschiedene Pakete für höhere Ausstattungslinien verfügbar.

Wie für die ganze Modellpalette gibt Kia auch für den Picanto eine siebenjährige Neuwagengarantie (bis 150.000 Kilometer Laufleistung, die ersten drei Jahre ohne Kilometerbegrenzung) inklusive Mobilitätsgarantie. Dazu kommen zwölf Jahre Garantie auf die Karosserie gegen Durchrostung (ohne Kilometerbegrenzung) sowie fünf Jahre Lackgarantie (bis 150.000 Kilometer). Wer über ein werksseitig installiertes Kartennavigationssystem verfügt, erhält über sieben Jahre Navigationskarten-Updates. Die Garantien sind an das Fahrzeug gebunden und damit auf einen neuen Halter übertragbar. Zum Service (Inspektion und Ölwechsel) muss der Picanto alle 15.000 Kilometer oder einmal im Jahr. Die Versicherungen stufen das Modell in die Typklassen 15 / 16 / 17 (KH / VK / TK) ein.

© April 2017 Petra Grünendahl, Auto-Redaktion ISSN 2198-5014 Impressum
Fotos: Petra Grünendahl

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